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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-08-26 · N° 35. (26.8.1892) · p. Seite 138

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 35. (26.8.1892)
Date
1892-08-26
Page
Seite 138 (sequence 3)
Language
German
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188 JEL Akiba, Ben Ami, Ben Soma, Elieoha ben Abaja, binlänglioh beweisen, die eigentliche Veranlassung gewesen sein mag zar Sohaffung dieser rigorosen Be- Stimmung, damit das Lebrhaas nioht ein Tammelplats derartiger Bestrebungen and Irrlehren sar Schädigung der reinen laatern Auffassung des Glaubens des Jadenthams werde. Nach all_ dem bis jetzt Besprochenen and Aaseinanderge8etsten haben wir erst einen gewissen Gesicbtspankt, der ans eine Perspektive bietet, von der aas wir nan jene befremdende Erscheinung von der iasserat karren Daaer der Patriarohenseit R Eleasar ben Asaria’s ins Aage za fassen vermögen. Beim Aasbruche des Streites, dem schon eine langjährige Unzufriedenheit mit der Leitang Rabban Gamaliei’s and eine ungeheure Gährnng der GemijtLher in Folge der knsserst strengen Maas regeln des Patriarchen den bedeatendeten Persönlichkeiten gegenübervorangingen, kam man beim plötzlichen Sturze des Patriarchen hinsichtlich einer Stellvertretung in Veilegenheit. Es platzten da die Geister aaf einander so gans unerwartet, dass sie nicht früher Zeit batten dieVorsioht j au gebrauchen, für eine Nachfolge vorher za sorgen, ן am den grossen Verlast alLogleioh ersetzen and die . weite Lüoke aasfüllen za können. Es entstand die Frage, wer jetzt zum Nachfolger gewählt werden könnte? Babbi Josua konnte man nioht wählen, weil er der eigentliche Veranlasser des her beige führten Sturzes des Patriarchen war and solche verletzende Kränkung durfte und wollte man R. Garn, dennoch nioht anthun. Trotz des Hasses, den er 8ioh wegen seines eigenmächtigen und rücksichtslosen Verfahrens and Auftretens sagezogen hatte, stand der Patriarch dennoch bei der öffentlichen Meinung in hoher Achlang. Babbi Akiba war ein homo novas. Er hatte keinen Stammbaum einer adeligen Ahnenreihe aaf zuweisen; er galt übrigens vielleicht, wenn aaoh nur vorübergehend, für einen Repräsentanten gnostisoher Ansichten und Lehrmeinangen. Und in Wirklichkeit hatte es ja R. Akiba mit jener Geheimlehre ebenfalls versucht, er war nur so glücklich, unversehrt aus dem Pardes zu kommen. Alle Blicke mussten sich anwillkürlich aaf R Eleasar richten und alle Stimmen der Wähler aaf seine Person conoentiiren. Diesem stand nur das Eine hinderlich im Wege, dass er noch zu jung an Jahren war. Im Uebrigen besass er alle Eigenschaften, die ihn nur empfehlen konnten, dass man die erledigte Patriarchenwürde auf ihn übertrage. Ei war reich and konnte dadurch seine Glaubensgenossen ebenso wie R. Garn, am römischen Hofe einflussreich vertreten. Er war ferner im zehnten Geschlechte mit Esra, dem Schriftgelehrten, verwandt. Was aber das Hauptsächlichste war, er war ein Weiser (חכם) so dass er durch Schlagfertigkeit keine Oppo- Bition beim Vortrage im Lehrhause zu furchten hatte <מ־אי מקשי לי׳ מפרק ריה• Dieser Pnnkt ist e bendesswegen im Talm. bab. in erster Beihe als für die Wahl R Eleasar18 aller Wahrscheinlichkeit nach am meisten ausschlaggebend angeführt worden, weil man nebst den ־anderen Motiven hauptsächlich darauf Gewicht legte, einen R Garn, nioht nachstehenden Vertreter an die Spitze des Lehrhauses zu setzen5); dass, man ’) Vielleicht ist das Epitheton חכם nicht ohne Absicht gewählt, um ihn zugleich als Mann der Wiesen schuft zn charakterisireo, wie der Anssprnch der von ans angeführten Miaehna es bezeugen durfte. *) Warum Weise (a. s. O. IL S. 94) Bebbi Blasser so sehr za verkleinern sachte, ist nioht recht begreiflich. Nach seiner Ansicht sei Bebbi Blosser blos ein D11TBh1U1T1i++spe1+tu♦-» and •eins Wehl and Erhebung zam Patriarchen nur tu Nothbehelf ihn trotz seines jugendlichen Alters zum Patriarchen