Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 36. (2.9.2892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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M M. jjüdisehes Jakrc. UL Litteratur-BJatt. *זי Mmktui mll*r Jatattu ul 111• NMM■ IttUrarlafkn Kr• •akrfna•«■ aaf Im Ml• 4ar PklU- M»kk, Saaoktohta, Ktkatfrapkla, TkM- *Mit. OrlaaUIU, b1|w, ■tulkllk, Litarfik a. PI41|1f{h, Herausgegeben Bfbbiner Dr. Moritx Rahmer. SlLaydp&my, den 2. Septemfet 1892. Bltktr Mr ataackliflfn■ IM Itltttitt Mptull b Hw■ Blatt B«l Hit—«■n «iitli• Du wJWllcfc* LlUeratar-BJatt“ erscheint wöchentlioh in einem halben Bosen. Preis bei allen Bnchhandlnngen in Leipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ^Tnrai1****■**“»!y.u.>1M1M]1riftlll die TierteljShrlioh bei allen Poetanstalten und BnrlihMHlInngan 8 Karl «a.*!!«?^ erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit M Pt. für die gespaltene Petitseile, Beilagen tnit 80 Hark) bereohnet und sind an die Expedition dieses Blattes sa senden. Baohhkndler u. Lehrer, welche direejt oder durch Bobert Friese Inserate einsenden, erhalten 25yC Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aafsfttse: Spinoza’s ־wiege. Von M, Silberstein. — Die Stelle im More Nebaehim Ic. 68.— Von Ph. Goldberger-Breslau. — ZumTargum Spr. 8,12 und 25. Von Pinku 8-Breslau. 1 Litteraturbericht: Becensionen: F. Hillel. Die Nominalbildungen in der Miachna. (Schluss.} Uebsfsfter Nsshdrusk aus diesen Blatts ist niekt ••stattet Spinoza’s Wiege. Von M. Silberstein-Breslau. Man hat Spinoza einen protestantischen Jaden genannt, and Jud’ nnd Christ glaubte ein Anrecht an ihm zn haben, da man wusste, dass er als Jade geboren ist, and annehmen za dürfen glaubte, dass er als Christ gestorben sei, weil er daroh die! Macht der Verhältnisse auf einem ohristliohen Friedhof seine letzte Buhestätte fand. Ebenso wie man ihm obigen Barnen beigelegt, wird er aaoh hin and wieder ganz einfach der Glassohleifer, oder aaoh derj Philosoph von Amsterdam genannt, wozu er nach gewissen Ausführungen eigentlich gar kein Recht hätte, da er naoh demselben überhaupt erst mit seinem vierzehnten Jahre naoh Amsterdam gekommen sei, es schon wieder naoh etwa zehn Jahren verlassen and sioh jBpäter nar vorübergehend dort aafgehalten haben soll. Selbst einer unserer ersten Autoritäten aaf dem Gebiete der jüdischen Geaohiohte nennt ihn — vielleicht nur gewohnheitsmässig — ebenfalls ,der Denker von Amsterdam*, naohdem er kurz vorher naohzuweisen saoht, dass er gar nioht dort, sondern in irgend einem anbekannt gebliebenen Orte in Spanien geboren sei.*) Wenn mir diese feingesponnene Hypothese aaoh schon längst bekannt war, 80 bin ioh doch erst in letzter Zeit daroh eine ganz besondere Veranlassung wieder darauf aufmerksam geworden, and da ioh sohon früher einmal versucht habe naohzaweisen: dass Spinoza sioh nie vom Judentham losgesagt, and nar daroh Zufall ein christliches Grab gefunden hat**), so möchte ioh es aaoh versaohen, einige Worte über seinen Gebortsort za sagen, am diese Frage ein f^r •!!•mal klar za stellen, damit sioh nioht naoh and] naoh ein ganzer Sagenkreis am dieselbe bildet, nnd ■ioh am Ende nooh mehrere Städte am das Reoht streiten ihn den ihrigen za nennen, wie das ja leicht vorkommen kann. £8 ist. allgemein bekannt, aaf welche Weise die Mythe entstanden ist, dass Shakespeare gar nioht er selbst sei, sondern dass der Philosoph and Lord-Kanzler Francis Baoon der eigentliche Verfasser der uasterbliehen Werke war, die seinen Hamen tragen, and zwar einfach desshalb: weil man annahm, dass eia Mensoh, von dem man sonst nar wenig weiss, nioht so Bedeutendes hat sohaffen können, wobei aber die Grübler übersehen haben, dass in den Shakespeare Dramen ein seltenes Genie vorwaltet, and trotzdem geographische and andere Schnitzer darin Vorkommen, die ein Baoon nioht maohen darf. Doch ist daraas eine ganze Shakespearelitteratar entstanden, and es wäre gar nicht 80 unmöglich, dass die nachstehende Episode den Anfang za einer ähnliohen Spinozalitteratur bilden kann, die im besten Falle niohts als eine geistreiphisirende Spielerei wäre. Albert Brngh, ein Jugendfreund nnd Sohüler Spinoza’s, hatte seine Heimath mit Italien, and seine Religion mit der römisoh-katholisohen vertauscht. Und wie in jedem Religioaaweohsel ein gewisser Fanatismas — wenn nioht irgend ein anderes Interesse — vorherrscht, so war aaoh er ein fanatischer .Katholik geworden, and sohwärmte dermassen für seinen nenea Glauben, dass er aaoh seinen Freund. Spinoza, dessen Seelenheil ihm viel Kammer za machen schien, da er dessen Philosophie für eine Täuschung and eine Ohunäre hielt, der alleineeligmaohenden Kirche zaführea wollte. Um seiner Argumentation eine grössere Beweiskraft beiaalegen, glaabte er niohts besseres than an können, als sich aaf die grosse Arm hl der Wunder jiaa Märtyrer seiner angenommenen Religion za berufen, ohne jedoch za bedenken zu wem er eigentlich in seiner Verblendung spraoh. Spinoza ist ihm dieAntwort nioht sohaldig geblieben, so ungern er es aaoh that, nnd säst darin unter Anderem: ,Die Wan der, die Sie erzählen, können tausend redfertige Zangen mürbe maohen. Und womit Sie zieh am meisten brüsten, ist, dass Sie weit mehr Märtyrer zählen als irgend eine andere Nation, and dass ■ioh die Zahl derer täglich vermehrt, die für den Glauben, za dem Sie sioh bekennen, mit ganz anderer Seelenstärke leiden, und das nioht mit Lüge, ioh sei bet kannte unter anderen einen sogenannten gläubigen Jaden*), *) Brief 74 — ipse eaim inter alia queadam Jadam, qasm Adam appellant, novi- •) Graste, Geech. d. Jaden. B. X. S. 205. Anm. IL **) Spinosa’s Grab. Jhd. Litteratarbl. 24. J011 1890.