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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-17 · N° 25. (17.6.1892) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 25. (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
Seite 99 (sequence 4)
Language
German
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Ausnahme der in der Riohterseit berrs ihenden Anarchie, «in« ständige Ei n aa 1 herrsohafk, welol 1e mit dem Angen• blioke in Kraft trat, da Abraham d sn Monotheismus seinen AngehSrigen predigte'). Bei dar non folgenden Debertragung der Amtasphftre des. Leiters der Mono* tbaiaten war einerseits die ebenbftrtige Abstammung - {Isaak),andererseits die Erstgebart(Jai ob) entscheidend. (Vgl. Gen. 27, 33 und 38.) Als nnn. akob seinen Tod herannahen fühlt, konnte es ihm soliwer werden, ▼on seineu Söhnen denjenigen aaszuwäk ilen, welober für die Uebernahme des Patriarobats best mmt war, ca mal sein Erstgeborener sich dieser Stelle ng als anwürdig erwieeen hatte. (Gen. 35,22. 49,4) Das Prineip der Erstgebnrt respeetirend, hatte Jakob somit Simeon oder Levi als seinen Naohfolger bestimmen müssen. Dooh beide hatten sioh dieser ehrwürdigen Stellung daroh ihre Gewalttätigkeit begeben (Gen. 34. 49, 5—7.) Wohl aber hatte sioh Jako >’8 vierter Sohn, -Jehndab, aaoh durch sein wiederholt bewiesenes mann• hsftes Anitreten der Königs würde vnrdient gemacht.') Man wird nach diesen Vorbemerkungen nicht anstehen dürfen, za behaupten, dass 8i<!h die Worte des Patriarchen Jakob nioht ani die fen e Zeit eines bereits erschienenen oder nooh ca erw artenden Messias, auoh nioht auf die Regierung des Königs David a. 8. w. besiehen, sondern dass sie nur die testamentarische Anordnung eines sterbenden Vaters fär seine Söhne enthält, wer von ihnen wenigstens tür die Zeit die Stellung desFamilien Oberhauptes einnehmen sollte, so lange ihre Familienglieder als freie Leute in Aegypten weilten. Ja, nooh mehr. Aas Gen. 50,24 geht ae^itlieh hervor, dass Joseph früher starb, als seine Brüder, und es darf wohl keinem Zweifel unterliegen, dass er, solange er lebte, in Anerkennung seiner weltlichen Stellung alsVicekönig von Aegypten, auoh der Leiter, seiner väterhohen Familie war. Dan 1 verstehen wir aaoh die Worte des'Midrasch, nach welchem dooh; J 08eph die!ככורו zufiel, und ferner die tieferen Gründe für das in Gen. 48,5 erwähnte Vorgehon Jakobs besser. (Vgl. aaoh den ,Segen* Josephs in Kap. 49.) Für aen Fall aber, dass Joseph früher sta b und mit ihm das duroh seine Vioekönig-Würde entstandene Prärogativ zur Leitung der Familie sohirand, zumal er swei Söhne binterliess, deren gegenseitiges Vorrecht veraabiedentlioh bestimmt war, 80 nässte Jakob als sorgsamer Vater rechtzeitig Vorkehrung en treffen, dass nicht unter seinen Söhnen ein Streit de prinoipatu entstände und den Aegyptern vor seitig Gelegenheit sinr Eingreifen und cur Unterjochung seiner noch freien Söhne and weiteren Naohkomm!n böte. Darum wies er rechtzeitig Jehudah (nächst Jos jph) die König?• würde au*). Er sah jedoch in seiner 1 Geiste voraus, dass in Bälde die Prophezeiung sich erfüllen werde, welohe Gott dereinst an seinen Gros 1 vater Abraham hatte ergehen lassen (Gen. 15,13) und deren Kenntniss wohl duroh Familientradition auf ihn übergegangen war. Zugleich aber erfüllte ihu der stärkende Glaube, dass auoh der Rest der Prophezeiung zur *) Darüber an andrer Stella (Vgl. Nachmai idee xn Gen. 11,28.) ') Vgl. Bersechith rabbah 28,4 (ed. Wilna 1800 üben): ועכשו שחטאת זעה הבכורה ליוסף והכהוגה לאי ״ והמלכות ליהודהJetzt aber, da da (]!haben) gesündigt, ward das Besitsreoht des Erstgeborenen (so. der DoppelanthmL nachDeut *1,17) auf Joseph (▼gl Gen. 48,6: b tb. B. bathra 1231),' die Priesterwttrde aaf Levi, dis Königs▼ ttrde auf Jehudah übertragen. Vgl nooh l. Chroa. 