Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 50. (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-6582513--2650-4857572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
196 den von Nissi empfohlenen Zem&oh ben Sch&hin. Seadja’8 Ernennung erfolgte im Mai 928. Bisher war talmndische Gelehrsamkeit der Maassstab für die Besetsang der Gaon-Wärde gewesen! Mit Saadja, artheilt Graets, wurde die philosophische Wissenschaft, "znr Gleichberechtigung mit dem Talmud erhoben. Eine Zeit reger, vielseitigen Schaffens begaun fär ihn an der ehrwürdigen Stä'te des suranischen Lehrhauses; — Bechtsentscheidungen, Gutachten und Auslegung des Talmud nahmen ihn ganz in Anspmoh und konnten ihm an einem intensiven wissenschaftlichen Wirken keine Zeit mehr lassen Aber die aaszeichneude Stellung ward für ihn bald unetfrealioh and drückend. *' Beneidet von dem Gaon Pumbadita’s, Eohen Zedek, angefeindet von dem reichen Aaron Ibn Sargadu aus Bagdad, lernte er noch dazu in seiner neuen Umgetung Zustande kennen, die seinem unersohütterliehen B^chtsgefübl and seinem religiösen Sinn tief schmerzlich sein mussten. Der Exilarch wie die Collegien von Sara und Pumbadita scheuten keineswegs vor Bedröokang der Gemeinden durch Willkür- Höhe Geldauflageu zurück, da sie zur Erhaltung ihrer repräsentativen Stellung bedeutende Summen nöthig hatten. So lag die Gefahr eines Braches nahe, and bald sollte, wie Nissi vorausgesehen, der Conflikt eintreten. In einem grossen Erbsohaftsprozesse hatte der Exilarch aas Gewinnsucht ein nicht gewissenhaftes Erkenntniss gefällt. Als er die zar rechtskräftigen Bestätigung des Unheils nöthige Unterschrift der beiden Gaonen verlangte, and Koben Zedek die seinige unbedenklich gab, weigerte sich der gewisseuhaftere Saarija da9 Gleiche za thun. Vergebens schickte David seinen Sohn Juda zu ihm, der charakterfest ג Mann wies das Ansinnen nochmals zurück. Als nun Juda sam zweiten Male erschien und im Aufträge seines Vaters von Saa׳<j* sogar unter Aadrohaag der Amtsentsetzang ungebärdig die Unterschrift forderte, kam es dabin, dass ihm von deu Leuten Gaon’s kurzer Hand die Thür gewiesen. wurde. Wie zu erwarten, entsetzte der beleidigte David •leu Gaon seines Amtes, jaerverhaugtenberihndenBauii and eruanutedeujuugea Joseph ben Satia za seinem Nachfolger Aber Sa&Jja liess sich dadurch nicht beirren, in Gemeinschaft mit seinem Anhang und Davids Bruder Josia Hassau erklärte er seinerseits David für abgesetzt und wählte Ha8-an zum Fürsten des Exils (930). Der Zwist der Häupter spaltete sogleich die Jadenheit “Babyloniens in zwei Parteien, auf Saadja’s Seite traten das saranische Collegium sowie die verdientesten Männer Bagdads. Es fruchtete nichts, dass der Chaiif Almaktadir, an den sich beide Tneile wandten, ein förmliches Verhör in Bagdad enstelien liess. N&oh zweijährigem öchisma aber, als der Naohfoiger Almaktadirs, Kabir, sich für die Partei Davids, die es an Bestechnngen nicht hatte fehlen lassen, entsohie i. war der Starz Saadja's and Hassans besiegelt. Dieser warde nach Cnoras'än verbannt, jener musste anfangs 933 seiner Warde entsagen. •’ Vier Jahre brachte Sa ad ja zurückgezogen von der Weit in-Bagdad za (933 — 937)*). Wenn eia solches Ergebniss des Zwistes der Mitwelt als ein Uuglüok erscheinen mochte, für die Wisseusohaft hat es sink za einem willkommenen Ereigniss gestaltet. Denn der verbannte Saadja wandte nun seine Müsse ganz der Abfassung religionspLilosophischer Werke, vornehmlioh seines unsterblichen ״Emanot we־Deot“ zu, das er im Jahre 934 vollendete. Mit diesem Buohe Saadja’s nimmt das Judentham Autheil an dem Ruhme, welohen die muhamedanische Gelehrsamkeit der Chalifenstadt verlieh. (Forts, folgt.) Ueber den ״Jwein“ Hartmann’s von Aue. Von Dr. 8. Gelbh&as, Rabbiner und Prediger in Prag (Fortsetzung von No. 5.) 