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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-06-03 · N° 23. (3.6.1892) · p. Seite 92

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 23. (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 92 (sequence 5)
Language
German
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— 92 — OrientiruDg: ״Lazarus Geiget. Seine Lehre vom Ur- «prange der Spreche und Vernunft and «ein Leben <urgeeteUt von Ludwig A RoeentheL Soheible'a Verleg in Stuttgart 1884). Ee dürfte wohl nur ein Draokfehler ■ein, wenn aaf Seite 30 von Herxheimer’s t Glaubens- und Pflichtenlehre“ die 27. Auflage als vom Jahre 1889 bezeichnet wird; *ur 29. Auflage hat flerxheimer noch selbst 1882 ein Vorwort geschrieben. Nicht zutreffend scheint uns auoh Keyserling׳■ Urtheil überSamuel DavidLuratto, S. 53: ״Streng religiös, war er ein Feind der Bibelkritik**; a. dagegen Geiger«׳ ״Jüd. Zeitechr. für Wissenschaft und Leben“ 4. Jahrgang S. 17: ״Neben den kleinen absichtlichen Aen• dernngen, die Luaatto im Bibeltexte zngiebt und scharfsinnig entdeckt, hat er auoh Freiheit des Ur- 1־ heile genug, eingesohlichene kleine Irrthümer, Ab- »ohreibefehler anzuerkennen, und erhatnaoh dieser Seite bin glückliche Blicke gethan.11 — Wir wünschen dem Büchlein eine baldige neue Anflage, die die gerügten Mängel berücksichtigt. M. Sp. 8inger Michael. Die Wahrheit siegt. Roman. II Bände. Budapest. 1892. — Der jüdisohe Stamm 80hlie88t. sich in jedem Lande, gern der Eigenart der Bewohner an; man kann »ehr leicht den rassischen, den cisleithanischen, den transleithanischen,' den polnisch-galizischen Jaden n. 8. w. -von einander unterscheiden; es ist gar nicht wahr, dass der jüdische Stamm ethnologisch betrachtet eine Einheit bildet; am allerwenigsten verleugnet der Jade, der zur Feder greift, die Eigenart des Volkes, unter dem er erzogen worden ist, unter dem er nach literarischer Geltung ringt. Das leidenschaftliche Feaer, das durch die Litteratur Ungarns pulsirt, der üppig blühende Stil, die Heftigkeit des Temperaments, die Gewaltsamkeit der geschilderten Handlungen, alle diese Eigenth'üm- Jiahkeiten finden wir _aach in dem Roman wieder, den ein jüdischer Transleithaniei’jüngst anter dem Titel ״Die Wahrheit siegt“, veröffentlicht hat. Das Ganze hat einen exotischen Dqft, der Duft ist berauschend, aber er ist angenehm; es ist der Wald and der Garten des Süden«, der. weün ihn die Sonne bestrahlt, viel energischer seine Wohlgerüche spendet; eine nordisohe Natur ist an diese Spenden nicht gewohn(. — Ein Jude borgt eine Summe so gross wie sein Vermögen einem Edelmanae, dem er vertraut, als der Jude sein Geld wieder haben will,׳ wird er aus dem Edelhofe• hinaasgepeitScht; als er verklagt und seine Fordei ung datoh einen,Eid bekräftigt, wird er von gedm genen Schurken selbst des Meineids angeklagt und za »chwerer Kerkerhaft verurtheilj. Er Kehrt aas dem Kerker heim den ijtass gegen den Edelmann im Herzen; der Jade ist verarmt; seine Tochter and der Sohn dieses Edelmanns, beide Engelnataren, lernen sich im Walde kennen and lieben; der Jade rast gegen die»•-Liebe, da redet׳ ihm die Matter vor, seine Tochter »ei, während er in dem Kerker war, gestorben, dieses Mädchen habe sie zu »ich in'« Hau» genommen, diese« Mädchen sei eine Christin, nun ist der Jude getröstet, aus den Liebenden wird ein Ehepaar, und spat kommt auch che Wahrheit an den Tag, dass der Jade unschuldig gelitten habe. Das ist der Kern des zweibändigen, herrlich aasgestatte len Werke»; man sieht, die Brühe ist etwas kräftig; Paprika ist nicht gespart, aber der Romau wird seine Freunde finden und verdient sie äu finden. Der Dichter ist edel, für Duldung und Nächstenliebe begeistert and zeigt uns den Weg in das schöne — Utopien, wo es keine Vorurtbeile giebt. ß. R. Liitterarische Nötigen. Das (angebliche) Cerraptel la 4er Thaslfta (Kethab. C. XI.). Je länger die Debatte Uber die fragliche 8telle in diesen gesch. Blättern sich hinzieht, desto mehr will esSohreiber dieser Zeilen scheinen, dass die verehrten Herren Colleges, ״dr»aasen 1m Be ich“ - sich mit der Stolle eigentlich ganz aanbtbigerweiae so viel Muhe