Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 33. (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- Seite 130 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1B0 — Berührungspunkte zwischen jüdisoben and grieohisohen Lehrsätzen in philosophisch ethischer Beziehung vorfinden, die ganz evident davon sengen, dass sogar die Aristotelisohe Ethik einen Einflnss aal die talmndisohe Sittenlehre geübt hat, and wir werden dann ansere Verwunderung darüber viel gemässigter auftreten lassen, wenn Wir den Versuch des Maim. betrachten, den Tbanaiten Babbi Eleasai mit Ariatoteles hinsichtlich eines Produktes von solch’ subtiler Denkweise in Ein• klang ca bringen. An solchen Beweisen mangelt es allerdings nicht. .Durch zwei oder drei Zeugen 8011 ein Thatbestand iestgestellt werden“ heisst es ia der Beiligen Schrift. ־Wir wollen uns aber nur auf ewei derselben beschränken: In den;,Sprüchen der Väter“ gleich im ersten Abschnitte, Misohna 13, ist zu lesen: ולא המחדש עיהד אלא המעשה ,Nicht das Studium ist der Endzweck, als vielmehr die Tbat, die Praxis.“ lat das aber etwa nicht wüttlich dasselbe, was Aristot. (Ethio. Nicomach. lib. I, cap. 3) sagt ״,EneiSi) xb ■dXo<; itrd 06 Yvwat;, äXXA Ttpäijt{.“ Ferner ist inAbsohnitt V, Mischna 16, zu lesen: כל אהבה שהיא תלדה בדבר בטל דבר כטלה אהבה ושאינה תלדה כדבר אינה כפולה 8 .ס. w. ,Jede Liebe (Freundschaft), die von irgead einer Sache bedingt ist (die nicht Selbstzweck ist), hört auf, wenn die Bedingung schwindet; eine Liebe aber, die von keinem äusserlichen Umstand abhängig ist (die Selbstzweck ist), kann nimmer zu sein authören.“ Hören wir nun, was Aristoteles über diesen Gegenstand sagt (im 4. Cap. des VIIL Boches das.): ,Vollkommene Freundschaft aber ist die unter sittuoh guten und an Tugend sich ähnlichen Menschen. Denn diese wünschen einander gleiohmässig das Gate, eben wie fern sie gut sind, and sie sind gut an und für sich. Am meisten sind diejenigen, die den Freunden um der Freunde'willen das Gute wünsohen, Ü5e besten Freunde. Denn an sich haben sie solche Gesinnung und nicht bloss zufälliger Weise. Es bleibt daher ihre Freundschaft, solange sie tagendhalt bleiben, und die Tugend ist etwas Beständiges. Ebenso ist jeder der beiden an ach gut und ebenso, dem Freunde. Denn die Guten sind an sich gut and ebenso einander angenehm (nützlich).“ Ferner (das.): ,Dass eine solche Freundschaft beständig ist, hat seinen wohl berechtigten Grund. Denn sie birgt in sich all dasjenige, was Freunde besitzen müssen. Ebenso heisst es cap. '5 das.: ״Anders ist das Verhältniss zwischen dem Liebenden und dem Geliebten, indem diese nioht über dasselbe Lust empfinden, sondern der Eine über den Anblick des Geliebten, der Andere über die ihm vom Liebenden erwiesenen Aufmerksamkeiten. Mit dem verblühten Jagendalter hört hier mitunter auoh die Freundschaft auf.“ Und ferner: ״Diejenigen, ׳die blos des Nutzens wegen Freunde sind, hören es auf zu sein, wenn mehr keine Aussicht auf Gewinn vorhanden ist* * ,Es scheint, dass die Liebe eine Leidenschaft, die Freundschaft aber eine bleibende Beeohafienheit sei.**) Ist nun aber hier nioht etwa ganz dasselbe ge- ««ל was ansere Weisen in den Sprüchen der Väter sagen. Finden wir nioht hier denselben Inhalt des *) Vielleicht will auch dis Bedenaart im Talmud (Chullin 112a und Sabb. 4a): לכי תיבול ללה 0רא דמלחא daaeelbe *Bedrücken, was Azist. (Ethic. V 111,4) sprichwörtlich von der Freundschaft sagt: *ortet ■rijv wapotfdav fäp 06x iauv effifjoai d&Gjlov nplv T0C* XtYOfdvöoi äXai ouvavaXfficai. ,Nach dem Sprichwort lernt nun sich nicht kennen, ehe man ein Scheffel 8*1*. wie man sagt, snsammengegsssen * . , , לכי תי0ל ללה wttrde dann besagen: Wenn Pa zn diesem Zwecke (am den Grand für diese oder jene Sache za ertahrea) ein Scheffel Salz (mit mir) verzehrt hast; d. h. wann Da mit mir ganz intim vrr kehren willst wie zwei Freande. AusspraohM mit denselben Definitionen und selbst mit derselben erläuternden Gegenüberstellung der Gegensätze von Freandsohaft und Liebe, wie sie ia der Misohna einander gegenübergestellt werden? (אהבת דוד דונתן, אהבת אמנון ותמרי) (Forts, folgt.) Aus der Geschichte der Gemeinde Kremsier. Von Babb. Dr. A. Frankl-Grün. (Fortsetzung.) Am 20. Sohwat 1700 wurde bei einer im Beisein des liabbiners Salo Jomtow abgehaltenen Versammlung beschlossen, dem Fürsten für die Bestätigung der Privilegien die Summe von 1900 fl. anzubieten. 