Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 23. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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91 Folgerung, bis man somit nach und nach sich den Zeiten Mosis nähert und mit eben den wissenschaftlichen Mitteln die Echtheit der Thora beweist, mit der man ihre l'nechtheit glaubte erhärten zu können. Der Glaube an sich und die Glaubensübung hat mit beiden Richtungen nichts zu tun. Zugeben müssen wir dem Verfasser, dal er uns mit hoher Besonnenheit und mit strenger Wahrun; der Denkgesetze von Schritt zu Schritt führt, nicht mehr vermutend, als wozu stets eine grolle Fülle von Nachweisen ihn berechtigt. Und auf diesem Wege war es ihm nur mö {lieh, so viel wie möglich vom Deuteronomium für dessen erkennbare geschichtliche Stellung zu retten, und dem Scheine bloßer müßiger Redeübungen und predigtartiger Mahnungen späterer Zeiten zu entziehen. Das ist ein groller Gewinn für weiteres redlich-wissenschaftliches Streben. Dabei sind vor seinen Augen eine Anzahl herkömmlichanerkannter Begriffe verschwunden, die man stets mit, großem Behagen gegen das ganze Füufbuch ur d besonders gegen das Iieuteronomion ausgespielt hat. Verschwunden ist der Vertrag, den das Prophetentura mit dem jerusalemischen Priestertum geschlossen haben soll; verschwunden der Begriff des Nomos, des starren Gesetzes, vor dem der Thora, der Lehre. Weit mehr, als es sonst von der Wissenschaft ausgesprochen wird, steht das Dtuteronomion, wenn Josia auch Dr. mit übernimmt, mit den Prophetenworten in Einklang, es ist das Ergebnis der prophetischen Predigt, die hier in’s Leben eintritt; viel weniger ■ eltsam erscheint nun die altjüdische Ueberlieferuig, datt die Propheten Mose gegenüber die spätere! seien, da der angebliche Gegensatz zwischen ״Gesetz und Propheten“־, die Hauptstütze der entgegengesetzten Ansicht, durch vorliegende Schrift viel von •lirer Stärke verliert. Verschwunden ist nun auch 1er Gedanke, daß durch das Deuteronomion die Religion aus liem Leben in ein Buch gedrängt worden sein soll, da doch umgekehrt die prophetische Forderung nicht mehr in der Luft schweben, sondern gerade als Tatsache ins Leben eingeführl werden soll. Verschwunden ist demnach auch die Ansicht,, die Pro_ pheten hätten sich gegen die Formen des Gott 'schönstes er klärt: nur gegen deren mißbräuchliche Anwendu g waren sic wie Steuernage! zeigt und wie wir zu allen Zeiten ohne jeden Widerhall von herrschend-theologischer Seite behauptet haben. Von selbst schwindet damit der Begriff .mosaischer Werkheiligkeit', da Steuernagel dem Wert der erg 1 nomu sich nicht unbedingt entgegenstellt. Er behauptet nicht einmal den sogenannten F enotheismus, sondern zeigt, daß sich das Deuteronomion auf weitere Fragen, als unbedingt Vorlagen, nicht einließ. Wir dürfen diese Folgerungen umso eher ziehen, als Vf. ohne jede Voraussetzung an seine Arbeit gegangen ist.. Es ist undenkbar, daß ein einziger Forscher die Tra {weite seiner Ergebnisse sofort übersieht; das kann nur der undere, der das Ganze vor sich hat und dem Verfasser 1 ur nach zuempfinden braucht. Wir nehmen angesichts so bedeutende! Ergebnisse Ma nches mit in den Kauf, was uns als herkömmlich empfunden nicht mehr merkwürdig Vorkommen darf. Es mul! uns nur wundern, dali diese grundlegende Arbeit nicht bereits in dem von uns angegebenen Sinne sich Geltung verschafft hat. Da er in dem Nowack'schen Kommentar das Deuteronomion behandelt hat, so ist seine Darlegung doch anerkannt worden. Für uns ist, wie wir sehen, eine in so strenger Weise vorgenotnniene Untersuchung, mit solcher Vorsicht schrittweise durchgefiihrt, von so lebhaftem Wahrheitsdrange geleitet, wobei der Verfasser gar nicit unter dem Banne von!Stimmungen sich befindet, sondern nur Tacsächliches zu bieten sieb bemüht, bereits eine halbe Rechtfertigung, ja, Ehrenrettung der Thora; wir sagen eine lialbs: die andere Hälfte bieten die Folgerungon, die sich zwanglts aus allem ergeben. Vielleicht kommen wir noch bei Gelegenheit dazu, im einzelnen unsere abweichende wissenschaftliche Meinung