Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 38. (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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in das Gegentheil der Fall ist. Und ihnen rechnet -man es anr Schuld, wenn irgend eines Mensohen Leiche gefunden wird, ja man wirft den Jnden boshaiter ־Weise einen irgendwo gefundenen Leiohn&m au. Unter diesen und dergleichen Erdichtungen bedrückt man sie in Dingen, und wütbet gegen dieselben ohne gehörige Anklage, ohne Geet&ndniss, ohne ,Beweis. Und ungeachtet der ihnen vom apostolischen Stuhle gntidigst verliehenen Privilegien, ja gegen götthohes und menschliches Gesets, werden sie aller ihrer Habe beraubt, durch Hunger, Kerkerhaft und Hartem aller Art gepeinigt, sogar den grässlichsten Todesarten überliefert, so dass die Juden, obgleich unter christlichen Fürsten lebend, doch schlimmer daran sind, als ihre Vorfahren in Aegypten unter den Pharaonen. So werden sie gezwungen, die seit undenklichen Zeiten von ihnen und ihren Vorfahren bewohnten Gegenden jammervoll zu verlassen, ln dieser Bedrängniss haben sie ihre Zuflucht zu der Fürsorge des apostolischen Stuhles• genommen. — Wir1 * * aber verbieten hiermit jede ungerechte Kränkung besagter Juden und befehlen Euch, unsera Brüdern, durch diesen apostolischen Brief, dass ihr Euch denselben günstig nnd gewogen zeiget Wo ihr ungerechte Angriffe gegen sie wahraehmet, 80 stellet sie ab und gebet nicht zu, dass sie um der erwähnten oder ähnlicher Ursachen willen gekränkt werden. Die aber, 80 dergleichen thun, sollen mit dem Kirohenbann, mit Hintenansetzung der Berufung, belegt werden. Gegeben zu Lyon, den 5. Juli, im fünften Jahre unseres Portific&ts“ (1247.) Im Jahr 1275 bestätigte Kaiser Rudolf von Hab8bürg diese Bulle in einem mit seinem grossen Siegel versehenen Decret, welches noch heute im Stadtarchiv zu C ö 1 n za sehen i8t. Die Üeberscbrift der Kaiserlichen Urkunde lautet: ״Radolphus, Rex Romanorum, confirmirt die von den Päpsten Gregor nnd Innocent den Jaden gar&ntirten Privilegien und erklärt, dass es nicht wahr sei, was einige Christen sagen, dass nämlich die Juden das Herz eines todten Kindes an ihrem Osterfeste verzehren.“ Der Inhalt dieser Urkunde enthält die wörtliche Uebersetznng der vorstehenden Bulle. Eine andere Bulle des Papstes Gregor enthält u. A. folgende Stelle: ״Nach dem Beispiele unserer Vorgänger gesegneten Andenkens, Calixtus, Engen, Alexander, Cölestin, Honorias und Gregor willfahren wir der Bitte der Juden und nehmen sie unter unsern Schutz. Wir verbieten demnach nachdrücklioh, dass irgend ein Christ ihnen Gewalt anthue oder sie gegen ihren Willen taufe, da nur die als Christen anerkannt werden können, welche aus eigenem freien Willen die Taufe empfangen. Auch 8011 kein Christ es wagen, ohne unsern Urtheilsspraoh sie zu verwanden oder zu tödten, sie ihres Geldes su berauben oder sie in irgend einer Weise in den Privilegien, die ihnen an ihrem Aafenthalsorten garantirt sind, za molestiren.“ Der Kaiser schlisset seinen Erlass mit folgenden Worten: ״Wir bestätigen nnd gestatten in unserer Kaiserlichen Gnade durch diese Urkunden den besagten Jaden Alles and Jedwedes, was ihnen durch die römischen Päpste garantirt und bewilligt wurde, •0 dass sie in Sicherheit unter dem Schatten unsere• Schutzes leben können und dass sie in׳ keinem Falle verurtheilt werden dürfen, es habe denn das ordentliehe Gerioht sie für schuldig erkannt naoh rechtmassiger Aussage jüdischer und ohristlioher Zeugen.“ Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. G01dfahn.| Zu den vielfach gedeuteten aber noch immer missdeuteten Midrasobim gehört der Midrasch, mit welchem der Midrasch Rabba zur Genesis beginnt, ein alter Midrasoh zu Proverbia 8,30, welohen R. Hosohaja in bekannterWeise seiner eigenen Deutung des fraglichen Verses voranschicfet1). Der fragliche Midrasoh identifizirt die im Kapitel 8 der Proverbia gepriesene Weisheit Gottes mit der Thora und deutet das Wort:1) אמוץ םז־נונ; 2) אמון מכוסה; 3) אמון:.1.1 אסון מוצנע; 4) נוא;ת דאמר : אפון רברתא. Sodann begründet der Midrasoh seine Deutuugen. 1. אפק heisst: T1HB; denn so sagt Moses Numeri 11,12: habe ich denn dieses ganze Volk empfangen? babe ich es denn geboren, dass Da zu mir sprichst: Trage es au deinen Basen, wie der Wärter (’האמן) trägt den Säugling. 2. אמק bedeutet: פכוסה; denn 80 klagt der Prophet Jirmijahu: Die erzogen wurden, gekleidet waren (האמנים) in Purpur u. 8. w.*) 3. אפון bedeutet: מוצנע, denn von Mordecbai wird erzählt: Er war ein Verberger (אפן) der Hadassa d. i. der Esther, der Tochter seines Onkels4). Und es giebt solche, welche behaupten:?אמו bedeute רבתא, denu der Ausruf des Propheten Nachum über Ninive‘): Bist Da etwa besser als: נא אמק was übersetzt wird: Bist Du etwa besser als Alexandrien das Grosse (רבתא)? Darin stimmen fast sämmthehe Commentatoren überein, dass unser Midrasch ijioht etwa ein Contraot verschiedener einzelner vier Midraschim sei, dass die vier Bedeutungen, welche dem Worte: אמון beigelegt werden, einander gegenseitig nicht ansschliesseu sollen, sondern dass der Autor dieses Midrasch dem Worte: אמון vier ooordinirte vindizirt. Nur bezüglich des Grundgedankens differiren zumeist die einzelnen Erklärungen, welche in subtile metaphysische Erörternngen sich ergehen. Meines Erachtens bedarf es aber keiner metaphysischen Subtilitäten; der Midraech will blos in der bekannten Weise der Agada die dem ״Sefer Thora“ zu erweisenden, zu jener Zeit in den Synagogen üblichen Ehrenbezeugungen seinen Zuhörern eiudringliohst an das Herz legen. Die za erweisenden Ehrenbezeigungen sind: 1. dass das Sefer Thora auf dem (rechten) Arme, an der Brust, am Basen, gehalten and getragen werde; 2. dass das Sefer mit einer Bekleidung bedeckt werde; 3. dass das Sefer in einem Schranke oder einer Lade aufbewahrt, eingeschlossen werde; 4. dass jeder, der zur Vorlesung einer Parasoha aufgeraien werde, vor und naoh der Vorlesung einen Segenssprnoh üb3r die Thora spreche, welch letztere Bestimmung jedoch in jenen Zeiten noch nicht allgemein angenommen worden war. Indem ich nun in dem Nachstehenden diese meine *) Bacher, die Agada der paläst. Amoräer L Seite 107 Anm 2, hat bereite richtig erkannt, daaa die Deutung R. Hoechaja’e erst mit ך"א beginnt; allein anch diese ist nicht ein Eigeuthum R. Eoechsja’s, vergL Bacher, Agada der Tannaiten 11, 222 Anm. 1, was Bacher selbst entgangen ist. — ף Was, wie die Commentatoren bereits bemerken, das jer. Targam mit: 6ץ(1)׳ן10150ל{ übersetzt. — *) Klagelieder 4,6. ‘) Esther 2,7. Ahch das Targam a. L behauptet Esther sei ihr ganzes Leben bei Mardechai verborgen gewesen, woher ihr Name EstheT von 0תר׳ verbergen; nach dem Midrasch אחרים Dlfi ed. Baber Seite 64 ad L war sie blos 4 Jahrs verborgen; ähnlich Targam scheni za 2,8 ed. Cassel Seite 38. VergL ferner Megilla 18 a. — Ashnliches erzählt der Midraach Rabba za Gen. 12,14 cap. 40. § 5 von Sara nnd za Gen. 32,23 cap 76, g 9 von Dina, aase sie in Kästen eingeschlossen waren. •) Nachum 3,8.