Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 11. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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48 nehmen, wir haben eine einfache Tagesäußerung unter vielen anderen vor uns. Denken wir nur an Aegidi, denken wir an die Qesellschaft für ethische Kultur, und es sind das keineswegs geringere Erscheinungen. _ (Schluß folgt.) Kleidung im biblischen und talmudi sehen Schrifttum. , Von Dr. Adolf Bosenzweig,; Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. ן (Fortsetzung.) Das Lösen der Schuhe war ziemlich besjchworlieh. Als besondere Leistung wurde es R. uhanina nachgerühmt, daß er noch als Achtzigjähriger seine Schuhe ohne die Hilfe Anderer an- und ublegen konnte1)• Vornehme ließen ihre Fußbekleidung von ihren Dienern losbinden und nachtragen2). Sohlenriemen waren billig, daher sie als Bezeichnung für etwas Geringwertiges gebraucht wurden3) Auch Sandalen waren nicht teuer4), obgleich mit ihnen schon früh vielfach Luxus getrieben wurde5) Neben Sandalen kamen durch den Verkehr mit fremden Völkern Schuhe6) in Gebrauch, die nach Stand und Rang verschieden waren. Arme trugen grobe, aus Fell oder Zeug, aus geflochtenen Weiden, abgeschorenen Haaren, auch aus Kork und Holz7). Holzschuhe wurden namentlich von Kalkarbeitern getragen, weil Kalk das Leder leicht zerfrißt8). Soldaten und jene, die grobe Arbeiten zu verrichten hatten, trugen plumpe, mit Nägeln bescilagene Schuhe, welche man am Sabbat nicht tragen sollte9). Auch Schnürschuhe, deren Sohle mittelst Riemen an den Fuß befestigt wurden, weiße und sciwarze, aus Filz oder Wolle verfertigte und an das Schienbein hinanreichende Stiefel wurden getragen10) juden trugen zumeist schwarze Schuhe11). Nicht- Frauen >) Chul. 24b. 3) שים. Ez. 24,17; סוס• Schuhe aulegen; Pael בייט» Git. 56b; vgl. Matth. 3,11; Marc. 1,7; Joh 1,27: Ap!f 13,25: Schube sich nachtragen lassen als Luxus, Matth. 7, 10. Nach Jalk. Ex. 311 sollte man von jüdischen Sklaven ni( 11t seine Füße waschen, nicht Schuhe an- und auszieben, auch nicht ins Bad nachtragen lassen; wohl aber sollte der Sohn solches seinem Vater tun; mit dem Nachträgen der Schuhe war das Besitzverhältnis ausgedrückt; Kid. 22 b; B. b. 51b 3) Gen. 14, 23. *) Am. 2. 6; 8, 6. 5) Vgl Ez. 16. 10; Hhl. 7.1; Jud. 10,4; 16.0. Sandalen aus Saffian, Rieht. 16,9. ״) Vgl. ין:על jra Gegs. zu סנדל ז) Joma 78b; Kil. 9,7; J. Jeb. 12d. Holzscluhe für Sklaven in Rom xp0’j־;Ca׳. oder xpovcaXa (krpec iui Slawischen: die Sandale), calones, sculponeae, Cato, de m rust 135 8I J. Jeb. 12a, b; vgl. Sabb. 66a; Tos. B. b 4. 9) יסנדל הססומר Sabb 60a; J. Sabb 8b, Tos. Sabb. 4.8• Der Grund, warum sie am Sabb verboten waren, erscheint nicht stichhaltig. Wahrscheinlicher ist, daß diese plumpe, lür schwere Wochentagsarbeit bestimmte Fußbekleidung nich^ sabbataiäßig erschien, vgl. Jel. zu Deutr. 