Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 18. (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 18» Jüdisehes J1lrf.nL Litteratur-Blatt. Zn Balaeektaea *llar Jalaattu •14 M■ kMM« IlttniMi• Kr- ■trfmi■ nf Km flakMa 44r rkU•• Mtklt twUekta, nkmmkla, nw- Mfl• OriaetaUa, Smllatlk. Litana •. runiu. Herauagegeben *•n Rabbiner Dr. ■orltx Rahner. 9Jlaydc(>uu), San 29. £lp*tf 1893. Mwlm m—K nrtMi 4m Blatt• •■ittaala tafmkni tlaa«a4aat *aa a « I Baaaattaa•» plana «IMlt Maulle• karaa flratla• Dm ״Jtdtaeäe Lttteratar-BUU“ erscheint wöchentlich in einem halban Bogen. Praia bei allan Bnohhandlnng•■ «■ Laipiig bai Robert-Friese) pro Jeblrganj 8 Mark. Abonnenten der ,Israel Riechen Woeheneohrift», die vierteljateUeh bei eilen Foetanstalten und Bnehbandlnngen 8 [mark mehlen, erhalten daa ״JtViiacoe Litteratar-Blatt* gratis. — lau erste werden ■dt I* Pf. fftr die gespaltene Petitseile, Beilage■ mit 80 Bark, banebnet and aind an die Expedition dieses Blattes aa senden. - Bnohhinrtler n. Lehrer, welche direct oder darob Robert Friese einsenden, erhalten 25 ft Rabatt! Inhalt: Wisssnsebaitliche Aufsätze: Joöl’a nachgelassene Prediften. (Schloss.) — Die Sarkophage der palästinensischen Jaden. Von Rabbiner Dr. Alexander Kohnt in New• York. Recensionen: אברהם P"Ö1. Vom sei. Rabbiner Abraham Bing. Verlag von Abraham Bick in Pressbarg. Litterarisehe Notizen. Rdnan Ober den Glauben an die Hölle. — Paris. — Berichtigungen. I Uabefagtsr NaaMraek aus diese« Blatte ist aiskt!ssUttsL Joöl's nachgelassene Predigten. (Schluss.) seine Predigten a Charakter des Ein neues Moment, das Joöl in einführte nnd das ihnen besonders de Eigentümlichen and Originellen verleiht, ist die philosophische Behandlung der Themata. Er wollte die jüdisohe Lehre im Lichte der philosophischen Spekulation zeigen, wie sie seit Eant in ihren besten Vertretern sich gestaltet and der -er 8Biber gehuldigt hat.1) Damit ist er einem dringenden Poetnlate der Geschichte des jüdischen Geisteslebens gerecht ge• worden. Denn das Jndenthnm hat stets mit der philosophischen Spekulation eich auscinandergesetzt, eioh mit ihren Ideen an stärken and an bereichern, oder sich vor ihnen an rechtfertigen!gesucht; 80 in der biblischen Zeit im Hiob nnd Koneleth — denn, nm mit Joöl zu reden, ,nicht blos das sohnlmksaige Phiiosiphiren heisst Philoeiphiren* — so in der Zeit der Alexandriner, dee Mittelalters bis za Mendelssohn herab. I Ein• neae Epoche anf dem Gebi|ete der Philo• Sophie, vor der das Jadenthum in der heueren Zeit sich anszuweisen hatte, war mit Kant angebroohen. Dieser Gewaltigste unter den Denkern hat die alten philosophischen Systeme in Trümmer!;esohlagen and die Denkgeeetae aufgedeckt, innerhalb Spekulation, auch das metaphysische Denken zu bewegen hat. Ein neues deren sioh alle and religiöse Beioh philo• sopbischer Gedanken sollte anf Grand ilee Kant’sohen Kritizismus erstehen, in welchem das von vornherein willkommen geheissen, Lehre *aber von Kant selbst die Pfort 3 verschlossen Christen tham der jüdisohen 1J 8. Religiös-philosophische Zeitfragen Breslau, 1876. Aach in einer Neajahrapredigt (8. 188—88) wiid — natflrlioh ohne Namen bi . ,erhabene Gedankenayatem* Kents im ״Lästarsyatemen* Sonopenhaners and H priesen. von Gegensatz Dr. 1L Joöl, dieeaa Bandes nennen — das in den rtmanns gewurde mit der Bemerkung: sie sei ,eigentlich gar keine Beligion*, sondern bloss Staatsverfassang‘), und die Sohleiermaoher, Sohopenhaaer und Stratua thaten das Hebrige, am die Draassenstehenden au verhöhnen and veriohtlioh an maohen. Da trat Joöl auf und erzwang aaoh für das Ja• dentham Einlass in die Kant'sohe Gl«dankenweit and wusste es ihm sogar recht bequem and häuslich einzurichten. Er wies naob, wie innerhalb der Grundansichten Kants Baum genug ist für die religiösen Lehren des Judenthama, wie die atu dem Kanvsahan Systeme sich ergebenden Gedanken, die freilich an manchen Stellen der Berichtigung und Umpräguag bedürfen, weit entfernt, mit dem Judenthame im Widersprach zu stehen, dasselbe vielmehr an stütaan nnd zu kräftigen geeignet sind, ja, er hat dem Ananal der Kant’sohen Ideen die wirksamsten Waffen entnommen snr Abwehr der Angriffe, die Pessimismus nnd MatenaliAnns gegen jede Beligion, aavördertt aber gegen das Jndenthnm, geriohtet. In diesem Sinne hat Joöl die ,religiös - philosophischen Zeitfragen“ für einen engeren Kreis von Philosophen and Ph11080phenjiingern abgefinst, in diesem Sinne hat er — meist nur an Festtagen — philosophische Themata auf der ־Kanzel besprochen, oder sioh daselbst philo• sophisohe Excarse gestattet1). In den vor eben 25 Jahren erschienenen Festpredigten, von denen die meisten in der Synagoge des jüd.-theolog. Seminars gehalten worden, geschieht dies noch in zurückhaltender Weise, ee ist nur sin philosophischer Besonanzboden, von dem aas dis Predigten ertönen. Als aber Joöl in Folge dieser Predigten an die Synagogen*Gemeinde in Braslaa berufen wurde, da bat die Praxis, wie er selber angiebt,1) ״Ton nnd Art rasch verändert“ Zeagniss davon legen die Festpredigten ab, die wir in diesem Band• der Otffentliokeit übergeben. In denselben sehen wir den Bedner mit der grössten Freiheit an die aohwierigsten Probleme des menschlichen Denkens heran• treten nnd sie mit einer Exaotheit behandeln, die jede wissenschaftliche Prüfung ausauhalten vermag, sodass diese Predigten eine werthvolle Bereicherung der jüdisoh-homileti sehen Litte rat ur nicht blos, sondern *) Dia Religion innerhalb dar Grenzen dar bloaaan Varnanft, ed. Kirohmann, 8. 1*94• *) Dam in den ״Zeitfragen1' viele Reden Joöla in enthalten aind, hat baceits der Ifitharznageber in dar Zeit d. Judecthum» Jg 66. 8. 668 beaeerkt *) Vorwort aa den Festpredigten 8. XVL