Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 50. (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 50. Jüdisches Mrf. XXI. Litteratur ■Blatt. Hr Bolorjiilini aller Ja4eatham •sd Jadem hetr«fftn4«f1 litttr&riftchca Er* Mhdunim aaf dem fioblrt« der Philooephle, (iMfhlcht«, EthMOfrapblo! Theo- OrloiUH*• KxtfH», Honllctib» LJUrfik ■- Pädagogik. Her&usgegeben Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. BBeher der eleeehligUea UUereur, •reloa der Bddaetloa segeeaadt werde«, fladea י■, dlcaeai Blatte elageheade Beaareehaa«. Bel Rtaoeadaag re« swel Bfoeadeae» Raemplare« erfolgt elaaMilge bene G r a 11 laaarttoa 0TLiag9e6tn.g, 3en g, ®ece-m^et 1892. Das ״Jüdische Lltteratar-Blatt“ erscheint wöchentlich in Le ipzig hei Robert Friese pro Jahrgang 8 Mark Abonn allen Postans alten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das!5 Pf. ihr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark. ber*hn< Buchhindler u. Lehrer, welche direct oder dnrrh Rob in einem halben Bogen. Preis bei allen Btiohhandlangaa enten der ״Israelitischen Wochenschrift י־, die vierte Ijih'Uoh bei ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit net und sind an die Expedition diesea Blattes za sende«, rt Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Religionsphilosophie äaadja’s. Ueber den ״Jwein“ Hartmarin’a von Aue. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner und Predige!) in Prag. (Forts.) L itteraturbericht: Recension: Bacher, Dr. Wilhelm. Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maitnum — Kohut, Dr. Alexander, New- York Mauzür al-Dhamäris hebrew ajabic philosophical commentaiv oü de Pentateuch. — Kohnt, Alexander, Dr. Secular and the-logical gtudies etc por the rabbi. J. Herzberg. Aut falschen Pfaden. 1 Litterarische Anzeigen. — Br ie t kasjt en._ Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist picht gestattet Die Religionsphilosophie äaadja’s. ״Das Gesetz verbietet mir ein unbegründetes Erkenntnis!! zu unterschreiben; denn es befiehlt in Rechtssachen keine Rücksicht auf Gross und Klein sn nehmen.“ Mit solchen Worten wies das Sohal• haupt von Sura, Saadja ben Joseph Fajami, das ungerechtfertigte Ansinnen des Exilarcheu David ben Sakku'i zurück, nnd sie charakterisiren' den Mann, dessen diesj.M illenari u m uns eine der denkwürdigsten Epochen der jüdischen Geschichte diejenige des jüd.- babylonischen Gemeinwesens und des G&onat.s von Snra und Fumbadita wieder in Erinnerung bringt. Streng gegen sich selbst, ireundlich gegen seine Mit* menschen, lern von kleinlicher Gesinnung gegen seinen Feind, hat er als einer der edelsten( Männer seines Zeitalters Anspruch auf die Anerkennung und Liebe der Nachwelt. I Ssadja wurde im Jahre 892 zu Jrajum in Ober* ägypten, das aus einem Hanse der I^neohtschatt zu einer Heim»)alte der geistigen Freiheit werdeu sollte, geboren. Abu-Keihir, der Freund des arabischen Kosmographen Massudi, war sein Lehrer. Gründlich in das Studium des Talmud nnd der ta mudfeindlichen kaiäischen Litteratur eingeweiht, trat d0r junge Rabba* nit, dem das oppositionelle Räsomement des Karäerthums autipha'isch sein mochte, im Alter von 23 Jahren mit der Schritt ״Zur Widerlegung Anau’s“ J in den Kampf tür die Tradition gegen die zu dieser I Zeit von Joseph Roeh verfochtenen karaischeu Reli* ' gionsansiebten (915). Zum Manne r< ifiaud, legte er | daun in eiuer grossen Zahl arabisch geschriebener Werke den positiven Inhalt des Jadenthums, welches seiner philosophisch angelegten Natur eine Falle von Problemen darbot, nieder. Unter seinen von 915 bis 928 in Aegypten verfassten Schriften, deren Chrono* logie Professor Graetz (Geschichte dei Juden. Bd.V, Note 20) lestgestelli. bat, befanden sinh •in der Er* weckang richtiger Vorstellungen von der Gotteslehre dienender Commentar zum Pentateuoh, Jesaia, den | Psalmen and Hiob, grammatisohe Abhandlungen, die : noch erhaltenen Asharot, talmadisohe von Rapoport | in seiner Biographie Saadja’s erläuterte Werke, sowie j Streitschriften gegen die Karäer Ibn Sakawija and : Salmou ben Jeraeham nnd gegen den Bibelkritiker | Chiwi Albalchi.! Indem Saadja mit diesen exegetisohen, dichte* 1 rischen and polemischen Erzeugnissen als erster eine! rabbanitische Litteratur sohaf, die dem karäisohen ׳ seit Anan’s Auftreten um 760 aasgebildeten Schrifttbum erfolgreich eutgegentreteu konnte, wirkte sein umfassender Geist belehrend und läuternd auf seine tbeils von mystischen Anschauungen tbeils von anwürdigen Gottesvorstellnngea beherrschten Zeitgeuossen ein. Er, der sich in seiuen später geschriebenen ״Emunoth we-Deoth“ ebenso sehr als Kenner der griechischen Weltweisheit wie der chrisiliohin and mohamedanisoheu Religion zeigt, der deu Aasspraoh eines Talmadisten: ״ Wer״ vier Dinge in Betracht zieht, nämlich was oben uni was unten, was vorher and was naohher, für den wäre es besser, das er gar Dicht in die Welt gekommen״ als grundlos zuniokweist (Emunot, übers, von Fürst, Einl. C. 16), ward scjhon in jagendliohem Alter von dem Drange erfüllt, seine roligiös-sittliche, zu einem einueitliohea System zusammengefasste, Judenthum uad Philosophie vereinende und versöhnende Auffassung des Monotheismas der Mitwelt verständlich und annehmbar za machen. Wenn auch die in dem ״Iggarou“ niedergelegte Wirksamkeit äaadja’s als Lexioograph nioät 8ejhr hoch angeschlagen wird, wenn aaoh seine Streitschritten gegen die Karäer über die. Geltung des Tidmud, das rabbanitisohe Kalendersystem, die übertrieben skrupulösen Norman des karäisohen Verwandtsohattsand Eherechts, Schriften, die wie viele andejre verloren sind, nur ein vorübergehendes Zeitinteresse hatten, so verbreiteten dooh die Gründlichkeit, ddr Fleiss, der Scharfsinn, mit dem sie geschrieben w iren, den Namen des kühnen jungen ltabbaniten bis in die Hallen der suranisohen Akademie. Als daher naoh dem Tode des Gson Jom-Tob K&hana im Jahre 928 der Exdarch David banäakkal den bliadeu Nissi zur Ueberuahtne des Gaoaate nioht bitte überreden können, wandte sioh sein Blick aaf d^n Korypuäen der ägyptischen Gemeinden. Zwar erjsohiea die geistige Unabhängigkeit des damal• 36 jährigen daadja dam Nissi für das vom Exilarohat inj gewissem Sinne abhängige Amt gefahrvoll, dooh eptsohied sioh David nichtsdestoweniger tür ihn gegen