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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-10-28 · N° 44. (28.10.1892) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 44. (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
Seite 172 (sequence 3)
Language
German
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Bobinsonerzählang conoentrirt; erst mit dem 3. Schuljahre beginnt die sogenannte Patriarohenstufe. Wir stehen -nioht auf dem Boden dieser Coacentrationsidee nnd sind nioht der Ansicht, dass 12 Härchen nnd Robinson bessere Früchte seitigen sollen, als die für das betreffende Alter aasgewählten biblischen Geeohichten. Comenias will aber nioht das gance Eraiehnngswerkder Schale überlassen,׳ er spricht viel• mehr von einer scbola materna, dass die häusliche Eraiehnng die Grundlage aller religiösen Bilduug sein müsse. Hören wir ihn über diesen Punkt, siehe Seifü.189: ,Wenn Gott in reichem Masse für sein 'ansgewähltes Volk Vorsorge trug, so aeigte er ihm doch die Schule nie anders, als in seinem Hause, wö er sich als Lehrer, uns. als Schüler, als seine Lehre aber .das Wort seiner Weis• heit dargestellt hat. Denn 80 spraoh er durah Moses: Höre, Israel, der Herr unser Gott ist ein einig er Herr; und du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Vermögen; und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst da zu Herzen nehmen and sollst sie deinen Kindern einschärten und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest u. 8. w. (&. B. M. 6) Und durch den Propheten Jesajas: Ich bin der Ewige dein Gott, der dich lehret, was nützlich ist und leitet dich aut dem Wege, den du gehest.* (Cap. 48,17.) Und an einer anderen Stelle Seite 190: Wenn einer von den Theologen ganz richtig schreibt, jene schöne Weisheit Salomos sei in ihm, weil er das Gesetz Gottes in die Häuser, Schalen and Lehrhäuser eingefühlt habe, — was 8011 uns hindern, zu hoffen, es werde die Salomonische, d. h. die wahre und bimmlieche Weisheit bei uns einkebren? Darauf also wollen wir binarbeiteD, dass im Hause etwas für uns da sei, was uns weise machen kann. Denn angenommen, es wären solche unglückliche Zeiten, dass die Kinder Israel herniedersteigen müssten zu den Philistern, dass jeder sein Plugschaar, seine Hacke, sein Beil oder sein Grabscheit daselbst schärfen Hesse, weil kein Schmied im ganzen Lande Israel gefunden wurde il. B. Sam. 13, 19, 20): aber müssen denn die sraeliten immer so bedrängt und bedrüokt werden? Zumal da dies den Nachtheil brächte, dass — wie dort die Philister den Israeliten die Hacken wohl gerade richteten, ihnen jedoch nicht Schwerter gegen sie zukommen Hessen — man eben auch von der heidnischen Philosophie wohl die allbekannten Vernanftschlüsse und Bedeblumen haben, nicht aber Schwerter nnd Spiesse zur Bekämpfung der Gottlosigkeit und des Aberglaubens erlangen könnte. Wollen wir uns also jene Davidischen oder vielmehr jene Salomonischen Zeiten herbeiwünschen, wo die Philister am Boden lagen, Israel aber herrschte und seiner Güter sich erfreute.“ Der Behauptung, dass die heilige Schrift über die Fassungskraft des kindlichen Alters hinausreiche (Seite 201) begegnete er mit den ironisch Uingenden Fragen: ,Ob denn wohl Gott nicht verstanden haben sollte, wie sein Wort unserem Geiste angemessen sei (5. B. M. 31. 11—13)? Bezeugt denn nicht David, dass das Gesetz des Herrn den Kleinen (merke wohl: den Kleinen!) Weisheit bietet (P8.19,8)? Daher ladet David die Kleinen in seine Schule ein: Kommet her, Kinder, hört auf mich, Gottesfurcht will ich euch lehren.