Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 45. (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ä? 45. Ata«. XXI. Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Baltarfctaaf ■tlar JaCaatkaat aa« Ja*aa ktttdMa Httanrlacka b• aafcataaBf*■ aaf Um fiaklaU *<r PUIa- **»kl•, «aackkkla, ZthaatntUa, »**- lad•. OrinUHa, KxtaaM, BaaüJatik, UUlrfk a. FMacarfk. Heransgegeben! Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 3eWt^., den 4. &Lovem&e1 1892. Blfttl 4• I QvftU.»• Da* ,Jädisek« LRterstsr-Blstt“ erscheint «6 ohantlich in einem halben Bogen. Breie bei allen Buchhandlung•* in Le ipsig bei Robert Frieae pro Jahrgang 8 Mark, Abonnenten der ,ז—•ofJiti-nK-riWnrWtanhrift‘‘, die▼iactaljlhrliah bei allen Poataee allen und Bnchhandlnngen S »*äk nhi», erhalten däi^Jttdieobe Litteratar-Blatt“ aratie. — laaerate werden mit tt FL Ükr -die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit SO Hark, berechnet nnd sind an die Expedition tüeaea Blattes ■air ir־“1־ Bnohhftndler n, Lehrar, welche direct oder dnroh Robert Frieae Inserate einsenden, erhalt**- 85 Bakait Inhalt! 1 *Wissenschaftliche Aafsätse: TJeber mittelhnMidantaMia nnd jüdische Litteratar. Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner nnd Prediger an Prag. — Die gegensinnigen Wörter im Altnnd Nenhebrtischen. (Schluss) Von Df. Landau- Z&rich. — Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr.lGold fahrt. Litteratnrberioht: Recension: Stark, M. Die Schriftgelehrten. Haber, Dogmenlose Sittenlehren. Litterarische Notiz. Uskefbgter Nachdruck aas diese* Blatte Ist alc^t gestattet lieber mittelhochdeutsche und jüdische Utteratur. Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner nnd Prediger zu Prag. - i In dem Leben der Völker sind zujreilen Aehnlicbkeiten wahrzunehmen, ähnliche Aeusperangen des 80 cialen nnd politischen Streben», überhaupt ähnliohe ’ Manifestationen der geistigen Entwickelung. Dieselben sind aut msnnigfaohe Ursachen znrüoksaführen: aaf gleiob artige intelleotnelle Veranlagung, aut gleichartige politische Bedingungen und auf direote äussere Em- Wirkungen. Wenn a. B. Hindus and Kopten zu einer sinnliohen Weltanschauung hinneigen, soj rührt dieses von einer gleichartigen Geistesriohtang her. Wenn bei den Bömem zur Zeit der Bepablik die Fatriaier im Gegensatz zu den Plebejern im Besitze der Gesetze sind nnd in Palästina in der königlosen Zeit die Ghaberim im Kontraste zu den Am Häarez (Volks- Eartei) die Bewahrer der mündlichen Qesetzesüber• eterung bilden, so ist der Grand in den gleichartigen politischen Verhältnissen zu suohen. Wenn bei Baby- Ioniern nnd Assyrem ähnliohe Formen |der Götter- Verehrung anzutreffen sind, so beruht! dieses aaf Stammesverwandtschaft, and wenn bei zwei Völkern, die verschiedener Abstammung sind, die aber aaf demselben Boden wohnen, demselben Staatswesen angehören, dieselbe Spraohe reden, ähnliche Gedankennnd Geiühlsäusserangen vorhanden sind, so sind diese die Folge gegenseitiger Berührung, gegenseitiger Beeinflussang. Dieses gilt von den litterarisqhen Erzeugnissen -jüdischer und niohtjüdisoher Bewohner des deutschen Bodens überhaupt, und besonders von der deutsohen nnd jüdisohen Volksdichtung. Es sind dieses jene poetischen Erzeugnisse, welch » nioht den grossen Diontern nnd Denkern angehören Ihre Verlasser sind wenig gekannte oder völlig unbekannte Persönlichkeiten. Zorn Theile sind es Leute ans den anspruchsloten Schichten des Volkes: Handwerl er, Krieger, Studenten u. dgL Die Verfasser drängen «iah moht tot, lassen ihn Erzeugnisse spreohen and ziehen sioh bescheiden ins Dunkel surüok. Man könnt die•• Produotionen, man liebt sie ohne ihren Ursprung zu keimen. Man weiss nioht, wie sie sioh verbreiten, wie sie sioh Eingang verschaffen. Sie sind herrenlose■ Gat nnd gehören Jedermann an. Grgjg? nnd Klein, Hoch nnd Nieder hängt ihnen mit Liebe and Innigkeit an. Die Volksdichtung, die frühesten Prodgotianen deutscher Volksdichtung sind in Deutschland in jüdische Kreise gedrungen und halben da Aufnahme gefunden. So giebt es-. eine Sammlung Von Legenden in jüdisoh-deutsoher Spraohe, welohe dem frühesten Mittelalter angehört, das ״Maasse-Baoh“ genannt, in welchen Bestandtheile deutscher Märchen enthalten׳ sind, aut welohe die Brüder Grimm in ihren Kindernnd Hausmärohen hin weisen. Die Sage von König- Artus׳' Hof, welohe den Grundstock vieler Bitterronpane der mittelhochdeutschen Dichtung lüdet, wurde schon im dreizehnten Jahrhundert ins Hebrätsche übersetzt ״Eulenspiegel‘4 erfahr eine Gebartragung ins Jüdisoh - deutsohe. Ebenso giebt ee jüdisoh-dentsohe Bearbeitungen der deutsohen Volk■- Düoher. ״Fortunatas mit seinem Seokel and Wunschhätlein“, ״Die sieben Weisen von Rom“, ״Kaiser Ootavianas ‘, ״Die Liebschaft von FloraB and Blanoha fleur“, ״Die getrene Pariserin“, ״Der Bitter Siegmand und Magelone“, ״Vom Bauer Grill“ u. a. ra. Auch jüdische Dichter und Sohriftsteller, die im deutsohen Geiste und in deutscher Spraohe kanstmäsaig diohteten nnd schrieben, waren im Mittelalter Vorhanden. Des 13., 14., J.6. nnd 16. Jahrhundert haben solche aufsuweisen. Süsskind von Trimberg war ein Minnesinger, dessen Weisen sioh den poetisohen Erzeugnissen seiner niohtjüdisohen Sangesgenossen würdig an (GeSeite stellen. DasUrtheilF. Heinrioha v. d. H&gen über ihn lautet: aSr zeigt überall Sinn nnd Geeohmaok, weder Spraohe noch Ausdraok würden den Jaden verrathen.“ (M. S. 4. 538.) Aach ein anderes Werte eines anonymen jüdisohen Dichters aus dem 14 Jahrhundert, welches in dem Versmasse des Nibelungenliedes abgefasst ist, ist vorhanden. Elias Levita, dar bekannte hebriisoha Grammatiker, dichtete einenBitterromanin Beimveretn, der den Namen ״ßovobucli■ führt Auch deätsobe Lieder wurden gediohtet so z. B.: aaf die Belagerung Prags durch die Schweden. Das Frankfurter _ Vinslied“. Das ״Freudeloblied■, ein Lied auf Josef L a. a. Jüdisoh• Frauen traten ebenfalls als SohiM* stellerinnen au£ Eine Frau Litte ans EUgeasbngg ist die Verfasserin t D«r Gesohiohte des Königs DaUfi*. Babel Ackermann diohtete ein LiecL^Das de■ Hof•■*. Taube Pan aus Prag war ec