Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 22. (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- Seite 87 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-6575068-9806194--2514-4857459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Lieben’« Gal ed S. XL Vf. Rapaportjs Exemplar ,Die Insohriften des eiten jüd. Friedhöfen in Wien* ecthält eehlreiohe schriftliche Rendnoten von seiner Gand. (Fortsetsang folgt.) Hoch eia Wort über das' C orrupteL in Kethnboth 102 b und Tosephta Kethaboth c. XI. Alle die Aber die Stelle in die8«m Blatte bisher feschrieben habes, stimmen überein, dass sowohl im labli wie in der Tosephta ein Co ■raptel ▼orliegt. Znr Saoh'e trete ioh, 80hon in Rüoksi aht aaf die versohiedenen Lesearten, welche die verschiedenen Hand- Schriften nnd Aasgaben der Toseftha haben, der Ansioht meines lieben Freundes and Collegen Dr. Schwärs bei, das sich die Boraitha im Talmai als die primitivere erweist and es sind die betreff snden fraglichen Worte aas jener Boraitha im Talmud in die Toseptha hineingekommen. Nur ist za bemerken, das dort nioht מירב הם0ח steht, sondern דלב הפסח steht. Ist aber dieser Ausdruck an sioh iiohon auffallend, indem dooh diese Zeitbezeiohnnng 801 ist immer daroh בערב פסה oder abgekürzt daroh בע״ם angegeben wird so liegt nooh die Frage vor, wozu überhaupt die Zeit des Mordes angegeben wird, die dooh aaf den Beweis für die NothWendigkeit der b »treffenden Halacha gar keinen Einfluss hat. Der von Dr. Znokermandel im Namen des ß. Jacob Emden angeführte Grand ist etwas weit hergeholt. Meine Ansioht geht daher dahin dass im Talmud Kethaboth 102b die Abbreviatnt ע*ה stand, die sehr oft im Talmud für הארץ ul? gebraucht wird, and es sollte hiermit gesagt werden, dass der Mord von einem rohen Menschen geschehen, da nur von einem solchen eine solche Tliat zu erwarten ist. Wir aber müssen, da es sich um פקות נפש handelt, die betreffende Halaoha, unter allen Umstäiden, feststellen und aufrecht erhalten. Ein Abschreiber, der ein הארץ C? war, hat die Abbreviatur missverstanden und zu irgend einem Zwecke, etwa zur Ausfüllung einer Sloblusszeile aus ע״ה die Worte ערב לפסח gemacht, und so ging das Corruptel wieder in die Toseftha über. Schneidemühl, 20. Mai 1892. Rabbiner Brann. Litteratur bericht. Recensionen« I (1. W oll. Kleine historisohe Schriften. Wien. Holder 1892. Wolf bietet wieder eine Reihe interessanter Studien, Erfolge seiner arobivalisohen Forschungen. Die anspruchslose Art, mit der er diese Sammlung uns darbietet, nimmt schon für den Autor wie für das Buoh ein. Wir wollen hier kurz ai if die Abhandlangen hinweisen, die direct mit jüd isoh-gesohiohtliohen Stoffen sioh beschäftigen. In einem Aufsätze von drei und zwanzig Seiten wird die Frage behandelt, welohe Stellung die von deutschen Kaisern ein- Jesetzten Oberrabbiner hatten und ob liese von den uden anerkannt worden. Graetz unc Güdemann haben über diesen Gegenstand geschrieben und Wolf stellt sioh ganz auf den Standpunkt di »er Forsoher; diese Oberrabbiner, die weithin über <ie Juden Gewalt haben sollten and von denen dooh reine jüdisohe Quelle etwas zu erzählen weiss, ble bea in dem mysteriösen Dunkel. Wolf weiss üb nr böhmisohe' Rabbinate gun* nette Sachen za erzählen, die freilioh mit der Frage, von der er ausgeht, nur loa »Benehungen haben. — Die Studie über den Prooess Eisenmenger*) zeigt, wie klar die jüdisohen