Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 31. (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- Seite 122 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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122 sagen wir auch ״So wie Gott lebt■ ("1 ,Pt), aber nicht ״Beim Leben Gottes■ 0ר TI), weil sein Leben Niohts anderes als seine Wesenheit selbst ist, wie wir das schon dort erklärt haben, wo ▼on der Unstatthaftigkeit der Anwendung positiver Attribute (bei Gott) die Rede war. Es kann aber darüber kein Zweitel herrschen, der noch keinen Einblick gethan hatte in die Werke, die über den Verstand (voO;, aoima) verlasst worden sind und folglioh aaoh keinen Begriff ▼on der Sabstans des Verstandes hat und überhaupt das Wesen desselben nicht kennt und von all dem nur 80 viel versteht, aie wenn jemand über dasWeisse oder Schwarze sich einen Begriff za bilden vermag, sich nicht so leicht mit diesem Philosophen wird vertraut maohen können. Wollten wir einem solchen gegenüber die Behauptung ausspreche□, dass das Denken, der Denkende and das Gedaohte (oder die Erkenntniss, das ־Erkennende und das Erkennbare) bei Gott in Eins zasammeofallen, so würde das ihm so Vorkommen, als wenn wir sagten, das Weisse, das weiss Werdende und das weiss Machende, alle Eins •eien. Und wie viel Thoren werden es in der That versuchen, durch dieses und ähnliche Beispiele unsere Worte zu widerlegen. Ja so manoher von denen, die da schon glauben, weise za sein, wird es schwer begreifen and der Ansicht sein, dass die Erkenntniss der Wahrheit dieser Behaaptang ein Ding sei, das sich nie dem Verstände wird anpassen können. Und dennoch ist dieser scharfsinnige Aassprach ein philosophisch anwiderlegbar bewiesener, wie die gottbegnadeten Pnilosophen dies mit logischer Beweisführung dargethan haben. Nan will ich Dir den Beweis erklären, den sie hierfür erbrachten. Wisse, dass der Mensch, bevor er sich noch von einem Gegenstand einen Begriff bildet, schon ein der Potenz nach Denkender ist. Nachdem er sich aber von einem Ding einen Begriff gebildet (wie z. B. wenn er die Form des Baumes, aal den er seinen Blick gerichtet, be- trachtete und dann die Form von der Materie abstrahirt and die abstrahirte Form dann wieder in seiner Vorst eilang reproduzirt, denn darin besteht ja die Thätigkeit des Verstandes [nämlich im Abstrahiren und Reprodazirenjk dann ist er ein Denkender in Wirklichkeit. Die Erkenntniss, die bei ihm aaf diese - Weise zur Wirklichkeit geworden, ist die abstrahirte Form des Baumes, die jetzt getrennt in seinem Denken existirt. Denn das Denken ist nioht etwas Versohiedenes von dem Gedachten. Daraas wird Dir wohl klar geworden sein, dass der gedachte Gegenstand, die abstrahirte Form des Baumes, and diese zagleioh das zur Wirklichkeit gewordene Denken ist; dass ferner die daroh den Verstand erfasste Form des Baumes and das Denken desselben durchaus keine zwei verschiedenen Objekte bilden. Denn das wirkliehe Denken ist Nichts anderes als dasjenige, was gedacht wird. Und nun dasjenige, ▼ermittelst dessen die Form des Baamee erfasst and ab&trahirt wurde, nämlich der in Wirklichkeit übergegangene Verstand, ist ohne Zweifel zagleioh das Denkende*). Denn jede *) Diaae Stelle in Maimnnidee scheint fehlerhaft za ■ein und des Fehlerhafte ist ■0 sehr augenfällig, da■■ ee jeden Wunder nehmen muss, dass weder von Ephodi, noch van Schem-Tob, noah ▼oa Oraakaa, von den Oanunentatoren zam Moreh, etwas darübtar bemerkt wird. Es heisst in Moreh U ־ אש!