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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-09-16 · N° 38. (16.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 38. (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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M 88. J*to*. HL Jüdisches Litteratur-Blatt. Zu M«veht1«K aller ftlMthia mm4 iMn betrHbadea HtUrirtaekn Kr* aehdang«■ aaf 44m «eklet• der Pkllo* eefkle, Oeeektehte, EtkaoffrapU•» Tkee• legte» OdeataHa» Estgeee» Homiletik, Lftargtit «. PMagegik. Heransgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9TCa^3e41vtg׳, den 16. Septemüez 1892. Bisksr <lr «(■Mkliciin■ LltUratxr, nM» d«r Mtdln >mau4t virtw, ■■4M׳ ta Mw Blatt• tta(«hM4• »■grsrtw. B*i BxnMnf t•■ ■w«I ImuiHr EiiHplani MimiIi• fear■• «rttli• Das nJUIttke Litte ratnr-BJattw ei scheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Bnoh handlangen- ■ in Leipzig bei Robert Friese pro Jabigang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bw allen Postanstalten and Bachbandlnngen 8 llark zahlen, erhalten *״ »«יJüdische Litteratnr-Blatt^ gratis. — laserate werden mit 25 Pf. f#r die gespaltene Petitzeile, Bella! ea mit 80 Mark) berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes sn senden.׳ Buchhändler a. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 85 Rabatt. Inhalt: i Wissenschaftliche Aufsitze: DieBlutl. den Tagebüchern des Sir Moses nnd Lad׳ Dr. L. Loewy, — Eine alte Synago! Rabb. Dr. G old fab n. — Zum Sprilob P in kug-Breslau. Litteraturbericht: Recensionen: Bra Volksnnd Hauskalender für das Jahr ll Pragne, H. Annnaire des Archive» Israel — Pasch eie8, Jakob W. lUnstrirter kalender lür das Jahr der Welt &653. Litterarische Notiz qn. London. Üsbefttsr WasSdntsk an» dieses» Blatts ist schaldignng. Ans Montefiore “ Von mordnnng. Vom itargum. II. Von n, M. Jüdischer — (.חר־נ־׳ס .93‘ ite poar l’an 5663. ־ ־׳,ltischer Volksiebt ■ettstteL Die Blutbeschuldigung. Ans den ״Tagebüchern des Sir Xeeeg And Lady MonteÄore.“ Von Dr. L. Loewe*). loh halte es für nothwendig, die Aufmerksamkeit der Leser auf den Ursprung der Blatlbesohuldigang hinznlenken, welohe gleich der za Damaskus in früheren Zeiten gegen die Jaden erhoben wurde und aaf den Qrand hinzuweisen, wesshalb sie sogar in unsere Tagen ihre traurigen Wirkungen in einigen der aafgeklärtesten Ländern nicht verfehlt. Tertallian (J. Septimas Florent), einer der Kirchenväter des 2. Jahrhunderts, klagt in seinem Bache ״Apologet, advers. gentes“ (Cap. 78), dass man die Anhänger seiner Religion beschuldige, Kinder za opfern and deren Fleisch zu verzehren Hierzu be-< merkt Pamelius in seinem Gommentar za diesem Kapitel (welohen er Philipp II nnd Papst Gregor VIII widmete), dass der Ursprung dieser Beschaldigang in der falsohen Auslegung aller jener Stellen des N. T. zu suchen sei, welohe über die Agapen (Liebesmahle der ersten Christen nach der Communion) handeln. Diese Stellen worden von dem Uneinj 50 weihten in ihrem baohstäbiiohen Sinne aalgefasst. Die Heiden jener Zeit behauptet an, dass die Christen an ihrem Osterfeste Mensthenblat ge-, brauchten. So finden wir also den Ursprung dieser fnrohtbaren Beschuldigung in den ernten 3 Jahrhunderten der ohristliohen Aera.. Erst im 13. Jahrhandert erhob man sie gegen die Juden und zwar in Faid» 1235, in Spanien 1250, in London 1264, in Baoharaohand Mähren 1283 undinMü110benl285.>) Falls diese Beschaldigang begrüne et wäre, so könnte man hagen, wie es denn komme, dass die *) Aus dem Englischen übersetzt von L. Cohen. 11 T_ lfsL__3. J_ _ T> 1 ,1 . V AA . . I ’) In Mahren wurde des Blutbad am 96. September 1397 mit der Fabel, die Juden hatten eine Hostie dnrntlstsehen, insoenirt (C.) * 1 Juden, welche das Pessachfest schon 1500 Jahre vor der christlichen Aera feierten, nie vorher eines solchen Verbrechens beschuldigt wurden? Die Antwort aaf diese Frage dürfte die Geschichte des 13. Jahrhunderts geben. In diesem Jahrhundert, in welohem Fanatismus und Rassenhass überhand nahmen ued Hexenvarfolgungen, Ketzer* nnd Zauberverbrennäugen an der Tagesordnung waren, hielt man es für angezeigt, ergegen die Jaden dieselben Beschuldigungen za heben, welohe man früher gegen die Vorgänger ihrer Verleumder erhoben hatte, n&mlioh denGebrauoh des Christen!)lates am jüdischen Osterfeste.' Der Reichthum der Juden in verschiedenen Ländern Earopa’a, so wie die hohe Stellung, sa weloher sie von den Herrschern Spaniens berufen worden, hatten den Haid and die Eifersucht ihrer Gegner erregt. Die Grundlosigkeit der gegen sie vorgebraohten Beschuldigung war so handgreiflich, dass die Kirchentürsten es für nothwendig erachteten, die Jaden sa vertheidigen und. in ihren Schatz zu nehmen. Daher veröffentlichte Papst Innooenz IV.. anterm 5. Juli 1247 eine an die Kirchenhäupter in Frankreich and Deutschland gerichtete Balle, in weloher er diese teuflische Beschuldigung widerlegte. (Siehe״Baronita* Annales eooles. ad an num 1247, Nr. 84). Dieses wichtige Dooament lautet in deutscher Uebersetzung: ’) ״Innooenz IV״ Bischof Knecht Gottes, Deutschlands Erzbischöfen and Bischöten, Unsern ehrwürdigen Brüdern, Grass nnd apostolischen Segen 1 Wir haben von den Jaden Deutschland diejämmerliehe Klage vernommen, dass etliche Fürsten, sowohl geistlich• als weltliohe, dann aaoh andere Adelige and Machthaber in euren Städten and Diöoesea gegen sie gottlose Anschläge erbeben and die verschiedensten Anlässe suchen, am ihre Güter auf unrechtmässige Weise sa plündern und sich anzueignen. Ohne sa bedenken, dass gswissermaisen aus den habräisohen Urkunden die Zeugnisse für den ohristliohen Glauben hervorgegangeji sind, dass sie das Gebot der heiligen Sokrift haben: ״Da sollst nioht tödten!“ und dass ee ihnen in ihrem Geeeta untersagt ist, bei der Pessaohfeier Leichen oder dergleichen sa berühren, dichtet man ihnen falsohlioh an: Bie verzehrten gemeinschaftlich das Hera •ims gemordeten Kindes, indem man glaubt, also sei es iS ihrem (besetz ▼orgeaohrieben, während doch grradn- ־ (יSiehe ,Geschichte dar Juden in Cöln nnd Un von 0«rl Brisoh. (Bd. I, SL 85.) (0.) iäim

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