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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-12-02 · N° 49. (2.12.1892) · p. Seite 193

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 49. (2.12.1892)
Date
1892-12-02
Page
Seite 193 (sequence 4)
Language
German
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Während der grossen Messen pflegte er nach Leipzig zu kommen, wo ich ihn kennen lernte und ihn, soweit es mir möglich war, unterstützte, und es gelang mir, ihn den Armen der ־Verzweiflung zu entreissen. Ich blieb mit ihm in litterarischer Verbindüng, bis ich im Jahre 1857 nach Wien übersiedelte. Später zog er nach Pari s, wo er die Handschriften- Sammlung des Baron Horace Günzburg verwaltete, ordnete und zu beschreiben begann und dessen Sohn, Baron David Günzburg, unterrichtete. Dieser Schüler gereicht ihm zur Ehre, da derselbe bereits Tüchtiges aut dem Gebiete der hebräischen Litteratnr geleistet hat. Die Katastrophe im Hause Güns burgin Petersbürg traf den armen Senior Sachs sehr empfindlich, so dass er wieder in eineNothlage geriath, aus welcher ihn einige jüdische Gelehrte zu befreen suohten. Senior Sachs hatte den Fehler allzu grosser Gründlichkeit. Dieser Charakterzug wird wahrscheinlich manchen Leser stutzig machen. Allei ב zur Erklärung diene die Bemerkung, dass es Forscher gibt, welche so gründlich ihre Aufgaben lösen wollan, dass sie nie fertig werden, und anstatt Anderen etwas zur Weiterforschung zu überlassen, ihre Arbeiten sistiren oder fragmentarisch schriftlich behandeln , so dass die Wissenschaft darunter leidet. Der Ausspruch ״pas trop de zele“ gilt Licht bloss aut diplomatischem Gebiete, sondern auch in der Gelehrtentielt, woMauche vor lauter Eifer, recht gründlich und erschöpfend zu sein, der Wissenschaft das vorentbaitfen, was sie hereits ergründet haben. Jahrelang hat Senior Sachs mit der Katalogisirung und Beschreibung der Günzburgscheu Handschriften in Paris sich beschäftigt, ist aber, soviel bekannt ist, aut halbem Wege s tehen geblieben, nur was Salomo Ilm Gabirol betrifli, hat er die litterarischen Handschrifieii-Schätze der Günzburg’scheu Bibliothek* **)) lür d e Welt zum Theile verwerthet und fruchtbar gemacht.*“) Smior Sachs verdient einen Ehrenplatz in der Geschichte der modernen jüdischen Wissenschaft, er hätte in günstigeren materiellen Verhältnissen Bedentendeies geleistet. A. Jelliuek. Recensionen. i Bacher, Dr. Wilhelm, Die Bibelejcegese der jüdischeu Beligionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuui. Bespiochen von Rabbiner Dr. Kropberg. (Fortsetzung statt Schluss.) 9. S. 73 Anm. 1, nimmt der Verf |die Gelegenheit wahr, eine falsche Uebersetzuug der Sjtelle in Bachja (1. o.)וככל צרפו שם קבודו אל השמים ואל הא־ץ ואל הרוחות. Hier hat es der Verf. sehr leicht gelhabt. Ein hekannter Gelehrter soll hier רוחות mit LWinde“ übersetzt haben. Es muss rät hselbaft erscheinen, wie man zu solch’ einem Lapsus gelangen k&un. Wer auch nur oberflächlich die Stelle im Zusammenhänge betrachtet, kann keinen Augenblick zweifeln, dass רוחות hier ״Geister“ und nicht ״Winde“ bedeuten kann. Man sehe sich einmal die Stelle in Bachja in ihres־ Ganzheit an: וכבר צרפו שם כבודו אל השמים ואי הארץ ואל הרוחות כמו שאמך אברהם ואשביעך כד׳ אלה• השמים ואלהי (Gen. 24) (Jonah 1) ואמר יונה את אלהי השמים אני ירא pהא (Num.27;ס-סואטרם־ר־ע״היפקודד־ אלהי הרוחות^ braohte die Herrlichkeit Gottes in eine .Relation! zum Himmel zur Erde und zu den Geistern, wie die Schriftworte אלה| השמים, אלהי האו^ אלדד הרוחות beweisen. *) D eselbe zählt 830 Handschriften. — (E.) **) Senior Sache hut die henr. Zeitschrift 0 חמד“O fortaeeetzt, ferner ה! חין־" היונה, כנפי יונה heraus{ egebeu und viele belehrte Aafa&tae in den hebr. Zeitschriften v äröffenthcLt. (R; Wer könnte da •inen Angenbliok Bedenken tragen, dass רוחות hier ״Geister“ heisst. Ich möohte mit R. Ni8sim (Nedarim) mit einer kleinen. Modifikation ausrafen!?