Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 21 (1892)
- Issue
- N° 15-16. (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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l»uten: ״Ihr aber solietJJ mir sein ein Beich von sind die Worte sraels, da kam ölkes und legt• ige ihm gebo• ze Volk einige geredet hat, Volk, wie Sp. 1r Ewige ohne Priestern und ein heilig Volk, dass die du reden sollst zn den Kindern Moses nnd berief die Aeltesten des ihnen alle diese Worte vor, die der ten. Darauf antwortete nun das gi mtttbig und spraoh: ״Alles was der E wollen wir thun.u Wenn nun aber d übersetzt, gesagt hätte, Alles, was einen sichtbaren Vermittler reden witd, wollen wir thun, dann wäre die Sendung Mose’s Ivon vornherein als gesoheitert anzusehen, denn sie wollten ja von dem was Gott bisherzu ihm für sie gesendet hat, Nichts wissen. Die sociale Gesetzgebung dw Hebräer, sie erscheint aaoh Sp. im höchsten Grade bewanderungswürdig, aber diese Gesetzgebung könnt 1 trotz alledem den gewünschten Erfolg nioht haben, ob der vielen Empörungen und Auflehnungen der J!den, die allesammt auf nichts Anderes zuriickzuführ׳ :n sind, als auf die schmähendeKränkung, welche dem Volke dadurch zugefügt wurde, dass die Erstgeborenen ans ihrer Würde verdrängt und durch das erbliche Priesterthum ersetzt worden sind**). Also die Priesier, sie hätten, auch wenn sie anders gewesen wären, den jüd. Staat doch zu Falle bringen müssen; aber auoh die Propheten sind nicht ganz ohne Schuld, denn sie haben sich wiedef den Königen gegenüber zu viel he ׳ausgenommen. Man kann sich leider mit dem besten Willen des peinlichen Eindruckes nicht erwehren, dass Spinoza die Rabbiner, welche er nach berühmt« u Mustern mit Vorliebe Pharisäer nennt, als die direct an Naohtolger sowohl der ehemaligen Priester als auch der Propheten ansieht und dass darum im gewissen Sinne auch die Priester und Propheten für den Bann verantwortlich sind, mit welchem die Rabbiner ihn, den grossen Philosophen, belegt haben. Ja gewiss, Spinozit ist und bleibt gross, trotz der kleinliohen Schwäche, die er gerade seinem Volke und Stamme gegenüber an den Tag gelegt. Eine dauernde Gereiztheit gegen Diejenigen, welche ihn einst unwürdig behandelt, verhinderte ihn, die weltgeschichtliche Bedeutung de! Judenthums nach Gebühr zu würdigen. Nun, wir wollen dankbarer sein gegen Sp., als er gegen uns gewesen, aus deren Schrittthum er soviel entlehnt, gegen die und gegen das er aber mehr als ablehnend! ich verhalten. Wir wollen gerade seine Attributenlehre, die so viele Angriffe erfahren, uns zu eigen machen, freilich nioht in Bezug auf die göttliche Substanz, so idprn blos in Bezug auf den von Spinoza so sehr verkannten Vollesgeist des jüdischen Stammes. Denken und Ausdehnung, sie dürfen mit Fug uud Recht als die hervorragendsteu Attribute des über die ganze Erde sich ausdehnenden und zerstreuten Volkes Israel gelten. Denken und Ausdehnung, sie treten gerade in unserem Volksleben m eigenartiger Form herver; denn die jüdische Lehre und die jüdische Gesohichte, sie sind in zwei parallel nebeneinander laufenden Reihen hervortretende Erscheinungsformen jenes unsterblich ewigen Geistes, weloher wie vor Jahrtausendeo, so auch heute noch sohöpferisoh in uns waltet Mögen darum die Werke Sp.’s noch so viel Ansässiges für uns haben, er gehört dennoch uns, dein er gehört vor Allem unserer Gesohichte an. Seine Philosophie mag so manches Dnjüdisobe enthalten, er war dennoch ein grosser und tiefer Denker, welcher