zu begründen. Für heute wollen wir den gewaltigen Eindruck dieser Leistung nicht schwächen, der wir trotz des Umfanges unserer Besprechung kaum in den 1 otdürfiigsten Umrissen gerecht werden konnten. Möge es dem Verfasser vergönnt sein, der Wissenschaft noch viele solcher Werke zu bieten, und uns möge dadurch die Gelegenheit gegeben werden, einem bedeutenden Geiste uns im Uesen nahe zu fühlen und seine Arbeit in unserem x Innern noch einmal entstehen zu sehen. Dr. M. Güderaann: Das Judentum in seinen Grundzügen und nach seinen Grundlagen. Wien, Lüwit. IV', 105 S. (Sch 111 fl) Zu den Hoffnungen Israels übergehend, weist Verfasser nochmals daran das Allgemeinmenschliche des Judentums י■ nach. Wie die Messiaszeit auch aufgefaßt werden möge — ' immer bleibt sie verbunden mit der Entwickelung des Menschentums, die Vereinigung der Gesammtmenschheit (nicht etwa verbunden durch die Annahme eines! Glaubens) durchzieht das ganze jüdische Schrifttum und Hie Gebete der jüdischen Gemeinde, aus deren Roschhaschanagebeten Verfasser die geeigneten und bekannten Helege zieht. (Vgl. unser ״Bibel trotz Babel“ S. 17 Nr. 13) Nach diesen Umrissen haben wir *zur Empfehlung des Buches nicht viel zif sagen. Verfasser hat die Belege, welche man siets zur Verteidigung der angegriffenen Hauptpunkte, beigebracht hat, nur als Ausgangspunkte benutzen können und wollen, da er ungeheuer viel neues zu bringen hatte. Er bleibt nicht bei den herkömmlichen Eri •rterjungen stehen; vielmehr ist er geneigt, dem Gegner manches zuzugeben, damit er ihn um so sicherer fassen könne. Nicht das Wort, nicht der verzückte Himmelsblick macht den Wert einer Religion aus, sondern der Geist, der sich hinter den Worten und Satzungen Verbirgt, die Absicht des Gesetzgebers, die sich nijeht in Anschauungen, sondern in greifbaren Folgen fiir’s Leben zeigt. Hat man diesen Standpunkt gefunden — und welcher andere wäre denn auch berechtigt? — dann erst kann man mit freiem Mut das Wesen des Judentums darstellen, wie es Verfasser getan hat, die Ueberlegenheit jdes Stärkeren, der keiner Scheingrümle bedarf, giebt sich adch in dem ruhigen, trotzdem warmen, z. T. gehobenen (aber nicht salbungsvollen) Ton aus, der sich überall geltend macht. Das Buch liest sich, angenehm (ich habe es in einem Zage durahgelesen, so hat es mich gefesselt): es kann unmöglich mit der ^lühe des Sammlers zusammengestellt worden sein — und doch! Wieviel ist darin gesammelt! Vielmehr sind dom Verfasser (lie Ergebnisse langjährigen Forscheris und öffentlichen Belehre ns mühelos zu einem Ganzen ziisammengetlossen, das an Kwanglosigkeit nnd doch innerer strenger Planmäßigkeit seines gleichen sucht. Vieles erinnert dm in an die Art des Cusjtri, alles ruhig <pu deuten, indem man es menschlich versteht. Da tritt die Theologie und der. Wortstreit um Formel® zurück, und die Tatsachen treten in d״n Vordergrund.; Die Bibelwissenschaft hat Verfasser ah einigen Orten igestreift; aber davon hätte er mehr bringen können. Allerdings lassen sich diese Dinge nicht in der Kürze darstellen: aber da Verfasser einige Punkie berührt hat, So wäre eine Darlegung seines eigenen Standpunktes notwendig gewesen. Läßt sich ein solcher nicht anders als in Andeutungen darlegen, so sind am besten alle Berührungen mit diesem Gebiet zu vermeiden. Hier heißt es, schon um der geringen Schätzung willea, die uns die Männer der Bibelwissenschaft entgegenbringen: aut Caesar aut nihil! Möge das schöne Werk inmitten unsere r Glaubensgenossen zur Kräftigung ihres Standpunktes seine Wirkung üben! Möge es aber auch nach außen hin weiter Verbreitung finden, mögen unsere Gegner daraus lernen, wi j das Judentum za beurteilen und welch hohe Schätzung ihm Vermischtes. (Fortsetzung.) Die Gebete einer Glauhensgenossens! treueste Abdruck ihrer innersten Empfin würdige Eigenschaft, zeigen die jüdischen Es wird in keinem der Gedanke feh! wesen Gott preisen. In. der Tefilla: r£׳i im Tischgebet: יתברך שמך בפי בל חי• zu bieten ist! d.1 qhaft sind stets der ngen. Eine merk- Dankgehete. en, daß alle Lebe- ובל החיים יוחך 0׳ m Nischmatgebete,