Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 26. (23.6.1892)
- Date
- 1892-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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M 26. Jüdisches jsiffff. hl Blatt. Cat Btlwchlu! ■11« Jatattu uS fatal MnfMia UttarsitMkw Krilfcihaiiw aaf tat Saklat« 4m Fkll•- MfUt» Saaahlcfeta! It>»11m>l«, The•-!••1*, OihaUlhi Kufaai, ■nliau. UtaiaU a. rUaitfU. Berausgegeben TOB I Rabbiner Dr. Moritz Kahmer.!JRa<j3e6ut<3, 9c« 23. dwti 1892. W«h»r ta ciasakOglta‘ Llttaatar, ■aMn 4m IH1HI1■ niaailt wirl—. M« ta Hai hlsMa ■linkaa I1m»u1 ta OuMiuc TM a > •I ■aaaaatau• tuaipliraa arfhift kiailha kan« a ratla-laairMia. Das ״Jlälscke Littei-atar-Blstt“ in Leipzig bei Robert Fries#) pro Ja allen Fostanstalten nnd Bncbbanala II Pf. für die gespaltene Petitseile, Bocbhtndier u. Lehrer, welche erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlangea hrganjp 8 Bark. Abonnenten dar ,Israelitischen Wochenschrift“, dis vierteljährlich bsi I Hark zahlen, erhalten das ״Jüdische Utteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mü *־es mit 20 Hark, berechnet nnd sind an die Expedition dieses Blattes za senden. irset oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt eiliges ehe dir Inhalt: Wissenschaftliche Aufsitze: Der litterarische Skizze von Heinr Loew Erklärung von Gen. 49,10. Von B.K0enigsberger. (Schl.) Litteraturbericht: Recensionen: Kfuninka, Dr. A. Die Geonim nnd ihre Schriften. Litterarische Notizen. Graetz und!1,acitns. Vom jftdischen Büchermarkt. Usbsls!ter Mashdrsali aus dies»■! Blatte nt siebt gestattet ewige Jade. Eine (Schluss.) —- Zur ״•bei ainka, Der ewige Jude Eine litterarische Skizze von Heinrich Loewe. (Schluss) Aber ebenso, wie die Erzählung von Peter Sohlemihi nicht nur dem Sohicksa! des jüdischen Volkes allein sein Dasein verdankt, so lieg t auoh der Sage vom ewigen Juden noch ein ftlpment zu Grande, dass sich nur aus der alten germanisiheu Götterlehre nnd Heldensage erklären lässt. Ist im Peter Sohlemihi die alte Lehre vom Schattens{ uk zur Geltung gekommen, so finden wir im ewigt n Jnden keinen Geringeren, als den alten Wanderg >tt Wuotan, der auoh, wie bekannt, als Dietrioh von Bern, als Wolfdieterich, als Hüteben (Lanier), als Knecht Bupreoht, als König Rother, als Hackelbärend fliegender Holländer, Tannhäuser, R)bin Hood auftritt, ja in jüngster Zeit sich mit den Gestalten des General Sparr nnd sogar Friedrichs c es Grossen, des ״alten Fritz“ zu Sagengestalten voreinigt hat Nächst dem ״ewigen Juden“ ist es aber der Karl Meinet, ,ewige Jäger“, in dem Wuotan im Munde seines Voll :es fortlebt. In Hottenbnrg nnd Umgegend1 auoh im badisohenSohwarzwald glaubt man, dass der wilde Jäger dieselbe Person wie der ewige Jude sei, nnd gebrauch: beide BeieichnnDgen als gleichbedeutend.- Dass iber der wilde Jäger kein anderer als Wnotan ist, darüber herrsoht kaum ein Zweifel, in meiner Heimat führt er direkt den Namen ״der Wode“. Die Identität des wilden Jägers nnd des ewigen Jnden erhellt noch ans folgenden Thatsaohen: In Bergkirohen riohte , man am Sonnabend Abend die Eggen aut dem Felde mit den Spitzen gegen einander, damit sioh der ewijge Jnde darauf ausruhen könne; dem entspricht, dasn man sich vor dem wilden Jäger unter die Egge v irkrieohen 8011. Sowohl von Ahasvera8, wie von dem wilden Jäger, der auch den Namen Merodes führt, — in Perigord nennt man die wilde Jagd la ohasse E Arode, — wird erzählt, dass sie sich nnr am Weihnaohts ibend ausruhen dürfen und zwar anch dann nnr, wenn sie noch einen anf dem Felde zurückgebliebenen Pfag treffen anf den allein sie sioh setzen dürfen. Der Name Herodes aber erklärt sioh ans dem Beinamen des Wnotan ״Hrodso“, welches Wort ״Buhm* bedeutet. In der Normandie nennt man die wilde Jagd ״Chasse de Cain“, in Blois geradezu ״Chasse maoohabAe". Wir hatten von den sonderbaren grossen Sohuhen des ewigen Jnden geredet nnd es darf nicht Wunder nehmen, dass sie noch heute in den verschiedensten Städten von Deutschland und Umgegend wie z. B. in Bern nnd Ulm gezeigt werden.- Sie erinnern in jeder Wei&e anch in Bezog aaf ihre Anfertigung an die Schuhe des altgermanisohen Gottes Widar, nnd sind zugleich der Sohlüsael, warum die Sage ans diesem Jnden einen Schuster und nicht etwa einen Handelsmann oder Wucherer gemacht hat. Der Wodanglanbe war ein unausrottbarer Gedanke der germanischen Welt, als das Christentum eindrang. Die Prieäter und Mönche, die sich hierdurch in ihrer Mission gehemmt sahen, nnd diesen Glauben oder Aberglauben nicht ausrotten konntea, begnügten sich damit, dem Wnotan ein christliches Gewand überznziehen nnd ihn, so gut oder schlecht es ging, in das ohristliohe Glaubenssystem hineinzupassen. Der Gott Thor wurde in den Apostel Petras, sein Hammer in Petri Stab verwandelt. Denn anoh Petras stirbt nach der Sage nie, ebensowenig wie der ewig jnnge Apostel Johannes. Der Grand aber, weshalb die Kirohe sehr gern sab, wenn einige Zeitgenossen Christi noch am Leben waren, ist dei Umstand, dass Verse im Neuen Testament vorhanden sind, wie Matth. 16,28: ״Wahrlieh ioh sage eaoh: £8 stehen Etüohe hier, die nicht sohmeoken werden den Tod, bis dass sie des Menschen Sohn kommen eehen in sein Beioh“, nnd Lukas 9,27: ״loh sage Euoh aber wahrlich, dass etliohe sind von denen, die hier stehen, die den Tod nioht sohmeoken werden, bis dass sie das Beioh Gottes sehen". Diese Worte hatte man Christo in den Mund gelegt, in der festen Erwartung dass die napooofa, (die Wiederkunft des Wellheilandes) in kürzester Zeit st attfiadea würde. Aber ein Jünger nach dem Andern war gestorben, ohne dass Christus wiedergekommen wäre. Da entstand denn sehr bald die Sage von der ewigen Jngend des Jüngers Johannes, später die von den Wanderungen des Apostels Petras, nooh später die vom ewigen Juden, üeber die Unsterblichkeit des Johannes haben wir sogar ein nentestamensliohee Zeugnis, dass Jesus nach seinem Tode nnd' der Auferstehung dem Petras am See Genesareth erschienen sei, and es gewissem!■ ■sen prophezeit habe. Es ist die Sohlassstelle des Evengeliam8 St. Johannis (21,25.):