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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-27 · N° 22. (27.5.1892) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 22. (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
Seite 86 (sequence 3)
Language
German
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daroh am 80 mehr Pilger herbeilookea zu können. Und wer konnte ein eathentisoheres and gütigeres Zeugnis easstellea als der einsige, lebende Augensenge! eis der ewige Jade! Es scheint hier ein itelienisoher Betrüger gewesen sa sein, wenn anders man aas seinem Geschäfte dieses folgern dürfte. Ein Jade war es wohl kanm ,da sioh ein soloher wähl nicht 80 leicht sa einem solohen Ptaffenstöoklein hergegeben hätte, es müsste denn etwa ein getaufter Jade gewesen sein, eine Vermutung, die fast noch mehr als die obige dem Sachverhalte nahe kommen mag: Es haben -sioh eben in allen Jahrhunderten aas den verschieden• sten Orten, nnter den mannigfaohsteni Nationen and Stämmen,—die Deutschen stehen freilich hierbei obenan, — Leute gefunden, die aas diesem einträglichen Schwindel ein Geschäft an machen wussten. Oft genug haben mehrere solcher Gaukler sa gleicher Zeit in verschiedenen Orten ihr Wesen getrieben. Daher kommt denn die interessante Behauptung, dä88 der ewige Jade stets die Mandart desjenigen Gaaes oder Landes rede, woher er gerade käme, wie es! ja auoh unser Volksbuch ausdrücklich hervorhebt. 80 hat der in Hamburg im Jahre 1542 erschienene ewige Wandersmann den reinsteD, sächsischen Dialekt, der 1489 Spanien unsicher machende Unsterbliche die'spanisohe Sprache geredet. Auch diese beiden haben wohl kaum unserer jüdischen Nation angehört.; Noch zwei jüngere Nachrichten finden wir über seine Anwesenheit, die eine von 1766*). ״ ׳Atu Neu• jahrstage sprach in dem würtembeijgischen Dorfe .Altbach am Neckar oberhalb Esslingen vor einem Hause an der Landstrasse ein Wanderer um ein Nachtqaartier an. Der Hausbesitzer wies ihn in den Sohafstall, was er sehr gern annahm. Weil er aber am andern Morgen lange nicht zam Vorschein kam, ging der Hausvater in den Stall, nach seinem Gaste za sehen. Er fand die Schlafstelle leer, aber an derWaud entdeckte er die Inschrift: ״Ich Ahasvtrus von Jerusalem bin nun schon zum zweiten Mal, gut in diesem Schaf stalle beherberget worden, das Gott vergelte.“ Diese Inschrift hat allda bis in die achtziger Jahre, in welchen jener Stall in eine Schmiedewerkstatt umfebaut wurde, bestanden. Die letzte Nachricht von em Erscheinen des Juden, die za unserer Kenntnis gelangte, stammt aas dem Jahre J®68. In diesem Jahre erschien er nämlich nach einer amerikanisch-mormonischen Zeitung drüben in der neuen Welt und nahm bei einem mormonischen Pächter Quartier. Wir sehen der ewige Jude ist gar nicht so karg, mit seinen Besuchen gewesen; and wenn er auch!nicht im vollen Tageslichte der neuzeitlichen Intelligenz sich gern hat sehen lassen, 80 hat er doch oh1£ Furcht in der Dämmerang and im Zwielichte, das der Kaltursonne voraufgeht, oft genug Gastrollen gegeben. Aber wenn wir auch hier den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flacht suchen, Venn wir auch hier von den einzelnen Betrügern Abstrahieren, so bleibt die Bemerkung fast and sicher, dass die grosse Mehrheit wenigstens der ländliohen Bevölkerung Deutschlands noch heute an die Existenz des ewigen Wandeijaden glaubt, and wie an e|ner anamstössliehen Wahrheit daran festhält. Es 1 wird uns noch im