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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-10-01 · N° 41-42. (6.10.1892) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 41-42. (6.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 162 (sequence 3)
Language
German
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— 162 יי- Obwohl non <Ua Erbarmen gegen das Thier nioht nur bei den letzten swei Verboten kaum eine unter• geordnete Bolle spielt, sondern anoh bei den voran• gegangenen Vorschriften erst in zweiter Linie steht, nnd die Läuterung des Menschen tiberall der Haupt• zweck ist: so hat sich das Mitleid gegen das TMer im Judenthume so festgesetzt, dass wir gar oft dabei dem Ausdrucke begegnen: Wer 8iah erbarmet über, Gottes Geschöpfe, über den wird auch der Himmel sich erbarmen. — Sehr bezeichnend ist auch hierfür die Sage vpn E. Jehnda hanasi. Es heisst (Baba Mez. 85): ,Einst flüchtete ein Halb, das zur Schlachtbank gelährt wurde, sich stöhnend zu ihm und barg sioh unter sein Gewand. Er aber sprach hart: Geh’l denn das ist deine Bestimmung. Von Stund’ an wurde er mit Zahnschmerzen geplagt, die ihn nioht verliessen. ,Einst, als seine Magd bei der Säuberung des Hauses eine Wieselbrut aus ihrem Neste störte, rief er ihr mitleidig zu: Lasse sie, denn es heisst ja (P8. 145): ,Sein Erbarmen waltet über alle seine Geschöpfe.-* * Zum Lohne für dieses Gefühl der Barmherzigkeit verliessen ihn seine Schmerzen.* Man ersieht daraus, wie trotz der Nüchternheit des Judenthums doch das Zartgefühl gegen die Thiere sogar bis zu einem gewissen Grade von Sentimentalität gedieh. W. Dr. Landau.*) - Die Unsterblichkeitsidee als Lösung des Weltiibels. Im lasch lass aa eine Talmudstelle. Von Rabbiner Dr.~B. S. in C. Dass die Natur einen unermesslichen Schauplatz der Harmonie and Vollkommenheit eröffnet und in diesem unendlichen Felde kein Gegenstand 8010h’ anerschöpäichen Stoff zur Betrachtung and Bewunderung darbietet als der Mensch selbst, ist eine Wahrheit, die, wenn auch schön unzählige Male wiederholt and vorgetragen, dennoch׳ dem Menschen mit immer neuem Interesse entgegentritt. Manche Wahrheiten veralten mit der Zeit, indessen Bie mit jedem Tage neues Leben athmend iA jugendlicher Schönheit weiterlebt. Welohes Gefühl re isst den Menschen fort, wenn er rings um sich die-Grösse der Natur and ihre Erscheinungen sieht? Welch’ ein noch mächtigeres Entzücken strömt auf ihn ein, wenn er seinen Blick in sich selbst kehrt und das schöne Ganze seiner geistigen Natur in der wunderbarsten Einheit, in der Hoheit und Würde seiner Beziehungen fasst? Welche Mannigfaltigkeit von Kräften findet er hier, alle zu einem Zwecke, zu einer Idee vereinigt, die Glückseligkeit dee Menschen 1 Welche Weisheit in der Gesetzgebung jeder einzelnen Kraft und der allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft, Grande« perhorreaeirt.“ 80 lautet auch seine Erklärung zur betreffenden Mischna und sein Ausspruch in Jad tt«/•!!«—t■■ vom Gebete, Abschnitt 9. Kr vindicirt also der Mischna eine Ansicht, die er im More III, 31 geradezu absurd nnd deren Bekenner er daselbst!