“ (Psalm 34,12.) Comenias wird nioht müde zu betonen, dass die wahre Frömmigkeit nur aus den ,Quellen Israels“ geschöpft werden kann. ,Wenn daher, sagt er S. 191, die Kirche von dem Unrath gereinigt werden^soll, 80 ist kein anderer sicherer Weg übrig,fals dass wirgdie verführerischen Erdiohtaugen'der Mensohen aufgeben, zu den einzigen reinen Quellen Israels zurückkehren und Gott und seinem Worte aas selbst and unsere Bücher zur Lehre und Führung übergeben. Dann wird gesobeben, was geschrieben steht: ״Und alle deine Kinder sind Lehrlinge des Ewigen“ (Jesaja Cap. 54,13). Die ganze Persönlichkeit des C. giebt schon die Gewähr, dass ihm jede Scheinheiligkeit and Heuohelei verhasst and dass es ihm nur um die Förderung edler Menschlichkeit zu thun war. Ausdrücklich sagt er, S. 185: ״Wenn wir die Jagend zur Religion bilden, 80 muss dies ganz und gar geschehen, innerlioh sowohl als äasserlioh, dass wir nioht einen blossen Geberdendienst ausbilden, nämlich ober fl achliehe, vergebliche, erheuohelte Verehrer Gottes, nooh auch Schwärmer, die sich an ihreu Träumereien ergötzen und durch Verachtung des äussern Dienstes sich von der Ordnung und der Ehre der Religionsgenossensohatt losmachen, nooh endlich Gleichgültige, bei denen das Aeussere für das Innere keinen Antrieb giebt, noch das Innere dem Aeusseren Leben.“ So erkennen wir Comenias als einen Mann nach dem Worte Gottes, edel, hilfreich und gut; und es darf uns nioht wundern, dass seine Zeit ihn nioht begriff, denn er war ihr vorausgeeilt. Selbst 100 Jahre später hat Adelung in seiner Gesohiohte der mensohliohen Narrheit dem C. eitlen Platz augewiesen; man hat hierbei richtig bemerkt, dass Adelung selbst in der gedachten Schrift den ersten Platz gefunden and zwar auf dem — Titelblatte. Der Vielverkannte und Verschmähte, er könnte heute nooh wie damals seinen Weckruf erschallen lassen, den Kampf aufnehmen gegen religiöse und politische Spaltungen; keiner empfand mäobtiger als er das Bedürfniss nach Frieden, nach Ausgleichung der Gegensätze auf allen Gebieten des Lebens, ln seiner herrlichen Schrift ״Panegeraia“ ruft C״ den der Waffenlärm des 30jährigen Krieges umtobte: Cedant arma togae, ״nieder mit den Waffen“! Das Programm der ״Gesellschaft für ethische Kultur“ finden wir bereits in der ״Panegersia“ entwickelt. ״Wenn alle wahrhaft die echte Gottesverehrang suchten, heisst es darin, 80 würde die traurige Dissonanz der Beligionsparteien verschwinden. Aber jeder bleibt an seinem Religionsbegriffe hängen, worin ihn Geburt oder irgend ein Zufall versetzt hat.“ — Die Religion, die uns Gott ähnlich za maoheu bestimmt ist, sollte uns zur Sanftmath bilden, so aber giebt sie den Vorwand za Hass, Verfolgung und Grausamkeit. Wie tief sind wir von der ewigen Harmonie herabgesunken!“ — — ״Stufenweise und langsam unter Vermeidung alles Verletzenden soll das Versöhnungswerk von statten gehen, bis endUch ein Jeder — Jadaeus, Turca, Paganus von dem weitestgezogen interkonfessionellen Ringe nicht ausgeschlossen — dahin geführt sich sieht, wo ihn die radii laois veritatisqae amglänzen, wo er, von ״heilsamen Sohranken“ amgeben, nioht gut mehr rüokwärts kann pudoris metu, sondern nur noch — majoris lucis spe — vorwärts schreiten will.“*) Tönt uns hier nioht entgegen der Heroldsruf unserer Propheten? ״Er riohtet zwischen Völkern, — sie schmieden ihre Sohwerter zu Pflagsohaaren und ihre Speere zu Winzermessern, nioht mehr wird Volk gegen Volk das Schwert erheben.“ (Sech. 14,9.) Und: ״Voll wird die Erde von Erkenntniss Gottes, wie Wasser Meerestiefen bedecken“. (Jes. 11,9.) Mit *) Siehe hierüber ausführlich im L Jhre. 2. Heft der trefflioh redigirten Monatshefte de! Comenias-Gesellschaft: Die interkonfeasionellen Fnedensideale des Job. A. Comenias.

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