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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 5. (1904) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 5. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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schmücken, um unverdienter Ehren teilhaftig׳ zu werden, bringen sich um die Nähe Gottes; solches tun ist die Art der Heuchler1). Der Bademantel2) war ein Ueberwurf, der dein Badenden gleich nach dem Bade umgelegt wurde. Dem Bademantel ähnlich war auch der c es Haar- Schneiders3). Bemerkt sei noch, daß nach dem mjosaischen Gesetze jedes viereckige Gewand mit Söhaufäden versehen sein mußte4). (Fortsetzung folgt.) Einiges über Heine. m. Heine nnd Deutschland. Er hat auf Lessing hingewiesen, ״der aie Kopfe abschlug und nachher noch spottend zeigte, daß sie hohl seien“ — bei Lessing finden wir in der Tat etwas Aehnliches, nur daß der Ernst des Gegen- Standes ihm immer Zügel anlegt. Wir wollen bei Heine gern anerkennet, daß er in vielen Einzelheiten zu weit gegangen isst; daß er oft einen Gedanken herbeizerrt, um irgend ein Wortspiel damit in Verbindung bringen zu können und uns für einen Augenblick zu blenden. Das ist im Ein zelnen der Fall gewesen, aber nicht im Ganzen, nicht im Großen seiner Wirksamkeit. Da läßt sich wohl sagen, daß, genau hingesehen, sein Spott nur das getroffen hat, was seiner schwächlichen Zeit angehörte und lebensunfähig war für die Zukunft. Und war das der Fall, so darf man den Ton nicht mehr bedauern, der darauf abzielte, so wai der Ton ein Mittel zum Zweck. Und bei genauer Untersuchung wird es sich zeigen, daß dies Haltlose, und wäre es der unberechtigte Stolz eines eien len Zeitalters auf die Heldentat eines Armin (ein solcher Stolz steht nur einer kraftvollen Zeit gut an), etwas Hemmendes ist, in dem man sich mit einer großen Vergangenheit über die nichtige Gegenwart hinwegtäuscht. Da kamen Heine denn die übermütigen Reime, mit denen der heutige Artikel beginnt — unbewußt schleuderte er der Lächerlichkeit eines so unberechtigten Sicbhinaufträumens zu Armin die vernichtenden Verse entgegen, die uns so entsetzlich scheinen, weil wir die Veranlassung nicht kennen, Ganz ähnlich steht es mit Barbarossa. Heine erkannte wohl den tiefen Sinn, der in der Wahrung dieser Ueberlieferung von Seiten des Volkes lag, aber was die damalige Jugend wünschte, das war ’) B. b. 98 a; vgl. Sota 22 b; Koh. r. 8. v. •('צבתי בלנרי (נ (balnearia), J. Kil. 32 a. נ) Sabb. 9 b. . *) Num. 15,88, vgl. Matth. 28,6; Luc. 20,48;;,תיבליטרי פוכלטרין. rieht. יפיבלטרין flbulatorium, ein mit Fransen (פיבלא fibula) versehenes Kleid, Sifre Deutr. 234, auch יטרעון trigonon, dreieckiges Gewand, B. b. 64b, vgl. Sifre z. St, waren nicht eohaufadenpflichtig. Ob die Sifre ai. a. O. erwähnten 6, 6 und 7eckigen Kleidungsstücke wirklich in Gebrauch waren, oder als bloße Erfindung der $chuldisputatiou, zu gelten haben, läßt sich nicht entscheiden.; ein mittelalterlich aussehendes Kaisertum, wie es die Geschichte zu Grabe getragen hatte. Elin Bismarck hätte sich über jene Hoffnungen! ohne Mark, aber auch ohne staatliche LebensfähigkeitTkaum weniger derb ausgesprochen, als Heine. Mit schwarz-rotgoldenen Gedanken verstanden Beide Nichts anzufangen. Fassen wir nicht auch jene Jahrzehnte nur als" stille Entwicklung auf, woraus die Zeiten des Aufschwungs sich später wohl herschrieben, die aber selbst das Zeichen staatlicher Schwäche an sich trugen? Wie erscheinen uns heute die schwarzrotgoldenen Träume, die nach den Freiheitskriegen sich regten? Erst als ruhig rechnende, Tatsachen messende Staatsmänner auftraten, da konnten die großen Zeiten der Staatsgröße herankommen. Die also nicht unwillig waren über die ganze Zeit des heiligen Bundes und der Karlsbader Beschlüsse, oder die sich in hoebfiiegenden Zukunftsbildern wiegten, oder gar die Verfolger aller freiheitlichen Regungen — sie haben nicht Geschichte gemacht. Wir können heute mit größerer Ruhe jenen Zeiten gerecht werden, weil wir unter ihren Verhältnissen niept gelitten haben. Dies zugegeben — und wer könnte es bezweifeln? — verdienen die sogenannten ruhigen Bürger der Vorbereitungszeit nicht unseren Dank, die Männer des jungen Deutschland nicht unseren Tadel. Beiderseits sind sie geschichtliche Tatsachen und haben als solche, wie die Folge zeigte, erhaltend und anregend gewirkt. Hat denn aber Heine am deutschen, scheinbar so viel verspotteten Volke die ewig wertvollen Züge nicht erkannt, die seine eigentümliche Größe ausmachen? Mag er mit den bittersten Witzen über die Ratten in Kassel, über einzelne Bundesstaaten, besonders über den verflossenen Bundestag hergefallen sein — den deutschen Geist, die deutsche Gefühlstiefe, die deutsche Gründlichkeit hat er jederzeit als etwas hohes und eigenartiges hervorgehoben, und diese Eigenschaften waren in jener Zeit der Schmach so lebendig, wie in irgend einem Jahrhundert. Mitten im Spotte über Göttinger Verhältnisse erkennt er den Zug deutscher Untertanentreue, also deutscher Treue überhaupt in einem Diener, der ihm von einem englischen Prinzen erzählt. Hat er doch die Gabe, im Kleinsten sofort das Größte mit Sicherheit zu erkennen. Als er den Franzosen von der deutschen Philosophie berichtet, da ist er überzeugt, ihnen etwas neues zu bieten, was ihnen vollkommen unbekannt ist. etwas nützliches, was ihnen vollkommen neue Anschauungen bieten wird. Da fühlt er die eigene Ueberlegenheit über den gallischen Geist, und man merkt es ihm an, von welchem Selbstgefühl er durchdrungen ist. Wäre die Freiheit nicht — ein Deutscher hätte sie in der Einsamkeit entdeckt, sagt er. Und wenn er auf die deutsche Dichtung zu sprechen kommt, so fühlt er in1 sich den Riesen einem Zwerge gegenüber. Laßt [die Völker zum Wettstreit kommen, ruft er aus, so wird dem deutschen Volke die Palme des Liedes gehören. Und wie begeistert weiß er von deutscher ]Tonkunst zu berichten! Und das Alles sind ihm nicht etwa Güter der Schulstube, die in den Tatsachen der Geschichte

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