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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-23 · N° 26. (23.6.1892) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 26. (23.6.1892)
Date
1892-06-23
Page
Seite 102 (sequence 3)
Language
German
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102 ״Petras aber wandt• •ich am, and sab• den Jftnger folgen, welchen Jeeas lieb hatte, der auch an seiner Braat am Abend- «•een gelogen war, and gesagt hatte: ,Herr, wer ist es, der dich verrtth? Da Petras diesen sähe, spricht er sa Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jeans spricht sa ihm: So ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Folge da mir nach! Da ging eine Rede aas unter den Brüdern: Dieser Jftnger stirbt nicht! Und Jeeas sprach nicht za ihm: Er stirbt nicht, sondern: So ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was gehet es Dich an? Dies ist der Jftnger, der von diesen Dingen senget, and hat dies geschrieben. IJnd wir wissen dass •ein Zeugnis wahrhaftig ist“ Obwohl sich nan der Evangelist an dieser Stelle genötigt sieht, gegen diejenigen za polemisieren, die Christum für einen falsohen Propheten erklären, weil er dem Johannes Unsterblichkeit geweissagt habe, and dieser dennoch dem Tode nicht habe entrinnen können, obschon also diese Bibelstelle ein Bftleg für Johannis Tod ist, so hat man dennooh die Stelle falsch gedeutet und es zieht sich durch das ganze christliche Mittelalter die Sage von einem fernen Beiche des Apostelkönigs Johannes. Das Sachen nach diesem christlichen Idealreiche hat bekanntlich die Bewohner der iberischen Halbinsel zu jenen Fahrten bewogen, die schliesslich zur Entdeckung Amerio&’s und des Seeweg68 nach Ostindien führten. Die Sage von dem ewig jungen Jünger Johannes hat aber nicht wenig zu der Entwickelung der Legende vom ewigen Wanderjaden beigetragen. Auch diese ist wie die johannäische im Orient entstanden, haben ja auch, wie genugsam bekannt, sogar die Araber eine solche Erzählung. Im Jahre 16 derHedschra soll nämlich der Fürst Fadhil in der ־Wüste, wo er gebetet hatte, dem Zerib, dem Sohne des Propheten Elijahn, begegnet sein. Dieser in der Gestalt nnd Kleidung einem Derwisch nicht an ähnlich erzählt, dass ihm von Christo bestimmt sei, so lange anf Erden zn wandern, bis er selbst &ai die Welt curückkebre. Die älteste bis jetzt bekannte euro- Säische Nachricht ist diejenige bei dem unbekannten [önch and Chronisten von Sankta Maria de Ferraris (vgL oben). Die nädhstdem älteste, die bisher als die erste dem Alter nach galt, ist anter dem Jahre 1228 bei Mattheas Parndns in seiner Historia (anglicana) maior verzeichnet. Danach habe ein Erzbischof der aus Armenien zarückkehrte, ansgesagt, er habe dort einen gewissen Josephns gesprochen, der früher anter dem Namen Carthaphilns bei Pontins Pilatus Thür• hüter gewesen sei. Er muss aus dem bekannten Grunde anf Erden bleiben bis Jesu Bückkunfb. Er sei von Ananias auf den Namen Josephns*) getauft und lebe jetzt, also nm 1228, in Armenien. Alle 100 Jahre werde er kränk und stehe aas seiner Krankheit als drei88igjähriger Jüngling wieder anf. Es ist also dieselbe Nachricht wie bei dem Cisterciensermönche, nur dass hier der Mann schon Namen nnd Würden hat, dase hier schon einige Einzelheiten erzählt sind, die dort fehlen, and dass bei dem Mönche als Gewähreleute einige dnrohwandernde Deutsche angegeben worden sind, während Mattheus sioh schon anf einen Erzbischof bernft, dessen Namen er natürlich klüglich verschweigt. Der Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, wo diese Legende zuerst in europäischen Landen auftaucht, bezeichnet zugleich den Anfang jener gezwangenen