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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-03 · N° 23. (3.6.1892) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 23. (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 91 (sequence 4)
Language
German
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IV. Baden, 5. Septb. 1864. ך L. Kompert an Bapaport. ] Ehrwürdiger Herr Ober-Babbiner! 1 lob erlaube mir Ihnen beiliegend den neuesten] Jahrgang unseres ״Jahrbuches״ mii der ergebenen Bitte an übersenden, demselben einige Aufmerksam״ keit an gönnen. Sie, ehrwürdiger Herr, der Sie ani den peinlichen Tagen meines vorjährigen Presspro-j aesses eine so hersliohe, mir steu unvergessliche Tbeilnahme genommen haben, werdin vielleicht ans meinem Beitrage sowohl, als überhinpt aus der Art und Weise, wie wir die Interessen unseres Volkes vertheidigen, den Sohluss sieben, dass ihre Theil• nähme keinem Unwürdigen gesohenkt war. Lassen Sie iniah, ehrwürdiger Herr, hoffen, dass ein Mann von Ihrer Bedeutsamkeit auch in Zukunft, die der Allmächtige mit seinem reionsten Segen aus• statte, die Bestrebungen meines geringen Talentes mit derselben herzliohen Naohsioht begleite, wie bisher. Genehmigen Euer Ehrwürden den Ausdruok meiner tiefsten Hochachtung, mit der ich za zeichnen die Ehre habe ergebenst Dr. Le<p. Kompert. (Anmerkang von Dr. Grün.) Der Pressprozess, von welchem Kc mpert in seinem Briefe spricht, wurde am 30. Dezember 1863 vor dem k. k. Landsgerichte in Wien verband dt. Gegenstand der Anklage bot ein Artikel von Grat:!, über die Verjängung des jüdi«oben Stammes", ז reicher in dem Kompertsohen Jahrbuohe der Israeliten vom J. 6624 (S. 1—13) abgedruokt war. Als En Jastungsaengen waren Prediger Mannheimer und Rabbiner Horowits erschienen. Es lagen auoh Gutachten von Bapaport nnd Zacharias Frankel vor, welche aber der Gerichtshof mit der Motivirncg, dass wohl nichts Neues mehr vorgebraoht werden könnte, nicht *ur Verlesung bringen liess. Die Aussagen der Entlastungszeugen über die Mes8iaslehre im Judenthum und deren Behauptung, dass es im Jndenthnme keine sohismai isohe Spaltung gäbe, rief einen Starm von Protesten ׳ ron orthodoxer Beite hervor. Der hochoonservative Bapaport war aber auoh nioht so orthodox, ein Schinna im Jadentbnm anzuerkennen, .ln den orthodoxen Rabbinerschalen wird auoh nioht mehr von einem Schisma im Jadentham gesprochen, man gibt siohl sogar alle erdenkliohe Mühe die Schüler derselben m fortgesohrittenen Gemeinden antersubringen. 1 Litteratur bericht Reoexu3iaa.au. ן Dr. M. Keyserling, Gedenkblätter. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten desßlO. Jahrhunderts, kurzen Charakteristiken. Leipzig. Th. Verlag. 1892. _ In Grieben's Es ist mit vollem Rechte schon oft darauf hingewiesen worden, dass für den jüdisch« n Geschiehtsunterricht ein Lehrmittel fehlt, das formell den erforderlichen Ansprüchen genügt. Wir vermeiden es geflissentlich, die bisher auf diesem Gebiete erschienenen Lehrbüoher Bevn» passiren za lassen and von pädagogischem Standpai kt aas Kritik an ihnen za üben, aber so viel steht feit, dass wohl den allermeisten die rechte methodisch 1 Anordnung mangelt.