Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-06 · N° 19. (6.5.1892) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 19. (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
Seite 72 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-6575068-8757971--2498-4857446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Du, der in L»eden1 ewigen Zauber'011▼ י In Leut und Leid eo menebee Hem erregte, Der eine Welt von Schönheit in ■ich hegte, Dee Brust von Wohllaut und ▼on Liebe schwoll Wer von Euch hat das beaa’ra Theil erworben? Geräuschvoll ging der Zar nur ewigen Bube, Was er gewaean — ist mit ihm gestorben. , Du aber wirst uns täglich neugeboren Durch Wunder des Gesangs; es birgt die Truhe Sur Deinen Staub — Du bleibst uns unverloren! TT&nfig wandte Bich Bodenstedt bibliaohen Stoffen au: 80 behandelt er in einem schwang vollen Gedichte Siason’8 Heldentod, ferner die Ernählang von Jephtha, den',Jada’s Sohande die eig’ne Unbill* vergessen lässt. Er bittet den Herrn am seinen Beistand and gelobt Ihm — wenn er als Sieger heimkehrt, das xa opfern, was ihm stierst aas seinem Hanse nahen würde — sei ee aaoh sein Liebstes. Die Sohläoht von Minnith wird geschlagen — die Feinde Israäls unterliegen. Keine Blum’ aut Jada’a Höh’n Blfiht wie Jephtha’a Bänd so schön! Mit Gesang und Paukenschi ag, Schmnckreich, mit gesalbten Fassen Den Erzeuger sn begrüssen. Bei ihrem Anblicke verhüllt der angläokliohe Vater sein Antlits, ert gedenkt des Gelübdes das er gethan . . . Und ihr junges Leben schwand Heiner ab der Opterbrand, Der veraehrend sie umloht. Und dis Töchter Juda’■ klagen Um der Techter Jephtha’■ Tod Noch bis sa den spätsten Tagen. Beixvoll ist seine Bearbeitung des orientalischen Märohen’s von ,Jassaf and Hasisa*, dem die poeäereiche Sage von ,Josef vom Egypterland, dem liebliohsten der Menschensöhne“ and dessen wandernder Schönheit an Grunde liegt. Bähmüchst bekannt ist Bodenstedt’s Thatigkeit als Uebersetser. Anch Einzelnes aas Byron’s Jbebrtischen Melodien" so die Lieder von 8״aal" and ״Belsataar's Vision" hat er übertragen. Für seinen Collegen anf dieser Bahn, den Dichter- Korporal Josef Emanael Hilsoher zeigte er lebhafte Theunahme. _ Mit Eduard Manthner, Miohaöl Klapp and Berthold Aaerbaoh verband ihn innige Freundschaft. Der Nachruf^ den er dem Verfasser der ״Schwarzwilder Dorfgeschichten“ gewidmet, wurde jetat an ■einem eig’nen Ghabe gesprochen. Als im vorigen Jahre eine Schaar wackerer Minner sich aafraffte, um der ״Schmach des Jahrhunderts“, dem verhetzenden Treiben des Antisemitismus, Einhalt sa gebieten, seine unsaubere Kampfeeweise vor aller Welt blosaalegen, zählte aaoh Bodenstedt mit za den eifrigsten Förderern des edeln Werke«. Bei einem jüngst sa Gunsten der russischen Flüchtlinge ▼eraastafteten Feste gelangte auch ein älteres Gedicht Bodenstedt’a ,Ein Traamgesicht" zum Vortrag•: . . . Völker ■■h ich kommen und vergehen Und sie verfolgt« sieh in blindem Hesse. Bereitst« einender Flash und Weh« — Verderbend kämpft« Hi« gegen Besse; Doch blieb der grimme Kämet nicht ganz vergebens .. . Denn hin und wieder sa■ der trttb« Messe Stand Einer aut ▼oll göttlich rein« Streben■ Bewältigend die störrisch«; Gemttthsr, Dia Durstig« trtnkend aas. dem Qneli des Lebe«: Wahrheit und Liebe ... Sie die höchsten Gäter Der Menschheit, strahlt« durch das Dunkel helle, Dm Ewig« aut Erd« Host und Hüter. ״Wahrheit and