Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 26. (23.6.1892)
- Date
- 1892-06-23
- Page
- Seite 103 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806203--2534-4857477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dass •eibat unter כאחרית הימים keine spätere Zeit su verstehen sei, als die de* * Auasuge sine Aegypten, dürfte auch daraus hervorgehen, dass hier (Gen. 49,5ff.) nooh von einem selbstständigen Bestände des Stammes Simeon die Bede ist, während er in der Folgeseit der schwächste, in ständig 9m Abnehmen begriffene Stamm war1).. Um sein Ungestüm su mässigen, mag wohl Jakob sein Zusammenleben mit den übrigen Stämmen angeärdnet haben') (Gen. 49,7b), und es ist zu beachten, dass bei der Vsrtheilang des Landes Simeon der Besitz innerhalb des Gebietes Jehudah’s zufiel. (Jos. 19,1.) Zur Bekräftigung obiger Ausführungen möohte ich nooh aut die (erste) rationelle Erklärung unserer Stelle bei Bachja ben Ascher eingehen, welohe Driver a. a. O. anzuführen verabsäumt hat. Sie lautet in wörtlicher Uebersetzung: ״Und er (Jakob) erzählt: ״Es wird nicht weiohen daa Seepter von Jehadah, bi» die Befreiung kommt“ - daa aoll anf die nahe bevorstehende Befreiung aas Aegj pten hioweisen. Denn wie wäre ea za verstehen, dass er (Jakc 0), während jetzt das Exil bei Jakob and seinen Nach• kommen beginnt, nicht auch die Bedentang des ersten Erlösers erwähnen, i] in Vorhersagen and ankündigen sollte, während er etwa die spl tere, durch den lotsten Erlöser (Elijaha, der den Messias vorbei] ankttndigt) am Ende der Tage sich vollziehende erwähnt? Vielmehr sagt er עד כי יבא?רדה. was einen Hinweis aaf Moscheh enthält, and die Schrift bemerkt erklärend, dass die Königs wurde bei Jehadah verbleiben würde bis zur Zeit Moscheh’s, wo dann Königswürde and Herrschaft wieder zam Hanse Levi’s (vgl. Ex 2,1), a sw. za unsrem Lehrer Moecheh, dem ersten Erlöser,[der über Israel herrschte, zurückkehren würden, wie es heisst (Dt. 33,6): ״Und . er (sc. Moscheh; vgL ib. v. 4) ward in Jaacbarim König, als sich versammelten aie Häupter des Volkes, dann ganz Israel schaarte sich am ihn.“ Darum heisst es auob: ״Bei ihm ist die Versammlung der Völker“ — Und Israel wird mit עמים bezeichnet, wie es heisst: 33 עמיםVt את — S> ist denn der Satz im Segen Jehndah'a, des Sohnes Jakob’8 1 inaichtlich der nahe bevorstehenden Erlösung erklärt.“ Die Worte Baohja's lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und wenn er auch veiterhin die Prophezeiung Jakob’s, dem Midrasch folgend, auoh auf den späteren Erlöser bezieht, indem er sagt: כי-באסרו עד כי יכא שילה נכלל הנואל והגואל האחרון שיהיה בנו של יהודה ומרעי p׳ d 00h zugleich beachtet werden, dass B. Bedeutung ״Befreiung“ festhält. Freili! seinen Worten nioht deutlich hervor, ob < Wort durch ״Befreiung“ (vgl die Form oder durch ״sein Befreier“ (שילה dann für שילו) übersetzt; jedenfalls aber erhellt Commentar soviel, dass er dem Worte den׳ ״herausziehen, befreien“ zu Grunde legt. Bemerkt sei zum Schlüsse nooh, dass auoh die Kabbalah in שילה einen Hinweis auf Mosoheh er• blickt, indem sie (vgl. כעל המרים z. St.) bemerkt, dass der Buchstabenwerth von משה derselbe 6ei, wie von 345) שילה). Darf man nun behaupten, dass wenig• etens die einfaohe Kabbalah nichts andres nei, als eine weitgehende, naohher vergötterte Mnemotsohnik, so gewinnt die diesbes. Angabe für uns an Bedeutung, in dem sie uns lehrt, dass man von Alten her daran festhielt, dass mit שילה der Befreier Israels aus Aegyptens Sklaverei gemeint sei ושקילה הר!, so muss שילה an der geht aus r das fragl. קטו'ר u. a. alte Form aus seinem Stamm שיל *) Vgl. Nom. 26,14. Die ib cap. 26 Ende erw Lknte Seache scheint sich bee (sasschlieeslioh?) aaf den Stamm Simeon erstreckt za haben, dessen Oberhaupt seinen Stamme Angehörigen ein überaas schlechtes Beispiel gegeben hatte (il >. 