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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-10-01 · N° 41-42. (6.10.1892) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 41-42. (6.10.1892)
Date
1892-10-01
Page
Seite 163 (sequence 4)
Language
German
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"—.י• •י י ^•־■ייז^*נ<״.*-כ־ ־• ־, :-1Ty-<;! — 1 j Mmmra. Denn da die oberste Bedingung rar wahren Glückseligkeit das Uebereinstimmen unseres Willens mit dem göttlichen Willen ist, eine Vollkommenheit, deren kein vernünftiges sinnliches I Wesen fähig, so ist die Heiligkeit nur daroh ein anendliches Fort• sohreiten in der Annäherang ca diesepn Ideale, d. h. daroh eine ewige persönlio >e Fortdauer möglioh; die Existenz der Seele vernünftiger Wesenj ist im Ganzen als ein nie endender Forteobritt anrasehen. Von diesem Gesichtspunkte aus [löst sich nun jener scheinbare Widersprao h in der physischen Welt in ganz einfacher Weise. — Sollten die vernünftigen Wesen iu dieser Welt einen Werth bekommen, so mussten sie, ihrer Freiheit überlassen, sieh aas eigener Kraft, bei der Möglichkeit des Gegenteils, za Fertigkeit in dem Gaten bestimmen können^ and insofern ist das zeitliche Leben eine Epoche der strengsten •Uebung zur geistigen Vollkommenheit■! Es ist demnaoh nöthig, dass die vernünftigen Wesen während einer solchen Epoohe in ein System vdn Kräften gefasst werden, die mit der göttliohen Gesetzmässigkeit nicht übereinstimmen, ein System voin Kräften, in welchem auf Schritt and Tritt Beize zur Sünde sich bieten, indessen keine feste Harmonie der Glüokseligkeit mit der Tugend, des Lasters mit dem Elend eröffnet wird, kurzam also der Fortschritt zur Tagend erschwert wird. — Zunächst hängt däs vernünftige Wesen durch thierisches Leben mit der physischen Natur zusammen, empfindet ihren Einguss in einer Mannigfaltigkeit von Trieben and einer Menge von Beizen, die nicht mit der moralischen and religiösen Welt übereinstimmen; näher konnten;die Beize zar Sünde dem vernünftigen WeseD nicht gelegt werden, als indem sie in die Natur seines thierTsohen Lebens daroh die hieraus resaltirenden Triebe verwebt worden. So haben die Menschen den Stoff za ihrer Prüfung in der ihnen zagetheilten Natur selbst. Und 80 harmonisirt die physische Welt im Gagzen gerade da am meisten mit dem Plane der Vollkommenheit und Zweokmässigkeit, wo sie im einzelnen tmdtejeuer za kontrastiren scheint. i ..-)b Auf diese Wahrheit scheint auoh ein Aassprach eines talmadisohen Weisen, B. Aba Beniamin (Traot. Beraohoth 11a), za zielen, in welchem es heisst: ״Wenn das Aage nicht vermögend wäre, in die Zukunft za sohaaen, 80 würde kein vernünftiges Wesen vor den sohädliohen Kräften der Natur bestehen können.* Dies will sioherlioh nur heissen: Wenn wir niolit vermögend wären, die Harmonie zwisohen Tagend and GJüokseligkeit in der künftigen Welt vermittels unseres geistigen Armes sa sohaaen and von diesem Gesiobtsnnnkte aas das zeitliche. L eben za betrachten, dann köniate kein vernünftiges Wesen in dem Kampfe am das[ Dasein, dem bellam omninex contra omnex, bestehen» Ei" jedes Wesen würde zagend aarttoksohreoken vof den Hinderniesen and Gefahren, die das zeitliche Leben bietet; kein Wesen würde TroBt in den Leidem der Welt finden, and dem Leidenden bliebe niohtjs Übrig, als dass er dem Schicksal, indem er ea heimlich wie seine Peiniger hasst, änsserlioh Trotz böte and durch Verlauguang seiner Gefühle den Druck prahlerisch verschmerzte. Nor die Unterordnung der physischen Welt unter eine höhere, wo alles in sohönster Harmonie herrsoht ist es, die den Menschen in diesem irdiaohen Dasein stärkt und ihn entrichtet. Diese Versuchung