Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 24. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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96 von R. Sira entweder Matna’s oder Raw’s Ansicht gebracht (es ist wohl Beides dasselbe), der die bewußten Dochte und Oele überhaupt erlaubt, und R. Jirmija (nicht Rawa) erklärt Baw’s Ansicht, der das Wiederanzünden nicht gebietet, wohl aber die Benutzung des Lichtes untersagt. (21b.) Und R. Juda im Namen R. Assi’s und vielleicht des hier viel um- strittenenen Raw (man lese Alfassi, Maor und Milchamoth nach) verbietet, Geld beim Chanukalichte anzusehen. Da die Halacha von Samuel bestritten wird, so kann sie wohl Raw und zwar einer anderen Fassung des אסור להשתמש angehören. (23 a) Weiterhin darf nach Raw nicht von Licht zu Licht (mit dem Lichte selbst) angezündet werden, man nehme 'die alten Zizith nicht zum neuen Talith und darf große Gegenstände am Sabbat nicht von der Stelle rücken. Samuel streitet hiergegen. (22 b.) Chija bar Aschi im Namen Raws verlangt eine Beracha beim Anzünden. Wie oben am Anfang hinter R. Huna und R. Chisda Raw erwähnt wird, so in der zweiten Halachareibe behandelt er hinter dem ersten איבעיא להן ein zweites, ob man den Neumond im Tischgebete erwähnt. Gegen seinen Lehrer R. Chanina verlangt er es; seine Ansicht wird auf R. Oschia zurückgeführt — der ganze Satz ist alt. Derselben Reihe gehören ersichtlich die in der dritten Frage behandelten Sätze Raws an, welche von der Sagia, der Erörterung, damit verbunden sind. R. Gidal sagt im Namen Raw’s: Am Neumondsabbat wird im Haphtarasegen der Neumond nicht erwähnt. R.- Achadabui im Namen Raw’s: Am Festtagssabbat wird in der Xinchahaftarah der Festtag nicht erwähnt. Die Sätze Raw’s (und Samuel’s) zeigen uns eine Eigentümlichkeit: Sie berühren das Chanukafest nicht allein, sondern vermischt mit anderen Gebieten. Zu ihrer Zeit gab es also noch keine besondere Chanukaschemaatha, sondern — dieselbe ist (vielleicht nach ihren Andeutungen siehe 24 a unten) von R. Huna zum ersten Mal in Angriff genommen. Darum kommt Raw־ hier immer erst in zweiter Linie vor. Außerdem sehen wir Raw’s Worte mit denen palästinensiecher Amoräer, wie R. Chanina (24 a), Josua ben Levi (24 b, 22b, 23a, bei 22 הרצאת מעלתa) R. Jochanan (21b) zusammen erwähnt, so daß wir dadurch auf die Haiache dieser Männer kommen. R. Jirmija ist es, der die Begründung der ersten Ansicht Raw’s ausspricht, ohne daß Abbaji sie annimmt; erst als sie ■hm von der Schule R. Jochanan’s aus überliefert wird, stimmt er zu. ״׳Braucht man es wirklich nach dem Erlöschen nicht mehr anzuzünden?“ fragt die Gemarä, um eine feste Zeitangabe ״vom Sonnenuntergänge bis die Leute sich von der Straße verlieren“ dagegen als für’s Chanukalicht geboten anzufübren und mit einer selbstverständlichen Antwort abzufertigen. Das war nur die Überleitung zur Schemaatha R. Jochanan’s, die der babylonischen Halachareihe Huna-Chisda- Raw sich anfügt. ״Bis die Tarmudäer von der Straße verschwinden“ erklärt Rabba bar bar Chana in R. Jochanan’s Namen die obrige Baraitha. Hie_r wird erst die Raraitha über die Zahl der Lichter eingefügt, um Ulla und Rabba bar bar Chana Erklärungen fär den Streit der Schammaiten ־und Hilleliten aus der Schule R. Jochanan’s zu geben. (Die Worte Rawa’s צריך נר אחרת etc. sind ein Nachsatz zur babylonischen Anfangshaiache und wegen der Baraitha hierhergelangt. Bis zu diesem ת׳ר ging das Jerusalemische Einschiebsei. Die vielumstrittene Stelle 22a א״ר יהוד' א״ר אסי אסר רב ist nichts anderes,als diepalästinensische Wiedergabe der obigen Ansicht Raw’s, worauf sofort auf eine Anfrage bezüglich der Verzierungen der Succah von R. Josua ben Levi die gleiche Antwort אסור להרצות מעות etc. gegeben wird. Bei der Erörterung über Raw’s und Samuels מנר לנר leitet R. Huna Sohn Josua’s, ein späterer Amoräer, zu 'דאיבעי להן über, ־um über einige Worte Rawa’s, die nicht zu R. Huna’« Satzungen gehören, zu Josua ben Levi, dem