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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-13 · N° 20. (13.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 20. (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Lehrer, welehe direct oder durch Bobert Friese Inserate einsenden, erhalten 35 jf. Rabatt) Inhalt.: Wizseuzchattliche Aufsätze: Der ewi!6 Jude. Line litterarische äkizze von Heinr. Loewe -- Das Corruptel in decTosilta. Ketbubotb cap. XL Von Kal 1b. Dr Schwarz — Zar Chronologie. Von L. Coh e u-Ree 1 a Rh. Litteraturbericht: Raaensione n: Wüni che, Aug. Prof. Dr. theol et phi!., Midrasch Tehillim o<ler Haggadiscbe Erklärung der Psalmen. Li tterari sehe Notizen. — Inserate. Unbefugter Nkohäraek aus dieism Blatts ist a s k t gestattat Der ewige Jude Eine litteraiische Skizze von Heinrich Loewe. I. Das deutsche Volk, welches einen 80 grossen und uneAohop(liehen Schatz von alten Sag!n geschaffen hat, Wessen Heldenlieder von manohem Becken and manoher Liebesgeschichte gar sonderbare Mär1 zu melden wissen, hat anoh in der modernen Zeit keineswegs seiner altüberlieferten Sagen vergeiseu, und indem es immer wieder mit voller Hand n die nralte Trohe der SageDgebilde hineingreift, schafft es aas dem unerschöpflichen Borne heraas, immer neue Oestalteu, oder zieht seinen alten Liebling( n, —and es hat deren sehr viele, — immer neue War derkleider in den mannigfaltigsten nud bantesten Far )en an. Das Volksepoa, das grosse Heldenlied feiert den blutigen Drachen- und Mensohentöter Siegfried, oder den gewaltigen Degen Dietrioh von Bern and verherrlicht auch den seltsamen Weltenstürmer, den BLeanenkönig Etzel. Aber neben der dahinbrausendeü Gewalt der ׳ epischen Windsbraut blüht im bescheideneren Kreise der ländlichen Familie eine anscheinbarere aber nicht minder duftende Blume, die bescheidene Schwester dea Epos, das Volksmärchen, die Volkssage im engeren Sinne. Besonders in den niederdeutschen Gauen will diese Volkssage nimmer aassterben, und belebt sich stets aui'8 neue. Diese Sage weise nichts oder doch sehr wenig von jenen Heldengestalten äinae Sigurd, eines Thidreok, eines Ati zu künden. Soe hat 8ioh entsprechend ihrem bescheideneren Lebensand Wirkenukreise gemäss, anoh bescheidenere Gegenstände ihrer Darstellung erwählt Neben dem Haus- und Feldkobold und dem obligaten Niokelkater sind ihre Liebl1ng8ge8talten, die sie hegt und hätschelt, der Teufel, der wilde Jäger Wode, der heilig« Petrus und der ewige Jude. Diese vier bilden sozusagen auch die geistige Aristokratie, die sich aus den gemeinen Haufen der gewöhnlichen Alltagsgespenst er erheben, ' und, wenn der Ansdrack erlaubt ist, nur bei feier- Höheren Gelegenheiten spuken. Alle vier, obschon sie nicht für identisch gehalten werden, haben sehr viele gemeinsame Züge. Wir haben für diesmal den ״ewigen Juden“ an seinem langen Kaftan erwischt als den charakteristischsten uud interessantesten, der sogar, seitdem ihm Hamerling ein neues Gewand äuge- . zogen hat, sich trotz seiner jüdischen Abstammung 1 und Manieren selbst in den durchlauchtesten Adels- und Färstenkreisen zeigen uud’ frei bewegen darf. Seit Hamerling ist der ewige Jude wenigstens hoffähig geworden. Der Hauptgrund jedoch, weshalb der ewige Jude es wert ist, einmal wieder hervorgeholt za werden, ist der Umstand, dass wir mit Erstaunen bemerken, wie bisher kein einziges Geschichtsbuch unseres Volkes j die Sagen berücksichtigt, in denen es im Munde! anderer Völker lebt. Und doch sind diese mit das geeignetste Material zur Beartheilaug des Verhältnieses zwischen Israel and seinen Wirtsvölkern. Es sind dies Dokumente untrüglichster Art, weil sie . als Herzensergüsse der Volksseele ans gestatten, I psychologische Schlüsse über die Denkand Gemüthsart des Volkes zu ziehen, welches diese Sageagehqlde i gestaltet hat. Zwar Dicht dar ewige Jude, der z. B. in Naumburg siob reich beschenken liess, und der 1 plötzlich, als von ihm das Koneistoriam nähere Auf- ן schlösse über Christas and manche neutestamentliohe I Vorgänge erhalten wollte, am Tage vor seiner Var- 1 nehmang sparlos verschwunden war, nicht dieser, sagen wir, kann irgendwie unser Interesse fesseln — 1 denn das ist nur die Einzelerscheinung eines Beträfj I und eben deswegen ist er realer' als jener. Dieser aber ist anoh zugleich eine der wichtigsten Quellen für das Verhältnis der Juden za den Bildnern nud Erzählern jeher Legende, indem er uns einen tiefen Biiek in das innerste Herz der. letzteren gestattet. Aaoh die Volkssagen wollen einmal weniger gepriesen and eifriger gelesen, genauer vom historischen Staadpunkte untersucht sein. 'Jgnoti Monacht Cistcrcieusis Sanctac Mariae de Rerraria Chronica ab anno 781 ad unttum 1228—-meldet unter dem Jahre 1223 Folgendes:*) ״Rodern anno quid am franseuntes per Ferrariatn »\|v allramuntanis partibus retulerunl abbati et frotribus eiusdem loci, quod viderant in Armeuia quendam Ju- *) ln Uäudenzi’s Ausgabe S. 38. Mxmamenti Stocioi Saris prima, Cronafhe. Napoli 18 S8. (Herausgegeben von dar Secietä Napoletana <11 Storia Patria.)

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