Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 25. (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
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98 — Gastaltan dar alt•■ Zeit trat« vor aaine Seele. Ich frag iha schnell: Htttw Sk •in• Unterschrift na Harm John?“ Sr lächelte. — -Mit ain—n ao guten Frannd haha ich e» keine■• wage nMig gebebt ‘י — -Wo lat er? hei Gott ich will ea wissen.“ Er •tackte zögernd die Hand in die Täaiki, and daran*, bei dan Haaren hervoipsaogan, araehian Themas Jahna blaiahe, entstellte gandea Seckei in dan Abgrand werfend, sprach ich an ihm die letalen Wort•: ״So baachwOm ich Dich im Namen Gottes, Entaatwlichar! Hebe Dich von dannen and laaae Dich nk wieder vor meinen Augen blicken!“ Er erhob sich finaler and verschwand eogkich * 80hl•■11־hl mm da ohne Sohatten and ohne Geld; aber ein schweres Gewicht war von seiner Brost genommen, er war heiter. Auf dem Wege ■am nächsten Bergwerke, wo er fern von Sonne and Mond, — denn diese verraten 8׳ ine Schatten 10b igkeit, — tief anler der Erde von seiner Hände Arbeit leben will, handelt er sich für sein letates Geld, daa er noch zafellig in der Tasehe bat, auf einem Dorfjahrmerkt ein paar alte Stiefel ein. Kaam hat er sie an den Fassen, 80 variiert er Weg and Rieh lang, gerät in -alle Weltaonen and Breitengrade and kommt mit 400 Soliritten von einem Pol der Erde bis sam andern. Er hat die Siebenmeilenstiefel gekauft and amkreist die ganze Erde and darobläaft die .Länder and stirbt endlich, nachdem er seelische Bähe gefunden in der Besohäftigang mi t der wissenschaftlichen Botanik. — Abstrahieren wir von gewissen Angaben, die, wiledie letzterwähnte, der eigenen Le bensgeschich te Chamisso’s ihrenUrsprang verdanken, so sehen wir unverkennbar in diesem Märchen den bekannten deutschen Aberglauben von dem rettanglosen Untergänge schattenloser Menschen angewandt als Allegorie auf das schattenlose iädischeVolk, das zwar nicht ffir ein Linsengericht, wohl aber für Geld and Millionen seinen Idealismus verkauft hat, und das, will es nicht dem Teufel und dem entsetzlichsten, sohimpfliohsten Untergange verfallen, ■eine Geldgier, sein Traohten nach irdisch Hab’ und Gut aafjgeben, und sich auf sein eigen Selbst, auf seine gesohiohtliobe Aufgabe zurückziehen muss. Solange das jüdische Volk sein Heil nnd seine Bettung in der Macht des Goldes erblickt, 80 lange wird ihm nicht* Heil, nicht Bettung zu 1Teil, so lange muss es mit Siebenmeilenstiefeln wandern nnd die Weiten der Erde darchsohweiten. Am Schlüsse dee Märchens nennt direkt Chamisso seinen Sohlemihl einen langbärtigen Jaden mit der langen schwarzen Kaitka. Und *dass Chamisso wirklioh so von der Bettung des jüdischen Volkes denkt, das sehen wir aus seinem herrlichen Gediohte , Abba Gloak Lesse ka", wo Chamisso dem jüdische.! Patrioten die herrlichen Worte in den Mund legte, die als Motto über jedem jüdischen Beligionsbuohe stehen dürften: Mein ■*gewognes Giftet «teil, des kt dk Liebe mein, Za meinem Volk, mein Glaube, sa beseem müss’ ea sein; Mein Hoffen mitsawiikan dam mit Gat and Blut: Da nennst die drei maammnn, daa ist mein froher Mut!“ (Schluss folgt.) Zur Erklärung von Gen. 49,10. ־־ Von Bernhard Koenigsberger. Es mag im Augenblick eigenthümlich erscheinen, wenn ich in einem besonderen Artikel den sohon 80 oft behandelten Ver» nochmals bespreche, züihal erst in jüngster Zeit eine eingehende Behandlung der Geschichte der Exegese dieses Verses begonnen worden1). Da jedoch, soweit ich sehe, weder Reinke*) *) Zimmels im Mag. f. d. Wie#, d Jod. 1890. S. 1 4L 163 A, 177ft. (dieSeitenzahl«! 177 und 178 sind doppelt; and 381S. Die Weissagung Jacobe etc-, Münster 1079, 8. 