Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 1. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 trägt, 80 kann man es als heilig nicht erkennen. Ständen diese Sätze einst vielleicht in der Rawahalacha zusainaen, so sind sie dann zu Erörterungszwecken getrennt wo: •den. Die Verwandtschaft von 23b 'מילא קער mit der obigen Baraitha haben wir schon früher (No. 24) dargetan. Da die BBfürehtung, man könnte das Licht für ein gewöhnliches halten, mit den Erschwerungen Huna’s sich am besten zu vereinen scheint, so hat man Rawa nicht das Verbot der Benutzung (Ansicht Raw’s) zugetraut, sondern משי□ היכירא ist sain Grund'. Demnach scheinen diese Worte Ausgestaltungen der von Rawa angeführten Huna-Chisdasatzungen zu sein. Nicht u!bedingt zu Chanuka gehörig scheint Rawa’s Satz (gegen Abba_ i gerichtet) רוב ע״ה מעשרי הו« weshalb das Fehlen der'Beraitha bei Demai Nichts gegen die Beraitha des Chanuka zu enthalten scheint. Aber es scheint nur so, da das מתיב ר׳עמרם auf Chanuka zurückgeht. Doch ist nicht ausgeschlossen, daß die Erörterung Rawa’s Wort aus Sera'im hierhergezogen hat, da es sich nicht als Entgegnung auf Abbaji geradezu kennzeichnet. Daß unter מחיר gerade Seraim in die Sugia hineingebrac ht werden, zeigt מתיר ל אויא mit dem Gegenstände aus Maosserscheni (ein außenliegender Gegenstand, den auch die Sugia erst hereinbringt, wird auch durch מתיב ר, ששח eingeleitet 22 b). Ein gleicher Gegenstand ist die Peatossefta (23a, unten), die ersichtlich zusamt dem Wort Rawa’s מפני הרמאין erst aus SeraVn hier eingerückt ist, ohne ursprünglich hierherzugehören. Da würde man Spuren einer babylonischen Serai'ngemarra haben, die sich durch den ganzen Talmud als Einschiebsel der Sugia verfolgen lassen. Wir kommen auf diesen Punkt einmal besonders zurück. Von der Sugia eingeführt ist auch Rawa neben Josua ben Levi mit seinem!Satze über •ברב' מעץ ן' ' Wir haben Rawa hier behandelt, weil wir ihn schon oben bei R. Huna mitnehmen mußten. Nun blicken wi auf seinen älteren Genossen Abbaji./Er befaßt sich mit der jerusalemischen Halacha 21a, er/ordnet die Rabbasätze Rab’s und Samuel’s 22a, die mit R. Joseph’s und Samuel’s Begriffen von 'בימי מצו zusammen bänden und den Zusammenschluß der Rabb'ah- und Josephsätze/ werden wir ihm umsomehr zu verdanken haben, als er ja auch ersichtlich Josua ben Levi (22 b unten, 23 a mehrfach) mit R. Scheschet und Ri Sira (siehe dessen und Abbaji’s מריש in Verbindung mit llabbab, wie oben bei den Raw-Samuelsätzen) in Verbindung gebracht hat weshalb die Grundlage von ,אריב״ל עששיר bis ודאי דרבריה ihm angehört. Auch dies bedeutet Eingliederung der vielleicht von dem Palästinenser Rabbah stammenden palästinensischen Halacha mit Benutzung der Johananschule 121 b) in die Chanukasatzungen. Abbaji antwortet hier auf Amram’s de Saimfrage; Rawa’s Wort erscheint darum als hervorgesetzt, ln die agadischen Schlußworte Huma’s und der Ohisdaschule 23b, die mit Rawa Zusammenhängen (s. auch dessen פשימילי etc.) hat Jemand R. Joseph mit der Satzung der Sabbatlichter und der Zeit ihres Anzündens eingeschoben — auch dies kann nur Abbaji sein. In der zweiten Halachareihe 24n finden wir zwischen den beiden Hunasätzen einen dritten Sat2 מדו להוביך יר״ח בבי־ב'המזון der uns Raw mit seinem palästinensischen Lehrer Chanina zeigt, worauf R. Serika, ebenfalls Palästinenser, Schüler R. Amis, sagt נקוט דרב בירך• Diese Wendung hat sich R. Joseph ebenfalls Megilla 18b ungeeignet, der auch Chullin 10b durch R. Safra mit R. Serika in Verbindung steht. Alles Stellen, wo es sich um palästinensische llalachas bandelt. Stammen Satz 1 und 3 von Rawa, so ist es nicht fernliegend, anzunehmen, daß Satz 2 von Abbaji herrührt, zumal er auch im dritten Satze wie so oft mit R. Joseph in Verbindung steht. So hätten wir die Hauptteile der Chanukasatzungen, was ihre Zusammenstellung und Bereicherung anbelangt, auf Abbaji und Rawa zurückgeführt. (Schluß folgt ) Litteraturbericbt. : Recensionen. M. Grunwald, Portugiesengräber auf deutdcher Erde. Hamburg, Janssen. 