Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 20. (13.5.1892)
- Date
- 1892-05-13
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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de um,!/tii fuerat in paxtone \Christi et tntnrose. pepuleraf cum eun/em ad paxivnem die ein ei ״ l'ade scductur ad rccipiendum quod merens.“ Cui fertur respondtsse dominum ,,Ego vndo et tu me exspectabis aonec rever/ar‘‘. Qui iudeus, sient dicitur, per omnia centenaria auuornm de sene iuvenescit in etatem XXX au nur um nee fotrst muri, qnoust/ne Dominus venia t.,J Ein jüdischer Schuhmacher also, so erzählt die Sage, namens Ahasverns, Carthaphilas oder Buttadens2), wohnte zur Leidenszeit Jesu Christi an dem Wege von Jerusalem nach Golgatha. Als nun Christus mit dem schweren Kreuze auf der schmerzenden Schulter, von der Last gebeugt, müde und matt sich auf der Schwelle vom Hause des Schusters ein wenig aasruhen wollte, und selbst die wilden, römischen Schergen von Mitleid mit dem Dulder ergriffen, ihm gern die kurze Buhe vor der langen, bittern Qual gönnten, da gab ihm der Jude einen Fasstritt, warf mit dem Leisten nach ihm, and stiess ihn mit höhnenden ־Worten von seinem elenden ttuheplätzchen fort. Und der milde, liebende, sanfte Freund der Menschen, der soeben selbst schuldlos für die Errettung der sündhaften Menschheit den Todesmartern entgegenging, hat da zum ersten Male gestraft. ״Ich gehe, sagte er, nnd Du wirst mich wandernd erwarten, bis dass ich zurückkehre.* Und als Christus gestorben, da hält es den Schuhmacher nicht länger im Hause. Ohne Zweck und ohne Ziel, ohne Bast und ohne Buh, wandert er und wallet er über Berg und Thal, über Meer und Land, durch den eiserstarrten Nord und in die Lande der feurigsten Sonnenglat. Nirgends findet er Buhe. So ist er ein lebendiger Zeage der Leiden Christi, den Gott ״za merer veberzeigang der Gottlosen vnd Vnglaubigen also erhalten wolle*, wie das deutsche Volksbuch sagt*), und Matthias Parisius*) hebt von Cartaphilus dieses mit den Worten hervor, ״qni adhuc vivit in argumentum fidei Cbristianae.* Seine Schuhe, ein Meisterstück der Schnhmacherkunst, hat er selbst angefertigt; sie sind unendlich gross, aus hundert Bietzen und Flickeb zusammengesetzt, und nimmer zerreissend besitzen! sie die Kraft, dass ihr Besitzer vom ewigen WanderU nicht lassen kann, noch Bast benötigt. In seiner Tasche hat er einen Groschen, der geht ihm nie aus. Mir wurde, als ich ein Kind war, von meinen niederdeutschen *) Schalkameraden erzählt, dass, sich Ahasverns anfangs über den Fluch, dass er ewig leben solle, über die Massen gefreut, und ihn vielmehr für einen Segen gehalten habe. Sein Groschen ging ihm nie aus, und wenn er ihn ausgab, so hatte er stets einen neuen in seiner Tasche. So lebte er lustig und guter Dinge, freute sich seines Lebens und verlachte Christus, der ihn so angenehm bestraft hatte. Und er wurde alt und älter, sah Jerusalems Untergang, und schliesslich waren *) ,In demselben Jahre berichteten einige, welche ans den Landern jenseits der Alpen durch Ferrara durchreisten, dem Abt und den Klosterbrüdern, dass sie in Armenien, einen Juden gesehen hatten, der-zu Christi Leidenszeit gelebt und ihn, der seinem Kreuzestods eatgegenging, mit beleidigenden Worten von der Schwelle vertrieben hatte, indem er ihm sagte: ,Geh, Verführer, zu empfangen was Du verdienst.“ Ihm soll der Heer geantwortet haben : »I ch gehe und D n wirst mich erwarten, bis ich zartickkehre.“ Dieser Jade aber, wie man sagt, wird alle Jahrhunderte von einem Greise wieder zu einem dreieeigjährigen Jünglinge und kann nicht sterben, bis dass der Herr komme.