Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 37. (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806216--2587-4857521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
•M »7. Jüdisehes Litteiiatnrhb*. ul tmr tilmttHmt »Uw MNttn m« k*t»Sksta nttiriiMi■ Kr- NktalM uf <1■ G«M«U ta PUlotahb, awcUekto, EthiHntkl•, TfcM- Md•, Ortest*]!•, bna•, ■*■lMlk, Uterftk * Pltatgtt. | Heraasgegeben Rabbiner Dr. ■orits Bihiter. 9TZatyde(>utj, den 9. §eptetn6׳et• 1802. Maker ta ■Imkllgkw Utttafr, tm 1 Bel ■l>Me «legikeeg* 1 rea awel erlklgt rfaultge kene Oratle-Ieaartlt■■ D>a!)JlliMkt Lttterafnr-BIatt“.erscheint w&ohentliah in einem halben Bogen. Preis bei eilen Bnohhenrtlnnyen in Leipsig bei Bobert Friese pro Jahrbang 8 Merk. Abonnenten der Wochenschrift“, dieviartsbihrlHih bei eilen Postens'elten und Bnchhandlnngen 8 Merk erhalten das ^Jüdische Litteratur-Blattw gratis. — Inserate werden mit 88 Pt für die gespaltene Petitgeile, Beilegt■ mit 80 Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes an •enden. Buchhändler u. Lehrer, welche direot oder durch Bobert Friese Inserate «in■enden, erhalten 36 jt Rabatt! Inhalt: Wissenschaft liehe Aufsätze: Zorn 700j4hrigen Jubiläum vonWiener-Nenstadt. 6.8ept 1893. VonS.ßchweinbnrg- Eibenschitz in Wien. — Die Stelle imjMore Nebnchim Io. gß8.— Von Ph. CLoldberger-Breslan. (Schloss.) — Zwei interessante, hebräische Urkunden. Nach dem Original des k k geh. Haus-, Hof- und Staatesfchives. Von S. 8chw ei nburg-Ei bensch itz. Litteraturbericnt: Becensionen: Die Familien Frage. Nach den Epitaphien dea alten jüdischen Friedhofes in Frag zusammen gestellt von Simon Hock. 1 Litterarische Notizen. ■Archäologisches. lat ■lallt' Ifienjsr4 gsstattet Oeksfsgtsr MaaMraak aaa äistsm Blatts Zum 700jtthrigen Jubiläum von Wiener-Neustadt. 0. September 1892. Von S. Schweinbnrg-Eih^n^chitz in Wien. Daroh die wirksame Förderang meitier arohiv&len Stadien von Seiten des Herrn Oberribbiners and Predigers Dr. Jelliuek wurde ich heaijr in die angenehme Lage versetat, auch mehrerd auswärtige Arohive za durchforschen. Unter den] niederösterreiohisoben Stadtarchiven besitzt das Gonimanalarohiv in Wiener-Neustadt für jeden Geschichtsforscher so interessante Materialien, dass man nur staunen mass über die bisherige Gleichgiltigkeit, mit weloher man selbst in jüdischen Gelehrtenkreisen diesen intereesanten historischen Quellen gegenüberstand. Auf dem schönsten Promenadenplatze in Wiener- Neustadt befindet sich die sogenannte afalte Stadtmaaer, ein Ueberrest vergangener Jahrhunderte. In dieser Stadtmauer sind 5 alte jüdisohe Grabsteine, deren Daten*) allein ans beweisen, wie arheimisoh die Jaden in Wiener-Neastadt sind. Ueber Neustadt führte die Handelstrasse naoh Italien. [ Die österreiohisohen and steirisohen Landeefürsten batten die Nenstädter daroh grossartige Privilegien beim Strassenzwang von and naoh Italien bevorsngt lind berücksiohtigt. £8 ist daher selbstverständlich, dass die handeltreibenden Jaden, alle Hebel in I Bewegung setaten, nm in Neustadt, dem mittelalterlichen Handelsemporiam, festen Fuss an haben. Die Wiener-Neastftater Bürger haben aber ihr Möglichste^ dazu beigetragen, diese jüdisohen Handelsoonoarrenten aus dem Felde za schlagen. 1316 erwarben die Wiener- Nenstädter ein Privilegium, dass kein Jaae daselbst Gewandsohneidern dürfe*). Das Gesetz sc heint aber 6 MS, . 26• Ab, 17. Kislew, •) a) 1886 5046, 35. 8iwan. b) 1388 — c) 1868 — 6118 6. Tamas, d) 1870 — 6180, e) 1889 — 6149 18. EhiL *) Im Mittelalter Messen die kleinen Tnchbändler ״Qewand- Schneider.11 nicht sehr strenge gehandhabt worden za sein; denn die Jaden stehen von diesem Jahre angelangen bis an ihrer Vertreibung (1496) mit Adeligen, Bürgern und Handwerkern im regsten Handelsverkehre. Nur die Zünfte, die damaligen Repräsentanten der Kleingewerbetreibenden, konnten ihre jüdischen Mitbürger nioht reoht leiden and saohten aaoh so oft eis es nur anging eine ,Jadenhata' zu iusoeniren. Ala bestes Argument dafür, wie nrheimisoh in Wiener-Neustadt Jaden waren, mag folgendes Factum gelten. In• allen KaufsnndVerkanisarkanden, die in Wieaer-Nenstedt ausgestellt worden, heisst es ״anverehumert von Jaden und Christen*)*. Wiener-Neustädter Jaden betrieben aber auoh neben demWaerenhaudelEsoompte- Geschäfte. Sie waren die eigentlichen Geldwechsler für fremde n.nd einheimische Kaafleate and förderten darch Hypothekardarlehen Kunst and Industrie. Dess solohe Darlehen nioht unentgeltlich besorgt werden, beweisen ans die heutigen Bodenoreditinatitate and sonstigen Banken. Und sowenig man heute solohen Geldinstituten den Vorwurf machen kann, dass sie för ihre Darlehen Entschädigung Sachen, ebenso wenig wird Jemand den Vorläufern dieser Institutionen, dea mittelalterlichen Geldwechslern derartige Geschäfte verübeln, die noch obendrein in Gegenwart eine» herzoglichen Richters and mit Siegelanhängang zweier achtbarer Bürger darohgeföhrt worden. Dass es anoh da Auswüchse gsb, die den behördlich festgesetsten Zinefnss überschritten and förmlioh wnoherten, daa soll nioht geleugnet werden, aber solohe Individoen wurden überall veraohtet and beetraft. Ueber 1000- Urkunden bezeugen ans aber, dasa alle Hypothekar• Darlehen von. jüdisoher Seite dem behördlich feitgesetaten Zinsfusse (3 Pfennig pro 100 Pfennig) entsprechen, während ohristliohe Darlehensgeber die Noteniessang des Satspfandes zur Hanptbedingang maobke•! Das Geld war also beim Jaden billiger aa habe■- Dies scheint aaoh der Zankapfel swisohen jüdisohen and christlichen Geldwechslern gewesen sa sein. Unter den Hypothekardarlehensbewerbern finden wir die haate vo!6 von Wiener-Neastadt. Bürgermeetbr, Stadträthe, Stadtriohter, Beamte, Geschäftsleute, kar« alles, was rasoh and ooalant bedient werden wofBe. Dass die Wiener-Neastädter Jaden ihren Reiohthasa - aaoh aaf dem Altäre der Humanität and Wtseehaokafk - •) Eine »tehsnrts Form«! in allen derartigen, urkundwi, dis seltsam srwsiss in Wiener and 1 reiohisoben and steirisaken Urkunden , nie oder angetraffen wird.