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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 17. (1904) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 17. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Diese ursprünglich aus dem Heidentum stam- Beende, später christianisierte Sitte drang auch in jüdische Kreise, wo sie willige Aufnahme fand, einer• seits weil nach der Zerstörung Jerusalems ein asketischer Geist um sieh griff, andererseits weil sie der Sittenstrenge der jüdischen Frauen kongenial erschien — es Wollten diese an Züchtigkeit den nichtjüdischen Frauen nicht nachstehen. So kam es, daß während früher der reiehe Kopfputs das Weib schmücken sollte8), das Verhüllen des Hauptes bald als religöse Norm hingeetellt wurde, die endlich in konsequenter Art sum Absehneiden des Haares führte7). Etwas aus der ״Zukunft“. Die Hardensehe-״Zukunft“ behandelt hin und wieder auch wissenschaftliche Fragen in einer .unter den Strich“ der Tagesseitungen gehörenden Sprache. So lesen wir in No. 39 Gumplowicss Aeußerungen über MüHers «Die Gesetze Hammurabis etc.“ (Wien,!903, Hölder). Merkwürdig genug, daß er den Hauptgedanken Müllers, Moses und Hammurabi hätten aus einem ״Urgesetz“ geschöpft, wenn auch höchst ungern, e. T. sagibt Woher er den Eindruck empfangen hat, daß damit die Ursprünglichkeit des Hammurabi bekämpft und die Bibel .gerettet“ werden solle, das weiß ich nicht. Das muß er erst dartun. Wer aber mit soviel abspreche&den Schersen über die gesamte diesbezüglich? Tätigkeit der ״Sosiologen, Theologen, Historiker, Juristen“ einen Aufsatz beginnt, der müßte nicht geswungen sein, die Hauptansicht des gerade besprochenen Werks, mit welchen unbewiesenen Einschränkungen auch immer, als möglich zumigeben. Für eine so eingewiekelte Zu- Stimmung würde ich danken. Das ist ein Bileamssegen. *) B. k. 119a; vgL Ber. 61a: Gott brachte Eva mit gelocktem Haarsohmnek ca Adam; vgl. HhL r. e. v. הנך יפה: daa Weib, das viel Haar hat, flicht ea sa Locken. Dae eehöne Haar einer de■ Ehebrach■ Verdächtigen eollte vor den Priesterknahen nicht entblößt werden, T. Sota 1,7; vgL Naa. 88a: ich mag nicht ein Weib, die sieh durch Enthaltsamkeit von Wein and Haarabeehneiden veranstaltet ף VgL Ket 73s; Nom. r. 9, wo aas Nam. 6,18 die Warnung abgeleitet wird, jüdische grauen sollen nicht mit entblößtem Haapte gehen; vgL Jalk. Oea. 38; Jalk. Nam. 707 — eine Fraa, die mit entblöß׳em Haapte ging, auf dem Wege gesponnen and mit Anderen gebadet bat, konnte ohne Zurückerstattaog ihres Bsfratagutes entlassen werden, Git •a; vgL Joma 47a, wo Kimchit sieh rühmt, anch die Balken ihres Hauses hätten nie ihre Lecken geeehen. Interessant ist das Sendschreiben des Mos. Alaschkar (No. 88), in dem er bemerkt, daß jüdische Frauen in arabischen Ländern seit alten Zeiten ihren Haarschmack sar Schau tragen and nur unter dem Einfluss« der chrietl. Völker, welche ihren Frauen ihr Haar zu verhüllen gebieten, es auch gleichwie diese verhüllten: Gegen ,שער כאשר nnp bemerkt er: soll dieser Satz Geltung haben, dann müßten aie Frauen konsequenter Weise auoh ihre Augenbrauen verhüllen; er schließt mit den Worten:'ובכסה לכמה דברים הקלו רז׳ל כדי שלא התעה חאשח על בעלה; vgi. noch Schiit« haggiborim sa Naair b. a. sa Alfsai Sabb: 9 ed. Balsbach, p. 81a; Sohar sa נשא and של׳ת באר שבע No. 18. Naeh Darke Moeohe, 178 § . הלכות עכל׳ם ist das Haar eines jüdischen Weibes nicht als חוקת רעד ansasehen. Aber uns geht ja nieht Müllers*) Sache an, der, wenn er hier eine Entgegnung für nötig findet, sie ,selbst lotlassen kann. Mir liegt an einer Kennseiebuung der allgemeinen Bemerkungen Gumplowiezs, woraus sich erhärten läßt, daß der Mangel an philosophischer Schulung, der unserem Zeitalter vielfach eijpet, allein jene .babylonische Verwirrung“ beim Ruf ״hie Babel, hie Bibel!“ über uns gebracht hat. Gumplowiaz meint, unsere ״heilige Schrift. . . der Ehrentitel des Judentums ... sei ins Gedränge gekommen“. ״Was alisascharfe Kritiker bisher ihr niohsagen zu müssen glaubten — daß sie ein spätes, aus dem achten Jahrhundert v. Chr. stammendes klerikales Werk sei — ließ sich ertragen oder verbieten. Denn für das spätere Datum ihrer Verfassung (lies wohl .Abfassung“) gibt es keinen handgreiflichen Beweis; auch bleibt ja immer das Argument, daß die späteren Verfasser ״die klugen jerusalemitischen Priester“, uralte Aufzeichnungen und Traditionen benutzt haben“; ״trotz alledem blieb sie doch immer die ״älteste Urkunde“, wenn nicht ״des Menschengeschlechts“, doch des ״Monotheismus“; blieb sie immer unsere heilige Schrift, der Stolz der Juden, die Grundlage des Christenglaubens. Das alles 8011 mit Hammurabi vorbei sein. Wenn er noch von den Babelbibelvorträgen gleiches gesagt hätte! Die boten allerdings weder Neues, noch Wissenschaftliches, noch genau Erwogenes — aber darum wirkten sie mit der Kraft des Neuen; es wurde etwas Packendes und Gewaltigss, was andere vor Jahrzehnten entdeckt und was von den Gelehrten längst überwunden war, in die Massen hineingeworfen. Der Hammurabi wirkte auf weitere Kreise weit weniger. Er hätte wirken müssen und können. Aber da fehlte der Delitzsch. Dieser Aufgabe, zwei geschlossene Ganze mit einander zu vergleichen, war er nicht gewachsen. Die trockenen Gesetzesreihen konnten nicht so wirken, und Lichtbilder gab es dafür nicht. Und daß auf Gelehrte der Hammurabi stärker gewirkt hätte, als 8. Zt. Wellhaasen? Das wird Gumplowiez im Ernst kaum behaupten wollen. Werke wie Spinozas theologisch-politischer Traktat oder wie Wellnausens Prolegomena oder wie Duhms Jeremia haben jedenfalls die Gläubigen stärker erschüttert oder (was Duhm anlangt) hätten sie mehr erschüttern können, als alle Hammurabis. (Schluß folgt) *) Wir haben seine Arbeit 8. Z. anerkennend angezeigt laluilt 4*p ■iiNsmar 17• WtoseasebafUlche Aalbitz•: Im Kampfe um Bibel und Glauben. (Fortsetzung.) — Kleidung im biblischen und talmudiscben Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Schloß.) — Etwas aus der ״Zukunft.“ Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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