7, 17, דרבן של פילחין לובשין סנדלין מסוסרין• yg1• Fiin. 9,62. solche Schuhe galten als bäuerisch, Theophr. Char. 4; zu ~iC'£C< vg' D’TCDC» 1. Chr. 22,8 und rilirCP» 2- Chr. 39 י ״>) Jeb. 103b; Kid. 14b; Tos. J. tob 1,23; Kil. 9, 7; J "J Tan. 22a; Jeb. 101a, vgl. Hör. Lib 1, •Sit ln der Zeit der Verfolgung sollte man sich tiiton las nicht einmal den Riemen am Schuh ändern; Jalk. L Kil. 32d. 6, v. 27. lassen, aber ar. i 88. trugen gerne Schuhe aus gefärbtem Leder, mit Figuren bemalt und mit vergoldeten Hafteln und Bändern geschmückt1). Das Schuhzeug wurde, wenn es schmutzig geworden war, mit Wasser gereinigt2), auch blank geputzt und mit Oel geschmiert8). Alte, zerrissene Schuhe wurden geflickt4). Im Soinnler trug man leichtere, im Winter schwerere Fußbekleidung.8) Leichte Schuhe mit besonders dicker Sohle wurden gerne von den Kleingewachsenen getragen, um dadurch größer zu erscheinen6). Schuhzeug, das nicht ständig gebraucht wurde, packte man sorgfältig ein7). Das im ständigen Gebrauch befindliche Schuhzeug lag zumeist unter dem Bett8). Wo die Verhältnisse es gestatteten, wurde der Sabbat auch durch bessere Fußbekleidung ausgezeichnet9). Damit die Schuhe nicht drücken, wurde Werg in sie getan10). In einzelnen Orten trug man mit Wollstoffen gefütterte Schuhe11). Gelehrte sollten nicht in zerrissenen Schuhen ausgehen12). Als zerrissen galt der Schuh, wenn das Oberleder defekt war18). Arme, die keine Schuhe besaßen, umwickelten die Füße mit wollenen und leinenen Lappen; auch Fußsocken14) waren im Gebrauch. Sie gehörten mit zur Bekleidung der Toten15). Bekannt waren die Schuhmacher aus Susita, die ihre Ware nach Tiberias zu Markte brachten16). Die Sandalen der Araber waren ihres besonders guten Sitzes wegen bekannt17). (Fortsetzung folgt.) *) Lev. r. 16, Drachenfiguren auf den Sehuhen, das. mit Bezug auf Jes, 3, 16: Berüchtigte Weiber gaben Myrrhe und Balsam in ihre Schuhe und stampften auf den Boden, um den Duft ausetrömen zu lassen und dadurch die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; Mikw. .10,8, חבט» Schleife; י« שנץ- Mikw. 10,4; goldverbrämte Sandalen aus Patara, Lucian, dial. mer. 14,2; rotlederne aus Parlhien, Vales not. in Ammian, Lib. 22, c. 4, p. 390, mullei genannt; auf de|m Oberleder mit Gold und Silber gestickt, Vopisc. Aurel. 49. ») Seb. 94 b. 3) Tos. Scheb. 6,10; Tos. Ter. 10,11, vgl., Pliu. 15,34. 4) יבלה alt werden, Deutr. 29,4; Jos. 9, 65 טלא, Flecke ansetzen, Jos. 9,5; 5,27; Ber. 43 b. s) B. b. 58a; J. Sabb. 8a; vgl. auch 0'?!סקי• Maim. Kel. 26.1: Sandalen für das morastige Tiefland. I 6) J. Sabb. 38a; vgl. Pes. לחאמר ציןןi 5(• Sabb. 8b wird העבסים. Jos. 3,4 mit קורצייה wiedergegeben; zu קורדיקין und קורדקיסין vgl. 1217 •יsr- Gewy, Vortrag in der Philologen- Versammlung S.' 82; Lev. r. 16 wird noch eine andere List der Kleinen, die größer erscheinen wollten, mitgeteilt: sie gingen zwischen zwei Kleinen, die noch kleiner als sie waren. ’) B. mez. 8,13,14. 8) B. b. 58a, vgl. Raschb. z. St. «) J Sabb. 8a.!״) Sabb 64 b. "1 J. Kil. 32d. ״) Ber. 43 b. '3) J. Orla 63 a. “) J. Kil 32d, Bez. 15a, ערדלין (Ar. ר תיך אלי erklärt, vgl. Perles a. a. O. S. 3 äptrjp neugr. äp-aptov Art Filzschuhe; wollene, J Kil 32 d. |S) Gen r. 100. IS) J. Sabb. 38a; vgl. A. 8. 39a, Schube aus Tyrus; Thr. r. 8 v. ירי־תי Handel mit Sandalen: לדיהי, laodizäiscbe Sandale, Kel. 26, 1. 1 >7) Sabb. 112 a; Jeb. 102a.