weiteren Verlaufe vergönnt sein,!'manche Einzelheiten aus seinem Leben, die man: hie and da in deutschen Gaaen za berichten weisj^ des näheren za beleaohten and vielleicht aas ihneh eia getreueres Bild von seinem Leben, einen besseren Begriff von seinem Werden and Wesen za erhaltenj (Forts, folgt). *) VgL F. Baseler, die Sage vom ev Jaden« Briefe an und von SalMBO J. L RapaporL MitgetheUt von Babbiner Dr. Nathan Grttn in Prag. I. Dr. Ludwig Aagast Frankl an Bapaport. Ehrwürdigster Herr, Herr Oberrabbiner! Erlauben Sie, dass ioh Ihnen meine eben erschienene Sohrift: ״Die Insohriften des alten jüd. Friedhofes in Wien“ aasende, weil ioh voraassehe, dass dieEpithaphien Sie vielleicht interessiren und weil ioh gerne aie Gelegenheit ergreife, einem Manue, der so glänzend in der Litteratar sioh für alle Zeiten eingebürgert, meine Verehrung zu beweisen. Aus diesem Anlasse schon wünschte ich ein Bedeutenderes, als es dieses kleine Werkeben ist, darbringen zu können. Ihre Güte wird Nachsicht haben! Mit dem Ausdrucke ehrerbietigster Hochachtung. Wien, April 1855. L. A. Frankl. II. Das Antwortsschreiben Rapaports. Hochgeehrter und hochgelehrter Herr! Ich danke Ew. Wohlgeboren für die Zusendung Ihres 80 nützlichen Werkes ״Inschriften des alten jüd. Friedhofes in Wien“, mit welohem Sie mich beehrten. ] Nicht nur der Nutzen für die jüdische Geschichte, den ioh wie viele sonstige Leser aus diesem Beitrag ziehen werde, verpflichtet mich zam Danke, sondern auch der grosse Gewinn, den unsere Glau bene genossen- Schaft!damit errungen, dass eia Mann, der sich bereits I einen europäischen Namen erworben, noch immer einen! Theil seiner kostbaren Zeit für sein Glaubensvolk! verwendet, um einen Abschnitt seiner Vergangenheit , ihm aus der Graft heraafzaführen. i Um Ihnen aber zu zeigen, dass ich das Werk mit Aufmerksamkeit gelesen, schliesse ich Ihnen bei einige Bemerkungen, die nach meiner nnmassgeblichen Meinung aafgezeichnet zu werden verdienen. Meine Berichtigungen der Eigenenals der Familiennamen und der Sterbejahre in den Ueberschriften lasse ich hier weg, und begnüge mich mit einigen wenigen oder weniger wesentlichen Notizen. Ich schliesse Ihnen hierbei folgende höchst nöthige Berichtigungen für Ihren eigenen Gebrauch. Vielleicht können Ew. W ohlgeboren irgendwo diese Textverbesserangen anbringen lassen, da sonst vieles von dem Gewinn, den das Buch liefert, duroh manche 80 oft in Eile übersehene Ungehörigkeiten verloren gehen müsste. In der That wird auch Herrn Stern der Dank gebühren für seine mühsame Arbeit, welche noch da-* zu auf ungeeignetem Platz verrichtet werden musste Jedooh könnte er später, nachdem die Aufzeichnung aaf dem Friedhof beendet worden, den einzelnen deutsehen Ueberschriften mehr Aufmerksamkeit sohenken und für die Drucklegung naohsehen, ob solohe mit dem hebräisohen Texte übereinstimmen, was bei gar vielen nicht der Fall ist, wie es sioh in dieser Beilage zeigen wird. (Anmerkung von Dr. Grün.) Bapaport lässt seinem Briefe die Berichtigungen folgen, welohe zeigen, wie sehr eingehend er sioh mit den ״Insohriften“ beschäftigt hat, denn diese Berichtigungen füllen nenn enggesohriebene Qaartseiten. Ein TheU seiner Bemerkungen za den ״Insohriften“ sind in Wertheimer8 ׳ Jahrbaoh, Jahrgang 1855, S. 3161 abgedraokt. Man vergleiche aaoh Carmoly^s Widerlegang in der Zeitnng des Jadenthnms, (Jahrg. 1855, S. 542) and Bapaports Beplik in seiner Vorrede za

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