Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 29. (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 76% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806206--2548-4857488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
מויימייויוייייוwmmmmm 114 — Tage nach der Hinriohtang ia Haaaa wurde Go mpeben sur Freiheit entlassen, naohdem er dem Bäte Uririeden geeohworen. Fflnf Wooben, 70m 27. September bia anm 5. November, hatte er ansohaldig im Kerker geschmachtet. Unklar blieb in der ganxen Verhandlung das Motiv des Schuhmachers für die Beschuldigung des Jaden. Sollte Gompchen Recht behalten mit dem Sohmersens* ruf, den ihm die Folter erpresst hatte: ,Jener achte nicht, was er sage, dass er, angemartert bliebe, und andere mit ihm in die Pein kommen!“ Sollte der Unmensch in der That, naohdem er die grausige Handlang begangen, als er Marter and Tod voraassab, von erste rer sich daroh offenes Geständnis and Hineinsiehung eines Zweiten in seine Unthat haben befreien wollen! Dann aber lag dem Verbrecher nie• mand näher als der Jade, mit dem er gehandelt, den er mit falschem Gelde hatte betrügen wollen, der sich aber nicht hatte fibervorteilen lassen.. Vielleicht schmeichelte er sich gar, wenn er in die Mitschuld | de» Jaden ein religiöse« Motiv mischte, selbst von ' der Strafe au kommen and den Beeita desselben anau treten, wenigstens sein verpfändetes Eigentum wiederzaerhalten. Lag doch die Blatbeschaldigung dain als überall noch in der Loft. Noch nioht dreissig Jahre waren vergangen, seit die Blntanklagn von Trient daroh ganx Europa gezogen war. Za ewigem Schimpf und Spott hatte man damals in Frankfurt an der Sashsanhäaser Brüoke ein Standbild an bringen > lassen, das die Lügenmär in dauernder Erinnerung halten sollte. Unter dem anästhetischem Block standen die Vene: ,So lang Trient und das Kind wird genannt, Der Jaden Sehelmstüok bleibt bekannt." w Al« 1611 der Bat von der ▲rnsberger Begierung am Auskunft gebeten wurde, ob in Frankfurt ein derartiger Mord vorgekommen, verneinte der Bat swar diese Frage, aber er verwies die Arasberger aaf die Trienter Geschichte von 1475.*) Und doch hatte der Bat noch wenige Jahre vor dieser Ausknnft (1594) selbst gegen eine nichtswürdige Beschaldigang in seinen Mauern ein schreiten müssen. In dem vorliegenden Falle hatte nur das eigene Geständnis desVeroreohers oder vielmehr die Zurücknähme seiner frühem Beschaldigang den Jaden vom Tode gerettet. Beicher als in andern Fällen strömt ans das Aktenmaterial für den Prooess aas allen Batsbüohera an, and doch wie armselig schauen wir aas, je mehr Mitteilungen ans werden. Wir kennen die Prosa des Herganges aas dem Monde der Zeugen, aas den trockenen Beschlüssen der Bürgermeister; die Poesie geht ans verloren. Wir erhalten keinen Einblick in das Gemütsleben der Personen in dieser Tragödie; wie reisvoll wäre es, einen Blick hineinxawerfen. Wie wenig wissen wir von den Beaiehangen des Schahmachen an seinem Weibe, and dooh scheint hier der Aasgang des Verbrechens za liegen. Wie dramatisch lebendig mass die Scene an jenem Samstag in der Jadengasse gewesen sein, als die Nachricht von der Folterung Gompchens unter die Genossen drang. Die Phantasie des Dichters bat einen weiten Spielraum, der Historiker mass sich bescheiden nach dem vorliegenden Material zu berichten, die Widersprüoke za schlichten.- •*) VgL Neastadt, die Bedeatg. d. Fkf. Gemeinde seit d. 16. Jhrh. (Zteehr. t Geeeh. d. J. i. Dteofcid. Jhr*. 