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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-20 · N° 21 (20.5.1892) · p. Seite 83

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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•fftBbar Stgffik» Artikel •ur Zeit nooh nicht gekannt. Es sei mir non ▼erstattet, sanft« hat meinen Bedenken gegen diese Erklärungen hier v< rzabringen. Die Meinung von Perles. der Annahme eines Ccrruptel* in Folge einer durch die in der Toeephta unmittelbar darauffolgenden E aleoha veranl »säten DiUographie des Wortes מלה Ihann ich aas dam Grunde nicht sustimmen, weil iah die Tosephta nioht für die Quelle der hier im Talmud traotirten Halaoba halte. Dagegen spricht sunfiche , dass der Wortlaut der talmudnohen Halaoba mit d>m der Tosephta im Allgemeinen nicht übereinstimmt; sodann aber noch, dass das punktum saliens für <lie talmadisahe Diacnssion, dass der ▼erstorbene Vater nämlich einen kleinen Sohn (קטן p) surUckgelassan, in der Tosephta überhaupt fehlt. Ea ist also offenbar, das? der Talmud seine Halacha einer andern Boreita und nioht der Tosephta entnommen nat. Die Annahme eines gleichen Goruptels in zwei verschiedenen Sacnm-. langen, deren Abhängigkeit von einander erst nachzuweisen wäre, kann aber kaum {als eine natürliohe Lösung erachtet werden. Die Erklärung ▼on Strack und Deutsch hat für den ersten Anblick etwas Besteohpndes. Mir scheint aber gegen diese Erklärung der Umstand au sprechen, dass der Büsttag zum Paasafeste keineswegs mit dem Versohnangstage verglichen werden könne und dass dieser Tag überhaupt keinen derartig heiligen Oh*- rakter bebe, um durch die Angabe seines Datums die Grösse der Habgier und des Verbrechens besanders illustriren zu können. lohweiss wirklich nioht, welche weeentlioh erschwerende Momente zu dem furchtbaren Verbreohen eines Mordes aus Habgier nooh der Büsttag zum Passafeste htnzufügen und was da zu einem besondere horribile diotu veranlassen könnte! Ich möohte daher in der Angabe dieses Datums einfach eine Begründung für die Möglioheit einqs solchen Verbrechens und einen Hinweis auf die äusseren Umstände sehen, daroh welche die Ausführung das Mordes erleichtert wurde. Diese aam Schutze der minderjährigen Waisen gegen aie Habgier ihrek erbberechtigten Verwandtschaft erlassene Vererbung stammt jedenfalls nooh aus der Zeit dee Tempels, als das Passaopfer nooh dargebraohjb wurde und am Bästtage zum Passafeste ungezählte! Sohaaren in der heiligen Stadt versammelte. - Denn I die in der Nähe Jerusalems Wohnenden mussten ja alle, mit Ausnahme der wenigen daroh das Gesetz Ausgeschlossenen, auf Büsttage des Pa88afe8tes in der heiligeu Stadttor* scheinet,! am das vorgesohriebene Opfer darsabringen. Aber auch die entfernter Wohnenden sogen es an meist vor, das Opfer sa seiner Zeit (במועדו l als später beim peesaoh schoni darzubringen. Thatcäohlich sprechen auch die Berichte von ganz enormer Versammlungen der Volksmaasen, welche am Büsttag« des Passaafestea zu Jerusalem sfattfandeu. Vom Jahre 66 berichtet Josephas bell. jud.H, 14, 3, dass zur Seit des Legaten Gestips Gallus zum Passafeste 3 Millionen Mensohea za Jerusalem versammelt waren. Nach Josephas ibd. VI, 9, 3 liess Oestiua Galina bei dieser Gelegenheit die Passaopfer, welohe am Büstti ge geschlachtet wurden,, aähleu und es ergab 8ioh c ie Summe von 256,500 Passaopfern. Da aber za jedsm Opfer minbestens sehn Persehaen, häufig aber I tis zwanzig gezählt wurden, so ist, die Zahl der