Paläetinenser, wieder hinzugelangen. Eine Laterne, die den Tag über brannte, muß abends wieder angezündet werden. Weitere Fragen bringen ein anderes Wort Josua ben Levi’s: Die Frauen sind zum Chaunkalicht verpflichtet, denn auch sie nahmen an den Folgen des Wunders Teil. Durch ,das מריש R- Sira’s wird das מריש Abbaji’s hergebracht, das wiederum Josua ben Levi uns zeigt, der (wohl im Nachtrag zu der Anfangshaiache) Olivenöl zumLichtund zur Bereitung von Dinte als vorzüglich hinstellt. Am Schlüsse l^aben wir schon die Palästinenser mit Rawa in Verbindung gesehen. Josua ben Levi will am Versöhnungs- und Sabbattage selbst im Neilagebet den Sabbat erwähnt sehen. Die־ Palästinenser scheinen eine Chanukahalacha ausgebildeter Art schon früh besessen zu haben, zum Teil, wie wir sehen, neben der babylonischen herlaufend, zum Teil sie berührend, und es ist leicht, aus ihren Sätzen ein Ganzes zu machen. Bei Raw treten die Namen .Jirmija als Ergänzer und Erklärer 21b, 23 a und R. Awja 22 a und 28 a auf, sonst sind es verschiedene seiner Schüler, die in seinen Namen sprechen. Immerhin liegt es nicht fern, anzunehmen, daß R. Jirmija die Worte Raw’s zu einem Ganzen vereinigt hat, zumal er Berachot 27b als sein Schülergenosse bezeichnet wird. Sie scheinen solchen Halachasammlungen Raw’s entnommen zu sein, welche sich über Sabbat und Feste, einschließlich Neumond. Chanukah und Purim erstreckten. Wenden wir uns nun Rabbah, R. Joseph und R Scheschet/.u. Rabbah setzt 22a im Anschluß an die Baraitha 21b 'מצו להניח׳ die Satzung an, das Licht müsse eine Faust breit von der Türe abstehen. Von Rabbah stammen, wie uns Abbaji 22a lehrt, dje drei Satzungen 'איהמי־ רב א■ da er sich hier nach Samuel gerichtet hat. Von ihm selbst ist also nichts Zusammenhängendes eingeordnet worden, auch erinnert er an keinen Zusammenhang, גורה ®tc. wird nur angeführt. Umfassenderes leistet R. Joseph. Er greift in den Einwand Samuels gegen das Verbot des Geldansehens beim Chanukalichte (ובי ני־ קדוש, ישבה)■ mit dem ובי דם קדוש' יש בו ein, wobei er die Baraitha des כיסוי דם anführt, wie den Begriff 'לביזוי מצו gegen Josua ben Levis Herleitung des Sukkagebotes aus Chanuka richtet sich sein bekanntes מריה דאברה' etc. mit der Succabaraitba (wie er oben sofort den Beleg bringt) und dem אבוהון דבולהו דם• Unter den Schlußworten der ersten Halachareihe wird eine Erzählung bezüglich der Zeit des Lichtzündens am Sabbat angeführt, welche beweist, daß R. Joseph und seine Schule die Chanukasatzungen auch vom,Sabbat ausgehen und in dessen Halachot einmünden ließ. Über das Gespräch Abbajis mit R. Joseph später. R. Joseph ist der Sinai, der die alten Halachot festhält, das Neue auf alte und richtige Quellen zurückführt und eine falsche Ableitung sofort rügt. Sein 'הנאים שקלת מעלמ■ sein נסיב רבי אליב' דתנאי ist bekannt. Und Abbajis S. 24 folgt ihm gegenüber dem gleichen Zuge, R. Huna’s und Juda’s Worte auf Raw zurückzuführen. (Schluß folgt.) Litteraturbei idit. Recensionen. Jakob Kramer. Das Problem des Wunders im Zusammenhang mit dem der Providenz bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni. Straßburg i. E., Singer 1903. 110 Seiten. Kramer hat zu seiner Dissertation einen Gegenstand von mehr als nur wissenschaftlicher Triebkraft gewählt. Die Denker — das Wunder — die Vorsehung — diese Begriffe regen ja gerade unsere Zeit auf; sie betreffen den Gegensatz zwischen Denken und Glauben und die Versuche seiner Überbrückung durch Männer, welche die Blütezeit jüdisch-mittelalterlichen Wissens durch ihr Auftreten herbeigeführt und durch ihre Leistungen zum Gipfel erhoben haben. Was bedeuten denn sonst die Namen Saadia-Maimuni? Und daß er die ״Providenz“ zum Wunder setzen mußte, stört die Einheitlichkeit des Gegenstandes nicht: Ohne Vorsehung kein Wunder, ohne Erhebung des Blickes über das Sichtbare ins Überirdische hin keine Vorsehung. Schon Saadia unterscheidet (wie nach ihm selbst die Scholastiker) das Unmögliche, das Mögliche und das tägliche