Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 46. (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 180 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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180 — boren 1628) Bäbbiner za Worms, Verfasser der Gutachten Chavot Jair, innert sich dahin: מה שהדחיהו חכמי אומיה העירם בספריהם הניא ד,־ב* ומעשה רזרבי בנאה חבוטו קברא דאבונן בשינוי קצת. ,Man findet in den Büchern der Weisen der Völher Erzählungen, wie die ▼om Bohre Baba’s and von Babbi Ban ab. Dieselben sind mit kleinen Yerinderungen den Quellen unserer Väter entnommen.* Heinrich Heine schreibt: ,Es ist in der That auffallend, welche innige Wahlverwandschaft zwischen Juden und Germanen herrscht Diese Wahlverwandschaft entstand nicht auf historischem Wege, weil etwa die grosse Familienchronik der Juden, die Bibel, der ganzen germanischen Welt als Erziehungshuch diente, auch nicht weil Juden und Germanen von Früh an die unerbittliohen Feinde der Römer und also natürliche Bandesgenossen waren; »ie hat einen tiefern Grand und beide Völker sind sich ursprünglich 80 ähnlich, dass man das ehemalige Palästina für ein orientalisches Deutschland an sehen könnte, wie man das heutige Deutschland für die Heimath des heiligen Wortes, für den Mutterboden des Prophetenthums, für die Burg der reinen Geistheit halten sollte.* (Shakespeare’8 Mädchen und Frauen.) Heine lührt also die ähnlichen Erscheinungen auf gleichartige intellectaelle Veranlagung zurück. M. Güdemann, der gründliche Erforscher jüdischen Geisteslebens, schreibt über das 14. und 15. Jahrhundert (daa 143) wie folgt: ״Die Juden waren mit den Vorgängen im Staate und der Gesellschaft vertraut, nahmen an den Bildungsbestrehungen ihrer Umgebung Antheil wussten das Gate, das sich ihnen in der christlichen Welt darbot, zu schätzen und lebten im Umgänge mit den Christen wie Bürger unter Bürgern etc. In den Fastnachtsspielen des 15. Jahrhunderts sind so viele Anspielungen auf jüdische Sitten und Einrichtungen enthalten, dass man, wenn man, wie billig, annimmt, diese Anspielungen seien verstanden worden, aas diesem Umstande allein darauf schliessen kann, dass die Christen sehr zahlreiche Beziehungen zu den Juden unterhielten. Dieses Verhältniss wird indirect auch durch das oben angefühite Capitel in Ruprechts Rechtsbuche bestätigt. Es ist überschrieben ,Von der Juden Leben*, und es sind zumeist Bestimmungen darin enthalten, welche das Verhalten der Christen betreffen, welche eigentlich darauf ausgehen, die Christen von den Juden abzuhalten. Aus der Nothwendigkeit solcher Bestimmungen geht aber hervor, dass in Wirklichkeit der Juden Leben ,vielfach verschlungen war mit dem der Christen Leben*, es war kein verschiedenes Leben, wie es auch keines sein konnte, denn Vaterland, Sprache, öffentliches Wohl and Wehe waren beiden, Juden, wie Christen, gemeinsam.* ״Auch drrecte Berührungen zwischen Juden und deutschen Fürsten sind in jenem Zeiträume nachweisbar, wodurch ein gegenseitiger Ideenaustausch zwischen jüdischen und christlichen Literatnrkreisen möglich wurde. Der Erzberzog Friedrich der Streitbare von Oestreich aus dem Hause der Babenberger hatte zwei jüdische Finanz- Verwalter, welchen er den Titel Kammer grafen verlieh. Dieselben waren Brüder und hiessen- Lublin und Nekelo. 1® euer bei Menzel Geschichte der Deutschen IIIS. 392 angeführten Urkunde heisst es: ״Ego Lablinus et frater ■Mi» Nekolo, Judaei comites Camerae illastris ducis •Aaatriae.* (VgL Grätz Geschichte <L Juden VIL 8. 