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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-09-21 · N° 39. (21.9.1892) · p. Seite 155

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 39. (21.9.1892)
Date
1892-09-21
Page
Seite 155 (sequence 4)
Language
German
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Litteraturbericht. - 16s - Eine Bemerkung zu Aboth IV, 19. Die betreffende Misohna lautet wie folgt: Samuel der Jüngere sagte: ״Ist dein Feind gestürzt, so frohlocke nicht., und ist er gefallen, so freue dein Herz sich nicht, es könnte der H:rr sehen, dem es missfallen dürfte und Er würde dam seinen Zorn von ihm abwenden Diese Mischna ist bekanntlich daru n merkwürdig, weil hier der Tana'ite als Tradent e ne8 ethischen Lehrsatzes angeführt wird, der die wö ׳tliohe Wieder• gäbe der Sohriftverse aus Prov. 24, 17 und 18 ist. Schon Maimonides hat dieses Befremdende hernusgefühlt und sich bemüht das Auffällige dadurch abzuschwächen, dass er sagt ואע״ם ששלמה »מר בחכמתו זאת הצואה ובר ״Obgleich Salomo schon diese Moral aifgestellt hat, so wird dessen ungeachtet hier im Nt men Samuel’s diese Lehre tradirt, weil er mit diesem Lehrsatz wiederholt die Menschen in seiner Umgebung vor Fehlschritten zu warnen pflegte:“ Diese Erklärung, die auch R. Obadja aus Bertinoro acceptirt, wäre richtig, wenn es in der Misohna hiesse: שמואל הלו' היו! אומר ״pflegte zu sagen“, wie dies ja oft im Traotat Aboth ausgedrückt wird. Hier aber heisst ei gerade nicht היה אומר, sondern nur אומר. Ks ist ferner auffallend, dass der Sammler der Mischna den Ausspruch Samuel’s des Jüngern erst dem vierten Abschnitte eingereiht hat, während dieser Samuel der Zeit nach ein Genosse R. Gamaliel II. war, in dessen Auftrag er in Jabne diu Benediktion gegen die Minaer (ברכת המינים) form flirte. Wenn zwar nicht behauptet werden kann, dass bei der Sammlung und Abfassung des Tractatei Aboth stets die Zeitfolge der Tradenten berüoksicht: gt wurde, so ist doch im Allgemeinen ein gewisses Bestreben, der Zeit 80 weit als möglich Rechnung zu ragen, nicht zu verkennen. Wie kommt es nun, das! man Simuel den Jüngern zeitlich so weit hinabgerückt hat? Zur Erklärung dieses ornx Interpret 1m hörte ich von meinem Freunde, Herrn David T au88ik, hier eine geistreiche Bemerkung, die ihm von einem Herrn Altar aus Jenikau mitgetheilt wurde, dis iohderVeröffentliohung für Werth halte. Hiernaoh sollen wir es hier mit einer unrichtigen Auflösung einer Abbreviatur שהיא zu thun haben. Ursprünglich gehörte diese Mischna zum Schluss der vorhergehenden ואל ״ תשתדל לראותו כשעת קלקלתוDu sollst dich nioht (mit einer gewissen Schadenfreude) bee fern, deinen Hebenmenschen zu sehen, wenn er im!Zustande der Verkommenheit sioh befindet, wenn er tief gesunken ist“ und nun folgte — wie so häufig in diese n Traotat — als!Beleg aus der Bibel, eingeleitet durc 1 die Formel שהדי הבתוב אומר (abgekürzt: ש״ה״א) der Sobriftvers ״ :«®־ל ארבך אל תשמח וכוWenn dein Feilid gesunken, freue dich nicht, u. 8. w.u Ein Abschreiber aber löste diese Abbreviatur in שמואל הסטן אומר auf und so entstand eine besondere Misohna, die weiter niohts als einen Bibelvers enthält*). Rabbiner Dr. Eronberg. *) Hieran• erklärt sich auch, dass, wie Strack in •einer Edition der אכות 'B (H. Bentber 1882) anmerktt in mehreren Handschriften der in nnaeren Editionen befindl che V. 18 der Prov. 84 fehlt, da der Beweis ans V. 17 voUständi g ausreichend «•fahrt ist, ja durch V. 18 nur ahgesehwäoht w erd. — Geiger bringt diesen Aussprach Samuels mit dessen 2 >****»״״g der Benediction gegen die Minier in Verbindung; als ob 8. gegen seine»! Willen daran gegangen wäre, (ofr Besuch 88b/. (Ked.) Recensionen. Die Blutlüge (Efess Damim) von I. B. Lerimsoba. Ans dem Hebräischen übersetzt, mit einem Vorwort und Anmerkungen ▼ersehen von A. Kate. Berlin. Verlag von S. Sohildberger. 