^Für unsere SchalvecbältTUWse scheint die [ibiographische Behandlung dee Gesohiohtsstoffesfidas 1 allein Biohtige sa sein, wir stimmen desshalb Herrn 1 Dr. Kayserling völlig bei, wenn er io dem Vorwort;su seinem Büohlein sagt: ,Mit den Kämpfern ftr ihre• Volke• Recht and den gtrsi- Item ihr ihr•• Glaubens Ehre, mit den Trägem ihrer iÄtteratar Imasi die jüdische Juxend frühzeitig, schon in der Schale, bekennt gemacht and u* Andenken an die Männer, welobe für Jaden nnd Jadentham gestrebt and gewirkt haben, mau •oben dem jagendliohen Gembthe eingeprägt werden.* Als wir nun vor Wochen die Ankündigung de« obengen.Kayserling’sohenWerkohens lasen, glaubten wir mit Bestimmtheit annehmen sa müssen, dass der berühmte Mendelssohu-Biograph für diese Aufgabe geradezu prädestinirt wäre; wir haben una aber, offen gesagt, sehr getänsoht. Die 157 Biographien aat 86 Seiten in Oktav tragen ein biographisoh-lexikalisohes Gepräge, zeigen ein dürres Gerippe and lassen jede lebensvolle Charakteristik — worauf es uns doch zumeist aukommt —, jede eingehende Würdigung nioht nnr der ,hervorragenden Persönlichkeiten “ sondern selbst der hervorragendsten, vermissen. Der Herr Verfasser hat sich redlich bemüht, den verschiedenen religiösen Sohattirangen gereoht sa werden, indem er die nahmhaften Vertreter derselben gewflrdigt hat, jedooh dürften ansere Hyperorthodoxen mit Recht darüber ungehalten *eia, •lass zwei ihrer streitbarsten Männer übergangen worden siad: Caaoham Bernays, auf den der Verfasser sonst veraohiedentlieh hinwaist, aud Dr. Lehmann-Maina. Aach tfir von unserem Standpunkt aas empfinden das als einen ׳ Mangel, denn die Bestrebungen dieser Männer ver- •־ dienten gebührend gewürdigt sa werden, als treibende Kräfte haben sie die orthodoxe Riohtang wesentlich mit bestimmt. Wir fürchten nns nioht vor der Conseqaenz, die uns bei unserer Jagend das Goethe’sohe Dictum nahe legt: ,Ein Jeglicher muss seinen Helden wählen, dem er die Wege aam Olymp hinauf aioh naoharbeitet.‘ Es hätte oem Büohlein auch keinen Eintrag gethao, wenn dem Begründer der ״ Aohawa“, dem Lehrer Kiingenstein 8. A ein Platschen eingeräamt worden wäre. Es aei ans nooh gestattet, euf einige Ungenaaigkeiten in einzelnen Biogragraphian hinza weisen. Bei Zacharias Frankel 24. 20 erwähnt derVerf. bei Angabe von Frankens Werken gar nicht der ״ Einleitung in den jeraa. Talmud* (Uebrigena sei bei dieser Gelegenheit auf die Frankel-Biographie von Dr. M. Rabmer im 4 Jahrgang des jüdischen Familienkniender* von Julias Meyer, Halberstadt, aufmerksam gemacht). Unangenehm berührte den Sohreiber dieser Zeilen die Charakteristik seines unvergesslichen Lehrers Prof Frensdorffj •. A S. 21; einmal, dass dieser tiefgelehrte Mann sioh in Bonn ,schöne Kenntnisse angeeignet* nnd ferner, dass Dr. Frensdorf^ der Toleranteste der Toleranten — dee wer er, wie mir alle seine Sohüler bestätigen werden — die ,religiösen Ansichten des hoohorthodoxen Ohaoham Bernays getheilt habe.“ Das ist grundfalsch; wir wollen nnr bemerken, dass Frensdorf! in dem bekannten חד3ה 1 פשה מסיד?-Streit Partei für Frankel and gegen Hirsch nahm. Von Frensdorf!* Werken nennt der Verf. des bedeutendste nioht, nämlioh die Masora magna (Hannover 1876). Aach bei Geiger (3eice 24) finde■ wir «»nw« sener hervorragendsten Werke nioht veraeiohnet: ,DieUrsohrift*. Gans an verständlich ist bei ״ der aphoristischen Art and Weise des Verf die CharaMle-; ristik das Sprachforschers Lasar Geiger, dass difMlk,׳ es unternahm, ,eine Gesohiohte der Bsgriffe, e1neIsihÖ|^r. von der Entwiakelang der Bedeutungen, dem fl nnd Empfinden an sohreiben.■ (Siebe «ur beptehi■

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