geben Was ist denn daran eigentlich so schwer? Dass die bewaaste Mordthat (habsüchtiger Miterben und Vormünder) gerade an einem ״Rü8ttag zam Paasafeete“ stattgefnnden haben sollte? Ja, warum denn nicht an dem Tage, gerade so gut wie an einem beliebigen andern? Wäre denn die Sobandthat — an einem andern Tage verübt — eine minder ״ungeheuerliehe“ gewesen? Oder, sacht Jemand bei einem Paar von Bäubern und Mördern erst Beligiösität, fromme Bücksiohtnabme auf den oder jenen Festtag? — Wozu denn dann aber der Talmud das fragliche Datum uns noch besonders mittheilt? Nun, 'ganz einfach, weil der Mord gerade damals nnd damals verübt worden ist, oder, mit anderen Worten, nach der bekannten Formel: ,־ הידp JVTTO!TOSD DITO um dieThatseche mögliehst genau zu referiren Alles weitere, was dafür beigebraoht wurde und noch beigebracht werden kann, gehört, unserer geringen Meinung nach, in das Beich des Pilpal, allwo sich allerdings Vermuthung an Vermathung reihen lässt — bis in’s Unendliche. So könnte man wohl auch daran denken, dass die Habsuobt der Unmenschliehen Urheber diese« Mordes sich nebenbei auch darin sollte hervorgethan hauen, dass sie sioh auch von der Pflicht, ein Opferlamm (HDC pplp) darzubringen, befreien wollten, indem sie als □אונני (Leidtragende erster Stute) המצוות f& fTIDB waren. Oder vielleicht auch, dass sie sich durch die Nähe des hohen Feste« vor der imminenten Gefahr der Verfolgung seitens des ״Bluträchers“ (□נואל הד) sicherstelleu wollten. Doch braucht man, wie gesagt, von alledem Nichts- Der Talmud (Thosiftha und bab. Kethub 102b) will die jundizielle Norm, dass die Vormundschaft minderjähriger Waisen der überlebenden Matter zukomme (0אצל הא TOttp או flQp), von einem Präcedenzfalle, von dem bewussten, einmal vorgekommenen, ausserordentlichen Falle herleiten, und da geschient denn, sei: tea8 des Talmud gewiss nicht za viel, wenn er das Vorkommnisa wenigstens daroh den.einen Begleitumstand — die Zeit, wann der Mord verübt wurde — etwas genauer fixireu will; wie sich ähnlich auch in der bekannten Stolle Synhedrin 67a das dort gleichfalls n׳oht unbedingt nothwendige: ותלאח־ו □?רב פסח findet. Freilich wäre nun eine Mittheilang über die ferneren Begleitumstände (Thatort, Namen der Thäter etc.) eben so wenig überflüssig za nennen gewesen. Allein nothwendig war dem eine so wenig wie das andere*) Temesvär. Dr. M. Lowy. Herr Dr. Tm Deuts oh macht in Nr. 20 d. Bl. auf eine Schwierigkeit in der dchlusselegie zu 3*□ aufmerksam. Es heisse dort im 4. Vers ,דלי זבחי המידיה ופדיוני בכוריו־ während doch mit der Zerstörung des Tempels פריק הכן ופדיק פטר חפור g*r nicht aufgehört hätte. Allein diese Frage lässt sich auch aaf Vers 3 beziehen. Da wird geklagt ם .;לי ועד אשר שמם וביטול □נהדריה** Synhedrion jedoch hörte mit dem Untergang des jüd. Staates nicht auf, mit gleicher Machtvollkommenheit wirkte es später in Jabneh. (Vgl. tiraetz, Gesch der Jaden B. IV pag. 19). Daraus scheint nun hervorzugehen, dass es in diesem אלי ציה , dem Dichter nur darauf ankam, die Eindrücke nnd Folgen der Zerstörung Zions So za schildern, — nicht wie sie dem spätere Exulanten erschienen, sondere — wie sie sioh gleichsam dem 1 Augenzeugen auldrängten, aas der Stimmung dessen heraus, : der die Zerstörung und Verwüstang mit angesehen und über 1 deren Folgen aut den Trümmern Jerusalems sitzt and klagt. | In jenem Augenblick aber da gab es dort weder Synhedrion . noch פדיק בכור׳• I Wer eich jedoch mit dieser Erklärungsweiae nicht zufrieden ■ geben will, den möchte ich aaf Tal. baol Kidazohin pag. 37 a! and auf Tosaphot daselbst הרי תפילק m hinweiaen, woraus sich sch Hessen lässt, dass man דיק פטר חמור£ in unsrer Zeit als דרבק an1ehen kaun. Möglicherweise war der Diohter das אלי ציוץ auch derselben Ansicht und beklagte es darum, dass ,פדיון בכור ein דאורייתא za sein aufgehört hätte. Reiohsnbaeh i. Schi. Jaeob Bähr. (Eine andere Erklärung in nächster Nr. Bad.) *) Man vgl. s.B. die gleichfalls genug unbestimmte Notiz, in der Miechna Jebam. IV, 18. Hedac^äri>Rltahaier,M«gdäPurg. D14cr; Be«>Aä4t Mu&t (W׳D..Lwolflj Itagüebarg. Vertag: Bob. F ri»satieipaig>

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