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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-09-09 · N° 37. (9.9.1892) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 37. (9.9.1892)
Date
1892-09-09
Page
Seite 146 (sequence 3)
Language
German
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darbraohten, das kann ans das olassisohe Hebräisch auf den Urknnden und Grabsteinen daselbst bexeageo. In keinem Archive Oesterreich■ dürften 8ioh so herrliehe hebräische Urkunden vorfinden, wie in Wiener• Neustadt* *}; hervorragende Rabbiner und Gesetseekundige, wohlsituirte Kaafieute scheinen in Wiener* Neustadt die Wissenschaft des Judenthums gepflegt und gehegt au haben; ob dies noch jetat daselbst der Fall ist, dass kann ioh leider nicht behaupten, obgleich ich Gelegenheit hatte, in dem daselbst seit 20 Jahren tungirenden Rabbinatsverweser einen theologisch sehr gebildeten, achtbaren Uanfi kennen au lernen, der für seinen Vorgänger Isserl von Neustadt (Veifasser des Trnmath badesohen) ein pietätsvolles Andenken bewahrt. Zum Schlüsse wollen wir noch erwähnen, d&ss auch in Wiener-Neustadt ein Judenghetto bestand, dass es aber den dortigen Juden gestattet war, selbst nach der Vertreibung der Wiener Juden (1421) Realitäten, Weinberge, Aecker in allen Theilen und Umgehangen der Stadt sa erwerben. Ein von mir daselbst anlgetundenes ,Liber Judaeorum ddo. 1453 bis 1600“, in welchem 8i::h die Gewähren jüdischen Besitaes von richterlicher band auigeaeichnet finden, doenmentirt uns, dass die Juden von diesem Privilegium einen ausgiebigen Gebrauch machten und circa 80-100 Häuser sammt Aeckern, Weinbergen und Wiesen in Wiener-Neustadt besessen. Dieser Ort scheint überhaupt für die österreichischen Juden eine Zufluchtsstätte gewesen zu sein. Denn so oft die Juden aus Wien und Niederösterreioh vertrieben wurden, ebenso oft finden wir sie recht wohl erhalten nach dieser Expnlsion inWiener-Neustadt, dass man bis in das 17. Jahrhundert eigentlich nicht recht wusste, ob es zu Niederösterreich oder Steiermark gehörte; denn die zahllosen Ländertheilnngen im Hause Habsburg begünstigten gewissermassen derartige Grenzstädte. Die Wiener und niederösterreichischen Bürger dagegen protestirten oft viele Jahre vergeblioh über den Aufenthalt der Juden in Wiener-Nenstadt. Endlich gelang es den jüdischen Widersachern in Niederösterreioh und Steiermark, den Kaiser Maximilian (14 9 6) zur Judenaustreibung zu bewegen. Laut obg. über judaeorum*) scheinen sber noch 1503 in Wiener-Neustadt Juden gewohnt zu habeD. Selbst 1624 waren noch Juden ansässig und betrieben Weinhandel und Metallwaarencommissionen. Mit dem Handelsumsohwunge in Folge des 30 jährigen Krieges soheint aber auch Wiener-Neustadt viel an Glanz und Bedeutung eingebüsst zu haben. Die Juden hatten dort■ niohts mehr zu suchen, die Ratten verüessen das sinkende Sobiffl Erst in neuerer Zeit (seit dem Baue der Semmeringbahn) ^^jflfosich Wiener-Neustadt auch in wirthschaftü^^^Hftühung und ist demgemäss auoh die zweitgn^PH^Krikstadt in Nieder-Oesterreioh geworden, die tnrcB 30,000 Einwohnern auoh 70 jüdische Familien zählt. Möge die Chronik in den näohsten 700 Jahren Besseres und Erffetdicheres über Wiener- Neustadt zu berichten haben. *) Ich fand daselbst 8 hebr. Urkunden aber Käufe, Yerkänie and Darlehen und weide dieselben in meinem demnächst erscheinenden Werke veröffentlichen. Für das anlässlich des Jubiläums znjamxnengesteUte Urkandmbach von Wiener-Neu- Stadt wurde von mir und Herrn Rabbiner Weise die Uebersetsang der hebr. Urkunden und Nodsea snssmmengeeteilt. *) Dieses seltene Sehreinsbuch, dsss nur noch von dem von Stern - H&niger herausgegebenen Kslinerschreinabnch» ddo. 1296—1346 an Alter ■ml Reichhaltigkeit überragt wird, wurde von ™ir wortgetreu copirt und wird in meinem damnächst erscheinenden Werke tds ״Anhang“ der Geschichteforachang tllyrmiii sggäiiglich sein. Die Stelle im More Nebuehim 10. 