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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-17 · N° 25. (17.6.1892) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 25. (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
Seite 100 (sequence 5)
Language
German
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— 100 — _ Diesem interessanten Artikel reihen sioh würdig noch andere höchst lesenawerthe litterarieohe Aufsätze and Notisen von Kaufmann nnd Bacher an; ebenso liefert Be▼. M. L. Simmon! einen Aufsatz, der .Die Breslauer Schule nnd das Judenthum“ zum Titel hat. Darin weist der Verfasser mit Entschiedenheit einen Vorwnrf mnrüok, der ▼on! mancher Seite hier in Eng• land dem seligen Prof. Graets nnd den Repräsentanten der sogenannten Breslauer Schale überhaupt gemacht wird, dass «ie nämlich alle blos äusserliche Formalisten und. Buchstaben- Anbeter wären. Anoh sagt man ▼on ihnen hier, dass, während sie für das Geistige in der jüdischen Religion weder Sinn noch Interesse haben, sie mit ihren hoohbeliebten Riten und j Ceremonien vollständig zufrieden seien, selbst mit solchen, denen keine beetimmte religiöse Bedeutung beicelegt werden könne. Der Verfasser ist nun bemüht, die Grundlosigkeit dieser Beschuldigung nachzuweisen, und citirt dabei einige Auszüge aus einem _V0m seligen Prof. Graetz am 5. August 1887 im Jewish Chronicle veröffentlichten Aufsatz, die wohl geeignet sind, das fragliche Missverständniss aufzuhellen. Ebenso macht er die Leser mit dem Inhalt einer längeren Unterredung bekannt, die er vor einigen Jahren mit dem seligen Graetz hatte, als die neueste Kritik des Pentateuchs auf’s Tapet gebracht wurde. Bei dieser Gelegenheit ausserte sich letzterer ungefähr wie folgt: ״'Welche Ansicht wir über das Datum eines gewissen religiösen Dokuments auch haben mögen, so sind wir jedoch darin einig, dass das Judenthum den reinsten Glauben und die vorzüglichste Ethik gelehrt hat. Der Sabbath erinnert uns nach wie vor an eine göttliohe Vorsehung, welche die Natur beherrscht. Selbst zugestanden, dass der Pentateuch kein einheitliches Ganzes bildet, so ist noch immer kein Grund vorhanden, warum der Jude in Gemeinj schaft mit seinen Siammesgenossen das Osterfest zur | Erinnerung an die einstige Befreiung seines Volkes j aus ägyptischer Knechtschaft daroh die unsichtbare kl acht Gottes nicht weiter feiern solle. Dasselbe | liesse sich auch, hinsichtlich des Veraöhnungstages! sagen, wo jedem Juden die Gelegenheit geboten wird, vor seinen Gott zu treten und seine fortdauernde Anhänglichkeit an ihn zu bekunden. Und in der Tbat, die grossen Institutionen des Judenthums werden stets als Mittel dienen, eine bleibende Vereinigung zwischen und unter den Juden testzustellen und autrecht zu erhalten.“ Diese Worte, und der Eingangs besprochene Artikel Güdemann’s, eines der würdigsten Repräsentanten der Breslauer Schule, beweisen zur Genüge, wie gehaltlos der obige Vorwurf ist, und das die Breslauer Schale von jeher dem Geiste des Judenthums und nicht blos dem Buchstaben Rechnung zu tragen wusste Wenn wir noch zum Schlüsse erwähnen, dass das laufende Belt der Revue auch Beiträge enthält von den Herren Neubauer, Friedländer, Schechter und Birtchfeld, so ist es wohl überflüssig, auf den hohen litterarischen Werth derselben noch besonders aufmerksam za machen. Bairow (bei London.) Dr. Ghotzner. £jittera.ri8ahe Notizen. Scklzsswert •her äle TeseftasUUe. Ketabetk e. XI Mit aufrichtigem Danke habe ich die verschiedene□ Aeasseraagen der Herren College« ftbw die beregte Stelle gelesen Nach den Bemerkungen das Herrn Dr. Zaefcezmandel steht die Integrität des Texte•'HOC 39ד in der Toeefta wohl teet and es ist hier ■n denken. Interessant war mir der Hinweis der Herren Bosentbal and Zaokermsndel darauf, dass meine Erklärung dar Talmudstelle sioh im Wasen tliohen mit der Auffassung des Htm» Prof. Sfrack deckt Der ״evangelische• kirchliche Anseiger ton Berlin* steht mir leider nicht zu Gebote. loh weiss anchbis zur Stunde nur, was H, lt. andeuteta. Um so mehr gereioht mir die Duplicität der Ersehe inungen zur Genagthaung. H. B. bemängelt meine Erklärung in Betonung des Umstandes, ״dass der Basttag des Paasafestes keineswegs mit dem Versöbnungstage verg'iohen werden könne nnd dass dieser Tag überhaupt keinen derartig heiligen Charakter habe, am durch die Angabe seines Datums die Grösse der Habgier und des Verbrechens besonders illuatriren sn können.