“ Es ist dies der älteste Beleg für das Vorhandensein der Sage vom ewigen Jaden im Abendlande. *; Die Erklärung dieses letzten Namens als Buddha deua ist wohl etwas geschraubt. (Vielleicht, ,Bottier“=>״Schuhmacber Bed.) *1 Aus dem Jahre 1664. (In dem Baatsener Abdruck vom Jahre 1602 auf der öten Seite) *) In seiner historia maior (sc. Anglica). *) In der , I ,engen Börde“. | Alle, die zugleioh mit ihm juDg gewesen waren, zur | ewigen Buhe hinübergeschlummert. Da wurde es ihm langweilig auf Erden, herzlioh langweilig, und die Langeweile bewirkte, dass er sieb höohst unglücklich fühlte. ,Oho“, dachte er, ,zwar wird mioh der Todesengel nicht freiwillig holen, aber ich werde ihn rufen, dass er sicher kommen muss. Ich werde Christus J einen Streich spielen, wie er ihn sicher nicht erwartet! hat.* — Er nahm ein tötliohesGift. Was gesohah? Er | bekam Mag enbeschwerden nnd lag tagelang in den | heftigsten Qualen und Sohinerzen, aber am Ende siegte I seine duroh Christi Fluch gefeite Natur über das!Gift. Und den Tod begehrend nahm er als hoch betagter Greis im römischen Heere Kriegsdienste. Anfangs wollte man ihn nicht. Da er aber keinen Sold j beanspruchte, er batte ihn ja nicht nötig, so nahm ■ man ihn dennoch. Er zog mit dem Heerbann nach I Indien, wo er Wuuder der Tapferkeit verrichtete. 1 Sein reohterArm, der doppelt so lang wie sein linker i ist, wird ihm im Kampfe abgeschlagen. Da wächst ן ihm ein neuer. Er ist der eigentliche Held des Krieges, ן den die Feldherrn auszeichnen. Aber was er sucht, ׳ kann er nirgends finden — den Tod. Er lässt, sioli! in einen Sack einnähen und in einen tiefen Strom werfen; aber das Wasser speit ihn wieder aus. Da wandert er zu einem feuerspeienden Berge, und stürzt sich kopfüber in den Krater hinab. Halbverbrannt und halbverkohlt wird er mit Flammen und Lava wieder ausgespien, aber lebend. Die verstümmelten Gliedmassen wachsen ihm wieder von neuem. So lebt er fort und ist ein lebendiger Zeuge der Wunder und | Leiden des Herrn. (Forts, folgt.) Das Corruptel in der Tosifta. Kethuboth cap. XL Herr College Dr. Perles hat wohl vollkommen , Hecht, die Worte בערב הפסח sl=* e*n aus einer Abre- I viatnr entstandenes Corruptel aDzusehen, aber ganz ’ abgesehen von den zutreffendenBemerkungen, die ן College Dr. Deutsch in der jüngsten Nr. des Ltbl. : macht, erweist sich die Boraitba im Talmud bei einer I näheren Verglek^rang init der Tosifta als die primitivere. Demnach sind auch die Worte מרב הפסח; nicht aus der Tosifta in den Babli, sondern umgekehrt , aus der Boraitba des Babli in die Tosifta hinein- I gekommen nnd die Annahme einer Dittographie aus 8* מלה ןt damit gegenstandlos geworden. loh urgire die primitivere Fassung des Babli Keth. 102b, weil einzelne Handschriften der Tosifta מרב resp. מרבי lesen, die uns vorliegenden Talmudausgaben aber durchgehende לרב הפסח haben. Nun stimme ioh mit College Dr. Perles vollkommen darin überein, dass die Zeitangabe ganz irrelevant ist, aber bei einer Gegenüberstellung der dem Verdachte ausgesetzten Erben mit der Mutter des Kindes ist doch der Ausdruck ושחטוהו nicht nachdrucksvoll genug. Es hat darum nach meinem unmassgebliohen Dafürhalten ursprünglich gestanden ושחטוהו יורשי האב• Die zwei Worte יורשי האב wurden abrevirt in ‘יוריה, und aus der Abreviatur *יורה ist, da י und ו sehr leicht zu einem 5 zusammenflies sen jkönnen, ער״ה entstanden. ער״ ה heisst allerdings aufgelöst ערב ראש השגה; da jedoch die Copisten es nicht' zn fassen vermochten, dass Jemand Angesichts des herannahenden יו□ הדק einen Mord begeben konnte, haben sie aus ער״ה gemacht ערה' פ, und 80 ist die unsinnige Lesart ושחטוהו ערב הפסח zu Stande gekommen. Karlsruhe, 6. Mai 1892. A. Sohwarz.