־ISTI ״ חלישיSchwachköpfe“ nennt. (VgL auch den CommeiUar des B. L. Heller zur Mischna in Berachot, dar gewiss viel scharfer sich ausgesprochen haben würde, hatte er aa More ITT, 31 gedacht. *) Die obige Abhandlung des sei. Dresdener Oberrabbiners erschien vor etwa 30 Jahren in Fzankel’s Monatsschrift (1868, P• 41—66); dar Selige hatte einige Monate vor seinem Tode d«n Wunsch ihn inri.Tiittarsturblatt** abgedrnckt an ■eben; Am. ן mala nicht daran gedacht, dass gerade von Dresden aus der Vorstoess gegen das Schlachten mit so praktischem Erfolge gemacht werden würde. . Ob die Babbln er und Vorsteher Sachsens in ihren Gegen Petitionen auf diese Abhandlung das ilnhrirrhm Oberrabbmers Beeng genommen haben, ist unbekannt. (Red) die alle mit kraftvollem und doch so mildem Soepter beherrscht! — Allein, weloher Oontrast bietet sioh demselben Beobachter dann, wenn er die Natur von einer andern Seite betrachtet, wenn er seinen Bliok auf das rein Physisohe der Natur oonoentriert! Die zahllosen Sohaaspiele der Zerstörung und Ertödtung, der Beraubung and Unterdrückung und des Kampfes, die in der Natur sioh von allen Seiten seinen Blicken darbieten, erzeugen in ihm ein Gefühl des Hasses gegen die blinde Willkühr und Ungerechtigkeit einer unsichtbaren Maoht. So ist die physische Welt, von einer anderen Seite betraohtet, für die moralischen und vernüaftigenWesea u. ihre religiöse Bestimmung eine Quelle der Prüfungen und Entbehrungen mannigfachster Art. Sie fahrt durch ihre launenhafte Verschwendung zeitlicher Glüok- Seligkeit an Wesen ohne Würde, wie durch Häufung von Leid and Elen auf Wesen von wahrem Verdienste die vernünftigen Wesen zur Zweifelsaoht und Frei» geisterei, indem die Vernunft die völlige Uebereinstimmnng des vorhandenen üebels mit der strengen Gesetzmässigkeit fordert. Wozu, fragt der Mensch, jene ihn moralisch und physisch hemmenden und erdrückenden, in Leid and Noth stürzenden Kräfte in einer Welt der Vollkommenheit und Zweckmässigkeit? Durch diesen farohtbaren Kontrast in der Natur entsteht im Menschen das Kämpfen und Bingen gemi8chter Neigungen und Gefühle, von Furcht und Be- Wanderung, von Freude und Trauer. Mit der A nnahme mancher Philosophen, dasEndliohe könne nioht ohne Uebel sein, in einem System endlicher Wesen müssten die einzelnen wegen der Gesammtheit leiden, ist ans nun keineswegs geholfen, da derartige Behauptungen offenbar nichts anderes sagen wollen, als eine endliche moralische Welt könne nioht nach einem vollkommenen Plane gebildet werden, und das hiesse für uns, vom Begen in die Traufe kommen, indem dadurch der Begriff einer göttliohen Allmacht geschwächt wird. Ferner ist keineswegs einzusehen, inwiefern der Begriff des Endlichen, Beschränkten eine Beziehung zum Uebel und Leiden hat. Seiner Natur nach deutet es nur aut etwas durch Zahl and Maas Bestimmtes an, während es in keinem seiner Merkmale und wesentlichen Folgen ein Verhältniss eines Begehrangsvermögens zum Schmerze enthält. £8 lässt sioh also mit ihm das Prädikat der Zusammengehörigkeit des Uebels, wie auch die Abwesenheit desselben in Gedanken nioht verbinden. Aus diesem scheinbaren Dilemma in der Weltaufia88ung befreit uns der Gedanke der Unsterbliohkeit. Der Zweifel, der in so Manohem reger werden könnte und rege wird, als wären wir einem Fatum unterworfen, einer ewigen Nothwendigkeit in der physischen Natur, die keinen Unterschied kennt zwischen Beoht und Unrecht, Bösem und Gutem, vorschwindet vor dem in nns tief wurzelnden Glauben an die ewige persönliche Fortdauer. Wenn aaoh in dieser ans erkennbaren Weltordnung keine Ueberstimmnng zwischen ihr nnd dem moralischen Verdienste der vernünftigen Wesen, keine unsertrennliohe Verbindung der Tagend mit der Glückseligkeit, dee Elends mit dem Laster ersiohtlioh ist, so wird diese Uebereinstimmang im jenseitigen Leben anzutrefien sein. Dieser Glaube ist keineswegs eine bloBse Aushilfe, vielmehr ist er in unserer Vernunft tiefbegründet, ans Fähigkeiten nnd Bestrebungen unseres Geistes ableitbar. Wie die mensohliohe Seele siohtlioh mittels der Sinne an das gegenwärtige Leben geknüpft ist, 80 hängt sie mittels der Vernunft mit der Ewigkeit an-

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