Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-05-06 · N° 19. (6.5.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 19. (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/6492408-6575068-8757971--2497-4857445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

0 entity mentions (1 not found in this text)

M t». Jüdisches J*krj. 1x1. Litteratur-Blatt. 217 ■Uh Jftlulk•■ ui kctxtffMdn IltUruiKkn Kr• mf 4tm fl •bitte •er KbUo־ Nfhte SaekUht•, ItkMinekl«, Theo• ktfft• OrbatilU! Kx«g«Mv BaallitU, LItarftt «• PUafHlk. Das ״!Mische Lltteratir-BlnU“ m Leipzig bei Robert Friese) pro Ja allen Postanstalten and Bachbanalangen S II Pf für die gespaltene Petitseile, Beilage] Bnchhändler n. Lehrer, welche di Heraasfegeben TOB Habbiner Dr. lorita Rahnier. Slla<j.3e^v4t<j, d&H ß. 1892, . Lltlarstsr, 1 Ser BeSMt.ee mim« werSee, la Msetai Blatte eletekseSe l««trwSee> Bei TieeeeSee» ree ■*•I lewSlei Baeaitlarae erfMst eiaaeallse kane׳ t rS»I• - laeerttea. erieh!!eint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Baohtwndlangnn an3 8 Mark. Abonnenten der -Israelitischen Wochenschrift*, die vierteljihrlioh bei rk «ahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt* gratis. — latente werden mit mit SO Mark, berechnet and sindan die Expedition dieses Blattes sa senden. ifect oder durch Robert Friese Inserate einseaden, erhalten 25 ä ftaWtj hr,5 Marl Inhalt: Wi issenschaitliche Aufsätze: Friedrit Ein Blatt des Gedenkens auf sein frischen Münz — Biblische Legenden VI. (Schl Dr. A Roh nt in New York. — Das Co: ael'ta. Von Rabb. Dr. G. Dentsch in Litteratarbericht: Recensionen: Dr. Die Erkenntnisslehre Philo’s von Alex eines Semiten. — Berichtigungen 8>1 Uafcefafter Naektrusk aut Sietem Blatts ist י h Bodenstedt. Grab. Von Ed. : 188.) Von Rabb. rmptel in der To- ~ hraa. iaht lettattst Max Freadenthal. indria. — Lieder Friedrich Bodenstedt. Ein Blatt des Gedeakens auf aeln frWhea Grab von Ednard Münz. Ein Mann von sonnig-heiterem Gemüthe, von tolerantem, vorartheil£reiem Wesen, von steter Hilfsbereitsohaft and eigenartiger Begabung — eine der liebenswürdigsten and bedeutendsten Erscheinungen unserer zeitgenössischen Litteratar — ist mit Boden• stedt zu Grabe getragen worden. Der fast beispiellose Erfolg des Wirkes, das ihn mit einem ■Schlage zu einer litterarisohen Respekte- Person machte and seinen Ruhm dauernd begründete, ersoheint uns heute, trotz all’ seiner gewinnenden Anmuth und formalen Glätte, nahezu ud begreiflich. Der Dichter dankt ihn nicht zumindest den Zeitverhältnissen. Es waren traurige Tage, da Bode:18tedt seinen ersten 80 überaus glücküohen Wurf gethan. Preassen war nach Olmütz gegang en, die Saat der Reaotion schoss gar üppig in di« Halme, das Wüthen einer volksfeindlichen Kamarilla zerstörte mit ranher Hand die Wünsohe and Hoffnungen, die der Völkerfrühling gezeitigt. Die herbe Enttänsohung, die Deutsch! and erfahren, ebnete einem trostlosen Pessimismus die Wege, da fiel mitten in den Asohermittwooh desFreiheitetaumels ein kleines Büchlein, welches ״derweil Gewaltiges sich vorbereitete and ein verderbensohwangerer Geist geharnieoht durch die Lande schritt1‘, ,, Liebe, Lust und Erdeneohöne “ pries, heitere Lebens reisheit predigte, es aber auoh an scharfen Seiten! lieben gegen Macker and Pfaden nioht fehlen liees, es waren: ״Die Lieder des Mirza Sohafly“. Das Baoh stmlug ein; 68 ׳ niaohte seinen Weg daroh die ganze omlisirte Welt und fand Debersetzer in die meisten lobenden und einige todte Sprachen. Mit grossem Stolze verwahrte Boden! itedt eine in Prag erschienene, längst vergriffene, Uebertragang in’s Hebräische, die ein Student der Philologie Chotzner, jetzt Professor am Harrow-College in England, ״ins Stile des hohen Liedes“ verfasst hatte. Mit bedeutenden Kosten und nicht ohne viele Mühe warde noch vor einigen Jahren, ein Exemplar des hebräischen Mirza Sohaffy für den gelehrten Kaiser von Brasilien aufgetrieben, der der Sprache der Bibel vollständig mäohtig war. Schon in diesem Werke, das an Ruf and Verbreitong alle späteren Schriften ßodenstedt’s weit überragt, findet sioh eine scharfe Ab9age an alle Jena, die unter dem Deckmantel der Religion das Werk der Verhetzung und Verläamdang treiben, die mit frevler Unduldsamkeit Andersdenkenden und Andersgläubigen entgegentreten. 80״ sprach ich, als die Heuchler za mir : Wer mit ■ich selber eins, ist eins mit Gott — Wer aber hasst and flacht in Gottes Namen, Treibt mit dem Heiligen verwegenen Spott 1“ Des Diohter8׳Wandertrieb führte ihn in das weit« russische Reioh, das er nach allen Richtungen der. Windrose darohstreifte. Mehrere Monate brachte er in den zerstreut liegenden deutschen Kolonien Bessarabiens zu. Während dieser Zeit war ein jüdisoher Schriftsteller, Leo Herzberg - Fränkel, Verfasser der ״Polnischen Jaden“ and ״Bilder aas Bessarabien“ sein Cicerone and steter Begleiter. Schüchtern tauchten sohou hier und da einzelne jüdische Ackerbaakolonien auf und Bodenstedt zeigte für diese Bestrebungen ein warmes Interesse. j. ״Sollte es je gelingen“ — äaseerte er za Fränkel — ״die Juden, wenigstens einen Theil derselben, sa ihrer ursprünglichen Beschäftigung, dem Land bau, zurücksaführen, dann ist ihnen bei der Arbeitsamkeit, Mässigkeit und dem praktischen Blicke, den ioh stets an den Juden bewundern muss, eine grosse Zukunft sicher!“ Bodenstedt liebte Russland, dessen litterarisohe Meisterwerke er mit kongenialer Kraft und bewandernswerther Naohempfindung verdeutschte, allein er hasste den Despotismus, der das weite Land in ehernen Banden hielt. Die Kunde vom Tode des Czaren Nikolaas traf ihn in Paris und veranlasst» sein troff!iohee Sjaett: Am Grabe Htiarieh Halle’*. Als ans dar Newastadt die Rande scholl Vom Tod des mächtigen Zaren: wie bewegte Daa alle Welt! Derweil sich Niemand regte, Als Da der Erde brachtest Deinen Zoll! .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.