1886 I, 168.) O—Mw ■ ■aehweis. L Bürgermeister buch vom Jahre 1604! Fol. 58 b J 8abbatho in die Mathei apoetoli (Sept. 21.) Als Bryheim sin tiaffkind mit S&eln *) sn todt gestochen solt haben vnd sa Haaaawe gefangen lygt, eyn rats vnd den statschriber bin ▼Beschicken, einen gnaden den handel entdecken ▼nd bitten darinn zu sehen solid hintare sabeaobeen eyn absobawe hab vnd ab aach sin haazfraw daran schuldig sy. JakobNahusz. Ullrich von Rotenburg, der statsohhber vnd der oberst riohter. Fol 59a] FeriaterciapoitMathei •wangeliste (Sept.24.) Als Henrich Brihens soae tn Hananwe in gefengniss bekant hait, dass er sin stifte kint geszlagea hait, dass es geatorben sy Inte eyns zeteis vnd vertzeichnissz die trande za unserm hern von Hananwe. sine gnade za bitten, Henrichen Brihens son za des* rat es bennen za stellen, die vndat möge gestreiften Johan Reise, Cla 8 z von Rückingen vnd ClasSohel le sollen Han szen den scherer verhorea, wie er dasz ertodt kint gelecziget fanden habe. Fol 59b] Item das kint, so Hans Bry ermort habe, wideramb vszgraben vnl das besichtigen lassen, ob es gestochen sey oder nit, sollen than meister Bans* vnd die swen scherer, so vseeczigen beeiobtigen Fol. 60b] Quinta post Mathei evangeliste. (Sept 26.) Als meister Melchior 8wartzenberger statsohreiber za Hananwe gewest ist Henrich Brihens son betreffend das dot kint, den oberaten richte t vnd süchtiger gein Hananwe schicken vnd den gütige■ mit enä verhören laisssen vnd sin bekentnisz vnd sage eigentlich baschribea laisaesn vnd dem rat vberliebern. _ F. 61b.] Sabbatho in festo St Michablia ArchangelL (Sept. 28) Dwile Henrich Brihens son sa Haaaa in dem szloeae oa» webe bekent hait, dass er dass kint gestoohen vnd das blut in ein schösset gefangen vnd Gompobin dem jadden bracht habe, den jadden mit wehe fragen*). Dasz meidchin, ־dass by Bryhens son gedient hait, an nemen vnd die warbeit von ire erforschen, wie esz mit dem kinde gehandelt worden sy Dasz dot kint abermals aszgraoen laisszen, die swene erczst, die dry scherer vnd Blarocke, den hinokende Hans vnd inan sagee, wesz sie sehen, nymant dan den bargermeistern sa aftenbaren Fol 62a] Feria tercia in die BemigiL (Oktb. 1.) Nachdem Henrich Bry he sch ama eher, der sa Hananwe im sxlossz liegt, bekeotlich ist, dasz er sin stiftkint za tode geazlagen habe, vnserm hem von Hananwe schriben, dem armen ▼mb sin missebandelange an dem toden kinde benagen, mit der strafte nit vnrecht than vnd so sin gnade soUchs zathan gemeint were, dass dem rate aa wissen zu than*). ItemGompchin indden leager ligen laisszen bis man bassser die warbeit erkundet. F0L 63a. ] Quinta post BemigiL (Oktb. 8.) Unserm goedigen hem .Beinharten graaan aaHanaawe vnd hsm za Myntseaberg echriben Henrichen Bry betreftbnt des erdoten kindeez halben inxta. FoL 66a.] 'Feria tercia ante Galli . (Oktb. 15.) Vnserm hern von Hananwe noch eyn male des gefangen schamachers halber wie voschriben Fol. 67b.1 Feria qainta poat GallL (Oktb. 17.) Als her Beinhart graue zn Hananwe vnd herr za Myntzeberg schribt dee gelangen schamachers halben, der geschickten firimde warten. Al« Fromet jaddin Gompchins cewyp schribt vnd bitt inen nss der gelengnisz za laisszen, nachdem er vast knnoke sy, langer ligen laisszen. Fol. 70a] Qainta post XIm virginam. (Oktb. 24.) item dem statschreyber schreyben mit anserm gnedigen heim von Hananwe selbst montlich des armen schamachers halben so in seiner haff iigt zareden, domit die verhandelung er gethan hatt, gestrafft ward. Fol 70b.] Feria tercia post Simonis et Jade (Oktb. 29.) sanotoram apostoloram. Als der statschriber by anserm hern von Hananwe gewest ist, ־deez gefangen halben der das kint erdodet hait vnd gebeten den armen einer begangen miszhandlang. recht widerfaren zu '"«"י■ vnd als unser her von Hananwe zn erkennen gibt, das ein rade gepuren volle, denn armen beclagen za laisszen n vnd den eostan, so dsss lantgsricht zaerfordern geen wirdeL an tragen, dem obersten riebter gewalt gaben sa beolegen vnd Jacob den richter ime.