machte, beweist eben, dass er zn den bedeuten dsten Männern seiner Zeit gehörte. Die Thatsaohe von seinem jagendliehen Alter bei dem Antritte des Patriarohenamtes lässt sioh nickt bestreiten. Mag gleichwohl ein sagenhafter Kreis mit nebelartiger Verdiobtnng sioh am dieses Faktum gebildet haben, er vermag dennoch ebensowenig, wie jedes poetische Sageudankel, den Liehtpankt der Wahrheit, der historischen Wahrheit, der in seinem Innern leuchtet, za verdunkeln. Wie Perlen in den Wssserflatben, so der Kern der Wahrheit im Erz der Sage. — Die geschiehtliehen Wahrheiten werden, eingesohlossen in der Hülle der Sage, im Verlaufe der Zeit zu Petrefakten, an welche der Zahn der Zeit seine nagend vernichtende Kraft vergebens anzubringen versucht.'; Wenn nan trotz alledem R. Eleasar nur sehr kurze Zeit iu seiner Würde als Patriarch verblieb, wenn man sich ferner bald nach seir.er Schilderhebung wieder entschloss, Rabban Gam&liel die versöhnende Hand za bieten und ihn in seine erste Würde wieder einzusetzen, so muss natürlich ein triftiger Grand hiefür vorhanden gewesen sein. Und dieser muss wohl die Befürohtang des Umsichgreifens mancher gnostisohen Einflüsse aaf die Lehren der Religion im Lehrhause.gewesen sein, zn weloher der freundschaftliche Verkehr R. Eleasar’a mit Ben Soma, sowie die Einführung der Lernand Lehrfreiheit daroh die Aafhebaag'der obea erwähnten einschränkenden Bestimmung hiulänglioh Veranlassung bieten konnten. Im ersten Augenblicke der Bestürzung hatte man diese Momente wenig beachtet. Nachdem aber die Ernüohterang eingetreten war und man den grossen Andrang der Theilnehmer an den Vorträgen im Lebrbaase gesehen, die ohne vorher aaf ihre Gesinnungen irgend wie geprüft zu werden zu den Vorlesungen ohne Weiteres zugelassen wurden, da fing man an den übereilten Schritt bedenklich za finden and war alisogleioh bestrebt, 80 bald wie möglieh dem Verlauf dieser Thatsaohe eine andere Wendang za geben. DieNaobgiebigkeitund die Schqtiegsamkeit R Gam.’s lieferte hierzu die beste Gelegenheit. Sie wurde ergriffen und R Gam. wurde rebabilitirt.* *) in der Verlegenheit gewesen. Allen seinen Beweisen fehlt jedoch eine feste Grundlage. *) B. Akiba selbst hat B. Eleasar nicht unterschätzt Bei aller Hochachtung, die wir B. Akiba zu allen Zeiten zu zollen verpflichtet sind, bei all’ der Bewunderung erzwingenden Grösse, die seine Gelehrsamkeit ibm verliehen hat, bei all dem glorifizirenden Glanze, die die M&rtyrerkrone auf seinem Haupte am ihn her verbreitet, können wir ihn doch nicht so hoch 1!teilen, dass wir ihn jeder menschlichen Schwache entkleiden wollten. Und es ist nur recht menschlich und jedem begreiflich, wenn K. Akiba sich durch die Wahl B. Eleasar’s, bei welcher man ihn g&nzlich überging, krankend verletzt fühlte and sich mit dem Ausspruch (Jer. Ber. 7d) סמני HIV fVO KVTO ')&& לא נחלים יותר סמני P אלא שהוא über das Gefühl der Verbitte, rang hinwegzusetzen sachte. Und er wäre sogar za entachuldigen, wenn er es versucht hatte, R. El. zu untersohStsen, am sich dadurch in den Vordergrund zu rücken Indessen that dies B. Akiba nicht. Er sagt nar, dass er nicht giösser als er C3QO יותר) sei, aber nicht, dass er ihm irgend wie nachstünde. Babbi Akiba selbst hat ihm 1R. Eleasar) seine Bedeutang zugestanden. Die einzige Stelle (, חנינה נ)« die für die Ansicht Weiss' anscheinend sprechen würde, lässt sioh anohnooh anders, and zwar wie Raschi dies erklärt, entlassen: תלמידיך ״ •אנו ואק לנו לדבר בפניךWir sind Dame Schüler ,und es geziemt uns nicht in Deiner Gegenwart Halachotb im Namen Anderer an tradiren “ *) Es wäre ja sonst dieser plötsliche Umschwung ganz unbegreiflich, da doch der wohl thuende Einfluss auf das Studium der Lehre mit dem Gebergange der Leitung des Lehrbauses aaf R Eleasar ein derartig gewaltiger war, dass von ihm ge- ,agt wird:עדיות בו ביום נשנית, וכל ודכא דאמרינןבו ביום האי י פא הוד. ולא היתד. הלכה תלדה בבית המדרש שלא פירשוד..

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