־־DTP הושכלה צורת האי׳לז והופשמה,אשר הוא המשכיר הוא השכר ההוה כפגר כרי ספק• Jedem anfmarkaamen Leser muss es allaoglaich einl *achten, dass diaae Stella ineorrect ist. Denn dar משכיר ist nicht detjaatga, vermittelst dessen die Farm des Baamee abstrahirt wird, sondern der Verstand, שכל; der משכיל Verstandesthätigkeit ist eben der Verstand selbst. Und es ist durchaus nioht der verwirklichte Verstand etwas anderes and die Denkthätigkeit etwas anderes. Denn die wahre Wesenheit des Verstandes ist das Begreifen. Uad da wirst doch wohl nioht glaaben wollen, dass der in Wirklichkeit getretene Verstand ein etwas vom Begreifen Getrenntes, für 8ioh Bestehendes sei, and das Begreifen selbst wieder ein etwas anderes sei, das an jenem aasutreffen ist Vielmehr ist der Inhalt des Verstandes and seine Wesenheit das Begreifen selbst. Wenn da aber nar die Annahme sagestehet,! dass der in Wirklichkeit existireade Verstand (das I verwirklichte Denken, v. das Begreifen des I Gedachten ist, and das ist jedem klar der sioh aa! eia derartiges Denken gewöhnt, so mass dir zagleioh einleaohten (ist für dich damit gleich bewiesen), dass die Denkthätigkeit, die ebenfalls das Begreifen (des Gedaohten) ist, zugleich sein wirkliches Wesen (nämlioh derVeretand) ist. Folglioh ist dasjenige, mittelst dessen die Form des Baumes abstrahirt and erfasst warde, nämlioh der Verstand (das Danken), sagleich auch das Denkende. Denn der Verstand selbst ist es ja, der die Form abstrahirte and erfasste, and dies ist ja wieder seine Denkthätigkeit, woduroh von ihm aasgesagt wird, er sei eiu Denkendes, uad diese Denkthätigkeit ist wieder das Wesen des Verstandes selbst. Denn der in Rede stehende verwirklichte Verstand ist seinem Inhalte nach ebenfalls Niohts auderes als die abstrahirte Form des Baames. Es ist dir demuaoh nan klar, dass da, wo das Denken ein verwirkliohtes geworden ist (v. im.x.xr]töi), das Denken identisch ist mit dem Gedaohten. Es mass dir aber zugleich auch einleaohten, dass jedes Denken Niohts anderes ist als eine Denkthätigkeit, die sioh selbst denkt. Folglioh sind das Denken, das Denkende and das Gedaohte dem Wesen nach stets Eins and dasselbe überall da, wo ein Denken in Wirklichkeit sioh äu88ert. Nar da, wo es noch potenziell existirt, mass nothgedrangen von zwei Objekten gesprochen werden, von dem potenziellen Denken and von dem potenziell Gedaohten. Z. B. die denkthätige Materie (v. öXixöq), die Raben besitzt, ist ein Denken der Potenz naoh. Eben so ist der Baam ein Gedachtes der Potenz naoh. Diese sind ohne Zweifel zwei verschiedene Objekte. Wenn aber ein Uebergang von Potenz zur Wirkliohkeit etattfindet and hierdnroh die Form des Baames das wirklioh Gedaohte geworden ist, dann ist diese gedaohte Form mit dem Denken identisch. Denn daroh das Denken selbst, das jetzt ein Denken der Wirklichkeit naoh (v. fenxtrj-tö{) geworden ist, ist jene Form eben abstrahirt and gedaont worden. Denn was eine Thätigkeit in Wirklichkeit äassert, mass selbst in Wirklichkeit existirea. Demnaoh sind jedes potenzielle Denken and jedes potenziell Gedaohte entschieden zwei Objekte. Alles Potenzielle mass aber unbedingt einen Träger der Potenz haben, wie z. B. ist derjenige, der erfasst, abstrahirt, aber nicht das, vermittelst dessen die Abstraktion geschieht. Diese instrumentale Thätigkeit gehört dem Verstände, dem שכל. Dass sie beide identisch ■eien, dass ist je dasjenige, qaod demonstrandum est. Die Stelle muss eigentlich foigendermassen lauten אשר כן *ÜTP הושכרה צורת האידן והופשטה אשר הוא השכל ההוה כפרד הוא המשכיל und naoh dieser Correctar hebe ich auch diese Stelle übersetzt Die zweite Stelle, die bald darauf in der Beweisflihrang folgt, und des beweisen soll, was früher behauptet worden ist, liefert den Beweis für daa Fehlerhafte jener Stelle. Denn weiter heisst es wirklich richtig אשר 3ו "DT1 p 0וא תפשטה צורת האילן ותשנה בו אשר תא השכר תא המשכיר. Es wäre mir erwünscht, ▼on einem meiner w. Colleges za erfahren, wie diese Stelle bei Munk in ■einem Moreh lastet.