1892. In griechisch-katholischen Ländern ist die Blutbesohuldigang gegen die Jaden, welche seit Tissa- Eszlar und Xanten auoh für den Westen Europa’s wieder aktuell geworden ist, ein ständiges Inventarstück ruchlosen Glaubenshasses. Desshalb schickte der Verfasser von ״Efess Damim* seinem geistvollen, in den Bahnen Moses Mendelssohns entstandenen Buche, welches in Form eines Dialogs zwischen Simmias, einem Patriarchen der griechisch-katholischen, und Maimon, einem Rabbiner der jüdischen Gemeinde zn Jerusalem, gehalten ist, eine Ansprache an die Geistlichen nnd Lehrer der ohristliohen Religion voraus, welohe ebenso wie das Werk selbst in hebräischer und in rassischer Sprache erschien. Das Werk wurde iu jener leider sehr kurzlebigen Aufklärangsepoohe, in der sioh Kaiser Nikolaus mit der Besserung der Lage seiner jüdisoheu Unterthanen beschäftigte, von der russischen Regierung subventionirt, indem sie 2000 Exemplare käuflich erstand and in den jüdisohen Schalen vertheilen liess. Das Letztere ist oharakteristisch für das rassische System, da die vorzüglich geschriebene, in einer milden, den Geist der' platonischen Dialoge athmenden Sprache gehaltene Sobrifc, unter die russischen Popen und Tschinowniks hätte veirtheilt werden müssen, um dort dem halsstarrigen Hasse and der Sohmähsnoht den Garaus zu maohen, welohe es dahin gebraoht hatten, dass oft Juden in Russland in ihren Häusern das Pessaohfest nur daun feiern konnten, wenn dieselben am Sederabende von russiaohen Gensdarmen bewaoht wurden. Dem Verfasser des Baobes, der durch sein ״Teadah b’Israel“, ״Serababel“ und sein ״Beth Jehada“ auch in Deatsahland einen Ruf als hervorragender Hebraist und. Apologet am die Mitte des Jahrhunderts gewonnen, wurde die Ehre za Theil, von Ccar Nikolaus wiederholt in Audienz empfangen zu werden. Der Kaiser wollte ihn in autokratisaher Laune zum Oberrabbiner von Russland ernennen, was Levinsohn indeas ablehnte, immerhin gelang es ihm den Czaren für den Plan au gewinnen, im Gouvernement Cherson jüdische Aakerbaukolouieu zu gründen und jene Rabbinersohalen, welohe nach kurzem Bestehen jetzt sämmtlioh wieder aufgehoben sind. — Das Baoh ״Efhss Damim* enthält nioht nur alle aus der Bibel, dem Talmud, der Geschichte und ausVernnnftschlüsseu zu schöpfenden Widerlegungen der Blutlüge, sondern auoh in seinen 9 Gesprächen eine Reihe von Exkursen gegen audere Beschuldigungen des Antisemitismus. Aus dem Septemberheft der ״Annalen der Littaratar and Kaust des österreichischen Kaizerthams* wird über die Jaden in Galiaien die folgende interessante Mittheilung de• Professor Sohultes (1807) gebraoht, welche gerade gegenüber den neuerlichen Angriffen eines galisisehen Advokaten iu den ״Grenzboten* einen besonderen kulturhistorischen Werth heb Es heisst da von den Jaden jener österreichischen Provins: ״Sie sind die Sohneider, Sohoster, Tapezierer, Kürschner, Glaser, Goldarbeiter, Graveurs. Das Bier, welches sie braaeu, ist fast das einaig trinkbare. In «tan aufgedunsenen Geeichte eines galisisehen Bauers, werden Bia kaum

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