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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-11-25 · N° 48. (25.11.1892) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 48. (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
Seite 188 (sequence 3)
Language
German
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188 — und dass wiederum in den Bäohein der Israeliten niohts ▼on dem Feldange des ägyptischen Königs steht? Ferner: Warum wird keine Stadt der mittleren und nördlichen Stämme genannt and wie kommt es, dass Ramses anf seinem Marsche nach Hamath nicht nur die phönizischen Städte an der Küste, sondern auch die Städte von Ephraim, Manasse and Asser im In• nern sorgfältig vermeidet? Er meint, daraas sohliessen in dürfen, dass die nördlichen und mittleren Stämme Israels schon in Kanaan an festen Fass gefasst hatten, nm angegriffen werden ca können, während Juda in ,dem Gebiete, welches. späterhin nach ihm gnannt 'wurde, sich noch nicht niedergelassen hatte. Za diesem Schlosse glaubt sich der Verfasser um so mehr belechtigt, als er in dem Siegesliede der Deborah eine Stütze findet. Bei Aufzählung der israelitischen Stämme im Liede wird Juda nicht erwähnt, dagegen lässt es das Gebiet Ephaims bis zur W üste der am&lekitisohen Beduinen sich erstrecken. Die Amalekiter, die späteren südlichen Nachbarn Jada’s erscheinen also im Liede als die Nachbarn Ephraims Dasselbe lehren auch die älteren Kapitel der Bücher der Chronika. Nach diesen wurden die meisten Städte im Süden nicht von Hebräern sondern von Kenisitern aus Edom erobert. Kaleb wie Otbciel waren Kenisiter. B. Ueber Vivisection. Eine der populärsten und lebhaftesten Discussionen bei Gelegenheit der hier abgehalteneu Kirchenversammlang war die durch die Vivisections-Frage hervorgerufene. Diese ist eine rein ethische Frage und daher eine solche, in welcher die Juden beanspruchen dürfen, eine definitive Meinung auszusprecben. Welcher Art diese Meinung sei, kann keinem Zweifel unterliegen, da sie in den Lehren und dem Geiste der jüd. Beligion enthalten ist. Die jüdische Meinung in dieser brennenden Frage liegt nan iu der Mitte zwischen den Meinungen jener Schwärmer, welche glauben, dass im Interesse der medizinischen Wissenschaft die Thierqnälerei bis zu einem gewissen Grade erlaubt sei, und , «len Meinungen jener eben so schwärmerischen Moralisten, welche eher Generationen menschlicher Wesen der Tortur übergeben, als gestatten würden, dass man ein Kaninchen preisgebe. Nach der jüdischen Beligion sind Leben und Wohlbefinden der Thiere heilig; aber heiliger noch si&dLeben und Wohlergehen des Menschen. Während daher der Jude gegen unnöthige und muthwillige Quälerei der Thiere protestirt, kann er eine Ein• willigung mit Experimenten an lebenden Thieren, welche in einerWeise vorgenommen werden, dass sich die Schmerzen auf ein Minimum reduziren, nicht surückhalten. Er sähe gern die Bereicherung der medizinischen Wissenschaft, ohne dass hierdurch einem Thiere die geringste Pein verursacht würde. Er steht aber Thatsachen gegenüber und in der Erkenntniss, dass experimentale Forschung eine unerlässliche Bedingung eines solchen Fortschritts ist, unterwirft er sich dem geringem Uebel, wenn er dadurch das frössere verhüten kann. Er lässt sich auch nioht uroh den Trugschluss beeinflussen, als habe Gott nicht angeordnet, dass die Wissenschaft der Lohn für den Schmerz sein solle, dem׳ man irgend einem •einer Geschöpfe mit Ueberlegung verursacht. In der ganzen Schöptang erblicken wir das Leiden als mit dem Fortschritt verwandt. ״Das Opfergesetz ist das Lebensgesetz *, schreibt Sir Andrew Clark. Diejenigen also, welche sich als Werkzeuge zur Ausführung dieses Gesetzes au deu Thieren hergeben, beugen sioh nur 1 einer göltliohen Anordnung, ohne sioh gegen dieselbe■ ן aufzulehnen. _ Zur Chronologie. Von L Cohen in Rees a. Rhein. In Dr. A Brüll’s ״Populär-wissenschaftliche Monatsblätter“ ist Folgende« za berichtigen: Jahrg. .v, S. 123, Z. 14: Gabriel Biesser ward j am ersten Sederabeud 1806, der damals auf de■ I l. April fiel, zu Altoua geboren. — Der erste Seder-! abend 1806 war der Abend des 2. April. Jahrg. XI. In dem Artikel ״Chanuka und Weihnachten“ vou Dr. Rothschild s. A. sind Be- ' hauptnngen aufgestellt, welohe der Wirklichkeit nur zum Theil entsprechen. S. 11, Z. 13 v. u. heisst es: Der Monat Kislev, . an dessen 25. das Fest (Chanuka) gefeiert wird, ent• spricht dem Monat Dezember. — Dieses Zusammentreffen erleidet vielfache Ausnahmen, besonders für die Zeit, in welcher der julianisohe Kalender noch allgemein in Gebrauch war. Ich habe zu diesem Zwecke den Zeitraum von 1000 bis 1582 untersuoht und in demselben nicht weniger als 174 Jahre gefanden, in welchen der Monat Kislev seinen völlige■ Abschluss schon mit oder vor Ende November erreicht hat. Hier entspricht also der Monat Tebeth dem Dezember, Um den Raum d. Bl. nicht zu sehr in Auspruok zu nehmen, seien hier nur die Jahre des XI Jahrhunderts aufgeführt, iu welchen der Monat Tebeth mit Dezember oder schon früher begiuut: 1000, 3, 6, 8, 11, 14, 22, 25, 30, 33, 38, 41, 44, 49, 52, 57, 60, 63, 68, 71, 76, 79, 82, 84, 87, 90, 95, 98. — Im XII. Jahrhundert ist dieses 27 Mal, im XIII. 29 Malr im XIV. 32 Mal, im XV. 30 Mal und 1m XVI. 28 Mal der Fall. Es tritt hierbei die merkwürdige Erscheinung zu Tage, dass diese Abweichung von der Regel nur iu Zwischenräumen von 2, 3 und 5 (nur ein einziges Mal 8), nie aber in Zwischenräumen von 4 Jahren auftritt und hat der Zeitraum von 1000 bis 1582 keine weitere als die einzige in Klammern angeführte Ausnahme mit 8 Jahren zwisoben den Jahren 1014 und 1022. In dem Zeiiraame von 1582 bis 2000 ist nach dem gregorianischen Kalender das 1652 das einzige, in welchem Tebeth dem Dezember entspricht. S. 12, Z. 40heis8t es: ״Denn die ersten Christengemeinden feierten, wie andere jüdische Feste, auoh das jüdische Chanuka d. i. Weihnachtsfest, bis auf der Kirchen Versammlung zu Nioäa (321) eiue getrennte Feier angeordnet wurde, wie für Sabbat and Passa auch für Chanuka (Weihnachten), und zwar wurde für letztere Feier das Datum des damaligen Jahres, dar 6. Dezember, festgehalten, worauf naoh dem Aasgleiohangsmodas des Mondand Sonnenjahres das jüdische Chanukafest damals fiel und alle 19 Jahre fallt; über den 25. Dezember hinaus fällt es nie.“ Aach diese Behauptung ist eine irrige; das Chanukafest des Jahres 324 fiel nioht anf den 6. Dez״ sondern auf den 28. November. Eben so verhält es sich mit den Angaben, dass das Chanakafest alle 19 Jahre anf den 6. Dez. und nie über den 2ä. Des. hinaus falle. In dem Zeitraum von 1000 bis 1582 fällt es nur in 6 neunzehnjährigen Perioden auf deu 6״ dagegen in 15 auf den 5, in 8 auf den 4. und in 1 auf den 3. Dezember und zwar auf den 5. in den Jahren 1037, 56, 1132, 51, 70, 1208, 46, 65, 1303, 22.

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