Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 18. (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
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auch der jüdischen Religionsphilo'sophie bedeaten.1) Wohl gehen ja, wie bereits bemerkt, die philo• sophischen Ideen Joöls von dem Kant’sohen Systeme aas and saoh den Sparen Sohleiermachers aad Lotse’8 wird man snweilen begegnen. Allein aaoh Freudenthal, der auf die Abhängigkeit Joöls vön den beiden erstgenannten Philosophen hinweist1), hat anerkannt, dass er seinen philosophischen Führern ״nicht nnbedingt and allerwege“ folgt. Bedenkt man, welcher Unigiessung and Absohleifang jene philosophischen Ideen erst bedurften, am das Jadenthum in ihnen sioh spiegeln za lassen, bedenkt man ferner, bis za welcher Klarheit Joel diese Gedanken in sich ▼erarbeitet haben mnsste, am sie rhetorisch 80 darzustellen, dass sie jeder Gebildete verstehen konnte, dann wird man ihn als einen selbständigen Fortbildner der Kant’schen Ideen im Sinne des Jadenthums anerkennen müssen, ähnlich wie es andere Philosophen im Sinne des Christenthams gewesen. ״Die philosophi8che Grundansicht Bants“ sagt Joöl — ״hat wie keine andere der Beligion den Boden bereitet, auf den sie sich, ohne mit den Ansprüchen der Wissensohaft in Widerstreit zu gerathen, anbauen kanu“.* *) Wir dürfen hinzufügen, dass das Judenthum sioh am so leiohter auf' dem Bant’schen Boden anzabauen vermag, als hierbei nicht die Schwierigkeiten za überwinden sind, welche die christliche Dogmatik darbietet.4) Welohe Förderung hiernach die jüdische Kanzelberedt8amkeit durch Joöl erfahren hat, liegt klar za Tage. Durch Vermählung mit philosophischen Gedanken hat er ihr neues Leben zugefahrt und sie vor Plattheit und Verflachung bewahrt. Wer die Joelsehen Predigten mit Nutzen gelesen hat, wird sich vor tönenden Phrasen und leerem Wortgeklingel hüten, wird sich anoh an bagadischea Kunststücken oder an blossem Moralisiren nic^t genügen lassen. Joel hat es freilich aach verstanden, ״populär“ — zu reden, aber es war eine Popularität, wie er sie verstanden hat, bei der ״der Gebildete nicht leer ausgehen und sich für berechtigt halten darf, geringschätzig über den Werth einer Predigt abzuurtheilen“.') Solche Masterpredigten edler Popularität, in denen die innersten Seelen Vorgänge in einer jedes Menschenherz tief ergreifenden Weise geschildert werden, wird man aach in diesem Bande finden.4) Insbesondere werden seine, einem späteren Bande vorbehaltenen Sabbathpredigten es erweisen, wie falsch und einseitig die Dar8tellaag ist, als habe Joel nar Philosophie geredet.7) Aber aach in der änsseren Vortragsweise konnte man viel von Joel lernen. Ihm war der salbangsvolle Ton wie die theatralische Pose gleioh verhasst. Sein Vortrag war nach jeder Bichtang hin einfach *) Vgl. di• Ausführungen Aber Freiheit (Fred. IQ) Willensfreihalt (TI, XXII), Freiheit and Nothwendigkeit (XXIII), aber Religion als Oflenberang des Menschengemttthee (VII, VIII), «har persönlichen and unpersönlichem Gott (VJli), aber die Geschichte de• הרע TP (XXXIV), dann die Polemik gegen Hatamliimu, uiihn•«!;«■»»■ upd Pomimitmne (I, XX. XXV, XXXIX, XI), aber Hiob and Koheleth (XXIV, XXX VIII). *> Ueber die wisesnsrheftlirha Thätigkeit Dr. M. Joäls in dar Aligwa. Zeit des Jadeotbmns Jg. 64, 8. 691. •) Eettfregan 8. 