80,14). In dem Segen Moscheh’s (Dt. 83) wird Simeon gar n1< h t erwähnt. Vgl. noch Dozy, aie Israeliten za Mekka etc. Aui d. Holland, übs. 1864 Beilage A, 192 ff. *) Eine ehelicheVermiscbung der Stämme s< heiat unterblieben za sein (vgl. Exod 2,1 and das Erbscbaftst eeetz, Nom. *7.6 ff.) loh nehme davon Abstand, mich in Vermuthuagen über das Entstehen der übrigen Erklärungen in den alten Werken za ergehen; es ist nioht von Belang. HinnugefÜgt sei aber noch, dass auoh die übrigen Sätze des Segens Jakob’• sich auf den Aufenthalt der Israeliten in Aegypten beziehen lassen und ihr Verhältniss zu Aegypten und den Ländern yeransohauliohen, mit denen sie, solange sie nooh unabhängig waüen, in Verbindung traten. Diese Annahme, welohe mir für die Bibelexegese von Bedeutung za sein scheint, wird keineswegs dadurch beeinträchtigt, dass wir bis heut nur unwesentliche Kenntnisse von dem damaligen Kultarzu*tande und der Thätigkeit der Israeliten haben. Wohl aber tritt durch obige Auseinandersetzung gar manches Wort der heiligen Schrift in’s reohte LionW Breslau, 28. April 1892. Reoencdonen* Kaininka, Dr. A. Die Geonim und ihre Sohriftf n. Trier, Sigmund Mayer. 1892. Die vier Jahrhunderte jüdisoher Gesohiohte, die Kaminka auf 62 Seiten kurz aber mit dem Streben naoh Gründlichkeit behandelt, sind ia neuerer Zeit, als die Litteratur der Geonim immer mehr an’s Tageslicht gezogen wurde, vielfach darohforsoht worden. Frankens Sohrift über die naohtalmadisohen Beeponsen ist wesentiioh den Besponsen der Geonim gewidmet und hat noch heute ihren Werth. Frankel hatte eiuen Widerwillen gegen jene Abart der Litteraturgesohiohte, die sich begnügt, die äussern Schicksale der Schriften und Schriftsteller za erforschen und feetsasteilen und die gerade da Halt macht, wo die eigentliche geistige Arbeit und Leistung erst beginnt. Besonders die Schriften der Babbiner haben unter dieser Behändlang, die sich hauptsäohlioh gleiohsam um den Einband nnd Titel kümmert, nioht wenig zu leiden; Frankel hat in allen seinen Arbeiten gezeigt, dass er nioht nur wusste, wann diese Grossen unserer Litteratur geboren und gestorben sind, wo sie gewohnt und wen sie etwa geheirathet haben, sondern dass er in den Geist dieser Männer eingedrangen war. Herr Kaminka, den Lesern dieser Zeitschrift wohlbekannt duroh einzelne Proben seiner gelehrten Stadien, hat in dieser für einen grossem Leserkreis bestirnpätui Abhandlung auch in die geistige Werkstatt derSohalhäupter Babylons uns einen nächtigen Blick werfen lassen. Wie diese labylonisohen Sohulgrössen von ihrer Würde daahten, das sohildert in ergötzlicher Weise ein Besponsum, das dem äoherira xugeschrieben wird, das aber, wie Graetz (B. V. S. 285. Note) andeutet, wohl nicht von diesem herrührt. Die Geonen sind naoh diesem Besponsum die Säulen der Welt, gegen sie polemisiren heisst gegen Gott and sein Erbe Böses sinnen, ihre Worte sind Worte Gottes, ihnen ist allerdings zu glanben, auoh wenn sie die Begründung ihrer Ansicht verschmähen, und wer •ich gegen sie auflehnt, erhebt sich gleichsam wider Gott and seine Lehre. Wo sich die Autorität mit solchem Eifer auf ihr göttliohes Beoht beruft, da ist tausend gegen eins za wetten, dass sie angefochten wird. Das geschah auch damals sehr energisch. Der Karmismns war die an aioh berechtigte Beaktion gegen daa Usbenraohem dee Talmndismns; aber das ist eine der sohlimmstaa Bosheiten der Geschichten, wenn ein guter Gedanke in schlechte Hände geräth und schlecht znr Am► lührang gebracht wird. Soloh’ ein Uebel war das Karäerthum. Das Joch des Talmud sollte gemätet werden; das war die berechtigte Forderung dar Zeit