Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 34. (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 134 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 184 י— befremden. Wir finden ein Analogon hiezu auch in späterer Zeit. Aueh Mar Samuel, der zwar kein Gnostiker gewesen ist, #ohl aber ein Mann, der den wissenschaftlichen Studien sich nicht abhold gezeigt, batte man nicht mehr eine strenge rituelle Praxis zugetraut. Worin sonst wäre der Grund für die Tal• mndisohe Beschlussfassung zu suchen 3 הלבד. כר סרסורי והלכה כשמואל בדיני ,Wenn es sich um einen Civilprozess handelt, da soll men in der Praxis nach Samuel sieb richten, hingegen hinsichtlich ritueller Fragen 8011 Bäb die massgebende Autorität sein?“ — Mit Ben Soma hat aber Babbi Eleasar intim verkehrt; vielleicht bestand sogar ein Yerhältniss zwischen ihnen, wie zwischen Lehrer und Schäler. Ber. 12. b, sagt Babbi Eleasar הרי אני כס שבעים שנה ולא זכיתי שתאמו־ יציאת מצרים בלילות עד שדרשה בן זומא ,ich sehe wie ein siebzigjähriger Greis schon aus und habe noch nicht aua/cler Schaft die Ueberzeugang gewinnen können, dass man den Abschnitt (der Heiligen Schritt) von dem Auszuge Israels aus Egypten auch an den Abenden sagen mässe, bis dies erst Ben Soma durch seine Auslegung der Schrift aus dieser deduzirte. Denn es heisst in der Heiligen Schrift ״ Damit Du dich er• innerst des Tages deines Auszuges aus Egypten alle Tage deines Lebens*. Die ,Tage deines Lebens“ heisst aber, auch an den Abenden (die Partikel ,alle“!8011 (בל durch den Begriff Cer Verallgemeinerung noch etwas in sich einschliessend enthalten, was man sonst ohne sie in ימי דדיך nicht gesucht hätte, und das sind die,Abende“). Hingegen meinen die andern Weisen!חכמים), dass nicht die ״Abende“, sondern die ״Tage der Messias zeit“!ימות המשיח) das einzu- 8chhe88ende verschwiegene Objekt seien“. Wir haben diese Mischna dass wegen hier so weitläufig und ausführlich zitirt, weil sie noch in anderer Beziehung beachtenswert!! ist. Wir gewinnen durch ein tieferes Eindringen in den eigentlichen Sinn dieser Controverse, dieser Streitfrage, einen Standpunkt zur Beurtheilang der Persönlichkeit Babbi Eleasar’s, der uns zugleich Aufschluss zu geben ver• mag über eine etwaige Frage, warum denn nach Ab- Setzung BabbanGamaliel’s Babbi Eleasar nur so kurze Zeit in seiner Patriarchen würde verblieb? Nun es _ kann uns eben diese Mischna Aufklärung darüber — geben. - Die Streitfrage in der Mischna mit den verschiedenen Deduktionen ans dem Verse der Heiligen Schrift scheint keine einfache halaohische gewesen zu sein. Es handelte sich dabei vielmehr um einePrinzipienfrage, die nicht von geringer Bedeutung sein dürfte. Die Erklärung der Gemara zur Mischna sagt uns dies ganz deutlich. ״Es heisst in einerBoraitha, lehrt die Gemara, es hätte Ben Soma zu den Weisen gesagt, wird -man denn in den Tagen der Messiaszeit des Auszuges aus Egypten noch gedenken? Hat ja doch schon der Prophet Jeremias sich darüber in folgender Weise ausgesprochen: ״Siehe! es werden Tage kommen, ist das Wort des Herrn, und man wird nicht mehr sagen, beim Leben des Herrn, der die Söhne Israels aus dem Lande Egypten geführt, vielmehr beim Leben des Ewigen, der herausgeführt und gesammelt hat die Nachkommen des Hauses Israel vom Lande des Nordens und allen Ländern, wohin ich sie versto-seu habe“. Darauf gaben ihm die Weisen zur Antwort, es sei durchaus nicht damit gemeint, es werde der Auszug aus Egypten seine geschichtliche Stellung und religiöse Bedeutung verlieren, sondern es werde die spätere Befreiung vom Drucke der Gewaltherrscher die wichtigere Thatsache werden, und der Auszug aus Egypten wird jener gegenüber eine untergeordnete Steilung erhalten.