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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-06 · N° 19. (6.5.1892) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 19. (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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gewisse innere Berechtigung kann man der Oonjeetar des Herrn Dr. Perle« wohl anerkennen und doch lässt sie sieh nicht aufrecht erhalten, weil äussere Gründe dagegen sprechen. An den nrgirten Stellen in der Tosefta and im Babli Kethnboth findet sieh in ansereu Ausgaben die Redewendung nsc ושחטוהו לרב resp. לרב ־־,פסח!. An keiner dieser Stellen heisst es: HCB כלרב Bei einer Abbreviatur dieser Worte würden sich die Consonanten ל*ם oder לד״׳ה ergeben, aber nioht die Form בלו־״ה. Hätte sieh wirklioh, wie P. meint, am Schlösse der Misohna 4 in Kapitel XI der Tosefta aa Kethuboth, als Dittographie das Wort בללה ge• fanden, so wäre es dooh auffallend, warum die soribali den ersten Waraetconsonanten eliminLrt haben and beharrlich das unverständliche Wort כללס als Abbreviatur in PICB לרב resp. לר3 הפסח verschlimm• bessert haben sollten und wie in das auch von P. vorausgesetzte »בלר״ד״, corrumpirt aus £8? -ללה wäre von Wichtigkeit, festaustellen, welohen Text die ältesten Handschriften der Tosefta und die editiones principes an der urgirten Stelle ergeben. Vielleicht sind die Herren Collegen Zuckermandl-Plesohen and Schwarz-Karlsruhe in der Lage, über den aatheu• tischen Text der Tosefta an dieser Stelle orientirende Angaben zu machen und den Fehler des von ans 1 ecipirten Textes ad ooalas zu demonstriren. Indessen haben die antisemitischen Weisen auch bei einem negativen .Ergebnisse der Collationen des Textes durchaus keinen Grund, das vermeintliche rituelle Blutvergiessen mit Triumphgesohrei aus unserem Texte deduciren zu können. Hier zeigt sich im Gegentheile jedem unbefangenen Leser die Wahrheit des Satzes |22X רע ב׳־כ ילנה "]JOOWergegenwärtigen wir uns dooh genau, was der Talmud in Babli Kethuboth 102 b refenrt! £8 wird stipulirt: Die verwaiste, vaterlose Tochter wachse bei ihrer Mutter, als bei ihrer natfirliehen Beschützerin, auf, and nicht bei den anderen gleichberechtigten und darum intereesirten Miterben. Als warnendes und abschreckendes Beispiel wird ein Fall berichtet, der sich einst zagetragen. Ein anmündiger, hilfloser, erbberechtigter Sohn war von den anderen berechtigten, habsäoh'igen, gewissenlosen Erben dem Schutzkreise der Matter entzogen. Die entmenschten Miterben vergewaltigten ihn und — horribile diotn — ITC&n ושחטוהו לרב metzelten ihn am Rasttage zum Pessachfeste nieder.“ Billigt der Talmud dieses Verfahren? Aus Anlass dieses Präcedeasfalles, der sich zum 2. Male nicht wiederholen sollte, ward die Bestimmung zum rechtlichen Kanon erhoben, ein unmündiges, erbberechtigtes Kind und. selbst die mündige, gross jährige, erbberechtigte Toohter dürfe nie dem Schatzkreise der Matter entzogen werden. Hätte der Talmud je nach Meusohenblat za rituellen Zwecken gelechzt, 80 hätte er sich nicht gegen, sondern für den von ihm allegirten Fall engagiren müssen; allein er perhorrescirt ihn und sucht seine Wiederkehr unmöglich zu machen. Wirksamer konnte er gegen Blut vergiessen — wann und wo auch immer. — sicherlich nicht auf treten und Front dagegen machen, äohraa O. 8. Dr. Imanuel Deutsch. Recensionen. speoifisoh philosophischen Lehren desselben bisher weniger beaohtet worden Und dooh verdient auob die Philosophie Philo’s eingehende Würdigung. Obwohl Ekle ktiker, ist er nämlioh keineswegs durchaus abhängig von den philosophischen Schulen, denen er einzelne Ansichten entlehnt, er ist vielmehr ein selbstständiger, eigenartiger