פה הכס איך אמר דבר זה.! 10. S. 80 Anm. 4 wird vom Verf. scharfsinnig hervorgehoben, dass aas Baohja’s Worten (V11,22) שיאהב להם מה שיאהב לנפשו מהם דשנא להם מה שישנא לו מהם evident hervorzugehen scheint, dass er in dem Gebote ואהבת לרער במוך das ל als Dativus ethioas und nicht als Aocusativ aufgefasst hat, wie dies ja auch von Ibn Esra in diesem Sinne genommen worden ist. 11. S. 108 Anm 2, will der Verfasser im Gusari (I. Cap. 47 bald zu Anfang) die Worte ושיבא בתורה auf Grund des arab. Textes streiohen. Allein hier ist Kaufmann ganz im Rechte, wenn er meint, es müsse das Original nach der hebräischen Übersetzung corngirt werden. Elin richtiges Sprachgefühl zwingt jedem Leser diese Meinung auf. Man lese die Stelle und urthede: אפר החבר חלילה לאל מן השרך ושיבא בתודה מה שהשכל מרחיר, אותו וישימהו שמר " Es antwortete der Cbaber, fern sei es von Gott, uns etwas falsches vererbt zu haben (שינחיל נו דעת בחכת מה שהיא מתנגדת אל השכר האמית ית s. j. Muskat o), so dass in der Thora etwas sich fäude, was dem Verstände wider- und von demselben Lügen gestraft werden .״ st!eicht mau die Worte 80 ,ושיבא בתורה müsteesdann heissen אשר השכל מרחיל! אותו; es wurden ferner dann die Worte דשימהו שקר einen scnwertälligen Pleonasmus bildeu. Was aber der Verfasser weiter sagt: ״Wie auch der Zusammenhang zeigt, weist J. Ualevy dort blos den Gedanken zurück, dass der jüdische Gottesbegriff etwas enthalte, was von der Verjnunft als widersinnig verworfen würde“ d. h. mit andern Worten, dort ist ja von der Lehre Gottes nicht die Hede — 80 beweist der Zusammenhang gerade das| Gegentheil von dem. Gleich vorher heisst es: sprjeht köuute זנם אתם אין להאשימבם בי אין מדהה למעמדותהנלוים הגדולים ויש לדון אתכם לוכות בהשלכת ההקשה והעיק השכלי d. h. ״Euch aber darf Niemand dies, (die Versinnbildlichung Gottes) zum Vorwürfe machen, denn Niemand darf jent) grossen, offenkundigen Manifestationen (nämlieh dasjenige, was in der Schrift darüber gelehrt wirf) irgendwie antasten. Man muss euch vielmehr von der bestmöglichen Seite beurtheilen, wenn ihr (delr Lehre zu Liebe) die Logik und die Verstapdesweisbeit verwerfet.“ Und darauf die Antwort des Cbaber ״fern sei es von Gott . . .80 dass in ^Tbora etwas sich fände, was a. 8. w.“ Auch der folgende Satz schliesst sich daran vortrefilioh an ״ ותחלת לשרת הדבריםja gleich die ersten Gebote der Thpra verbieten die Versiunlichang Gottes.“ Uud. ebehso das Darauffolgende: .־TO עלינו שלא נדחה pTאמנם ־ שקרבנו מן המלמד ון.הוא. Hier tritt überall gerade hauptsächlich die Lehre Gottes, die Thora, in deu Vordergruhd, freilich mit Bezugnahme aut den Gottesbegriff.! (Schluss folgt.) Strack, H. L., Dr. theol. et phiL Der Blutabeirglaube in der Mensohheit, Blutmord und Bfatritus. Zugleich eine Antwort auf die Her&a-torderang des i088״ervatore Cattolioo“. Vierte, nea bearbeitet• Auflage. Münoben 1892. (C. H. Beck’sche Verlag•- bucphandlang) X. 155 S. Ein Buch, das in einem Jahre 4 Auflagen erlebt, spriuht deutlich genug and bedarf der Empfehlung nicht. Wohl aber ist es die Pflicht des Liiteraten,

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