“ Mau sieht nun augenscheinlich aus dieser Auseinandersetzang zwisohen Ben Soma und den Weisen, dass es sioh hier nicht gerade um das Lesen des Ab• Schnittes von dem Auszüge aus Egypten handelte, י als vielmehr darum, aus der Schrift zu beweisen, welche Stellung das Pesaohfest einst einaehmea und ob es überhaupt naoh der grossen Erlösung irgend welche Bedeutung haben wird Naoh der Auslegung des Sohriftverses ♦ . « ״ למק תזכורdamit Du dioh erinnerst des Tages deines Auszuges aus Egypten alle Tage deines Lebens“ im Sinne Ben Soma’s, wie nach seiner Auffassung des prophetischen Ausspruches in Jeremias cap. 23 käme dem Pesachfeste blos zeitliche Berechtigung zn und es durfte einst seinen religiösen Werth gänzlich verlieren. Dies wollten die Weisen mit vollem Bechte uioht zugeben; könnte doch eine solche Auslegung zu weitern sohädlioben Folgerungen hinsichtlioh der Ewigkeit der Lehren der Heiligen Schrift im Allgemeinen führen. Sie bestrebten sioh daher jenen Versen eine audere Wendung zu geben, wodurch gerade das Gegentheil bewiesen werden sollte. Jedenfalls ist aber daraus ersichtiioh, ׳lass Babbi Eleasar ben Asaria sich leichten Herzens jener gewagten Auffassung Ben Soma’s angeschlosssn hat. (Schluss folgt.) Erläuternde Bemerkungen zu einigen Stellen im Targum zu den Psalmen und Sprüchen. Von Dr. Jacob Re iss, Rabbiner in Katienpl&n. (Fortsetzung statt Schluss.) Zu dem Worte הלי B. L, S. 259 bringt der Verfasser unter Andrem auch das Targum Spr. 9,17 naoh seiner Handschrift und Ag und macht hiezu die verbessernde Bemerkung ״vielleicht zu lesen.“ Mit der erläuternden Bemerkung ״wahrscheinlich zu lesen“ bringt d. Verf. zu dem Worte לרד B. I, S. 188 aaoh das Targ. Spr. 24,34; ebenso bringt er zu d.W. רמאי B. II, S. 427 das Trg. Spr. 12,17 mit der gleichen erklärenden Bemerkung ״wahrsoheinlioh zu lesen“. Diese seine Vermutbungen sind berechtigt und zutreffend, denn sie finden in meiner Ausgabe ihre inhaltliche Bestätigung. Unter d. Worte WH B. I, S. 2b0 bringt d. Verf. das Targum Spr. 14,13 ״ וסופא חדותא וחיתתאihr Ende ist Wonne und Freiheit“. Er bemerkt aber gleiohzeitig: ״v'elche Stelle jedoch ermp. zu sein scheint“. Seine Vermathung trifft zu, denn in meiner Ausgabe heisst die stelle ganz richtig: וסופה דחדוחא המוצא« Vrgl. hiemit das Targum Spr. 10,1 und 17,21. Unter dem Worte חשב B. I. S. 286 bringt der Verf. das Targum zu d.Spr. 29,11 וחכימא ס־עיינא מיחשב Ms. u. edd. Ven. ermp. מאשב uud sonst keine andere Leseart. Er müht sioh ab, das räthselhafte Wort מיחשב resp. מאשב zu erklären, welches die Ueber- Setzung des Txtw. ישבחנה sein soll und meint, dass der Targumist יחשבנה anstatt ישבחנה gelesen hat. In meiner Ausgabe jedoch lautet diese Targumstelle anders und sinngemässer, wie folgt: וחכימא ברעינא מאכה- Dem ישכחנה im Texte entspricht vollkommen מא3ה im Targum. Man vergleiche nur die Stelle Ps. 65,8 משביח שאון ימים und das Targum hiezu ממאך רטש ימיא; ebenso Ps. 89,10 אתה תשבחם u. d., Trg.אנת תמאיכטן. Unter d. W. חשך B. 1, S. 288 sagt der Verfasser folgendes: P8. 31,11 ואיברי בלו חש3ו Ms. (wo ein Wort als Var. zu nehmen; in Ag. fehlen letztere zwei Worte) ״meine Glieder welkten, magerten ab“. In meiner Ansgäbe laatet diese Stelle ואיברי חשכו; es fehlt nur das ■t