68.— Von Ph. Goldberger-Breslau. (Schluss.) TI a. ״Diese Stelle ist inoorrect. Denn der משכיל ist nicht dasjenige, vermittelst dessen die Form des Baumes abstrahirt wird, sondern der Verstand, שכל; der משכיל ist derjenige, der erfasst, abstrahirt, aber nicht das, vermittelst dessen die Abatraction geschieht. Diese instrumentale Thätigkeit gehört dem Verstände, dem ישכל Also nioht: והדבר אשר כו הושכלה צורת ד,אילן והופשטה אשר הוא המשכיל הוא השכל ההווה כפעל כלי ספק,, sondern:והדבר... וודפשטה אשר ודא השכל ההווה כפעל הוא המשכיל." So richtig die aDgeführte Darlegung des Unter sohiedes zwisohea שכל uud משכיל ist, so wenig be weist sie hier. Denn wir haben es hier gar nioht m i einer instrumentalen Thätigkeit zu thun, son dem nu mit einer passiven Ausdrucksweise, die ins Aotivum übertragen, den משכיל zam Subjekt hat. Mit andern Worten: Das אשר כו wäre hier lateinisch nicht mit per quem, son dem mit a quo wiederzugeben, vielleicht auch mit in qno. Und da naoh des Herrn Verfassers richtiger Darlegnng, der משכיל es ist, der erlasst und abstrahirt, so staht hier אשר הוא המשכיל ganz riohtig an seinem Platze.4} Ebenso fasst Scheyer‘) die Stelle auf. Die Thätigkeit der inteilectuelleu Ansohaaung geht über in die Thätigkeit des festhaltens der erkannten Form. Das thätige Erkennen der Intelligenz ist demnaoh auch das thätige Erkennen der Vernunft, d. h. Intelligenz המשכיל und wirklich gewordene Vernunft שכל דהווה כפעל sind identisch.*) b. ״Die zweite Stelle, die bald darauf in der Beweisführung folgt, liefert den Beweis rar das Fehlerhafte jener Stelle. Denn weiter heisst es wirklich richtig: ואם כן הדבר אשר בו הופשטה צורת וה האילן והושגה בו אשר הוא השכל ודא המשכיר,“ Diese Stelle istunzweifelhaft riohtig; aber wieso sie einen Beweis liefern 8011 für die vom Herrn Verlasser beliebte Textänderung, ist nicht klar einzusehen. Das ganze Gapitel hat znm Zweck, zu beweisen, dass משכיל ,שכל und מושכל trotz ihrer Verschiedenheit eines werden können. Hat dies Maimonides in der erstgenannten Stelle für משכיל und שכל כפעל bewiesen, 80 will er jetzt wieder zeigen, wie Wechselseitig der שכל כפעל zam משכיל wird. Der Herr Verfasser hätte gut gethan, diese Stelle nicht aus dem Zusammenhangs zareissen; vorher heisst es nämüoh: הנה ככר התבאר לך כי השכל פעלו אשר הוא השגתו ודא הוא המשכיל .... p אמתתו עצמו ואם während an die erste Stelle sioh die verständliche Bemerkung sohüesst. כי כל שכל פעלו הוא עצמו ואק השכל כפעל דבר .אחר (ejasque ופעלו דכר אחר כי אמתח השכל ומהותי ודא quidditas) ההשגה Es ist demnach ganz deutlich, dass in beiden Stellen die betreffenden Ausdrücke an der richtigen Stalle stehen, zum mindesten aber kein zwingender Grundvorhanden ist, eine Textänderung vorzanehmen. Führen wir ans schliesslioh nooh die Worte Ihn Falaqaeras vor, die (aaoh Munk, Guide I, S. 308, Schluss der Anm. 1 von S. 304) im Moreh-ha-Morah naoh Munks Uebersetzang also lauten: ״Pas nn seal n’a une opinion bien arrätäe sur oe sujet, et nous voyons souvent le mSme aatear ohanger d’opinion et dlre dans un ouvrage tont aatre chose qae oe qa’il a dit dans an aatre“, ferner, dass *) Das französische ״par“, wslohss Mank au der genannten Stelle anwendet, hat bekanntlich aaoh die Bedeutung des auctor und nicht blos die des mstrumeatam. *} Psych. System des Maim. S. öl, Anm. 31. ') Scheyer, a a. O. 8. öl.

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