“ Dsas man hier- Ober auch anderer Ansicht sein kann, hat ihm in derselben Nummer des Littermturbl wohl die Kundgebung des Hm. Dr. Zarkenn andel gezeigt. Er findet in dem Morde am Basttage des Pessachleetes •inen erschwerenden Umstand, weil das Pessachlamm in Reinheit verzehrt werden sollte. Einen gradaeilen Unterschied zwischen demVersöhnnngstage und dem Rüsttage des Pessachfestee in Bezug auf den hl Charakter des Tages will ich gern engeben. Im Uebrigen meine ich — um mit dem Talmud zu reden — יל א 0ליגי KTt אמר חלא 1»־־ אמר TD Es kommt hier wesentlich auf den Modus der Anschauung an. Weil bei dem מלעה שהיה weder der Name des Mörders noch der des Thatortee und nur das Datum der Mordthat angegeben wird, so urgire ich, dass die Tendenz des Beterenten dahin geht, seinen moralischen horror an dieser uoseligen That unter Berufung auf den wichtigen Tag, n0S ערב, ganz ausdrücklich zu documentiren. Dem Israeliten war ערב הפסח, an welchem der Regel nach das Pessachopfer in Reinheit dargebracht werden sollte, kein jgleiehgiltiger oder gar profaner Tag. Er war ihm sicherlich ein Tag der Sahne und Läuterung. Eine Unthat, an einem solchem Tage verübt, wird als ungeheuerliches Verbrechen unter besonders erschwerenden Umständen gebrandmarkt. Wenn das Pessacbopter in Reinheit dargebracht werden sollte, so involvirt dies die selbstverständliche Voraussetzung, dass die Opfernden im Zustande der Sahne und Läuterung sich befinden. Aus dieser Erwägung heraus mag man auch in der Diaspora an der Einsetzung des שבת פרה feetgehalten haben. Will man in der Datumangabe ein Motiv iür die Mörder erblicken, so ist auch diese Auflassung von Hause aus berechtigt Sie erscheint mir aber nicht 80 situationsgemäes, wie die von mir versuchte Erklär ung. Unlängbar war der Vorabend desPessachfestes sehr geeignet, in unauffälliger Weise einen ruchlosen Mord zu begeben, gleichviel ob man sich die Ausführung des Verbrechens am Tempelberge als ״ErdtUckung“ denkt, wie College Kisch annimmt, oder in der Heimath des Ermordeten, wie College Bosenthal vorauseetzt. Die Möglichkeit, denMörder mit Sicherheit za eruiren, war gerade za dieser Zeit ganz bedeutend erschwert. Ausser den in Nr. 21 angetührten Argumenten, welche gerade am Vorabende des Peesachfestes die Furcht vor Entdeckung auf ein Minimum redacirten, verdient, noch ein Moment hervorgehoben zu werden, auf welches mein. Freund und College, Herr Dr. Ritt er, Obermbbiner in Rotterdam, mich aufmerksam machte Da man das Pessachlamm in Reinheit verzehren sollte, bemühten eich dieMänner mit aller Energie, erade zu dieser erlesenen Zeit von jeder Verunreinigung sich urch Berühren von Leichen fern zu halten. Man überliesa za solcher Zeit die Mühewaltung, so weit es anging, gern den Frauen. Wussten sich die Mörder vor den Späheraugen der Männer sicher, so schmolz die Furcht vor Entdeckung gar gewaltig zusamicen, weil sie in den Augen der Frauen nicht den scharf beobachtenden, criminalistisch mehr bewährten Blick der kaltblutigeren Männer vermatheten. Charakteristisch ist in dieser Hinsicht, was die Toeefta za Oholoth zu beriohten weiss. Daselbst heisst es im Kapitel IU, Mischnah 9 wörtlich: מעשה בבית דנן ביהודה באחד שמת ערב פסהים והלכו וקברו ונכנסו האנשים וקשרו את החבל בגולל משכו האנשים ניבחחן ונכנסו הנשים וקברו והלכו האנשים ועשי פסחיהן לערב Es lässt sich anoehmen, dass die Verbrecher auch mit diesem ihnen günstigen Umstande gerechnet haben mochten and das« er sie in der Wahl des Tages ״am Vorabende des Pessachfestes“ bestärkte. Dr. Immanuel Deutsch. (Wir erwähnen schliesslich noch zweier Deutungen der Abbreviatur ß'TJi Harr Moritz Prager in Sohraa löst sie in □על פיה auf, Herr Rabbiner Dr. Goldfahn in עושי פרנסה (die Verpfleger) oder ערבי פרנסה (diejenigen, welche die Bürgschaft für die Verpflegung des Waisenkindes übernommen haben). — Wir glauben die Leser werden nnn genug der Deutungen haben. Red) Druckfehler. In vor. Nr. ist an lesen: S. 95, Z 22 v. u. ״Babli 7a“. — Z. 11 v. u. ״Daselbst 67a“. — Z. ä v. u. weder sn eine falsch gedeutete Abbreviatur noch an ein Corruptel I ,Kreisen“ statt ״Kirchen“. ^7PSämwöitr^5Giöte^T^tiaEme^Eg33>urg. f?ruck: B-ndix t Huhn. (tr.D. L.Wollt.j Magdeburg. Verlag: Bob. F rie ee,Le1pzI^._ fei

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