Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 36. (2.9.2892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- Seite 142 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806214--2583-4857518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der mitten in den Flammen, am man ihn sohon todt glaubte, den Psalm, der mit den Worten anfingt: Dir, o Gott befehle ioh meinen Geist — an singen begann, und mitten im Gesäuge sein Leben aashaächte.“ Dieeer sogenannte gläubige Jude, der den eigentliehen Kern unsrer Abhandlung bildet, war der Sprössling einer altadligen spanischen Familie und hiess Lope de Vera y Alarcon. Er stndirte in Salamanca und wurde duroh das Studium der hebräischen Litteratur dermassen für das Judenthum begeistert, dass er als swanzigjähriger Jüngling sa demselben über- S'ng, indem er mit einer gewissen Ostentatiou den amen ״Juda der Gläubige“, annahm. Wie es gar nicht anders au erwarten war, wurde die Inquisition, die immer noch in ihrer besten Blüthe war, aufmerk• sam auf ihn nnd bemächtigte sich seiner. Er wurde mehrere Jahre lang unter den?chreokliohsten Torj turen in einem Kerker inValadolii gefangen gehalten, j und da er aber unerschütterlich an seinem neuen i Glauben festhielt, endete er sein janges Leben am j 25. Juli 1644 auf einem Sohaiterbaafen. Nach den oben angeführten Worten: ipse — novi, i 8011 der damals Tierzehnjährige Spinoza nioht blos den ן Märtyrer Lope de Vera persönlich gekannt haben, ׳ ׳ sondern sogar Zeuge seines Feaertodee gewesen und folglioh in Spanien geboren sein. Wenn es für diese Behauptung keine triftigeren Beweisgründe gibt als diese, dann ist es allerdings mit derselben sehr sohwaoh besteht, und die Gegenwart Spinoza’s in Spanien mehr als unwahrscheinlich. Wir wissen, dass es am diese Zeit überhaupt keine Jaden in Spanien gab, von wo sie im Jahre 1492 vertrieben worden sind, und dass das unmenschliche Edikt von Ferdinand und Isabella erst in der neuesten Zeit durch Alphons XII aufgehoben worden ist. Wenn wir aber doch den angeregten Ideengang verfolgen wollen, dann müssten wir in erster Reihe fragen: wieso kann Spinoza in Spanien geboren, nnd mit seinem Vater in seinem vierzehnten Jahre noch dort gewesen sein, wenn Letzterer nioht zu den Marannen gehörte — wovon nach meinem Wissen niohts bekannt׳ ist — die gerade damals sahaarenweise hingerichtet worden sind? Ferner müsste man fragen: ,ob es durchaus nöthig ist, jemand von Angesicht za Angesicht gesehen, am ihn gekannt za haben? Ich glaube es nioht, and stütze mioh hierin gerade auf Spinoza selbst, der in einem Briefe*) an seinen Freund Oldenburg klar und deutlieh sagt: ,Paulus aber, dem Christas auch nachher erschienen war, rühmt von sich, dass er Christus nioht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste gekannt hat.“ Mir selbst — und vielen Andern auch — ist ebenfalls ein jüdisoher Märtyrer**) bekannt, der vor fast zweitausend Jahren, unter ähnlichen Verhältnissen wie Lope deVe*a seinen Geist mit den Worten: ,Höre Israel, der Ewige unser Gott, ist Ein Gott*, aushauohte. Aber angenommen, die Hypothese über die angeführte Geburt dpinoza’s hätte irgend weiohe Wahreoheinlichkeit für sich, dann möchte ioh es immer noch wagen, derselben eine andere gegenüberzastellen, und wiederum fragen: ,ist es nioht wahrscheinlicher, wenn die Worte ipso — novi durchaus ein pereönliohes Bekanntsein in sioh schliessen, anzunehmen, dass es den Konvertiten nach Amsterdam, dem damaligen neuen Jerusalem, zog? Dass er sioh dort auf hielt, als er zum Judenthum übergehen wollte oder überging, und dass der begabte kleine Baruoh ihn vielleicht im Hause einer seiner berühmten Lehrer gesehen, und kennen gelernt hat? *> Briet 25.'