18. 4141—4143. Wan daz ist gar der saelden slac swer zime z me niene mac. zetwungen, er’n uberspreche sieb EiD« talmadische Warnung lautet: לא תרתח ולא ״ תחטאSei nioht jähzornig so wirst nicht fehlen.*4 (Berachot 29) Vergl. Nedarim 22: ״Den zürnenden beherrscht die Hölle.‘• .הכועס כל מעי ניהנט שולטות בו 19. 4252—4253 Fz ist 5t vil unbewant ze dtm זören des goldes vnnt. Vergl. Spräche Salomon’s 17. 16: ״Was 8011 der kostbare Schatz in der Hand des Thoren, Weisheit za taufen, da er doch keinen Verstand hat?׳‘ 20 4113 — 4420. Din trügevröude ist eio niht din so mit listen gesebiht so der mant la׳ het and das herze krachet vor leide unt vor sorgen onen ist es unverborgen ez’u kiese listvronde ein man der sich iht Versionen kann and welch vröude nibt des herzen ist Einen ähnlichen Gedanken drückt folgender Sats aus: ״Das Herz fühlt die Webmuth der Seele und an seiner (zur Schau getragenen) Freude nimmt das Fremds (die Webmathj keinen Theil“, d. b. nach Luther. Wenn das Berz traurig ist, so hilft keine äusserlicba Freude. (Da*. 11.10) (Vergl. die Bibel nach der deutschen UeLersetzung Dr. Marlin Luthers.“ Wien, Verlag Reiuhard & CJotnp. 1866). 21. 460t- 4603. Hab ich dsu lästerlichen spot veidienet ieder umbe got wold’ ו r daz ri> len über mich. Vergl. Hiob 13. 2J, 23: ״Rufe mich ich will dir antworten, oder ich will reden antworte mir. Wieviel ist meine M1**ethat nnd Sünde, lass mich meine Ve» gehen und Fehler wissen.“ 22 4673—4678. Daz im ein ast den beim gevienc nnd bi der gurgeln hieuc nnd was daz in ein geverte der ubele t.uvel nerta so waer* er benaaien töt: doch Int er oangeude nöt Vergl. U. Samuel 18. 9: ״Uud Absalon begegnete den Kueobten Davids und ritt auf einem Maulthier bis er unter deu Zweig einer grossen Eiche kam, dä verfing sich sein Haupt an der Eiche und er schwebte zwischen Himmel und Erde und das Maulthier lief unter ihm toru“ *) Fürst and andere haben die Vermutung ausgesprochen, dasa der Kxilarch dem Saadja nach dem Leben getrachtet und 1ha durch »eine Na« handlangen gezwungen habe in einem Vorstecke za leben. Diese aal die unzuverlässige Angabe des Abraham beu Daad zarückgeheude Abnahme entbehrt zwar wegen des Schweigens, welches Saadja’s Zeitgenosse, Maaaudi, über diesen Pauk«, beobachtet, 1ierh1»to. isch ..U ruudlags (Graetz Bd.V, 400/84), doch vertoigts dsr Hass Davids u«i seines Anhangs äaauja jedemaii* auch bis uach nag «ad, n d eine Stelle des Einauot weist, wie Fürst zeigt, deutlich geaug auf die Ueeiunuog der Gegner hin. ״Derjenige, welcher einen schädlich׳,n Feind hat“ sagt dort Saadja (Euinnot, über-etzt von Fürst S iä and 20), ״sollte sich eiubilden, dasa sein Feind längst tot und verni htet sei uud er ihn gar uicht meh zu türcht.-n habe, u d er möge Zusehen, wie er mit dtui ungeiür. hteteu Un, lu.ke!er ig werde, das urplötzlich üb-r ihu heiematürzt." Wie eehr las Saa Ija in der Se.-le seiner Feinde, dis seiue Anhänger im Volke geisseltea, nnd deneu die Naenncht vou seinem X'ode gewiss eine Freudenbotschatt gewesen wäret _