ist eine bewunderungswürdig angelegte Prüfung in der moralischen S^rke. Der moralische and religiöse Mensoh nimmt eje. für eine höhere Aufforderung, sioh zur reinen sitk&ohen and religiösen Güte, ohne Büoksioht auf Belohnung and Glückseligkeit, za bilden and er ist voll and ganz davon überzeugt, dass dis Zufälle, die ans im Leben begegnen, nioht planlos sind, nicht ohne Zweck and Ziel, sondern dass sie darauf angelegt sind, uns an führen zum Heile, sar Glückseligkeit. Ursprung der Tischzuchten. Von Dr. M. Grhnwald in Jangbanslaa. Das Studiam der Bibel, trotzdem dieselbe in oaltivirte nnd aaoaltivirte Sprachen übertragen wurde and daroh die britische Bibelgesellschaft noch immer Übertragen wird, lässt noch sehr viel an Verbreitung and Vertiefung wünschen. Nar so ist es erklärlioh, dass in aahlreiohen Littsratnrgebieten, die aaf die Bibel zarüokgehen nnd die im Mittelalter natargemäss aaf die Geistlichkeit als die Haaptträger nnd Verbreiter der Galtar znrückzaführen sind, die Bibel unbeachtet bleibt and nicht za gebührender Geltang kommt. Ein solches Litteratnrgebiet ist n. a. die Litteratar über Tischzachten nnd Ehelieder, von denen neaerdings Prof. Alex. Brüokner in Berlin einen polnisohen Originaltext veröffentlicht hat.1) ״Tischzuohten d. h. Anweisungen and Vorschriften, wie man sioh beim Essen za verhalten hat, sind in mittelalterlichen Litterataren häufig, seltener in Prosa, meist in Versen"; vgL z. B. den Fagifaoetus Baineri (Archiv XIV, 11 ff) soweit Prof. Brüokner; er hätte 1 aber getrost hinzafägeu können, dass diese Tisohzuaht/ nnd alle früheren and späteren, die Ehelieder mitbegriffen, auf die Sprüche Salo.monis (Proverbia' Salomonis)*), die in der Bibel enthalten sind, zarüokzafübren sind. Nicht nur hat König Salomo das Lied der Lieder gedichtet, das ja ein Liebeslied par exoeüenoe ist,*) aondern der Schluss der Sprüche, das herrliche Lob aaf das Biederweib, ist ein Eheiied, wie es schöner and inniger von keinem Dichter je angestimmt werde. Und deshalb haben aaoh unsere Lehrer dieses Lied ala Willkommgra8s.,d£8 Sabbat far den Familienkreis, für die Gattin am Freitag £.bend bestimmt. Dann Lob ist immer gut, wie La'aigp treffend sagt, wenn man es niebt verdient, sacht man ee sa verdienen. Das 23. and 24. Kapifgl der Sprüche Salomo’s ist die älte8te Tiaohznobt nag die gediegenste. Aaoh einTheil des 25. Kapitels sowie*4üe folgenden Kapitel, lieferten Stoff zur Tisohsaoht'tJBnd an Eheliedern. In dem von Prof Brüokner jüngst edirten Gediohte wird nach Anrufung Gottes and AnfttfaKang des Thema’s die Ausführung mit dem Siohsetmsnnzor Tafel and der Warnung vor Verstössen, vor gierigem Zalangea, anreinen Händen, vorwitzigem Besetzen des Platzes, dsn man nachher sohimpflioh einem Besseren räumen minus. , Wer,־ der bibelkundig ist, denkt nioht anwftlk&rlioh an die Warnung Salomoais (Kap. 25, 45 nnd 7); ״Bühme dioh nioht vor einem Könige and stehe nioht am Plätze der Grossen. Denn besser ist’s, man - ■ ') Jagie’s Arohiv fttr »1* vieche Philologie, XIV p. 496 bis 606. ‘(Prof. BrttoJmer1» Tranecriptioa in modern— Polniaoh mit Rriänterasgen im Warschauer Athaatam 1891, I p. IM bis 191 ist mir leider nioht zugänglich gaw—sa.) ף VgL aber dies— Baoh dl• vor kurzem er—hisnens intemeaante Sohrift dea & Goldanberg aas Taraopol ®TI “tttt ,כולל כאוד משדי חכריד. v*r1ag 4- TtAmm. (Pr. 1 ü. 0. w.) *) Da— das hohe Lied väa, jadisobea und chfwtlicnna Exegeten aUsgorieeh and myatiaoh gedeutet werde, braucht wohl nioht erst bemerkt za-werden; da— di— aber niebt «rat jpashMglieh gestihe h, ersehenי־ wir schob zur Genüge aas dir talmndieehen Oontrover— tfsrttbar.

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