1U0 S. 3 Mk. j Vor kurzem haben wir die Preisschrift des Verfassers von ,Spinoza in Deutschland“ in anerkennender Weise besprechen können. Hier haben wir eine ganz arideren Gebieten an gehörige Arbeit des vielseitigen und fleißig »n Gelehrten vor uns. Wie wir aber den geschichtlichen Sinn n jjehem Werke bewundern mußten, die Art und Weise, ■wie der Verfasser tote Namen belebt und als greifbare Gestalten vor unser Auge treten läßt, so zeigt sich hier, wo ihn hauptsächlich nur Namenverzeichnisse und Grabsteine mit ihren Inschriften zur Verfügung stehen, der im Durchdenken von Tatsachenreihen geschulte Geist, der auch uns an den Fflgerungen geschiehtlicher Art teilnehmen läßt. Die äußere Veranlassung zur En’ stehung des Buches ,Portugiesengräber auf deutscher Erde“ war ״die Absicht der Altonaer, zur Verbreiterung der Königssti aße den angrenzenden Portugiesenfriedhof wieder um ein Beträchtliches einzuschmälern“; es ist dadurch die schon bestehende Absicht Grunwald’s zu vorliegender Darstellung schnell zur Tat geworden. Da schon früher Teile de! Altonaer Friedhofs öffentlichen Zwecken zum Opfer gefal en sind, so mußten manche Lücken entstehen, die sich z B. im unverhältniamäßigen Schwanken der Sterblichkei sziffer herausstellen. Immerhin standen dem Verfasser noch Gräberverzeichnisse und eine Jahrzeitliste zur Verfügung. Wenn Grunwald das Ergebnis dieser Arbeiten als ״Bruchteileines Mosaiks“ ansieht, so wird der Leser die kundige Hand dess an bewundern müssen, der die Steinchen aneinandergereiht hat. Trotzdem eine Entschließung der Altonaer Bürgerschaft die Entstehung des Buches beschleunig; hat, beschäftigt sich derselbe vor allem mit den Hamburger Portugiesen, die am 3. September 1902 das 150jährige Bes ,ehen ihrer Gemeinde feiern konnten. Außer Altona kommt noch Glückstadt und Emden in Betracht. Die Hamburger Portugiesen, als Aarranen ein wandernd, beleben mit dem Handel die Stadt; die Gemeinde wächst durch Zuzüge aus Flandern, Italien, Holland und dessen Kolonien, durch die Türkei und Marokko; anderer 9eits gründet sie selbst Niederlassungen. Das Erdbeben in Lissabon veranlaßt die Hamburger zu einem Fasttage, wol 1 um der noch dort wohnenden Glaubensgenossen willen; Aufnahme älterer Personen in’s Judentum ist so häufig, daß Gemeindeerlasse zur Vorsicht mahnen müssen. Die Einwand!rer sind Goldschmiede, Steinschneider, Tabakspinner, Zuckersi 3der, Mehlhändler und Makler; ihr Handel 1m Lande und zir See war bedeutend. Auch den Schiffsbau verstanden sie (verj;1. die durch Poppelauer zu beziehende Arbeit des Verfaaser’s Juden als Reeder und Seefahrer.) Die Kammerdeputation äußert sich (sioher nicht ohne Veranlassung) dahin-, Konkurrenz schade nichts — je mehr Schiffe, desto besser für Hambi irg — es sei lächerlich, daß die Juden sich der Flagge Hambirgs bemächtigen und sie gegen Hamburg gebrauchen könnten. Belästigungen gegenüber drohten die Portugiesen auch n it Gegenmitteln. Und es fehlte auch an drückenden Eingriffe: 1 nicht. Das Ende des 18. Jahrhunderts zeigt 1708 zahlende I amilien, 12 Nichtzahler bei den Aschkenasim, einzelne Männe 68 ׳, Witwen 126, wovon 36 arme. Sie beschäftigen sich mit dem Handel, helfen in Häusern als Hühnerpflücker, sir d Buchhalter, Briefträger, Sprachmeister, Spiegelmacher, Tuweliere — eine bunte Zusammenstellung von Berufsarten, die beim Verfasser genauer nachzulesen ist. Haben wir hier eine einzelne Darsiellung herausgegriffen, da wir das ganze Buch nicht ausschre ben lfönnen, 80 geben wir nur als weiteren Gegenstand die Jemeindeordnung, Ge-' schichte und Ordnung der Synagogen, andere Gemeindeanstalten, Luxusgesetze, Verhältnis zur Umgebung, Vermügensverhältnisse, Satzungen der T; ilmud-Thoraschule an. Man sammelt 1648 für die durch Chm el Vertriebenen; Vorkehrungen gegen Angeberei werden ge;roffen. Die Reichhaltigkeit dieser die Hamburger Portugiesen betreffenden Abschnitte kehrt im großen und ganzen auch bei den die anderen Gemeinden betreffenden Angaben wieder. Wichtig sind u. a. noch die Deutungen der portugiesischen Namen, die Verfasser von Cassuto übernommen hat. Greift die Behandlung in alle Lebensverhältnisse der Portugiesengemeinden ein, so sind die Abbildungen der Grabsteine mit ihrem künstlerischen Schmuck von großer Bedeutung. Wir erkennen daraus den ungeheuren Abstand zwischen den Aschkenasim und Portugiesen. Die tiefsinnige Bildersprache dieser biblischen Szenen in ihrer Beziehung zum Grab und zur Auferstehung ist ergreifend; die prächtigen Familienwappen deuten auf den altspanischen Adel hin.