6,נ fl, Pesiktha sutr. (ed. Wilna) p. 116a g. £. d. Targ. Jon. za Cen. 48,8. *) Darauf weisen auch die Wort* pay nnd Spn& Jnd. 5, 9. 146) hin, welche tbeils dis Geeaa mtherrschaft über alle Stämme, theils dis speciells Befehlehal ersohaft über den Stamm Jehudah enthalten. Wahrheit werde und seine Naab kommen atu den Banden der mehrhundertjährigen Sklaverei befreit werden würden (ib. v. 14). Schon mit dem Aussterben des alten Gesohleohtes (Ezod. 1,6), vielleicht erat mit dem *Aufkommen einer neuen ägyptischen Dynastie (ib. v. 8) hörte Jehudah’s Herrschaft auf und mit der Gebart Mosoheb’s bereitete aioh die Zeit vor, von welober Jakob ia prophetischem Geiste sprach: כי TV .יבא שילד. ולו יקהת עמים Was bedeuten diese Worte, and besonders שילה, wenn sie sioh auf den ,, ersten Erlöser* Israels beziehen sollten? Es scheint mir, dass man auf alle bisher vorgesohl&genea Etymologien verzichten und naoh einer neuen und passenderen suchen 80U. (Schluss folgt.) LitteraturDericht Recenaioneiu The Jewi8h Quarterley Review, editet by d. Abrahams and C. G. Montefiore. Vol. IV. No. 15. April, 1892. London. D. Natt. Wie die meisten Hefte dieser Revue ist auch das jüngst enohienene reich an litterarisohen Beiträgen, Kritiken und Notizen, die jüdische wie ohristhohe Gelehrte von klangvollen Namen za ihren Verfassern haben. Bemerkenswerth ist der Umstand, dass unter diesen diesmal nioht weniger als vier frühere Schüler des Breslauer Rabbiner-Seminars sioh befinden, nämlich Rabb. Dr. Güdemann, Prof.. Kaufmann, Prof. Baoher und Rev. L. M. Simmona Ersterer liefert einen Aufsata unter der Aufschrift: ,Spirit and Letter in Jadaiam and Christiauity* (Der Geist und der Baohstabe im Jadenthum und Christenthum), worin naohgewiesen wird, dass die bekannten and oft äugeführten Satze des Apostel Paal: ״Denn der Baohstabe tödtet, aber der Geist giebt Leben* und: ״Nun ist Gott der Geist, und wo der Geist Gottes ist, da ist aaoh Freiheit* (HL 6 and 17), mit denen man in der christlichen Welt 80 sehr prahlt, in Wirklichkeit keine ausserordentliche oder gar dem Jadenthame ganz fremde Lehre enthalten. Um die Richtigkeit dieser Behauptung eineasehen, meint der Verfasser, brauche man sieh blos die Art and Weise zu vergegenwärtigen, in welchem der Text der Bibel oft im Talmud and 1m Midra80h behandelt wird. Die darin häufig vorkommende Formel ״Lies nioht so, sondern so* (אל תקרי * * * אלא> beweist sofort, dass philologische Treue hinsiohtlioh des Aufreohthaltens des Bach- Stehens in der rabbinischen Zeitepoohe nioht allzu streng beobaohtet wurde, sondern dass man damals vielmehr gar keine Skrupel hatte, hie und da einen Bnohstaben dem Geiste za opfern, wenn es galt, daduroh eine neue Idee in der Thora 1n’s Dasein za rufen. Die bekannte Sage, dass, als die ersten Tatein dee Bundes zerbrochen wurden, die Buchstaben in die Luft geflogen seien (Pesaohim 87b), Hesse sioh dahin erklären, dass nämlich in der frägliohen Epoche der Buchstabe durohans nioht als ein ״rooher de bronze* von den damaligen jüdisohen Gelehrten angesehen und behandelt wurde. Andererseits lasse sich, wieder naohweisen, dass in der Gesohiohte des Ursprungs des Christenthums, trotz der besagten swei Sätze, ae der Buchstabe gewesen, dem obristlioheneits eine allzu grosse Wiohtigkeit and Bedeutung beigelegt wurde, da ohne diesen der sogenannte ״Geist* keinen locus Stand! gehabt hätte.

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