Zeitgenossen Eise amenger’s die Wirkungen dieses Lügengiftes ermessen haben. Der Prozess dauerte in allen seinen Abzweigungen ungefähr daroh das ganze achtzehnte Jahrhundert. Der Prooess Meysel, den Wolf aasfünrlioh erzählt, ist ein Stück Kabiaetsjastiz; erst werden Privilegien ertheilt, and dann, am das Geld den Erben za entreisseu, wird entdeckt, dass die Privilegien den Laudesgesetzen nioht entsprachen. — Wie nahe die Zeiten der Barbarei an die uasrigen grenzen, lehrt uns der hochinteressante Aufsatz: Die Liohtansüadesteaer. Das klingt alles wie eine Geschichte aas dem tiefsten' Mittelalter und ist dooh nooh kein halbes Jahrhundert beseitigt. Die 8teaer wurde aaf die Sabbatliohter in Galizien gelegt and ein Jade war das fiskalische Genie, das die Steuer am Ende des vorige» Jahrhundert« der Staatsregieruug empfahl; anfangs sträubte;man sioh dagegen, denn es sei unsaubere Politik aaf Religionsübangea Steuer za legen und es verführe zur Immoralität. Aber die Regierang überwand sioh und nahm das Geld dennoch. Den Sohlass .der schönen und anregenden Sammlang macht der Aufsatz ״das poetisohe «and pjyohologische Moment in den Erzählungen des Pentateuch!* Der Vert. weist im Einzelnen nach, dass die ewige Wirkung dieser Erzählungen darauf beruht, dass Mensoheu mensohlioh geschildert werden; sodann merkt man es sofort, dass die uabeetoohene Wahrheitsliebe hier das Wort führt. Gerade dass die Anti8emiten so manohe Waffe gegen Israel aas der heiligen Schrift holen köunen, ist ein neues Zsagaiss, dass dies Buoh eia wahres, ein heiliges ist. Andere kluge Leute hätten es -schon verstanden, die gesohichtliohen Gestalten zu idealisiren, d. h. za lügen. Herr Wolf leistet mit dieser sohönen Betrachtung dem Jadenthum einen um so grössern Dienst, als er Theolog'sohes und Dogm&tisohes absiohtlioh bei Seite lässt.׳ as vortrefflich ausgestattete Buoh ist unterhaltend und lehrreioh• B. R. Stern, Dr. M. Aas der Vergangenheit der israeli tischen Gemeinde zu Kiel. Diese Abhandlung, die als Beilage zu dem Berichte der israelitischen Religionssohule zu Kiel über das Schuljahr 1891/92 erschienen־ ist, stützt sioh auf Qaellenmaterial aus den Akten des Königlichen Staatsarchivs za Schleswig und des Stadtarchivs za Kiel; es ergiebtsioh aus denselben, dass der ,Gründer der Kieler Jadenschaft* Jakob Musaphia ist, der am 28. November 1674 vom Herzog Christian Albrecht das Sohutzprivileg erhalten und um 1693 sioh in Kiel niedergelassen hat, zu weloher Zeit er bereits in den Urkunden unter dem Beinamen ,Hofjude“ figurirt. Nach einem Protokoll vom 3. Juli 1766 zählte Kiel dimnuls 6 jüdjsohe Haushaltungen, im ganzen 37 Köpfe, darunter 3 im Dienste befindhohe Christen. Die Stadt gehörte zu jener Zeit zum rassisoh grossfürstlichen Distrikt, in welchem, wie der Verfasser sagt, nooh mittelalterliches Dunkel herrschte, während im andern Holstein die Toleranz bereite manohe Fessel der Juden gelöst hatte. Im Jahre 1773 trat eine Wendung ein, indem Kiel dänisoh wurde.. Ueber die Entwickelung der Kieler Gemeinde in dänische( Zeit wird sioh fierr Dr. Stern demnächst in einer beeondern Sohrift verbreiten. Wir bemerken noch!!, dass der Herr Verfasser überhaupt aaf dem Gebiete der Quellenforschungen zur Gesohiohte der. Jaden-in' Deutschland eine hervorragende Thätigkeit entfaltet Derselbe hat mit Hoeniger Band I der ,Quelle* •) Sie ist saent in dar Graeta’echen veröfianüioht worden.