auf dem Boden des Judenthums emporgewachsen ist. Wohl können wir ihn nioht mit Schleiermacher verhimmeln und heilig sprechen, aber Niohts in der Welt hält uns zurück, •**) ibid. cap. XVII p. 193ff, vgl. Grast* XJp. 191;Note 4. von ihm, der einst mit Fluch beladen gewesen, mit der hl. Sohrift zu sprechen: Wegam Baraoh jihejeh. Sein Name war Baruch, der Gesegnete, darum soll er gesegnet sein und gesegnet bleiben, schon deshalb allein, weil seine Lehre von der Unfreiheit des Willens sich an ihm bewährt hat; denn wider seinen Willen, gegen seine Absicht hst er wie unserer Besten Einer wesentlich beigetragen zur Ehre und Verherrlichung der Juden und des Judenthums.*) Malkizedek, König von Salem. Von Professor A. H. Savce in London״) Vor ungefähr einem Jahre gab ich eine Erläuterung zu dem Verfahren, duroh welches die neueste orientalische Forschung den historischen Charakter des Alten Testaments reohtfertigt. Ich wählte den ersten Theil aus Kapitel 14 der Genesis, welohes die Beschreibung des Kampfes Kedorloomers uud seiner Verbündeten in Palästina enthält und verglioh diese Angaben mit deu Thatsachen, die uns die EntzifFerung der babylonischen Denkmäler erschloss. Hierbei zeigte sich, wie beide Quellen sich gegenseitig unterstützen und ergänzen. Ich dachte jedoch kaum daran, dass noch vor Ablauf weniger Monate der letzte Theil dieses Kapitels eine überraschende Bestätigung durch die Fortschritte in den archäologischen Entdeckungen erfahren würde. Wenn schon der Bericht über den Kampf der baby- Ionischen Könige das Misstrauen der Kritik waohgerufen hat, so war dies noeh in weit höherem Maasse der Fall bei dem Berichte über Maikisedek, König von Salem, und Priester des höohsten Gottes. Wie der Schreiber des Briefes an die Hebräer sioh ausdrückt, erscheint Malkizedek ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtstafel. Der Name der Stadt, über welche er regiert, scheint Verdacht zu erweoken. Die Erwähnung des Königsthaies zeigt, dass Jeras»- lern gemeint sei; niohts dostoweniger ist es aber Salem und nioht Jerusalem, über welohes nach dem dem biblischen Berichte Malkizedek regierte. Vor 3 Jahren wurde in den Ruinen von Tel-el- Amarna in Oberegypten eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Sie bestand in der Auffindung eines Thailes der Arobive Amenophis’ IV- und seines Vaters. Unter den Urkunden befanden sich mehrere Briefe von dem Vasallenfürsten Jerusalems, dessen Name Obed-Tob war. Er erklärt in denselben, dass er seine Würde weder dem Beherrscher Egyptens noch dem Rechte der Erbfolge verdanke, sondern dass ihn das Orakel des mächtigen Königs in das Haus seines Vaters eingesetzt habe. Der ״mächtige König“ war der Name dee Sohutzgottes von Jerusalem. Seinen wirklichen Namen finden wir in einem Briefe des Ebed-Tob, in welchem es heisst: ״Die Stadt auf dem Berge Jerusalems, die Stadt des Gottes Uras, dessen Name Salem ist.“ Der Name des Gottes von Jerusalem erklärt den Namen der Stadt, in weloher er verehrt wurde. Eine Keilinsohrift sagt uns nämlich, dass ״uru“ so viel wie Stadt bedeutet und demnach- ״Uru-salem“ Stadt des Gottes ״Salem“ bedeutet. Sie war auoh in der That die ״Friedensstadt.“ Der König von Jerusalem war weniger Kön ig, als Priester des Friedensgottes. Er verdankte seine Würde nioht mensohlioker Autorität oder Sanotion; er hatte sie nioht von seinen Vorfahren geerbt; •) 8. 64, Ss. 2 ist za lezen am 2L Februar **) Aas dem Engliaahen (übersetzt von L. Cohen. aäiädfikäidiicÜiiiiiailikikjiätlil