Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 1. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Diesen Bilderachihuck ▼erdenkt des Bach der Frau Dr. Fink, und sie hat die Darstellung des Verfassers sehr wirksam dadurch unterstützt. Einzelne dieser Gebilde erheben sich zu künstlerischer Höhe, und eia gewisser Beiz wohnt Allen inne Ist schon der Harne des Verfassers Bürge für die Trefflichkeit dieses Baches, so erhöht und bewährt sich diese Voraussetzung beim genaueren Einblicke. Die Verlagsbuchhandlang hat das Ihrige zur ansprechenden Ausstattung des Buches getan, so daß dasselbe in jeder Beziehung (besonders den Literaturvereinen) zu empfehlen ist. ־ Dr. M. Altschfiler, Vierteljahrsschrift für Bibelkunde, talmudische und patoistische Studien. Berlin, Calvary & Co. I. Jahrgang, Heft 2. Jahresabönnement 15 Mk. Seite 162—280. Die von uns schon bei ihrem Entstehen freudig begrüßte Altschüler’sche Zeitschrift liegt in ihrem zweiten Hefte Vor uns. Sie enthält wiederum zwei Soltau’sche Arbeiten über das neue Testament, Wünsche bringt eine eingehende Auseinandersetsung über die Belege des Auferstehungsglaubens im neuen Testament, im Talmud und bei den nachnicäischen Kirchenlehrern, Uebersetzung und Text des Jalkut Jona und Micha (nachdem er mit dem Hosea im ersten Heft begonnen hat), zwölf Bemerkungen Stade’s zieren das Heft, und endlich (last not least) setzt Jakob sein ״Im Namen Gottes“ fort. Aus Soltau’s ״Protomatthäas“ hat für uns die Angabe Wichtigkeit, daß man heute die Quellen der Evangelien etwa 30 bis 60 Jahre nach Christi ansetzt und die Abfassung der Synoptiker bald nach 70 vor sieb gegangen sein soll. Dies nimmt Soltau für Markus, (mit Ausnahme 169—20 und vielleicht 646—820) an, für Lnkas etwa das Jahr 90 oder 86 (ausgenommen 1—2 und 24 als vermehrte Abschnitte). Matthäus hat dagegen sehr alte und sehr junge Bestandteile, deren erstere die Voraussetzung zum Markus za sein scheinen (man nehme nur das unvermittelte 19 an, das unbedingt an Matthäus wich anlehnt). Matthäus 8011 bald nach Markus herausgegeben and als Vollendeteres bald im allgemeinen Gebrauca gewesen sein, bis eine Scblußfassung ihm die jetzige Gestalt gab. Dem steht allerdings der als einheitlich behauptete Sprachgebrauch des Matthäus entgegen. Weshalb Soltau diese Annähme für übertrieben hält, konnten wir nicht erkennen. Vielleicht wegen dies Unterschiedes zwischen den größeren Gruppen and der gelegentlichen Einstreuung der Herrenworte? Sind hier Markusabschnitte und Herrenworte vereint, so. nimmt Soltau die' Ordner beider nicht als eine Persönlichkeit an. Mögen die Leser an Ort und Stelle sehen, wie sich Soltau mit diesen Fragen auseinandersetzt. Für uns bat das Streben, eine Keligionsquelle im Gegensatz za den sonstigen Anschauungen so früh als möglich anzusetzen, den Sinn, daß wir die Bibelkritik, wie' ich in meinen Besprechungen der Fries’schen ״Josiaschrift“ der Steuemagel’schen ^Deuteronomionarbeiten, auf der Umkehr sehen. An dieser Tatsache ist nichts za ändern — ein Beweis, wie sehr der Einzelforscher im Banne der—Zeitrichtung sich befindet. Wenn Soltau sich zwecks seines Matthäus zum Satze versteigt ,Sehnlicher Wortschatz und Gleichheit im Gebrauch von Perioden sind keineswegs immer Beweise für die Identität des Verfassers“, so gibt er, um seine Ansicht, durchaus festhalten zu können, das Hauptmittel der Quellenforschung und darum diese fast selbst preis, wenn diese Gleichheit auf Rechnung eines Nachahmers gesetzt werden soll. Daß Matthäus 24,36 das. Urbild und 6,18 der Abklatsch sein solle, kann derselbe nicht behaupten, der 10,6—6 der ursprünglichen Quelle zuspricht. Letzteres ist judencnristlich gedacht und 6,18 unverkennbar ebenfalls. Wer Menachoth 29 b kennt, der wird { ota «pa״a schwer für unecht erklären. Die frühe Ansetzung der Evangelien würde für unsere Auffassung berechtigen, daß die darin berührten Mischnateile weit vor Akiba, selbst vor Hillei zurückführen, wie wir an anderer Stelle nachgewiesen. Aus der Fortsetzung von Jakob’s ״Im Namen Gottes“ entnehme ich nunmehr mit Vergnügen, daß בשם (S. 172) vermittelst oder in dem Namen heißt, auf welch ersteren Begriff., ich als notwendig in meiner früheren Besprechung hingewiesen habe; ',בחך הבא בשם ך heißt nicht ״Gesegnet, der in den Kampf zog mit dem Feldgeschrei Jehovahl“, sondern 4 — die Priester begrüßen die Temp' ..osucher, woran sich das Opfer schließt אסח חג etc. Man vergleiche das פתחו לו ״ שעח בוOeffnet mir die Tore der Gerechtigkeit“ oder .Zedeks, Jerusalems* und dann 'זה השער לח »Dies ist das Tempeltor!