1705 wurde, wie es 1m jüdisohen Grund buche heisst, zur Verhütung eines jeden Schadens, der fürstliche Wechsel, für welchen die Gemeinde haftete, von dieser beim Magistrat eingelöst.*) — Allerdings wurde dann die Ertheilung des Privilegiums mit der beabsichtigten SiohersteUnng der Juden begründet ״damit sie bei diesen unsicheren Zeiten den Handel und Wandel ruhig führen“, (Priv. vom Fürsten Dietrichstein 1639); ,damit sie die obrigkeitliche Gnade desto besser wahrnehmen“, (R. v. Ludwig Wilhelm Erah. v. Oesterreich 1657) ״als Belohnung für Ihre uns und unseren Vorgängern beständig bewiesene Treue.“ (Wolfgang von Schrattenbaoh 1713), ,eine Anerkennung für geleistete Dienste bei dem zweimal im Schlosse ansgebroohenea Brande“ (1703 Earl v. Lothringen), oder die Oonfirmirung der alten Beohte daroh neue loyale Verdienste motivirt (Gf. Liohtenstein 1745). Nur der Eingeweihte wusste den wahren Grand weshalb die fürstL Kanzlei so produktiv and freigebig *) Ein hiesiger Professor, dem ich in dis betreffenden Urkunden Einblick gewährte, bemerkte in seiner 'vorherrschend aas katholischen Seminaristen bestehenden Claese im Anschluss« an einen grieeh CUassiker folgendes: Ea ist von den Metöken Athens die Bede; (and daran anknüpfend sagte dieser Professor:) ״Aach wir hatten ansere Metöken, — zwar gehört das nicht zur Schale, aber damit sie ee wissen, meine Schüler, wie die meisten Ihrer Lehrer denken, erwähne ich'« — Leate, die zwar tn eil hatten an den vom Staate auf erlegten Lasten, nicht aber an den politischen Rechten: ee waren dies die Jaden bis zum Jahre 1848. Nirgends hatten sie Zutritt, gedrückt, eingepfercht waren sie ins finstere Ghetto; und kam der Abend oder wurde eine Festlichkeit in der Stadt begangen, so wurden die in’a Ghetto führenden Thors abgesperrt and die Jaden durften nioht heraas Kam es doch sogar hier vor, dass ein sonst ganz liberaler Erzbiscboff die J1Mengaase von der übrigen Stadt daroh hohe Mauern trennte, wie er sagte, ״zum Schatze der Jaden.“ ״Was mussten erst solche, die weniger liberal dachten, dienten thueu? Wenn darum die Jaden manches Eigentümliche an sich haben, mane.hea, was uns mianganfthm erscheinen könnte, so ist es nicht ihre Schuld, sondern unsere, auf uns Christen fällt sie zarüok, da wir sie solange bedrückten. Man wirft den Jaden Wucher vor? Ich will nicht davon sprechen, dass es auch christliche Wacherer gibt, aber eines will iah ihnen erzählen und aohliessen sie selbst daran*, was den Jaden za thnn übrig blieb. Wie anderswo so war auoh hier einst ein grosser Herr, der sich einen Hoijjaden hielt. Derselbe durfte alles machen, er durfte wuchern, schmutzige Geschäfte treiben, sein Sohataherr sagte nichts; er drüokte nioht nur ein, er drückte beide Angen zu Plötzlich aber kommt er zum Jaden, der indes schon ein beträcntliches Sümmchen z u8am mengeepart hatte, and sprioht ״Was, mein Jade wird mir Schande machen, wird wuchern? Her das Geld, mit dem Da gewuchert.“ Und der arme Jade musste alles herausgeben; doch etwas liest ihm sein Herr wohlweislich zurück, damit er sein Geschäft von vorne anfangen könnte, and so wiederholte sich das Spiel mehreremala. Immer aber zahlte er seine Steuer pünktlich; denn nur solange erfreute er sich des Schatzes für sein Leben, and mit diesem musste er sieb zufrieden geben. q ■