47. *) Man vergleiche den relfgions-phüoeophiscbeo Theil der Schrift; Pnneipien der Ethik and Beligjönephiloeopliie Lotse’• ▼0n Q-. Vorbcodt. Dessau-Leipzig 1891. *) Vorwort za dem Feetp fertigten S. XII. •) Vgl. Pred. XVIII, XXIX, XXXI—XXXIII, XXL ’) Ve gL dieser Litteretarblatt Jg. 90, 8. 95. and natürlich, gan> nach dem Goethe’sohen Beoepte:' ״Ea trägt der Verstand and rechter Sinn Mit wenig Kanst sieb selber vor“. Von dem Eindraoke, den Jofils Predigt weise ball naoh seinem Amtsantritte aaf seine Gemeinde gemacht, entwirft einer seiner Schüler eine zutreffende Schilderung,1) die wir hier am Soblasse zur Oharakteristik Joels als Bedner folgen lassen. ״Dieser Joöl schwebte nicht hinauf aaf die Kanzel, sondern er ging hinauf, er sah auoh da oben nicht verklärt aas, sondern nicht viel anders als sonst, and vollends gar, als er sprach, sohon seit Jahren hat man damals in Brealaa nioht so was Einfaches and Natürliohea gehört, nioht die geringste Neigung, was mit einem Worte sioh sagen lässt, mit vielen anszaupreohen, keine der wohlfeilen Redeblamen, die mau in jedem Garten findet, keine Angriffe und Sticheleien1), kein Anstürmen auf das Gefühl, and deanooh war die lange Bede, bei der man ffeilioh aufpassen musste, bei der mau uioht eine Minute seinen Verstand beurlaaben konnte, von Anfang bis Ende' spannend, and wenn man fortging, so wusste man, was der Bedner gesagt hatte und konnte den Gedankengang ganz gut wiedergeben.“ Diese Gedankenfülle ist es, die den hier zarVeröffentliohnng gelangenden Predigten, denen noch zwei weitere Bände folgen sollen, einen unvergänglichen Werth sichert. Wie sie als lebendige Rede die Herzen der Hörer gewonnen und religiöse Erkenntniss und Glaabea8innigkeit geweckt, so möge anoh das geschriebene. Wort in den weitesten Kreisen unserer Glaubensgemeinschaft beitragen zur Veriauerliobang und Vertiefung des Jadenthums, zur Ehre und zum gesegneten Andenken dessen, der es gedacht und gekündet. Nürnberg, im März 1892. Dr. Bernhard Ziemlich. Die Sarkophage der palästinensischen Juden. Von Rabbiner Dr. Alexander Kohnt in Nsw-York.*) Unter der Ueberschrift ״Die jüdisoheu Stein- Sarkophage in Palästina“ behandelt Dr. Graetz in seiner ״ Monatsschrift“ Bd. XXX S. 529—539 dieses Thema mit grossem Scharfsinn. Er gibt u. A. Aafklärung darüber, dass zu Anfang des 3. Jahrhunderts jüdische Leichen'aas fremden Ländern (aas Alexandrien, ja sogar ans Babylonien) naoh Palästina gebracht wurden, nm dort begraben za werden. Anfangs geschab dieses jedoch nar mit den Leioken berühmter (Jelehrten. (GL Jer. Kilajim 32 b, BabyL Moed. katan 25 a. b.) Nach and naoh wünschten aber anoh ganz anbekannte Persönlichkeiten, in dem altväterlichen Boden begraben za werden. Wo die Oertliöhkeiten dieser Begrab nissplätze, Welohe als Baheplätse für dis Körper dieser Fremden bestimmt waren, in den versohiedenen Städten Palästina's sioh befanden, ist von Dr. Graetz nioht näher angegeben, obeohon die Aasspräche, aaf welohe in der genannten Sohrift verwiesen wird, bei richtigem Verständnisa befriedigenden Aafschloss hierüber geben. Ehe wir in die Details der etymologischen Schwierigkeiten, welohe die fremden Aaadrüoke, in *) Rehmer• Litteretarblatt, Jg. 19, S. 104. •) Hingegen bediente eich Jofil einer ihm eigwnthttmliehea feinen Ironie, die bisweilen es die jeeeienieohe erinnert and ein• köeUiobe Warze mancher Predigten bildet. 80 in den felgenden Predigten 8 34,68,183,148,200. Mnybeame Aneioht über die Ironie in der Predigt (a. 10 8.38) wird wohl eineaeo kränken •eia. י) Deateeh von L. Oohen.