97). Dot Hohenstaufe Baiser Friedrich II. zog jüdische Gelohrte an seinen Hol Er corresjpondirte mit dem jüdischen philosophischen Schriftsteller Jehuda ben Solomon Hohen ihn Matka aus Tah-do (geboren circa 1215) über religjonsphilosophische Fragen. Später kam derselbe in die hiähe Friedrichs. De Bossi (Codices Nr. 421) schreibt: 8ab initio reeponzi ad imperatorem Fredericum narrat Jehuda Coen (hispanus de urbe Toleti) se ejus qaaestionem accepisse in patria sua respondisse quam esset 18 annorum deinde vero e Toldo in Etrariam migrasse. (VergL Grätz das S. 93) Ihn Matka berichtet folgender Maassen: ״Und als dieses dem Baiser unterbreitet worden, da freute er sich mit meiner Antwort. Auch gab es noch andere Fragen und Antworten zwischen uns. Und nach ungefähr zehn Jahren kamen über mich allerlei Dinge, ich zog nach den Ländern des Baisers, ich sah die Art seinerThaten und seiner Angelegenheiten und seine Weisen. Und ich bete zu Gott, midi wieder nach meiner Heimat froh und wohlbehalten zurück zu führen.* (Ozar nechmad IL 234). (Schluss folgt.) Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. Goldfuhn. ra. 1. Der Synagogenaafeeher (Chasan). Ich habe bereits im vorigen Jahre1) darauf hingewiesen, dass der Chasan, der Synagogenaatseher, in aen älteren Zeiten das ״Ausheben“ und ״Einheben* des ״Sefer Thora“ als Ehrenfanotion versehen hatte. Unser Gebrauoh, wonach das ״Ausheben* und das ״Einheben* verkauft besw. eine beliebige Person damit beehrt wird, ist jüngern naohtalmudisohen Ursprungs1 *). Den älteren Gebrauoh, wonach der ״Chasan* das ״Einheben* besorgte, reflektirt die Deutung R. Simon b. Jakum’8*), su Deuter. 27,21 dass dieser ׳Vers sioh auf den Chasan, den Synagogenaufseher, der das ״Einheben“ des ״Sefer Thora* besorgt, besiehe und zur Mahnung des Synagogenaufsehers diente, dass er das ,Sefer Thora* nicht niederlege sondern aufstelle. Das hat auch Naohmanides in seinem Commentar su Deuter, a. 1■ erkannt. Nachdem aber in seinen (Nachmanides) Zeiten, der jüngere, d. i. unser Gebrauoh, wonach immer eine andere beliebige Person das ״Einheben“ besorgt, bereits eingeführt worden war und ausserdem mit ״Onasan* nicht mehr der ״Synagogenaufseher* sondern der ״Vorbetex* bezeichnet wurde, 80 giebt Naohmanides dem fraglichen Verse eine an die Deutung R. Simon b. Jakum’s anlehnende, unserem4) Gebraaohe entsprechendere Beziehung. Noch 'in einem anderen Midrasoh ist der Beäex des Gebrauches, dass der Chasan d. i. der Synagogenaufseher das 3״efer Thora* aasand einhebt, her amträgt und hält, nioht erkannt worden und darum dessen (des fragliohen Midrasoh) Sinn selbst von einem so gründlichen Kenner des Midrasoh wie Dr. Jellinek nioht erkannt worden. ImMidrasob su den Psalmen*) wird P8. 16 Vers 11 auf den Feststraas am Saokothfeste gedeutet, worauf folgender in den ältern Editionen fehlender Satz folgt:,,וכיו! שהניע הושענא רבה נוטלק ערכי נחל ומקיפין שכע הקפות וחזן הכנסת עומד כסראך אלהים מקיפק אוחו תנסח המוכה. Dr. Jellinek, der diesen Satz zuerst aas den Handschriften veröffentlicht hat*) in den ״Midrasoh-Fragmenten* 1j TJmM.« 1891 Seite 124 Aam.**)i vgl. oben Seite 159 Ana. 8 — »)Vgl. מהר״יל ed. Warschau 1874 Seite 62b. Die Behauptung des ®פרי חד nun א" ח eap. 147 § 2, dass nach- Ham jeras Talmud, Joma tfolio 44a vgL Sota 22a) nur ״daa Aufheben“ dem ״Chasan״ gebühre, aber nicht daa ״Ein heben* ist nicht richtig, wie aus dem Aufträge des B. Jose an Bar Ulla zu ersehen ist. — *) Jarua Sota falio 91 d. Die in Paxantheae eingeschlossenen Worte (ed. Krotoecbin) fehlen bei Naohm. und sind entweder eine in den Text geratheae Gloaae oder aua dem naohfolgaiidan: ר״שמעון dtttographirt. — *) d. h. riehtiger: dam sephardiachen Gebraaoha, wonach der Vorbeter das ״Safer Thora* vor der Verlesung in dis Hübe hebt and nach eilen Seiten die Sohrift seigt. Bei ans ist dis 'דינבה bafcennrtinh ״,eh dem Verlesen dar Paraacha. — •> Gap. 17 § 5 Seit# 128 ״d, Baber. — *) Bat-hs-Mid rasch V. Thail, 8. 168. —