ap« »senden 3 Millionen nioht sa hooh gegriffen. Gra Gesoh. der Juden (Bd. III Note 28) will diese groeee Zahl allerdings nur als eine Ausnahme und zwar wmf Zwecke einer VolksdemoBsfratioa geltest lassen. Dem widerspricht aber Joeephus VI, 9, 3, wo die Zählung' 11 s» nsstim Gallas als Masstab für die Schätzung der beim leteta Passa im Jahr» der Zerstörung in Jerusalem anwesenden Bevölkerung angenommen wird. Dagegen spricht auch die Relation Pesaohim 64b, nach welcher der Andrang auch au andern Zeiten eia gleich grosser' gewesen sein soll. Es ist unter diesen Umständen, offenbar, dass ganze Ortschaften des Landes während dieser Zeit öde und menschenleer worden, da di» erwaahseneo Personen nach Jerusalem gezogen waren. Diese Gunst der Umstände benutsten also die habgierigen Verwandten einmal — denn wie Strack mit Recht beweist, ist nur ▼on einem einzigen Falle die Bede — um den des öffentlichen Schatze« beraubten Knaben ohne Furcht vor Entdeckung zu tödten und 8ioh des Erbes au bemächtigen. Es kam nur sinmal vor; aber das Verbreohen machte einen so tiefen Eindruok, dass es za einer gesetaliohen Verordnung Veranlassung gab und dass man auoh zur EAlärnng dee Falles and gleiohsam zur Entschuldigung der Obrigkeit and des Ortes das Datum hinzutügte. _ Breslau. Dr. F. Bosenthal. IL Herr jDr. Immanuel Deabsoh in Sohraa hat vollkommen Beoht, dass eine sonderbare Logik daaa gehört, aas der in der Toeephta und im Babii Kethaboth erzählten Thatsaohe, dass einstens verbrecherische Oheime sich aus gemeiner Raubs acht ihren Neffen ערב הפסח ermordeten, irgend einen Anhaltspunkt für die Blutlüge heraus tüfteln za wollen. Daa Kind war ein jüdisches, die Handlungsweise war eine so ab-• schreckend verbreoharisohe nach talmudisoher Auffassung, dass man eine geloht ljohe Entscheidung fällte, um der Widerkehr vorsabeagen! Und doch??? Was lieas die eohlaaen Blutlügner aber denn doch so viel Lärm mit dieser Talmudstelle schlagen? Weil der -Mord an ein6m Rüattage des Peesaoh geschah — wenn die Lesart richtig ist. An welchem Tage des Jahres wäre nioht schon eine Mordthat verübt worden? Nein, weil es im Talmud angeführt wird. Es ist dies schlau berechnet, wie alle Verläamdungen, eße ▼ön dieser Saite ausgehen. Man fragt sioh nämlich leioht, wie denn dar Talmud dazu komme iu dieser Erzählung . aas alter Zeit (>סעשה ש1דד), die ZU einer jqridicieUen Norm die Veranlassung gegeben hat, und in welcher weder der Thäter nooh der T־h a-t or t genannt ist, dqn Zeit« p n n k t des Verbrechens anzuführen, wenn rlitnn nicht in irgend einem logischen Zusammenhänge * mit dar That selbst stand. Nun das mag gaaa richtig aeiad-* Vielleicht giebt es auoh einen solchen Znsannwnnhanji der aber von der Blutläge der Antisemiten so' «Mt entfernt ist wie der Sonnenaufgang vom Sonn an untere gang. Man weiss, welcher "rr'nniMimmflnM ׳ au Pessaoh in Jerusalem aas allen Ländern, wo Jaden wohnten, namentlich in den letzten Jahren des Tempelbeetandes stattfand. Am ,Passah der Erdrückengen■ sollen naoh Josephas bellum Jndawinm VI9, 3, (bei Grätz HI. 3 8. 475) dort fast drei K0lMmeft.Ua«- soheu aasammengekommea sein. Eine Wallfahrt 1 einem solchen Menaohenmeeiw ■bietet siaetn Verbr allerdings Gelegenheit sioh eines Kaabeo, den er ▼ö] Hanse, wie dies üblioh war, mitgenommen hntto, auffällig za entledigen. Da bei dem Zusammeaatrömen auf dem beige solche Erdrückungen wohl nicht nur von Josephas berichteten Falle, ▼Orkanen,

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