Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 17. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 3)
- Language
- German
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66 legte und nachdem er mit ihm die Bewegung des Ausschüttens machte, das leere Gewand den Yersammelten zeigte, sollte die Ausstoßung der Gegner aus der Gemeinde andeuten. Schließlich sei noch der midraschischen Deutung von למשא mit 1■לא בושה) Gewand bringt keine Schand, erwähnt. § n. _ - Verfertigung der Kleider. _ Stoffe und Farbe. 1. Die beiden Seiten des landwirtschaftlichen Betriebes, Ackerbau und Viehzucht, bildeten im biblisohen Zeitalter und später bis zur Zerstörung des 2. Tempels die Hauptzweige des Volkswirtschaft• liehen Lebens innerhalb Israel. Namentlich erhielt sieh als Nachwirkung des Nomadenlebens die Vorliebe für Viehzucht und innerhalb derselben für die Schafzucht. Auf den Höhen und in den Tälern ertönte die Schalmei der Hirten und unter fröhlichen Liedern* *) trieben sie ihre Kleinviehherden3) durch grüne Auen zu sanften Gewässern4) hin zu den Hürden,5) zu den Tränkrinnen, wo die Schäfer sich sammelten, um gemeinsam die Steine zu heben, welche die OeSnung der Brunnen zum Schutze gegen die sengenden Sonnenstrahlen des Tages bedeckten.6) Auf das Ansehen der Schafe achten und fleißig nach der Herde sehen, wurde angelegentlich empfohlen: denn nicht immer erhält sich das Gut, selbst die Krone bleibt nicht von Geschlecht zu Geschlecht; Lämmer aber versorgen stets mit Kleidern und der ■) Sabb. 77 b.׳■ _ *) Im Hoben Liede sind unter anderem wohl Beste solcher Hirtenliedar erhalten (vgl. 1, 7, 8; der auf den Höhen einherschreitende Hirt 2,8 t 16; 4,1 ff.; 6,1 f., bes. v. 8,5,6): jedenfalls sind darunter Bruchstücke von Liedern aus jener alten Zeit, in der Tirzah noch mit Jerusalem wetteiferte (6,4). Von einem Singspiel oder gar von einem Drama kann keine Rede sein. Jeder derartige Versuch ist Spielerei. *) ]צא■ er- ענא■ »ssyr. senu. Kleinvieh, Schaf oder Ziege im Gegs. su בקר• Gen. 4,2; 'עדרי צ. Kleinviehherden, Gen. 29,2; ,שד■ aas.' suu, ein Stück Kleinvieh, Schaf oder Ziege, Deut. 14,4; רחל■ Mutterschaf Gen. 31,38; אמר■ Lamm, assyr. immeru, Esr. 6,9; טלה, männl. Lamm, Jes. 40,11; גדי■ assyr. gadu, meist mit עזים■ auch ,יגדיר Hhl. 1, 8; כשבה ■בשב■ Lev• 6,5 auch יכבש assyr■' kabsu, und כבשה■ Gen. 30,32; איל, assyr. ajalu, Widder, 2. K. 8,4; ען, ar. עןא, assyr. enzu, talm. אוקא, alft Sabb. 152 a, männl. Ziege, weibL ־עיזה J. Bik. 65 b; שה עדם■ ein Stück Ziegenvieh, Deut. 14,4; 'גדי ע■ Ziegen- Söckchen, Gen. 38,17;ישעיר ע׳ der beharteZiegenbock, Gen. 87,31, שעירה עזים■ Lev. 4,28,-die Ziege; 'צפיר העז■ der Ziegenbock, Dan. 8,6 (vielleicht von einem Stamme, צפר stoßen, stechen, vgl. יצפורן der Nagel); עתיר, assyr. atudu, Bock, Gen. 81, 10. Abschreiberschalkheit hat Esth. 3,14 עתדים und ib. 8, 13 עתודים •t. עתידים geschrieben, um an erster Stelle (defekt) ironisch, an zweiter (plene) aufmunternd an Bock zu erinnern; An ersterer Stelle ist von den Völkern, an zweiter von den Juden die Rede. — חיש, Bock, Spr. 30,31. 