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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-07-15 · N° 29. (15.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 29. (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Die Zengecanssage der Magd trog 80 sehr den Stempel natflrliober Wahrheit, dass der Rat aioh dem niederschmetternden Eindrnok ihrer Erz ihlnng nioht entaiahen konnte. Die Stupidität, welche .sich in ihre ungeschminkte D&ratellnngsweise misch *, war nar geeignet, den fnsohen Eindruck zu er 1öhen. Die Schuld des Schahmaahers an der Moidthat stand ausser Frage. Ratseihaft war nur die Btsohnldigung des Juden geblieben. Auoh aus den Mitteilungen der Magd war nichts Gravirendes gegen Gompcni» za entnehmen, nichts was zur Lüftung den PA* '־־' beitragen können. Als der Rat daher ausammentrat, beschloss er den Jnden v! im Gefängnis zu lassen, bis man .die Wa! erkundet". Naoh Hanau aber erging ei eters hätte Dienstag läafig nooh heit besser Schreiben ah den Oralen, nachdem die Schuld des Schuhmachers jetst feststehe, dem Recht seinen Lauf an lassen und dem Rat von dem Vollzug Nachricht zu geben. Die Sache lag jedoch nicht so f inlaoh. Der Sohahmacher war Bürger der Reiohsstadt Frankfurt, er war geflohen auf das Gebiet des Grafen von Hanau and war in dessen Residenz gefangen genommen w irden. Das Rechtsverfahren ward daduroh ein verwio teltes. Die Gerichtszuständigkeit des Verbrechers lag in Frank• fort, auoh die Anklage musste von der Heim atsbehörde, an deren Ort die Mordthat geschehen, au!gehen, die Vollatreckung des Urteils aber konnte n lr an dem Orte erfolgen, an dem das Urteil gefällt war. Die Geriohtekosten hatte die Reichsstadt zu tragen. Ueber alle diese Punkte musste man sioh einigen. So gingen die Schreiben hin und her von Frankfurt r ach Hanau und von Hanau naoh Frankfurt, vierzehn Tage hin* über und herüber, bis sioh endlioh der Rat entschloss wiederum Commissarien naoh Hanau zu entsenden, auch den gewandten Stadtschreiber zu mündlicher Verhandlung mit Graf Reinhart zu deputieren. Auf diese Weise kam am 29. Oktober, eine Einigung zastände. Der Rat wurde mit der Klage betraut und übernahm sämmtliohe Kosten auf seine Reohnüng. Der oberste Riohter eröffnet« im Nameu der Stadt Frankfurt bei dem Landgericht zu Hanau die förm• liohe Klage gegen den Sohuhmacher Heinrich Bry aut Mord, begangen au seinem Kinde. Da die Sohuld des Inhaftirten ausser allem Zweifel staud, sein eigenes Geständnis voriag, das durch die An■• sage der Magd bestätigt worden, 8.0 machte man nicht Viel Federlesens mit dem Delinquenten, das Urteil lautete gegen ihn auf Schuldig an dem Morde seines Kindes, sein Verbrechen sollte er mit dem Tode böseen. Am 1׳. November wurde das Urteil an ihm volfetreokt, die Hinriohtung mit dem Rade vollzogen. Wenige Tage, bevor sein Urteil gesprochen war, in den letzten Oktobertagen, hatte der Verbreoher.ma zweites Geständnis abgelegt, das einen Teil seines ersten aufhob. Er gestand ein, den Juden falsch beschuldigt zu haben, eine Erklärung, die er in letzter Stande kurz vor seiner Hinriohtung wiederholt«. Gompahen schmachtete indes nooh im Gefängnis. Tage und Wochen waren seit seiner Verhaftung und den beiden Verhören vergangen, ohne dass er ans seiner Haft entlassen worden oder über sein Schicksal eine beruhigende Znsioherung erhalten hätte. Die Unruhe, in der er sioh befand, die ungewohnte Lebensart, die Sorge nm Weib und Kind hatten seine Gegundheit angegriffen und ihn znietat auf das Krankenlager geworfen. Fromnt, sein Weib, das sich in Kummer nm ihn verzehrte, hatte Kunde von dem Zustande ihres Mannes erhalten and eich an den Rat gewandt, Gompchen aas der Haft za entlassen. Aber der Rat wollte erst Klarheit gewinnen über die tätesthaften Worte dea Sohasters. Dar Beschloss vom 17. Oktober lautete einfaoh auf .länger liegen lassen*. So zog sioh die Untersuchungshaft noch weiter hin bis Ende Oktober. Da kam das erlösende Wort von den Lippen des Verbrechers selber. Aber nooh immer schlag für Gompohsn nicht die Stunde der Befreiung. Schon in der Sitzung vom 31. Oktober lag dem Rate des Schuhmaohers Entlastangaaruaage vor. einmal beschloss der Rat ,den Jaden liegen laaswy bis Henrich geriohtet wurde*. Erat der Tod des Unmenschen gab den Armen dem Leben wieder. Am

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