“ Das Hallel als Ganzes läßt an den drei Festen (בצאת ישראל כל), Israel als Ganzes und den Einzelnen (אהבתי בו) mit dem Dankopfer ('לך אלבה בו) . und echt talmudisch mit dem Gelöbnisopfer (ובאתם י שמה etc), das an den drei Festen bängt, vor das Volk und die Gemeinde treten (ינגדהאל נאכו• Am Schlüsse begrüßen die Priester alle Wallfahrer, die im Namen Gottes und in keinem fremden Namen und mit keinem fremden Namen kommen (בלאת יבא אהק הקדש)• Bezüglich des מן הנוצר etc. könnte hier das Feldgeschrei gemeint sein, aber es muß nicht. Bei dem ישגבך etc. schwankt Jakob’s Grundbegriff ungeheuer. 20 «4־ steht 'ישם ה statt ,סיטריה דה' ה• Das sagt ja übrigens Jakob Seite 186 unten auch — wozu also das Pressen der Begriffe? Seite 188 unten können Onkelos Deutungen doch nicht sprachwissenschaftlich verwertet werden, zumal der Alexandrinismus im Hintergründe steht. Trotzdem unterschreiben wir bereitwillig, was er über den Kampf des Judentums gegen Schwärmerei und Aberglauben sagt. Wer aber überall sofort Schwärmerei und Aberglauben wittert, ist auf dem Wege za gottschedwinisch-trockener Auffassung alter Religionsquellen; die wissenschaftliche Arbeit muß stets einfach sein. Aas Wünsche’s ״Auferstehungsglaube etc.“, einer mit umfassender Gelehrsamkeit und Klarheit entwickelten Arbeit, heben wir Seite 198 hervor, daß das zweite Makkabäerbuch gleichzeitig mit Daniel entstanden ist. Das sagt nicht einmal Niese ״Zur Kritik der Makkabäerbücher“ (Weidmann), der doch dem zweiten Makkabäerbuche vor dem ersten den Vorzug geben will. Diese Frage bedarf noch sehr der Erörterung und Klärung, ehe man so einfach das als Ergebnis hinstellt. Dagegen vermisse ich das Buch der Weisheit, das doch mit großer Entschiedenheit zugunsten einer sittlichen Weltanschauung auf das Jenseits hinweist und immerhin von manchen Forschern nach Sirach angesetzt wird. Im ganzen führt uns Wünsche sehr klar in die Geschellte des Auferstehung-, gedankens ein. Nach Stade sollen die Sadduzäer die Bewohner von Jo Hazedek (Jerusalem) sein, während die Pharisäer die פרסי, die aus Persien zu Zyrus Zeiten Eingewanderten sein sollen. Warum hat man die Pharisäer denn aber immer mit dem ש bezeichnet? Immerhin bedarf diese neue Auffassung um so mehr des Beweises, als ja צדוקים dialektisch Zadykim betont werden würde; es wären das vielleicht einfach ״die Gerechten, richtig Denkenden, Tadellosen“ צדיקים =׳, während die Einzahl צדוקי mit der Abstammungssilbe erst ein späteres Wort 'sein kann. Dies wird nur zur Erörterung gestellt. Wir wollen dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern nur zeigen, daß wir mit Aufmerksamkeit und Vergnügen der Ent- Wicklung des Unternehmens folgen und ihm den besten Fortschritt wünschen. — Die Arbeiten bieten alle mehr Veranlassung zu Erörterungen, als wir hier in der Kürze dartun konnten, und Erörterung tut uns not. Wir freuen uns, in dieser Zeitschritt nun wenigstens noch Jakob mit seiner Arbeit öegrüßan zu können.- Ist denn Israel sonst ganz verwaist und tritt weiter kein jüdischer Forscher zur Unter- Stützung Altschüler’s heran? Das ist schade! Dann würde der Talmud an sich zu seinem Rechte kommen, während er jetzt nur vielversprechend auf dem Titelblatte prangt. Mögen die späteren Hefte allen Erwartungen in dieser Bezieheng entsprechen!_ Inhalt der Nummer I. Wissenschaftliche Aufsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Aufbau und Quellenscheidung für die Chanukasatzungen. (Fortsetzung.) — Litteraturbericht. Rezensionen: M. Grunwald, Portugiesengräber auf deutscher Erde. — Dr. M. Altschüler, _Vierteljahrsschrift für Bibelkunde Verantwortlicher Redakteur: Kaomner Dr. L. A. Rosenthai in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin. 1