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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-11-04 · N° 45. (4.11.1892) · p. Seite 176

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 45. (4.11.1892)
Date
1892-11-04
Page
Seite 176 (sequence 3)
Language
German
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176 Dichterin. Hiu Kats verfasste ״Exhorten* Babel Baasnitz und ]Ball»Hurwita schrieben ,DieGeschichte von der Ansiedehuig dar Juden in Prag*, Angesiohts dieser Einwirkung das deutschen Geistes anf den jüdischen ist aa kau ־Wunder, wann auoh in daatsohen Geisäkwarken Aaldknge an jüdische Ideen an finden sind. Denn es ist eine psychologische Unmögliohkei t, daas von swei einander aiob berührenden *Geiste*- aehiphtrm nur die eine den Einfluss der anderen er• fahren soll; die Einwirkung!nass eine gegenseitige, Wechsel wirken de sein, was auch bei den niohtjüdischen and jüdischen Bewohnern daatsohen Bodens der Fall war. Wenn man bedenkt, dass schon aar Römerxeit Juden im westlichen Deutschland vorhanden wann, daas sie, welche wahrsoheinlioh als Lasttriger in den Seihen der römischen Legionen oder als Handwerker nach Germanien kamen, and entweder Aramäisch, Griechisch oder romanische Idiome redeten, ihre Muttenpraehe vergessen and die Sprache ihrer neaen Heimath annah säen. Wenn man ferner bedenkt, dass die deutschen Schriftsei oben bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts den Jaden snm allergrössten Theue anbekannt waren, so dass die Mandelaaohn’sohe Bibeläbersetsnng in jüdischen Lettern gedruckt werden musste, am sich Eingang sa verschaffen: so mass man nothwendig einen sehr intimen Verkehr ■wischen Jaden and Nicht jaden voranssetsen, der den Erstereu die Annahme der Landessprache ermöglichte: Der innige Verkehr setat eo ipso einen Aastaasoh der Gedanken, der Gefühle and Empfindungen voraus. Und so ist es erklärlich, wie in den ältesten daatsohen Denkmälern, in den Sagen, Liedern and Märchen, jüdische Anklänge vorhanden sind. Schon die Brüder Grimm bemerken: sAach in den Talmadsagen der Joden liegt manches Märchenhafte“, ohne einen Verglaioh *wischen den jüdischen and deutschen Märohen vorsanehmen. (Forts, folgt.) Die gegensinnigen*) Wörter im Alt• und Neuhebräischen. Sprachvergleichend uaqpastellt von Dr. E. Landau-Zürich. (Schlaaa.) . Durch die Einteilung des Materials in bestimmte Kategorien ist schon der Hinweis gegeben, dass cor Verwendung eines ־Wortes für conträre Begriffe mannigfaohe Einflüsse sich geltend maohten. Deswegen musste bis jetat jeder Versnob, diese Spracheracheinung ans einem einsigen Principe sa erklären, fehlschlagen. Der Verfasser sah sich daher genötigt, eklektisch za verfahren and bei jeder einzelnen Kztegorie den wahrscheinliohsten Grand dee Gegensinns ansaführen. In Bück sicht nnn auf die schwierige Bearbeitung eines solchen spröden Stoffes, in Erwägung ferner, dass die erste wissenschaftliche Behandlung eines Gegenstände^ selten ganz vollkommen znzfällt, rechnet der Verfasser anf milde Beurteilung seitens der Fachwissenschaft und wird jede Berichtigung der Kritik, die objeotiv nur der Seche dienen will, dankbar annehmen and beiüokaiohtigen. _ Daa Problem. Daroh die lassem Sinne nimmt der Mensch seine Umgebung wahr; vermittels des Aages wird jene objeotive Erscheinung in eine aubjective Anschauung verwandelt; diese wird nnn vermöge dee innern Sinnes sa einer Vorstellung verarbeitet. Die ansohaaende *1 ln voriger Nummer 8. 178 Z. 5 utnae es statt gegensinnlichen Wörter hei «am: ״gageeeiinrigea Wörter“; ebenao 8. 