Wanderung des jüdischen Volkes, durch die es sich allmählich nach Osteuropa hineinschiebt. In der Zeit, wo die meisten Erscheinungen and litterarischen Behandlungen des Ah&sveras auf der Tagesordnung stehen, im fünfzehnten bis zam sieb- ד!gering nennt ihn demgemäss ״Josephns den ewigen Heiden*. zehnten Jahrhundert, hat die Heimatslosigkeit des su Zigieunern gewordenen jüdisohen Volkes den Höhepankt erreicht, wie wir ihn oben in der dürren nnd trookenen Aufzählung von Daten und Jahreszahlen zur Genüge gekennzeichnet haben. Dar schreckliche Zustand der damaligen deutschen Jadenheit oharakterisirt sich am besten dnroh die Erwähnung der Thatsaohe, dass die daroh Jahrhunderte and Jahrtausende jeder Gewalttätigkeit feindlichen Juden sioh in vielen deutschen Gegenden genötigt sahen, sich za Bäaberbanden zusammenzuschliessen. Dieselben lösten , sich zwar alsbald anf, als die socialen Veihältnisse 1 der Jaden in Deutschland sioh besserten, aber dis Wirkung blieb dr.oh eine 80 nachhaltige, dass sogar ein eigener Gaanernnd Diebesdialekt entstand, das sogenannte Bothwelsob, welches einen grossen Teil seines Wörterechatzes der hebräischen Sprache entlehnt hat. Der ewige Jade hatte Fleisch und Blut bekommen nnd musste als ruheloser Wanderer die europäische Erde dnrchstreiohen. Orientalische, jüdische, ohristliohe and mahomedänische Sagenkreise, wie die vom ewigen Propheten Elijahn, seinem Sohne Serib nnd dem Jünger Johannes haben sieb mit echtgermaniseben Mythologien vom Wnotan*) und Widar verschmolzen, Märchen und Mytholog ie trafen glücklich zusammen mit den WÜDSohen einer Hierarchie, die gern jeden Aberglauben heiligte, wenn er sioh in ihr System einsohalten lieas, — dieses Allee verbanden mit dem unsteten Wandern der ganzen jüdischen Nation gab den Anlass, eine Person wie die des Ah&sveras za erschaffen. _ Zur Erklärung von Gen. 49,10. Von Bernhard Koenigsberger. (Schluss.) Das Wort שילה ist in. iley. Wenn nun auch die Masorah unterlassen hat, darch einQrd, wie inV. 11 (ערה und סותה), darauf hinzuweisen, dass שילה kein Ortsname, sondern ein Substantivam (שיל) mit dem Suffixnm (,sein8) sei, so darf uns diese Achtlosigkeit nicht irrefahren, da die Masoreten das fragt. Wort irrthümlich wohl aaf ״Siloh“ bezogen and darum keinen Vermerk angebraoht haben. Das Wort שיל ist aberverwandt mit שול)שלל),,herausziehen, befreien“ (הוציא) and ist, wie die folgenden Worte besagen, ein Concretam (kein Abstr.). Es bedeutet ״Befreier* nnd bezieht sioh auf Mosoheh. ״Es 8011 das Scepter nicht weichen von Jehudaii und der Ordner von seinen Mannen (vgl. רנלי Exod. 12,37 u. a. מליו ist Singular vom 0 011. מלי), bis kommt sein Befreier1) dem gehorchen die Stämme.1) *) Ee mag auch nicht ferngelegen haben aus dem den Winter repräsentierendem Biesen, dem ״ewigen iötunn“, den ״ewigenJaden* za machen. Eine solche Volksetymologie liegt durchaas nicht im Beiche des Unmöglichen. *) Die Form שיר in dem von ans behaupteten transitiven Sinne dürfte wohl ursprünglich 5יל? nnd demnach ist vorliegende Form ,שילד entweder ,שילל (vgl. (Jen. 88,6) gesprochen oder in ןןיל> znaammengezogen worden sein (vgl Stade, Lehrbd. hehr. Gramm. L Theil § 100 (עירה von עיר (Gen. 49,11),!שיח von 1ןךת (Je•• 10,17) und ähnliche Formen (ציר Bote, gehend). Man braucht alsdann weder einer Ergänzung•- noch einer andern Hypothese zaznatimmen. *) D*•• עמים nach zur Bezeichnung der 19 Stämme Israels ebrancht wird, erhellt aas Deat. 33,8 (vgl. Field, Hsxapla z. t.); sonst bedeutet es aach kurzweg ״Angehörige* (vgl. Gen. 27,29 und in der Verbindung mit *אסך und fTD) nnd ״Leute“ (Gen. 28,3). 1 jfwMurtunValfi rrt»i

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