4) Vgl. Num. 32,1 f.; Ps. 23,2. ‘) משפתים■ auch שפתים■ f*s. 68,14; Gen. 44,14; יגדחתצאן Num. 92,16; סכלה ■מכלאות für בלא) מכלא verschließen) Hab. 3, IV; ירפת Hab. 8,17, אמס■ Fütterungsstelle; דיר Hürde, Stall, b. k. 6,1; vgl. j. r. h. 67, wo כבני מחן mit בהדין דודא erklärt wird; אסטבלא■ Num. r. 11 u. אסטבלאט stabilium; Stall, Esth. r. 8. v. חוטרא;ותמאן Hürde, Sabb. 32a. •) ירהט assyr. ratu, Gen. 30, 38; 29, 8; Ex. 2, 16. Besitz von Böcken hilft zum Ankauf von Aeckern.1) Mit der Schafschur2) war eine Zeit fröhlicher Feste gekommen, an denen Freunde von Nah und Fern teilnahmen.3) Die geschorene Wolle4) wurde gewaschen und gebleicht, in der Tenne zum Trocknen ausgebreitet, geklopft, gehechelt, gesponnen und gewebt.5) Die Hirten standen nicht im Rufe allzugroßer Ehrlichkeit, daher man von ihnen wohl kleinere Wollstreifen und Flecken, nicht aber größere Mengen Wolle kaufen durfte.6) Bei den palästinensischen Schafen war die weiße Farbe vorherrschend,7 *) daher immer, wenn keinerlei Angabe der Farbe gemacht ist, von weißer Wolle die Rede ist3). Selten waren schwarze und gefleckte Schafe9). Ziegen hatten zumeist schwarzes Haar10). Aus reiner, weißer Wolle wurden feinere Kleiderstoffe verfertigt11) Das Haar der Ziege wurde zu gröberen Stoffen verarbeitet12). Kamelhaar war weniger geschätzt als Ziegenhaar und wurde durch Zusatz vonSchafwolle etwas verfeinert 13). Aus schwarzer Wolle, Ziegen- und Kamelhaaren wurden gröbere Stoffe, Zeltdecken und Netze verfertigt14); grobe Stoffe wurden zu Matten verarbeitet15). Der härteren Wolle wurden, um die Stoffe etwas weicher und geschmeidiger zu machen, Hasenhaar beigemengt16 *). (Fortsetzung׳ folgt.) *) Spr. 27,28; vgl. Hi. 31,20; Ex. 24,3. s)גזז) גז) Deut• 184 י• 3) Vgl. Gen. 31,19 u. ö. *) צמר (davon talm. צמר■ der Wollbändler, Erub. 101) aram. עמרא. B. b. 74a (davon צ2<ר=עמזראה> B. b. 21b), גזת הצמר■ Rieht 6,37;מילא, rieht.מילתא,מילת■ ma14, pi.;מילתין אמילתא■ auch Wollkleid, Sabb. 10b, Sanh. 44a; ׳עירה •עירא elgioy. Wolle, Wollflocken, Kel. 21,1, B. k. 119b; ׳עירניתא J. Sabb. 4 c als Erklärung für עידן. Baumwolle, auch ׳צמר גפן Kil. 7,2, aram. יעוסרא ניפגא J. Kid. 64c; עורדא■ Kid. 13a. 5) Vgl. Rieht 6,87; Ber. 58 a; יחכט גפץ Sabb. 7,2, klopfen, schlagen. 6) Tos. M. k. 11,9; גזזא, Wollflocken, Ber. 8a, Gid. 69a; פוקלין, auch זע ■פוקריןoxägiov, ein Häuflein geschorener Wolle, Sabb. 5,2. 7) Vgl. Ps. 147,16; Hhl. 6.3; Jes. 1,18. ף Sifra Tasria 5, 13 zu Lev. 19, 47. 9) Gen. 30,82. 10) Hhl. 6, 4,5, vgl. 1, 5. ") Nidda 17a; M. k. 28b; J. Sanh. 20c. קוליקון (״ xiüxiov, Mika 9, 2, vgl. Lev. 38,7. ‘3) Kil. 9, 1. ‘4) Ex. 26, i; 35,26; 36,14; 38,2; 1. Sam. 14, 13,16; 2. K. 2, 8; Hhl. 1,5; vgl. Aristoph. Tiergeschichte, VIII, 28; PI. h. n. 8, 76, 203, wo die Anfertigung grober Ziegenhaargewebe, welche besonders gerne von Schiffern zum Schutze gegen rauhe Witterung gekauft, als besonderer Erwerbszweig erwähnt wird; Filzschuhe aus Ziegenhaaren, vgl. Martial 14,140; vgl. Vergil, Georg.. III, 314; Cicero c. Verr. 1,138. 1S) Git. 70b; zu נושפקא■ jWe«;n>s, wollene Decken, vgl. Lagarde, Ges. Abh. 27.1 1S) יארגבת assyr. annabu, Hase; ליגנין, Tanah. Gen. 24, auch לגני• Gen. r. 21, 12, לגאי ,לגא, kaywi; Men. 29, 6; vgl. Tot. orb. fieser. 2, 40, bei Müller II, S. 521, wo Kleiderstoffe aus Hasenhaaren als Ausfuhrartikel Kappadociens im 4. Jahrh. erwähnt werden; über die Stoffe s. PI. h. n. 8, 219. f