178, Z. 8 v. m, gagansaniger7 statt geganainnlichar. Seele hält dann die flüohtige Vorstellang'daroh einen Laat. daroh Benennang, fest; aaf diese Waiss gewiuft sie Denkstoff, da ja alles Denken nur ein Opertswp mit Vorstei Inngen ist. Solchergestalt entwickelt rioh die Seele, wenn aaoh allmählich, *am denkenden Geist. Durch die Namengebung hat aber die Seele nioht allein bestimmte, aioh scharf von einander abhebende Voratellaagea gewonnen, wodurch sie aas dem Zustand des Bewusstseins sioh au einer höhern Potenz, zam Selbsbewussteein, emporgesohwangen, sondern sie erwarb dtmik nooh einen höhern Gewinn, nämlich deu; ihr Empfinden, Wollen and Denken gleiohgeartetea Individuen mittheilen sa können! Sprache ist demnach einerseits ein psyohisoher Prozess, der die Vernunft mitsohaffon and anubilden hilft, andererseits bildet sie das Mediam, der bessern and schnelleren gegenseitigen Verständigung. Denn erst daroh die Spraohe wird der Mensch befähigt, bei Andern ähnlichei-Vorstellaagea and Gedanken, wie die seinigen, anzuregen and hervorsarafen. Nach beiden Richtungen hin, sowohl als seelische Fanotion wie aaoh als Verkehrsmittel, sollte die Sprache sweokmäa8ig verfahren; sie müsste dann für jede Vor- Stellung ein eigenes Laataeiohen, für jeden Begriff, ja für jede Begrifissohattiernng eine einzige Benennang aasprägen, eher dann aaoh aar eiae. Die Erfahrung belehrt une aber eines andern. Denn fast in jeder Spraohe gibt es für einen and denselben Gegenstand oft mehrere Bezeichnungen; das sind di» Synonyma; so s. B. im Deutschen; befreien, retten; erlösen; Oerausch,Laat, Schall, Klang, Ton; umgekehrt bezeiohnefe man mit einem Worte nioht selten verschiedene Begriffe, wie s. B. der Name Straass nioht bloss für den Wüstenvogel, sondern aaoh für ein Blumengewinde and für Streitigkeiten verwendet wird. Anf der einen Seite also geht die Spraohe mit ihren Laatmittela aa verschwenderisch am, aaf der andern mit einer Sparsamkeit, die schon an Geiz grenzt. Ganz besonders aber mass es befremden, dass die Spraohe aaoh solche Wörter besitat, die entgegengesetzte Bedeutungen aalassen; bannen s. B. heisst einmal fortjagen, ein andermal feethalten, steuern heisst bald bewegen, ein Schiff lenken, bald hemmen, einem Unfug steuern; ein8teilen bezeichnet die Bewegung unterlassen, z.B. Streitigkeiten einstellen; dagegen: in Zag No. 5 ist die dritte Klasse wieder eingestellt, d. h. zam Mitfahrern wieder eingereiht; Auslassung: die Auslassung dieser sa verlesenden Stelle; dagegen ist die Auslassung des Staatsanwaltes soviel wie dessen Aeasserang. 8010110 gegensinnige Wörter sind selbst in der deutschen Sprache, was man kaum für glaubhaft halten konnte, aa Dataenden vorhanden and werden aaoh galegentlioh später teilweise bei passenden Stellen angeführt werden. In neuester Zeit hat G. Abel in seiner Schrift über den Gegensinn eine ganze Reihe solcher Wörter im Aegyptisohen und Koptisohen naohge wiesen’) und im Anhänge’) eine Menge Beispiele •ach ans dem Indoeuropäischen and Arabischen angeführt. Im Semitischen war diese sprachliche Erscheinung schon längst bekannt. Lange aber bevor nooh dl» arabische Linguistik sich mit diesem Thema befasste^ forderten einseine biblische Wörter dieser Art die Erklärang heraas, wie ברך segnen and flachen חסד Gnade und Sobande, sowie das alte ־HK Licht and Nacht, in der Misohna; doch davon später, jetzt beschäftigt ans nnr daa reine Problem: Wie ist die Enantiosemia au ’) Carl AbeL lieber den Gegensinn dar Urwarte. Spracheen eeheft liehe Abhandlungen. Berlin 1886, 8. 311—MS. ף Ibidem, Anhang. S. 344—889.

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