Denker, sohon aus dem Grunde, weil er in seiner Philosophie auf das religiöse Moment, die Lehren des Judenthums, immer eine gewisse Rüoksioht nimmt und weil es sein ausgesprochenes Streben ist, ,dieVerschmelzung zweier eigenartiger Bildung:-- ströme za einem grossen System“ zu bewerkstelligen Die vorliegende Schrift giebt eine Darstellung der Erkenntnisslehre Philo’s. Da Philo selbst nioht in systematischer Weise erkenntniss-theoretisohe Untersuchungen angestellt hat, so war es die Aufgabe des Verfassers, die in den philoni8chen Sohriften zerstreut sich findenden Aeusserungen gewissermassen zu ein em System zusammenzustellen. Diese Aufgabe hat der Verfasser mit gründlicher Benutzung der Quellen in klarer, übersichtlicher Weise zu lösen verstanden, auch hat er dasVerhältniss und die Beziehungen Philo’s za den einzelnen Philosophen und deren Sohulen überall naohzuweisen sich erfolgreich bemüht. Er oharak terisirt Philo’s Standpunkt, indem er zeigt, wie naoh seiner Ansioht ,alles Erkennen zuletzt auf die Ethik und damit auf das praktische sittliche Handeln zurückgezogen werden müsse“, und wie Ph ilo bei soloher ,,Zweckauffassung“ der Erkenntnisslehre selbst da, ״wo er auf erkenntni8s-theoreti30he Probleme eingeht und sie näher bespricht, zuletzt in die Ethik einbiegt und aus dem Gewonnenen kaum erkennen iss-theoretitohe, sondern nur ethisoh-moralisohe Konsequenzen zieht.“ Anoh die My.-tik, von der Philo nicht frei war, das Streben, die Sinnlichkeit gering zu aohten und über das Erkennbare hinaaszagehen, war der klaren a nd scharfen Erfassung, der Vorgänge des Erkennens und dem gründlichen Eingehen auf daraus 8ioh ergebende Probleme nicht förderlich. So dürfen wir uns nicht : wandern, immer nur Ansätze zu Erkenntnissproblemen “ bei Philo za finden. | Auf Grund dieser Darlegung des Standpunktes unseres Philosophen, welche uns davor bewahren soll, die philonisohe Erkenntnisslehre nach dem Massstab der modernen, besonders seit Kant allgemein gewordenen, Anschauungen za messen, grappirt der Verf. sein sorgsam zasammengetragenes Material derart, das j er zunäohst Inhalt und Form der philonisohen Er- ’ kenntuisslehre im Allgemeinen bespricht und sod&nu im Einzelnen die Ansichten Philo’s a) über die Erkenntnissqnellen, b) die ErkenntnissVorgänge, and o) den Werth der Erkenntniss zusammenstellt. Die fesselnde Darstellung macht die verdienstvolle, an Belehrung reiohe Schrift aaoh za einer unterhaltenden, die wir Jedem, der sich für dieses Gebiet der Philosophie interessirt, warm empfehlen können. Lieder ela es Sesütea. Hamburg, Verlag von A Gold- Schmidt 1892. Der Dichter dieser kernigen ״Lieder“ brauchte wirklich seinen Namea nicht zu verschweigen, denn sie machen ihm alle Eure Unter den 20 Liedern scheint ans da« 19. das vorzüglichste za sein; es ähnelt durch die ergreifende Tragik, die sich in demselben wiederspiegelt, duren seiue zündende Wirkung der Freiligrath’schen Mose Wir wänsoh 1n den schönen Liedern eine weite Verbreitung. M. Sp. Dr. ,.Max Freudenthal. Die Erkeuutnisslehre Philo’s von Alexandria. Berlin 1891. Verlag vou 8. Cal vary & Co. Phiio’s religiöse und religionsphilosophisuhe Anschanungen sind schon 01t Gegenstand Wissenschaft-!!eher Untersuchungen gewesen, hingegen sind die YeraiitwoitlRedactear Dr. tt ahmer. Magdeburg. Prack: kendizA üutm7tr**U*U*W0nr1 MsgdehärgTerTag; ttoh h' rin.., T^ir—lg Berichtigungen: In voriger Nr 8. 69b ia Note 4 statt בר קירא U 67 .8 •לרך סלק b. Z. 4 1 ״DraUBseustahenden“; 8. 68 b oben ist in dem Göthe’seben Citat ״der“ zu streichen. — S 70 b. Z. 20 v. o. st 1891 L 1841 j Z, 23 Hamburger stBamöerger.

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