Liebe!" Frohsinn and anbefang’ne Lebensfreude hatte der ewig-jugendliche Alt« •uf seine Fahne geschrieben. Nun ist die Feder seiner{jHand entsanken, des Singer'■ Mond verstummt .... Ehre seinem Andenken! - Die Erde sei ihm leioht! — Berlin, 24. April 1892. Biblische Legenden- VI. Mose’x Tod. Als Moses erfahr, dass er bald sterben werde, riohtete er sein inbrünstiges Flehen sam Himmel, ihm das Leben za sohenken. ,Willst da mir den Wansoh nicht gewähren, das heilige Land za betreten, 80 gestatte wenigstens, dass ioh ewig lebe!* Der Herr sprach: ,Wenn da der gewöhnlichen Bestimmung der Sterblichen nicht folgst and stirbst, 80 kannst du der Auferstehung in jenem Leben nicht theilhaftig werden. Ausserdem liees ich ja dnroh dich in der Thora veiv kün den, dass keine Bettung ist vor meiner Hand.* ״Herr der Welt*, bat Mosee, ,lass mich dann sein wie das Beh anf den Hügeln oder wie der Hirsoh auf den Bergen, welche sich von Kraut and Gras ernähren, Wasser aas den Wolken trinken and die Sonne schauen dürfen; o, lass mioh ihnen gleich sein!* Gott spraoh: ,Genug, erwähne diese Angelegenheit nicht mehr!“ Moses aber beharrte bei seinen Bitten and sprach: ״Herr der Welt, nimm mir eines meiner Augen and lass mioh mit dem andern einen Blick in das heilige Land than, ohne mioh aber sam Sterben sa verartheilen!* Gott wiederholte seinen Befehl. Moses wendete sioh nnn an die Erde, dass sie durch ihre Fürsprache den göttiiahen Entschluss za seinen Gunsten rückgängig maohe. Die Erde antwortete: ״Ach, ioh binleer u. unfruchtbara. es steht geschrieben{: Die Erde wird verschwinden. Wie könnte ioh also za deinen Gunsten vermitteln?" Dz wendete sioh Mosee an die Himmel, aber aaoh sie verneinten ihren Eindlnss and bekräftigten ihre Entschuldigung daroh das Zeugniss der 80brift: ״Die Himmel vergehen wie Baach — die Himmel sind nioht rein in seinen Angen." Entmnthigt durch diese Zurückweisungen, redete er die Sonne and den Mond an, welche ihm jedoch antworteten: ״Es heisst, der Mond wird in Scham sich hüllen and beschämt wird die Sonne werden; — wir hätten daher eher nöthig, für ans selbst zn bitten." Moses fiel nan den Sternen zar Last, aber diese antworteten ihm: ״Unsere Zahl ist nur begrenst and es steht geschrieben: Seine Hand ist aaagestreckt gegen die Sterne." Da flehete Moses sa dem Berge Sinai, welcher ihn erinnerte: ״Du hast ja in deiner Thora geschrieben, dass der Sinai in Flammen gehüllt war, als Gott, von Feuer amgeben, sioh anf denselben herabliexs. Ferner heisst ee: ״Die Barge werden weichen and die Hügel wanken." Da bat er denn die Flüsse, aber diese erwiderten: ״Weiset da nioht, dass geschrieben steht: Die Wasser werden sioh versammeln an einem Ort (sie sind machtlos), and daes ferner geschrieben steht: Für ihn, der daroh die Meere schreitet, gibt* es keine Bettang von meiner Handl“ Da rief Moses die Elemente an, welche ihm sofort verkündeten, daes sie machtlos seien, den göttliohen Entschloss sa ändern. Als er sioh hierauf an Josaa Sohn Nan’s mit der dringlichen Bitte wandet•: ״Mein Sohn, erinnere dich doch der vielen Wohlthaten, welche ich dir Tag and Nacht erzeigte; ich bitte dich, flehe doch an dem barmherzigen Gotte, vielleicht werden deine Verdienste auf Gott einen Einfluss üben, dass er seinen Entschloss ändere and mir gestatte, das heilige Land za betreten!" — dz faltete Josaa •eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.