64 ft. nooh Zimmels u. A. alle diejenigen selbstständigen Schriften aufgesählt haben, welohe in Monographieen den fragliohen Satz des Pentateaoh behandeln, so ■ei es' mir gestattet, mit kurzer Inhaltsangabe diejenigen einschlägigen nooh nicht erwähnten Aufsätze namhaft za machen, welohe ioh ausser den genannten aaf der hiesigen (Breslauer) Stadtbibliothek vorfand: 1. M. Henr. Reinboth, de insigni Prophetie Jaoobaea, Gen. XL1X. Oomm. 10. Jana 1667 (April; [R kommt, nachdem er alle anderen Erklärungen darohgegangea, § LY aaf Grand des ולו יקדית 5םים ($LHX) *u dem Reaaltate, daa■ hier nur dar Meaaias gemeint •ein k&nne]. 3. Joh. Chr Wagenseil, de loco olaeaico Gen. 49,10 . . . diaiiertatio. Altdorf, norio. 1676. [Indem ich von den Übrigen Ausführungen absehe, registrire ich, dass W., der die Prophezaiang Jacobe wegen des □כאחרית הימי aaf die äasserste Zeit bezieht (S. 38), das Wort ,שילד nach Targum a A. mit ״Messias' übersetzt (S. 88 f)l. 3. Joh. Haar. Pf äf fl in, de venione nominis שילה ooeurentis in vatioinio Jaoobi, Gea. cap XL1X, commate deoimo Tabing 1696. [Von שאל der Ersehnte (also auch ״Messias“), expetitasj. 4. G. Wolf« Bürger, Schilo nodis culatas h e sensas loci clasaici Gen. XLIX 10. reetitatas. Altd. •nor. 1710 129. Oct.) [Nach einer ungeordneten Besprechung der Stelle leitet B. שילה von einem in Talmud vorkommenden Stamme עול ab, vergisst aber an das Hebr. שולים ,,Saum“, and üben. (S. 27.) שילה durch ״Ende des Gesetzes“ (finis legis) oder ״Ende Christi“). 5. Jo. Henr. v. Seelen, inquisitio in Samuelis Basnagii sententiam de vaticinio Jacobi Gen. XLCX, 10 evincens etc. Lübeck 1718 [8״chilon“J. 6. Joh. Jac. Pfeiffer, de שילה Messia, Gen. XLEX, 10, promisso et pridem exhibito. Jena, 1719 (28. Oct.) [S. 47 wird die Annahme zurückgewiesen, als sei in dem blossen Worte שילה, das nur der Name der Stadt ״Sohiloh“ sei, der Name oder das Wesen des Messias an gedeutet). 7 Ernennet Eien, disqaisitio ... in ßenedictionem Judas, ad ultima Jaoobi Gen. 49 Yen. 8—12 Lpzg 1719. (Gehalten 1703 in Bern). [Gleichfalls שילה Schilo S 32). 8. Carol. Gottlob Sperrbach, de Soeptro Tada et legislatore e medio peditam illius ante Christi adventam non receesaro, ad Gen. XLIX. 10 ״Es wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen Ftlsaen.־‘ Wittbg 1743 (Dk hier S. 13 Anm 35 genannte Schrift von Zeltner stammt nicht von diese*□, sondern von unsrem 8ab 4 genannten Bürger. Z. war damals Rector.) [Von שלה — Pacificator, 8■ 17 u. Anm. 43] Die Abhandlung erwähnt besonders viele einschlägig• Schriften. Voa neueren Abhandlungen ist nooh za erwähnen: S. B. Driver in ,The Journal cf Philology“. Vol. XIV, 1885. S. 1—28. loh gehe nanmehr za meiner Erklärang der oben bezeiobneten Stelle über. Za ihrem Verständniss ist es unbedingt nöthig, namentlich in V. 28 den Begriff כרך richtig za erfassen. Man übersetzt das Wort כרכה gewöhnlich mit ,Segen“ and versteht hierunter den Wunsch and die Hoffnung, dasj das in den Segens- Worten Enthaltene an dem Gesegneten in Erfüllung gehen möge. Es würde aber der ernsten, gewissenhaften Pflichterfüllung, welohe die Bibel gar häaflg betont, weit mehr entsprechen, wenn in dem כרכה- Begriffe mehr ein Hinweis aaf dis Fähigkeiten and Pflichten, das Ziel and die Wege, welohe za demselben führen, oder aaoh eine Warnung vor Irrthämem and Fehlern, an den מבורך gerichtet, enthalten sein würde.־ Das ist der Fall, warn man die Bedeutungen des Stammes כרך ,segnen" und ,das Kniee beugen* (Ps. 95,6.) beachtet. כרכה bedeutet also eig. ,Uebertragung besw. Uebernahme der obliegenden Verantwortlichkeit"*). Wenn man nun den Gang der Gesohiohte des hebräischen Volkes beobachtet, so gewahrt man, mit *) Vgl meinen Aufsatz ״Der Katechismus der Freidenker“ in dar ״ARg. Ztg. des Jod.“ 1891. No. 87, 8. 436a. Bei -Gott" kt 4 כרוךer Ausdruck der Anerkennung des Besitz•• oder dee Rechte• der UsbertTagung der Machtvollkommenheit.