— **) Akiba ben Joseph. Auf diese Weise brauchten wir gar nioht au dem ipse — novi so heramzudeuteln, und es wäre naoh meiner Ansioht ganz gleichgültig ob wir naoh Graets: ,ich selbst kannte einen gläubigen 1 Jaden a. 8. w, naoh Auerbach: ioh selbst kannte unter andern einen sogenannten gläubigen Juden u. 8. w., oder naoh Kaufmann: so habe ioh selbst unter Andern von einem Mann namens Juda ... — ererfahren oder gehört —* übersetzen. Aber glüoklioherweise sind wir gar nicht auf diese Wortklauberei angewiesen, um naohzuweisen, dass Spinoza mit vollem Recht verdient, der j Denker von Amsterdam“ genannt zu werden, denn dort und nirgend andere hat seine Wiege gestanden, und dieses Recht werden sioh wohl aaoh die Niederländer nioht nehmen lassen. Wenn auch die romantische Episode mit der Toohter Van der Ende’», weiohe eine ganz untergeordnete Rolle im Leben Spinoza’s spielt, in dem Berichte seines ersten Biographen Coler, angezweifelt werden kann, so ist das nooh immerhin kein Grand, dass wir auoh dessen Angaben über seine Geburt verwerfen müssen. Coler, der kurz naoh dem Tode Spinoza’s seine bis dahin innegehabte Wohnung besogen, sioh mit seinen Wirthsand andern Leuten viel Über ihn uuterhalten hatte, . theilt uns mit, dass er in Amsterdam geboren, und bis jetzt hat noch keiner seiner Landsleute die Angabe bezweifelt. Derselben Ansioht ist aaoh Bas nage in seiner im Jahre 1707 erschienenen Histoire des Juifs. Diesem emsigen Forscher, der seit 1691 Prediger der wallonisohen Gemeinde in Rotterdam war, und seit 1709 im Haag selbst lebte; der zu den besten Pfadfindern der jüdischen Gesohiohte gehört, und dem seine Naohfolger so viel zu verdanken haben, werden wir sohon das nöthige Vertrauen entgegenbringen und ihn als einen zweiten Gewährsmann betrachten müssen, auf den man bauen kann, zumal er wie jener an Ort und Stelle gelebt hat. Diesen Beiden steht ein berühmter Foreoher der Gegenwart ausschlaggebend würdig zur Seile; ioh meine Professor Kaufmann in Budapest. In seinen Anmerkungen zu dem ,lnventaire“ von Servas Rooijen theilt derselbe mit, dass Spinosa’s Vater, der dreimal verheirathet gewesen, bereits im Jahre 1632 Mitglied der portagisisohen Gemeinde in Amsterdam war, dass seine erste Frau daselbst am 21. Februaz 1627, also fünf Jahre vor der Gebart Spinoza’s der aas der zweiten Ehe seines Vaters war, daselbst gestorben, und naoh Henriques de Castro’8 ״ Kear van Grafsteenen“, auf' dem Friedhof zu Oaderkerk, dreiviertel Standen von Amsterdam, begraben ist. Und wer wagt’s noch za zweifeln, wenn selbst Steine sprechen? Die Stelle im More Nebucfaim Ic. 68.— Von Ph. Goldberger-Breelaa. In seiner Abhandlung ,Erklärung der Misohnah Aboth 111,21 naoh Maimonides“ sieht der gesoh. Verf. Herr Rabb. Dr. Kronenberg den Moreh L, o. 68 an, und macht (in Nr. 31 S. 122) zu den Worten: והדבר האילן וודפשטה אשר הוא המשכיל mu אשר בו הושכרה תא השכל ההרה בפעל בדי ספק folgende Bemerkung: ״Diese Stelle im Maim. scheint fehlerhaft za sein, and das Fehlerhafte ist so sehr augenfällig, dass es jeden Wunder nehmen muss, dass weder von Epnodi, noch von Schern Tob, noch von Crescas etwas darüber bemerkt wird. Jedem aut-